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Colson Whitehead - Underground Railroad

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    • Diamondgirl schrieb:

      Ich fand das auch die fürchterlichste Stelle des ganzen Buches - von meiner eigenen Vorstellungskraft in Gang gesetzt, wohlgemerkt. Denn diese Stelle ist absolut sachlich, keine übertriebene Gefühlshascherei, kein Voyeurismus, keine übertrieben detailreiche Schilderung. Nur mit dem nötigsten Informationswert - denn es ging ja an dieser Stelle durchaus darum darzustellen, welche Behandlung sich ein krankes Hirn ausdenken kann - und aus einer wohlgewählten Distanz heraus geschildert.
      Was sie aber nicht weniger oder gerade entsetzlicher macht. Ich habe es nicht bereut das Buch abgebrochen zu haben und es heute in der Bücherei wieder abgegeben.
      Wie gesagt, den Schreibstil fand ich gut und mich hätte das weitere Schicksal von Cora auch interessiert aber Schilderungen von Grausamkeiten, egal ob diese nun sachlich oder ausufernd beschrieben werden, gehören für mich nicht unbedingt dazu dass ein Buch authentisch rüberkommt. Wer das so empfindet, bitteschön, ich sehe das halt anders.
      "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt." (Johann Wolfgang von Goethe)
    • @serjena
      Das ist zwar richtig, aber auch dieses Buch ist ja ein Roman mit fiktiven Personen. Daher konnte ich auch das gut ertragen. Probleme bekomme ich bei Büchern von realen Geschehnissen z. B. während der Nazizeit. Wenn Zeitzeugen berichten, was sie selbst gesehen haben oder gar ertragen mussten. Aber Cora ist auch nur eine Phantasiegestalt wie die allermeisten Personen in diesem Buch.
    • Diamondgirl schrieb:

      @serjena
      Das ist zwar richtig, aber auch dieses Buch ist ja ein Roman mit fiktiven Personen. Daher konnte ich auch das gut ertragen. Probleme bekomme ich bei Büchern von realen Geschehnissen z. B. während der Nazizeit. Wenn Zeitzeugen berichten, was sie selbst gesehen haben oder gar ertragen mussten. Aber Cora ist auch nur eine Phantasiegestalt wie die allermeisten Personen in diesem Buch.
      Ich verstehe absolut was Du meinst . Ich mochte das halt trotzdem nicht lesen. Sowas verfolgt mich immer in meinen Gedanken. Für mich soll lesen Entspannung sein, nicht die Ursache für schlechte Gedanken/Stimmungen und Albträume. Die hab ich auch so schon genug. Aber da ist jeder anders gestrickt und das ist ja auch gut so. :)
      "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt." (Johann Wolfgang von Goethe)
    • Noch zur Ergänzung:
      Ich wollte niemanden überzeugen für oder gegen irgendetwas. Es war eher Ausdruck meines Erstaunens, da ich genau diese beiden harten Bücher nacheinander las und mich über mich selbst wunderte, dass ich mit diesem Buch über die schrecklichen Erlebnisse der amerikanischen Sklaven so gut zurecht kam, während mich das vergleichsweise harmlose (was die Quälereien angeht) Buch von Lize Spit so abschreckte. Verwirrt von den eigenen Skrupeln und der Versuch, das zu entwirren.
    • Diamondgirl schrieb:

      Ich wollte niemanden überzeugen für oder gegen irgendetwas.
      Das hab zumindest ich auch nicht so verstanden.

      Diamondgirl schrieb:

      während mich das vergleichsweise harmlose (was die Quälereien angeht) Buch von Lize Spit so abschreckte.
      Das hab ich hier auch noch zu liegen :wink: Na, mal schauen, wieviele Seiten ich da schaffen werde :lol: Reinlesen möchte ich unbedingt. Hattest Du es zu Ende gelesen ?
      "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt." (Johann Wolfgang von Goethe)
    • Diamondgirl schrieb:

      @serjena
      Das ist zwar richtig, aber auch dieses Buch ist ja ein Roman mit fiktiven Personen. Daher konnte ich auch das gut ertragen. Probleme bekomme ich bei Büchern von realen Geschehnissen z. B. während der Nazizeit. Wenn Zeitzeugen berichten, was sie selbst gesehen haben oder gar ertragen mussten. Aber Cora ist auch nur eine Phantasiegestalt wie die allermeisten Personen in diesem Buch.
      Natürlich sind diese im Roman fiktive Personen, jedoch der Hintergrund ist ein ganz anderer (es sind wirkliche Geschehnisse welche realen Menschen angetan wurde ). Aber ich verstehe jeden der das Buch nicht lesen mag, das ist überhaupt kein Kritikpunkt. Mir ist es einfach wichtig diesen Roman nicht mit irgendwelchen fiktiven zu vergleichen. Ich hoffe man versteht was ich meine.

