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Marion Poschmann - Die Kieferninseln

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    Die Kieferninseln

    von

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    Verlag: Suhrkamp Verlag

    Bindung: E-Book Download

    Seitenzahl: 168


    eISBN: 9783518737354


    Termin: September 2017

    • Marion Poschmann - Die Kieferninseln

      Klappentext:
      Gilbert Silvester, Privatdozent und Bartforscher im Rahmen eines universitären Drittmittelprojekts, steht unter Schock. Letzte Nacht hat er geträumt, dass seine Frau ihn betrügt. In einer absurden Kurzschlusshandlung verlässt er sie, steigt ins erstbeste Flugzeug und reist nach Japan, um Abstand zu gewinnen. Dort fallen ihm die Reisebeschreibungen des klassischen Dichters Basho in die Hände, und plötzlich hat er ein Ziel: Wie die alten Wandermönche möchte auch er den Mond über den Kieferninseln sehen. Auf der traditionsreichen Pilgerroute könnte er sich in der Betrachtung der Natur verlieren und seinen inneren Aufruhr hinter sich lassen. Aber noch vor dem Start trifft er auf den Studenten Yosa, der mit einer ganz anderen Reiselektüre unterwegs ist, dem Complete Manual of Suicide.

      Autorin:
      Marion Poschmann, 1969 in Essen geboren, studierte Germanistik und Slawistik und lebt heute in Berlin. Für ihre Prosa und Lyrik wurde sie vielfach ausgezeichnet. Zuletzt erhielt sie den Peter-Huchel- Preis und den Ernst-Meister-Preis für Lyrik; ihr Roman »Die Sonnenposition« stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und gewann den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis 2013.

      Allgemeines:
      Erscheinungsdatum: 11. September 2017
      Seitenanzahl: 168
      Verlag: Suhrkamp Verlag

      Eigene Meinung:
      Der Klappentext klang ganz interessant, aber das Buch konnte mich nicht wirklich packen.
      Schon allein die erste Seite wäre Grund genug für mich gewesen das Buch abzubrechen. Wie ein Teenager verhält sich der Protagonist gegenüber seiner Frau und wirft ihr vor, sie hätte ihn betrogen, das habe er geträumt und dann müsse es ja wahr sein! Daraufhin fliegt er nach Japan und ist ständig der Meinung, dass sie sich ja entschuldigen müsse und er das Opfer sei.
      Ich musste also öfter mal genervt mit den Augen rollen. Aufgelockert wurde das Ganze dann aber durch Yosa, ein japanischer Student, der sich unbedingt umbringen möchte und dies doch von Gilbert immer wieder verhindert wird. Das hat genau meinen Humor getroffen und gerne hätte ich genau davon mehr gelesen. Doch die Reise driftet ab ins Spirituelle, wobei die Geschichte um Matsuo Basho noch interessant ist, aber immer wieder durch Beschreibungen von Kiefern in allen Farben und Formen angelenkt wird… das war dann beizeiten doch etwas langweilig…

      Fazit: Wer spirituelle Bücher mag, dem wird das Buch wohl besser gefallen als mir. Den dort scheint der Schwerpunkt zu liegen, so dass man sich vielleicht um den Rest der Geschichte nicht allzu sehr bemühen musste….oder ich habs einfach nicht verstanden... :bewertung1von5: :bewertung1von5:
      :study: Das betörende Lied des Elfenkönigs (Tairen Soul 5) – C.L. Wilson
      :montag: Das Lied der Krähen - Leigh Bardugo
      :montag: Das Erwachen des Feuers (Draconis Memoria Buch 1) – Anthony Ryan MLR
    • :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
      Gilbert Silvester geht jegliche Fähigkeit zur Selbstreflexion vollständig ab.

      Seine Wahrnehmung ist seine Wirklichkeit ist die absolute, unumstößliche Wahrheit: er träumt, seine Frau habe ihn betrogen, also hat sie ihn betrogen, also lügt sie, wenn sie es abstreitet. Traum und Wirklichkeit sind fließende Konstrukte, deren Grenzen von Gilbert in keinster Weise hinterfragt werden.

      Und so fliegt er nach Japan – obwohl er Ländern, in denen mehr Tee als Kaffee getrunken wird, grundlegend misstraut! –, beschließt, auf den Spuren des verehrten Dichters Matsuo Bashō zu wandeln, rettet den Studenten Yosa Tamagotchi vor dem Suizid und nimmt ihn kurzerhand mit auf seine merkwürdige Pilgerreise.

      Kulturschock? Ja und nein.

