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Autor ist doch kein Beruf! (by Peter Waldbauer)

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    • Autor ist doch kein Beruf! (by Peter Waldbauer)

      Entschuldigung, was sind Sie – Autor?!
      Das ist doch kein Beruf! Haben sie nichts gelernt oder warum tun Sie sich das an? Sie haben vielleicht Nerven. Soll Ihre Familie sich für Sie schämen müssen? Ihre Eltern müssen ja vermögend sein, wenn sie Sie in Ihrem Alter noch durchfüttern. Oder jobben Sie nebenher in der Kneipe? So pro forma, so dann und wann, wenn`s dem Herrn Schriftsteller mal beliebt. Jaja, so bummelt man man durchs Leben.

      Das Studium wohl abgebrochen. Erst Jura, dann Germanistik und Literaturwissenschaften war auch nichts für Sie, wie? Zu theoretisch. Was andere über Schriftsteller sagen, interessiert sie nicht, sie sind selbst einer. Na, wenn Sie sich da mal nicht täuschen. Jobs waren auch nicht so Ihr Ding. Die Leute haben Sie genervt, waren Ihnen zu gewöhnlich, zu dumm, zu oberflächlich und Sie haben sie erschlagen mit Ihrer Tiefsinnigkeit. Ja, ja.

      Autor – nicht zu fassen!
      Was machen Sie denn den ganzen Tag? Sagen Sie nichts – ich weiß es. Im Café sitzen, Zeitung lesen, ein bißchen vor sich hinkritzeln und mit der Kellnerin flirten. Ach, früher schrieben die Autoren auch im Kaffeehaus? Ja, weil ihnen nichts anders übrig blieb. Weil in ihren winzigen Buden der Wind durch die Ritzen pfiff. Aber Sie – Sie kokettieren damit.
      Und immer die existenzialistische Zigarette in der Hand, wie? Und den Dreitagebart und den verlotterten Trenchcoat, den Mantelkragen hochgeschlagen, damit es maskulin aussieht. Sie sind mir einer!

      Was schreiben Sie überhaupt?
      Hoffentlich keine Krimis, gibt schon genug Mord und Totschlag auf der Welt.Thriller etwa, mit Psychopathen als Protagonisten?
      Oder Fantasy? Noch einer auf den Spuren von Tolkien.Naja, Hauptsache, keine feuilletonistische Nabelschau, kein manisches Kreisen um die eigene Befindlichkeit. Das sind mir die richtigen. Sitzen in Talkshows, machen auf oberschlau, aber kriegen keinen Satz unfallfrei heraus.

      Nein, nein, hören Sie mir auf mit Botschaften! Botschaften hat jeder, hab ich auch. Eine für meine Frau, zwei für meinen Schwager und für meinen Chef gleich mehrere. Und? Belästige ich die Welt deshalb mit Traktaten? Wenn Sie unbedingt etwas loswerden müssen, gehen sie zur Beichte. Dafür müssen keine Bäume sterben.

      Und mit Ihrem Verlag kommen Sie zurecht?
      Ach, Sie sind dort angesehen. Wie hoch war Ihr letzter Vorschuss? Soso, mehr Freiexemplare als gewöhnlich. Sie sind ja ein richtiger Geschäftsmann.
      Und Ihr Lektor? Schreibt gerne mit, was? Inoffizieller Co-Autor. Streicht Ihnen ganze Seiten raus und den Titel lehnt er immer erst ab. Nach tagelanger Diskussion einigt man sich dann, findet einen Kompromiss. Kompromiss, haha. Wir wissen ja, wer am längeren Hebel sitzt. Und die Abrechnung müssen Sie dreimal anmahnen. Mensch, vergessen Sie`s.

      Lesungen geben Sie bestimmt auch, so wie ich Sie jetzt kenne. Macht Spaß, was? Unterhaltung, ja, damit die Leute, was zu lachen haben. Am besten so wie Thomas Gottschalk oder noch besser wie Harald Schmidt. Oder warum nicht gleich wie Mario Barth? Dann müssen Sie wenigstens keine Bücher mehr schreiben. Fragen aus dem Publikum. Da müssen Sie aber schlagfertig sein. Können nicht ewig überlegen wie in Ihrer Mansarde, wo sie den halben Tag an einem Absatz feilen. Und nach der Lesung kaufen ein paar Gutmütige drei Ihrer Bücher. Gratuliere, Sie Armer.

