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Amor Towles - Ein Gentleman in Moskau / A Gentleman in Moscow

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    Ein Gentleman in Moskau

    von

    4.5|6)

    Verlag: List Hardcover

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 560


    ISBN: 9783471351468


    Termin: September 2017

    • Amor Towles - Ein Gentleman in Moskau / A Gentleman in Moscow

      1922 - 1954 Moskau. Der wohlhabende Graf Alexander Rostov ist 30 Jahre alt und hat mit seinen Gedichten sowie für seine Gesinnung für so viel Unmut gesorgt, dass er 1922 erst zum Tode verurteilt, dann jedoch unter lebenslangen Hausarrest im Luxushotel Metropol gestellt wird. Man sollte meinen, dass einem bei dem Urteil die Decke auf den Kopf fällt, doch Rostov arrangiert sich in einer kleinen Mansarde im 6. Stock seines Arrestdomizils und passt seine Lebensgewohnheiten den Umständen an. Während draußen vor den Hoteltüren der Umbruch mit Krieg und Revolution in der Stadt Einzug hält, macht er sich Gedanken über die Gäste und Bediensteten im Hotel, die ihn mit den nötigen Informationen versorgen, die außerhalb der Hotelmauern stattfinden. Aber auch innerhalb der Hotelwände gibt es einige Schicksale, die ihn zum Handeln zwingen. Er kümmert sich rührend da kleine Mädchen Nina, Jahre später dann um Ninas Tochter Sofia, als Nina verschwindet. All sein Herzblut gibt Graf Alexander Rostov, ein Gentleman der alten Schule, doch am Ende ist immer er der Verlassene, denn während die anderen das Hotel Metropol verlassen, ist er weiterhin dort gefangen.

      Amor Towles hat mit seinem Buch „Ein Gentleman in Moskau“ einen ganz bezaubernden Roman vorgelegt, der den Leser zum einen auf eine Zeitreise durch 30 Jahre Moskauer Politik und Geschichte mitnimmt und zum anderen eine Protagonisten präsentiert, der so einzigartig wie unvergesslich ist. Der Schreibstil ist sowohl flüssig als auch lebendig und elegant, der Autor versteht es auf sehr bildgewaltige Weise, dem Leser das Hotel Metropol sowie dessen Besucher und Bediensteten so eindrucksvoll nahe zu bringen, dass man den Eindruck hat, selbst dort gewesen und die Personen getroffen zu haben. Gleichzeitig wird von der ersten Seite an eine Spannung aufgebaut, die sich während der Geschichte immer mehr steigerte und einem das Buch regelrecht an den Händen klebte, weil man sich nicht trennen wollte. Towles hat seine Handlung nicht nur mit einem interessanten geschichtlichen Hintergrund versehen, sondern lässt den Leser auch an Literaturzitaten, russischen Lebensgewohnheiten und Anekdoten teilhaben. Durch geschickte Wendungen und Überraschungseffekte ist man bei diesem Buch nie sicher, was im nächsten Augenblick auf einen zukommt und gerade das macht die Geschichte so unterhaltsam und einzigartig.

      Die Charaktere sind alle detailliert und liebevoll ausgestaltet und in Szene gesetzt. Mit ihren unterschiedlichen Wesenszügen und Eigenheiten geben sie der Handlung immer wieder ein neues Gesicht. Graf Rostov ist ein charismatischer Gentleman, wie er im Buche steht. Er ist wohlhabend, jedoch wird ihm sein Titel nach dem Urteil aberkannt. Doch er verliert dadurch keinesfalls an Größe, besitzt er doch ein großes Herz und ist vielseitig interessiert. Er ist eine Frohnatur und ein Optimist gleichzeitig, weshalb er seiner prekären Lage so positiv gegenüberstehen kann und in all den Jahren nie den Mut verliert. Bei ihm ist das Glas immer halbvoll, und so nimmt er sich den Gestrandeten ebenso an wie den Angestellten, immer höflich und freundlich, geradezu liebevoll. Er wagt sogar den Ausflug in den Kellnerberuf und freundet sich mit dem Küchenchef Emile an, der ihn mit seinen kunstvollen Speisen immer wieder erfreut. Sämtliche Protagonisten sind aufgrund ihrer eigenen kleinen Episoden eine Bereicherung im Leben von Graf Rostov als auch für die durchaus bunte und liebevolle Handlung.

      „Ein Gentleman in Moskau“ ist eine ganz zauberhafte Geschichte über einen Mikrokosmos, dem Graf Alexander Rostov durch seine Präsenz den Stempel aufdrückt. Liebevoll und mit einigem Humor erzählt, rasen die über 500 Seiten dahin und am Ende fühlt man sich fast selbst zuhause im Hotel Metropol in Moskau mit all den Personen, die über die Jahre dort Einzug gehalten haben, aber in Alexander hat man sich verliebt. Absolute Leseempfehlung für einen Roman der Extraklasse!