      Unbeirrt belehrt Gilbert seinen jungen Begleiter über die Kultur seines eigenen Landes, was der sich fast schon unterwürfig gefallen lässt, erweist sich jedoch selber als nahezu unbelehrbar. Fest entschlossen, auf seiner Pilgerreise Erleuchtung zu erleben, lässt er diese über weite Strecken des Buches dennoch nicht zu. Er will beeindruckt werden, ist aber unempfänglich: sowohl für die Schönheit imaginärer Kirschblüten (da die Jahreszeit die falsche ist für echte Blüten) als auch für das albtraumhafte Szenario des Selbstmordwaldes von Aokigahara, wo Yosa den idealen Ort für seinen Freitod sucht.

      Erst im Kabuki-Theater ist Gilbert gegen seinen Willen dann doch fasziniert, obwohl oder gerade weil ihm das Konzept vollkommen fremd ist.

      Die Autorin spielt mit dem klassischen Doppelgängermotiv: Gilbert spiegelt sich wider in Yosa, projiziert seine eigenen Schwächen, Ängste und Sehnsüchte auf den jungen Mann und würdigt ihn für genau diese herab. So sagt er, ohne sich der Ironie bewusst zu sein, er setze "keinerlei Vertrauen mehr in Yosas Vorschläge, die bisher samt und sonders davon zeugen, wie ein undisziplinierter Geist sich von verworrenen Gefühlen übermannen und sich zu irrationalen und sinnlosen Handlungen treiben lässt".

      So deutlich ist Yosa ein Spiegelbild von Gilbert, dass man sich als Leser fragen muss: gibt es diesen Studenten mit dem unwahrscheinlichen Nachnamen 'Tamagotchi' überhaupt? Befindet sich Gilbert wirklich auf einer Reise nach Matsushima oder ist das alles nur ein Traum? Die Autorin verzichtet auf einfache Erklärungen, so dass jeder Leser seine eigene Wahrheit finden muss.

      "Die Kieferninseln" ist eine sprachlich wunderschöne, inhaltlich außergewöhnliche Gratwanderung zwischen Schein und Sein. Dabei ist das Buch nicht nur durch seine lyrische Wortmalerei ansprechend, sondern auch durch sein feines Psychogramm eines unverbesserlichen Pedanten, mit dem man dennoch mitfühlen muss, da er, ob ihm das nun bewusst ist oder nicht, auf der Suche ist nach mehr als seiner beengten Existenz.

      Es ist kein Buch zum Verstand abschalten und berieseln lassen, dafür aber eines, das zeigt, dass anspruchsvolle Literatur nicht trocken und langweilig sein muss: die Geschichte ist unterhaltsam, sie ist spannend, sie ist manchmal von einer Art tragisch angehauchter Komik. Gilbert und Yosa sind eine sonderbare Reisegemeinschaft, innerhalb derer vieles ungesagt bleibt – aber es ist ein beredtes Schweigen, in das der Leser viel hinein interpretieren kann, so wie das japanische Haiku erst vollendet wird durch die Interpretation des Lesers.

      Matsuo Bashōs Leben spielt nur im Hintergrund eine Rolle, aber seine Lyrik schwingt mit in den Beschreibungen der Landschaften, den von Marion Poschmann gewählten Bildern und nicht zuletzt den von Gilbert und Yosa verfassten Haiku, so laienhaft diese auch sein mögen.

      Fazit:
      Ein Traum veranlasst den Bartforscher Gilbert Silvester dazu, seine Frau zu verlassen und ins erstbeste Flugzeug zu steigen. Dieses fliegt nach Japan, wo Gilbert den Dichter Matsuo Bashō für sich entdeckt, den Studenten Yosa Tamagotchi (!!) vor dem Selbstmord bewahrt und eine Pilgerreise zu den Kieferninseln antritt.

      Die Geschichte hat etwas Schwebendes, Schwereloses: Man weiß nie genau, wo die Grenzen zwischen Schein und Sein verlaufen – was erlebt Gilbert wirklich, was ist vielleicht nur ein Traum? Man kann vieles zwischen den Zeilen entdecken, hinterfragen, interpretieren, oder auch einfach die Schönheit der Sprache auf sich wirken lassen.

      Für mich ist dieses Buch ganz klar ein verdienter Anwärter auf den Deutschen Buchpreis!
    • Mikka Liest schrieb:

      Für mich ist dieses Buch ganz klar ein verdienter Anwärter auf den Deutschen Buchpreis!
      Danke für die ausführliche Rezi :thumleft:
      Daran merke ich, dass ich das Buch wirklich nicht verstanden habe... kann irgendwie nichts davon wiederfinden :scratch: :mrgreen:
      Ist aber nicht schlimm, kann einem ja auch nicht jedes Buch gefallen :)
      :study: Das betörende Lied des Elfenkönigs (Tairen Soul 5) – C.L. Wilson
      :montag: Das Lied der Krähen - Leigh Bardugo
      :montag: Das Erwachen des Feuers (Draconis Memoria Buch 1) – Anthony Ryan MLR
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