      Filmrechte? Mensch, Sie sind hier nicht in Hollywood. Höchstens fürs Fernsehen und mit Fördergeldern finanziert. Hören Sie auf, Sie träumen wohl, jetzt bleiben Sie mal auf dem Teppich. Außerdem müssten Sie dafür erst mal gelesen werden. Wer liest Sie überhaupt? Nicht mal Ihre Facebook-Freunde? Ja, dann wird`s schwer. Aber wer hat als Autor schon Freunde? Das Sozialleben bleibt auf der Strecke, verkümmert. Das ist der Preis, den Sie dafür zahlen, dass Sie meinen, Ihre Ergüsse auf Papier bringen zu müssen. Geht ja heute alles ganz fix dank der Technologie. Ich sage nur Copy & Paste. Kennen Sie auch? Ja, das dachte ich mir.

      Früher war das anders, da war Schreiben noch Arbeit. Da war nichts mit „nebenbei im Café“, nichts mit „Laptop in der U-Bahn“. Da war kein vornehmes Tippen angesagt, da mussten Sie hämmern, körperlich arbeiten, verstehen Sie? Da waren Sie hinterher fertig, wie nach dem Holzhacken. Und bei Fehlern hieß es neu abtippen und wieder neu und nochmal neu. Da hat man für einen Roman drei Schreibmaschinen verbraucht. Da hätten Sie sich dreimal überlegt, ob Sie Autor werden, bloß weil Sie in der Schule gerne Aufsätze geschrieben haben.

      Früher wurde man auch nicht einfach so Autor. So mir nix, dir nix. So ratzfatz. So kaum aus den Windeln raus. Nein, man musste nicht studiert, aber was erlebt haben. Man musste erst mal herumgekommen sein, zum Mann geworden sein, verstehen Sie? Weltenbummler, Soldat, Abenteurer – Hemingway, Remarque, Jack London. Und heute? Heute geht`s von der Schulbank zur Uni und danach an den Schreibtisch. Ich bitte Sie, was soll das denn? Brauch ich einen, der das, was er selbst nur gelesen hat, für mich aufbereitet?
      Ach, hören Sie mir auf mit Autor, das ist doch kein Beruf!
      Peter Waldbauer, Jahrgang 1966, ist Betriebswirt und wohnt als freiberuflicher Dozent und Autor in der Nähe von Heidelberg. Er veröffentlichte bisher Essays und fünf Bücher.
    • @Peter Waldbauer:
      Du hast Humor. :)
      Anfangs dachte ich, dass Literaturinteressierte zumeist mit dieser Gabe gesegnet sind, aber dem ist nicht so.
      Nicht nur auf dieser Webseite herrscht zuweilen eine ganz eigenartige, nervöse Strenge, die selten Menschliches zulässt.
      Was nicht in deren nüchternes Weltbild passt, wir lächerlich gemacht oder bekämpft.
      Leider darf ich nicht konkreter darüber schreiben, weil mich sonst ein gewisses Eichhörnchen "beißt".
      :wink:
      Wenn Schuld und Leid sich plötzlich begegnen, wird selbst der Frömmste in Versuchung geführt, dem Hass zu erliegen.
      Paul Goodway erleidet diesen Konflikt in:
      BLUE EYED BASTARD - Folgen eines Sündenfalls
    • Paul Goodway schrieb:

      Nicht nur auf dieser Webseite herrscht zuweilen eine ganz eigenartige, nervöse Strenge, die selten Menschliches zulässt.
      Was nicht in deren nüchternes Weltbild passt, wir lächerlich gemacht oder bekämpft.
      Leider darf ich nicht konkreter darüber schreiben, weil mich sonst ein gewisses Eichhörnchen "beißt".
      Ich hab deine Beiträge jetzt echt lange und in vielen Threads hingenommen, aber hierzu muss ich mich jetzt doch mal äußern: Wenn man schon so"lange" hier Mitglied ist wie du, kannst du natürlich ganz hervorragend einschätzen, wie es hier zugeht. Da frage ich mich doch, wie so viele von uns es so lange hier ausgehalten haben. Ich persönlich bin mittlerweile seit fast 8 Jahren hier und fühle mich sehr wohl, vor allem auch, weil hier stets ein freundlicher Ton herrscht und die User auch am Leben der anderen teilhaben und alles weit über ein reines Bücherforum hinausgeht. Aber wenn du so wie oben beschrieben empfindest, bleibt es dir freigestellt, die humorlose und nüchterne Community zu meiden. Du könntest aber auch einfach mal versuchen, andere als deine eigene Meinung zu akzeptieren (auch wenn du sie nicht telist), dann wird es mit beiderseitigen Verständnis bestimmt besser.
      Das nur mal als Meinungsäußerung, die keine Diskussionsgrundlage darstellen soll :wink:
      Gelesen in 2017: 50 Gehört in 2017: 21 SUB: 325

