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Joshua Hammer - The Bad-Ass Librarians of Timbuktu

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    The Bad-Ass Librarians of Timbuktu: And ...

    von

    5|1)

    Verlag: Simon & Schuster

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 288


    ISBN: 9781476777412


    Termin: April 2017

    • Joshua Hammer - The Bad-Ass Librarians of Timbuktu

      … and their race to save the world's most precious manuscripts

      Über den Autor:
      Joshua Hammer (*12.06.1957) ist freischaffender Journalist und lebt zur Zeit in Berlin. Er hat Englische Literatur in Princeton studiert und war jahrelang als Auslandskorrespondent für Newsweek tätig. Viele seiner Artikel sind u.a. in The New York Review of Books, The New Yorker, The New York Times und im Smithsonian erschienen. Das Smithsonian hat ihn auch bei der Arbeit für dieses Buch unterstützt. Von ihm sind auch folgende Bücher veröffentlicht:
      Chosen by God: a brother's journey (1999),
      A Season in Behtlehem: Unholy War in a Sacred Place (2003) und
      Yokohama Burning: The Deadly 1923 Earthquake and Fire that Helped Forge the Path to World War II (2006).


      Buchinhalt:
      In the 1980's, a young archivist, Abdel Kader Haidara, journeyed across the Sahara Desert and along the Niger River, tracking down tens of thousands of ancient Islamic and secular manuscripts that were crumbling in the trunks of pastoralists and farmers. His goal: to preserve this crucial part of the world's patrimony. But then Al Qaeda showed up at the door.
      The Bad-Ass Librarians of Timbuktu tells the remarkable true tale of how mild-mannered Haidara became one of the world's most prolific smugglers, organizing a heroic heist to sneak all 350.000 manuscripts to the safety of southern Mali. „At once a history, caper and thriller“ (The Economist), it is the extraordinary story of a man who, through extreme circumstances, discovered his higher calling – and a reminder that ordinary citizens often do the most to protect the beauty of their culture from the threats of the modern world.
      (Quelle: Klappentext)

      Erzählt wird die Geschichte von Abdel Kaider Haidara, eines in der Fachwelt bekannten Sammlers und Fachmanns für nordafrikanische Manuskripte der letzten Jahrhunderte sowie einer absolut waghalsigen Rettungsaktion von Hunderttausenden dieser unersetzlichen Manuskripte aus dem von Islamisten besetzten Timbuktu. Eingebettet in die Erzählung sind Abrisse der Geschichte Timbuktus sowie der jüngsten politischen, von Islamisten ausgelösten Entwicklungen v.a. im Maghreb, aber auch in angrenzenden Staaten Nordafrikas und des Vorderen Orients.

      Das Buch umfasst 263 Seiten gegliedert in Prologue, 19 Kapitel, Epilogue, einer Danksagung (die mehr ist als das übliche Listen von Helfern) und einem Anhang, in dem ausführlich, ähnlich einer Bibliografie, die in der Geschichte zu findenden wörtlichen Zitate gelistet werden.

      Meine Meinung zum Inhalt:
      Wer mich kennt, der weiß, dass mich kuriose Buchtitel ansprechen. So kam auch dieses Buch in meine Hände, nicht ahnend, was genau mich erwarten würde. Timbuktu und auch die nordafrikanische Geschichte sind für mich ein weißes Blatt Papier – ich hatte den Namen schon gehört und dunkel am Rande mitbekommen, dass die Stadt unter Islamisten gelitten hatte, mehr aber auch nicht. Umso erstaunter war ich dann über alles, was ich in diesem Buch erfahren habe.

      Die Geschichte ist wie oben beschrieben eine Mischung aus Haidaras Biografie, der eigentlichen Rettungsaktion sowie mehreren Kapiteln, die sich detailliert mit der alten Geschichte der Region (also dem Land, das heute als Mali bekannt ist) sowie der politischen Entwicklung Nordafrikas und der unterschiedlichen islamistischen Strömungen und ihren Anführern dort beschäftigen.

      Abdel Kader Haidara wurde von seinem Vater als 17jähriger testamentarisch als Verwalter der familieneigenen Bibliothek, die ca. 40000 Manuskripte umfasste, eingesetzt. Es dauerte eine Zeit, bis der junge Mann sich wirklich für dieses Familienerbe begeisterte, aber dann gab es kein Halten mehr. Über viele Jahre sammelte er für das Ahmed-Baba-Institute Hunderttausende Manuskripte aus Familienbesitz der Umgegend, rettete diese damit vor dem Zerfall, dem sie meist ausgesetzt waren, und legte den Grundstein für viele Privatbibliotheken in Timbuktu. So kam es, dass die Stadt zu einem Zentrum für afrikanische Manuskripte der vergangenen Jahrhunderte wurde. Dabei handelt es sich nicht nur um religiöse Texte, sondern vielfach auch um wissenschaftliche Abhandlungen über die unterschiedlichsten Themen. Diese Manuskripte wurden oft auch im Verlauf der Geschichte von anderen mit Randnotizen versehen, so dass sie mehr sind als „nur“ ein Einblick über das Denken während ihrer Entstehungszeit, sondern vielmehr Zeugnis ablegen über die Entwicklung und Ansichten mehrerer Jahrhunderte und Gelehrter. Haidara ist heute in der Fachwelt als Spezialist für nordafrikanische Handschriften bekannt und kümmert sich bis heute um das kulturelle Erbe, das diese Manuskripte darstellen, und seine Erhaltung.