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      Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)

      "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
      Albert Einstein

      "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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      Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk

      SUB: ca. 1.800 / gelesen 2016: 150/ 57643 Seiten
    • Ein sprachliches Juwel

      Graf Alexander Iljitsch Rostov wird wegen eines Gedichts im Jahre 1922 zu lebenslänglichem Hausarrest im Hotel Metropol, in dem er zuvor residierte, verurteilt. Was für eine Aussicht! Der Graf, eine absolut liebenswerte Person, nimmt sich diese Strafe jedoch nicht sehr schwer zu Herzen, denn er versucht die Dinge immer in einem positiven Licht zu sehen. Denn, so sagt er, wenn man nicht Herr seiner Umstände ist, so werden die Umstände Herr über einen.

      Die Geschichte plätschert dann so vor sich hin, der Graf lebt sein Leben, richtet sich einigermaßen behaglich ein, macht Bekanntschaften. Über viele Seiten (bzw. CDs in meinem Fall) passiert im Grunde sehr wenig. Erst auf der allerletzten CD kommt ein wenig Bewegung und es wird beinah ein bisschen spannend.

      Doch der ruhige Verlauf der Geschichte ist auch völlig in Ordnung. Denn von der Sprache her ist sie in absolutes Juwel. Alleine das Gedicht am Anfang habe ich mindestens drei mal angehört und dann nochmal in der Leseprobe nachgelesen.
      "Wie so viele Fragen
      beantworte ich diese
      mit abgewandtem Auge beim Schälen einer Birne."
      Verse wie dieser lassen mir regelrecht eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Immer wieder gibt es so schöne Formulierungen, dass das Hören wirklich eine reine Freude ist.

      Dieses Buch lässt einem sicherlich nicht den Atem stocken und auch nicht ganze Nächte durchlesen. Doch es ist eine wunderschöne, freundliche Geschichte, mit einem liebenswerten Protagonisten, die einem auch einiges an Lebensweisheit vermittelt und gleichzeitig noch einen kleinen Einblick in das Russland der 20er bis 50er Jahre. Zudem ist das Hörbuch sehr angenehm gelesen. Insgesamt war es ein sehr schönes Hörerlebnis!
    • Ich habe die Geschichte gehört!
      Und diese Variante hat mir sehr gut gefallen. Die ruhige Stimme des Erzählers passt großartig zum Duktus der Sprache, der Atmosphäre der Geschichte und des Metropol und nicht zuletzt zur Figur des Grafen Alexander Rostov.

      Stimmungsvoll, mit einem liebevollen Blick für Details, viel Atmosphäre, nicht unbedingt handlungsorientiert – so habe ich diesen Autor in Erinnerung aus dem Roman „Eine Frage der Höflichkeit“. All das trifft auch auf „Ein Gentleman in Moskau“ zu, nur hat mir dieser Roman noch um einiges besser gefallen. Die Figuren sind mir hier mehr ans Herz gewachsen, und auch den Schauplatz war mehr nach meinem Geschmack.

      Mit Alexander Rostov hat Amor Towles eine überaus liebens- und bewundernswerte Figur geschaffen. Ganz Grandseigneur der alten Schule und Aristokrat im besten Wortsinne, stilsicher bis in die Haarspitzen und von ausgesuchter Höflichkeit gegenüber seinen Mitmenschen, gleich welchen Ranges, so nimmt er seine Verurteilung zu lebenslänglichem Hausarrest im Hotel Metropol in Moskau auf. Trotz dieser denkbar schlechten Voraussetzungen, wobei er tatsächlich noch Glück hatte, verglichen mit den Schicksalen anderer Adliger in der jungen Sowjetunion, ist ihm ein erfülltes Leben beschieden. Natürlich ist es nicht zu jeder Zeit leicht gewesen, aber letztlich lassen sich die vielen charmanten und liebevoll erzählten Episoden zu diesem Bild zusammensetzen.

      Es war mir ein großes Vergnügen, den Grafen durch die Jahre im Hotel Metropol zu begleiten, mitzuerleben, wie er Freundschaften und kleine Feindschaften pflegt, seine Erinnerungen an vergangene Zeiten zu teilen und seinen stoischen Blick auf die für ihn so ungemütliche Gegenwart.

      Eine zauberhafte Geschichte, ohne durchgehenden Handlungsfaden, dafür voller Atmosphäre und Lebensklugheit, die am Ende mit der ein oder anderen Überraschung aufwartet.
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