      "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)
    • Paul Goodway schrieb:

      Was nicht in deren nüchternes Weltbild passt, wir lächerlich gemacht oder bekämpft.
      Leider darf ich nicht konkreter darüber schreiben, weil mich sonst ein gewisses Eichhörnchen "beißt".
      NIcht nur das Eichhörnchen hat Zähne. Und wir haben in der Tat eine Menge Mitglieder und als Moderator finde ich hier oft genug Dinge zum Lachen: Wie zum Beispiel, wenn jemand allen Ernstes Astrologie als Naturwissenschaft bezeichnet. Die mit den Sternen verbundene Wissenschaft heißt Astronomie.
      [Hier wurde eine sarkastische Anmerkung ausgelassen, die nicht nüchtern genug gewesen wäre und bestimmt nicht lächerlich. gez. Iron Knee]
      Mehr Bücher finden sich auf Sandammeer und Lesezeit hier. Manches produzieren wir sogar selbst: Kegelberge.
      Hilfe, die ankommen soll geht an Ärzte ohne Grenzen.
    • Paul Goodway schrieb:

      Leider darf ich nicht konkreter darüber schreiben, weil mich sonst ein gewisses Eichhörnchen "beißt".
      Eichhörnchen sind friedliche Naturen, die nicht ohne Grund beißen. Und wenn Du mir nochmals Zensur unterstellst, dann ist der Finger ab
      viele Grüße vom Squirrel

      :study: Reiner Engelmann - Wir haben das KZ überlebt
      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)
    • @Squirrel:

      :shock:

      @K.-G. Beck-Ewe:

      Astrologie ist als sogenannte "Grenzwissenschaft" anerkannt.
      Ja, richtig, früher .... da gingen die Astronomie und Astrologie noch Hand in Hand ...
      Wenn Schuld und Leid sich plötzlich begegnen, wird selbst der Frömmste in Versuchung geführt, dem Hass zu erliegen.
      Paul Goodway erleidet diesen Konflikt in:
      BLUE EYED BASTARD - Folgen eines Sündenfalls
    • "Grenzwissenschaft" ist das, was höfliche Menschen sagen, wenn sie meinen: Seltsame, nicht verifizierbare Gedankengebäude, die sich versuchen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben (s.a. Wirtschafts"wissenschaften", die im Großen und Ganzen auch viel mit der Astrologie gemeinsam haben. Es wurde ja im Rahmen der letzten zwei Wirtschaftskrisen ausgiebig darüber berichtet (unter anderem im GUARDIAN und im TIME-Magazine), dass viele der Geldvernichter der Wall Street regelmäßige Termine bei sehr teuren Astrologen nahe ihrer Banken und Brokering-Firmen hatten. Zur Klarstellung des Wissenschaftsbegriffs empfehle ich immer wieder gerne Popper, der diesen in meinen Augen am klarsten erläutert.
      Mehr Bücher finden sich auf Sandammeer und Lesezeit hier. Manches produzieren wir sogar selbst: Kegelberge.
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    • K.-G. Beck-Ewe schrieb:

      Seltsame, nicht verifizierbare Gedankengebäude, die sich versuchen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben
      Das Wort, das dazu gehört, nennt sich Pseudo :wink:
      Kurze Definition für Wissenschaft: Wissenschaft ist, was Wissen schafft. Insofern kann man eigentlich alles zu einer Wissenschaft hochstilisieren. Selbst das Autorentum ist eine Wissenschaft für sich. Wenn ich den Gedanken weiterspinne, bin ich eigentlich Wissenschaftlerin. Also ist Autor auf jeden Fall ein Beruf, sogar ein wissenschaftlicher :totlach: :dance: :-,
      "deine beschreiebung alleine lässt vermuten, dass es sich um schmöckerroman einzigartiger klasse handelt, nämlich übertriebenem bullshid, der mit der wirklichkeit keinene hinreichenden effekt auf die wirklichkeit erstreckt."(Simon Stiegler)
      Stimmt! Ich schreibe spannende Unterhaltungsliteratur, die den Leser aus der Wirklichkeit entführt, bis zum Ende gelesen wird und bei der der Leser am Ende fragt: Wann erscheint der nächste Band? Schreiben will halt gelernt sein
    • K.-G. Beck-Ewe schrieb:

      Gedankengebäude, die sich versuchen einen wissenschaftlichen Anstrich zu geben (s.a. Wirtschafts"wissenschaften",
      Mit den Wirtschafts"wissenschaften" hat er recht. Wirtschaft ist eigentlich keine Wissenschaft (auch wenn sie mathematische Elemente enthält). Wirtschaft kann man nur erleben und überleben.