      Das zweite Kapitel bereits gibt einen konzentrierten Abriss über die Geschichte des heute als Mali bekannten Landes und der Stadt Timbuktu. Diese war bereits im 14. Jahrhundert so bekannt, dass sie auf europäischen Karten eingezeichnet wurde. Interessanterweise hatte die Region im Verlauf ihrer Geschichte mehrfach unter Jihadisten zu leiden – das ist also gar kein modernes Phänomen des Islams, sondern es gab diese Radikalisierung bereits viel früher.
      Einführend und parallel zur eigentlichen Geschichte des Buches wird erzählt, wie islamistische Organisationen in Nordafrika sich entwickelten, wie sie sich radikalisierten und finanzierten und wie schlussendlich das relativ weit südlich liegende Mali zum Angriffspunkt wurde. Ausgerechnet ein Land, in dem der Islam sehr gemäßigt und frei gelebt wurde und wird – oder vielleicht auch gerade deswegen. Wichtigste Organisation in diesem Zusammenhang ist die AQIM, Al-Qaeda im Maghreb, bekannte Namen sind Belmokhtar und Abou Zeid. Manches davon hat man aus den Nachrichten gehört, aber die Zusammenhänge gingen mir erst jetzt beim Lesen so richtig auf.

      Absolut spannend ist die eigentliche Geschichte der „Bad-Ass Librarians“: wie sich viele Menschen aller Schichten und Altersklassen unter Leitung von Haidara daran wagen, diese unwiederbringlichen Manuskripte vor der Zerstörung durch die Jihadisten zu retten. Eine Aktion, die eigentlich nicht klappen konnte, die niemand für möglich gehalten hatte und die entgegen aller Zweifel und Widerstände fast alle Manuskripte aus Timbuktu hinaus in die Sicherheit brachte. Dabei riskierten alle Beteiligten, vom Kameltreiber, Fischer, Händler über Familienmitglieder bis hin zu den Fahrern, ihr Leben und ihre Gesundheit. Die Gefahr für die Beteiligten ging dabei nicht nur von den Jihadisten aus, sondern jeder Grenzübergang, jede Fahrzeugkontrolle gleich von wem barg hohe Risiken. Dass niemand sein Leben verlor und am Ende nur ca. 4000 Manuskripte von den Jihadisten verbrannt wurden, ist ein Wunder.

      Mein Fazit:
      Stilistisch schwankt das Buch zwischen spannender Erzählung einer abenteuerlichen Geschichte und Reportage sowie sachlichem Abriss der Gegebenheiten. Besonders in diesen Teilen merkt man den journalistischen Hintergrund des Autors. Sprachlich bewegt es sich auf hohem Niveau, weswegen ich das Buch niemandem empfehlen würde, dessen Englisch nicht wirklich gut ist. Bleibt zu hoffen, dass es auch in einer deutschen Übersetzung herausgegeben wird.

      Absolut lesenswert ist das Buch für jeden, der sich für solch ein verwegenes Projekt, aber auch für nordafrikanische Geschichte interessiert. Auch wenn es scheint, dass ich sehr viel über den Inhalt verraten habe, so trifft das nicht zu - es bleibt sehr viel zu entdecken in diesem Buch.
      Einen halben Stern habe ich bei meiner Bewertung abgezogen weil ich denke, dass eine andere Gliederung (z.B. die Einführung in die Geschichte gleich zu Anfang, aber evlt. etwas weniger konzentriert) das Lesen vielleicht vereinfacht hätte.
      viele Grüße vom Squirrel

      :study: Elizabeth Kostova - The Historian
      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)
    • Squirrel schrieb:


      Sprachlich bewegt es sich auf hohem Niveau, weswegen ich das Buch niemandem empfehlen würde, dessen Englisch nicht wirklich gut ist. Bleibt zu hoffen, dass es auch in einer deutschen Übersetzung herausgegeben wird.

      Äußerst interessant, besten Dank. Nun bleibt mir nichts, als zu warten, bis es hoffentlich auf auf Deutsch erscheint.
      Lesende Grüße
    • Danke für deine Rezension und den Leseeindrücken @Squirrel

      Biografiefan schrieb:

      Äußerst interessant, besten Dank. Nun bleibt mir nichts, als zu warten, bis es hoffentlich auf auf Deutsch erscheint.
      Ich hoffe auch sehr auf eine Übersetzung.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




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