      Übrigens K.-G.: hab ich da neulich nicht in deinem Profil gelesen, dass deine Lebensgefährtin "jetzt auch hier" ist?
      Die Saarländerin? Na, also dir kann man wirklich nur gratulieren, du Glücklicher. :wink:

      Divina schrieb:

      ist Autor auf jeden Fall ein Beruf, sogar ein wissenschaftlicher
      Okay Divina, überzeugt. Der nächste Artikel lautet:
      "Autor ist ein doch ein Beruf!" oder nee
      "Autor ist ein Wissenschaftsberuf!!" oder noch besser:
      "Jeder Autor - egal, was er schreibt - übt einen wissenschaftlichen Beruf aus!!!"
      :wink:
      Peter Waldbauer, Jahrgang 1966, ist Betriebswirt und wohnt als freiberuflicher Dozent und Autor in der Nähe von Heidelberg. Er veröffentlichte bisher Essays und fünf Bücher.
    • Lieber Peter,

      ich frage mich gerade, wie viel von Deiner persönlichen Erfahrung zu diesem linguistisch spritzigen Beitrag
      "Autor ist doch kein Beruf! (by Peter Waldbauer)"
      geführt hat.

      Sind die Leute wirklich so voreingenommen ...?
      Selbst wenn es überspitzt formuliert ist, kann ich mir gut vorstellen,
      dass gewisse Passagen des Textes so 1:1 im wahren Leben zu hören sind.
      Wenn Schuld und Leid sich plötzlich begegnen, wird selbst der Frömmste in Versuchung geführt, dem Hass zu erliegen.
      Paul Goodway erleidet diesen Konflikt in:
      BLUE EYED BASTARD - Folgen eines Sündenfalls
    • Der Bereich Autor habe ich geöffnet weil...
      Ich habe mich mit einem andern Autor welcher in diesem Forum tätig ist, unterhalten, festgestellt was Qualität ist, was einen guten Schrifsteller auszeichnet, wie er sich einbringt, was ihn als Persönlichkeit ausmacht was man weder P. W. noch P. G attestieren kann.
      Viele User haben mittlerweile sehr nett und korrekt darauf hingewiesen was dieses Forum ausmacht, wie man miteinander kommuniziert und den Anstand wahrt. Dass nicht alle immer gleicher Meinung sind das ist allen klar, darauf reagiert man mit Bedacht und findet immer wieder einen Konsens.
      Ich möchte nicht ausfällig werden, jedoch es reicht, (ich finde unsere Moderatoren sind viel zu nett, euch beide hätte ich persönlich schon lange rausgeschmissen) hört endlich auf mit diesen ständigen wenig intelligenten Beiträgen, die sind so was von unnütz und "Müllen" nur das Forum zu. Wenn ihr euch profilieren möchtet, sucht bitte eine andere Plattform, das Netz bietet dazu unzählige Möglichkeiten.
      Wenn P. W. wirklich das Gefühl hat, seine Beiträge seien wichtig für Autoren,was ich ehrlich gesagt bezweifle, eröffne er doch ein eigenes Forum, da kann er Listen schreiben, Sternzeichen beurteilen usw. wie er möchte.
      Dann P.G. Sie möchte ich darauf hinweisen, es ist nicht nötig "dumme Giftpfeile" in diesem Forum zu "verspritzen" sollte das ihr Lebensmotto sein, auch Ihnen empfehle ich, eröffnen sie ein eigenes Forum da können sie ihr Anliegen an den Mann bringen.
      Wenn ihr beide euch wirklich als Mitglieder dieses Forum sehen möchtet dann beteiligt euch doch in einem normalen Tonfall daran, schaut euch um lernt von andern Usern welche schon jahrelang dabei sind, schaut euch an was andere Autoren hier schreiben und in welcher Art - dann seit ihr herzlich willkommen.
      Auf jeden Fall, eure Beiträge welche ihr beide bis heute hier abgeliefert habt sind "so was von obsolet"
      @Squirrel :uups:
      Noch etwas zum Schluss, ich werde weder P. W. noch P.G. antworten, meine Meinung ist nun gesagt, das weitere überlasse ich....
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
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