      Vielleicht hat jemand von euch den Film gesehen, dieses Buch ich ein echter Bericht eines Zeitzeugen.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Jessy1963 schrieb:

      Hattest Du es zu Ende gelesen ?
      Ja klar - um ein Buch abzubrechen muss ich es wirklich schlecht finden und obendrein noch nicht als Rezensionsexemplar bekommen haben. Beim Rezi-Exemplar breche ich nur ab, wenn ich es wirklich nicht ertrage es weiter zu lesen, was bisher nicht mal bei Coelho der Fall war (...weil es dünn genug war - bei über 200 Seiten hätte ich da tatsächlich die Segel gestrichen um nicht noch mehr Lebenszeit an ihn zu verschwenden). Aber schlecht war es ja nicht wirklich, denn schreiben kann sie wirklich ganz gut.

      serjena schrieb:

      Natürlich sind diese im Roman fiktive Personen, jedoch der Hintergrund ist ein ganz anderer
      Finde ich weniger, denn ähnliches oder sogar noch schlimmeres passiert vermutlich tagtäglich irgendwo. Womöglich ist es auch der zeitliche Abstand, der es für mich erträglicher machte, denn von den Sklaven lebt heute ja niemand mehr. Die Naziopfer hingegen leben z. T. heute noch und Kinder die Schreckliches durchmachen gibt es heute wie gesagt noch überall auf der Welt.
      Aber ich bin bei mir ziemlich sicher, dass die Sachlichkeit und Schlichtheit der Schilderungen für mich den Ausschlag gibt. Bei Lize Spit erinnerte mich die Ausführlichkeit der Schilderung an die zahlreichen Handy-Filmer an Unfallstellen, die beim Erzählen jammern, wie furchtbar der Unfall war, wie verstümmelt das Opfer, wie das Blut floss - man konnte kaum hingucken... Aber filmen ging, um es hinterher möglichst allen auch ganz genau in Nahaufnahme zeigen zu können. Die Faszination des Grausamen, die ich regelrecht abartig finde. Voyeurismus trifft es m. E. immer noch am ehesten.
    • Diamondgirl schrieb:

      von den Sklaven lebt heute ja niemand
      Entweder wir denken in zwei vschiedene Richtungen und schreiben somit aneinander vorbei. Zudem auch wenn heute von den damaligen Sklaven niemand mehr lebt, die Nachkommen...
      Aber ich denke wir könnten noch mehrmals miteinander schreiben, wir werden uns wohl nicht ganz verstehen. Das macht jedoch nichts, lassen wir es einfach so stehen. :friends:
      Denn in einem Punkt sind wir uns vollkommen einig, dieser Roman ist sehr gut und verdient viele Leser.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Danke für eure interessanten Beiträge an dieser Stelle! Ich habe die Lektüre ja noch vor mir und bin gespannt wie mein Eindruck von dem Buch sein wird.
      In einer Rezension beim Deutschlandfunk habe ich die vermutlich von @Jessy1963 gemeinte Szene, die bei ihr zum Abbruch geführt hatte, gelesen und noch ein paar andere Dinge. So im ersten Moment war ich mir da nicht mehr so sicher, ob das Buch da noch etwas für mich wäre. Aber nachdem ich deinen Beitrag gelesen habe @Diamondgirl, denke ich, dass ich damit umgehen kann.

      Diamondgirl schrieb:

      Ich fand das auch die fürchterlichste Stelle des ganzen Buches - von meiner eigenen Vorstellungskraft in Gang gesetzt, wohlgemerkt. Denn diese Stelle ist absolut sachlich, keine übertriebene Gefühlshascherei, kein Voyeurismus, keine übertrieben detailreiche Schilderung. Nur mit dem nötigsten Informationswert - denn es ging ja an dieser Stelle durchaus darum darzustellen, welche Behandlung sich ein krankes Hirn ausdenken kann - und aus einer wohlgewählten Distanz heraus geschildert.
      Die für mich wichtigsten Stichworte habe ich hervorgehoben. Ich denke mit einer derartigen Darstellung kann ich noch umgehen. Denn wenn es zu sehr auf Effekthascherei gepaart mit einem guten Schuß Voyeurismus hinaus gelaufen wäre, dann wäre es absolut kein Buch für mich. So kann ich mich vor dem lesen besser darauf einstellen.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • Marie schrieb:

      Habe mir gerade von meinem SuB das Buch genommen, das am lautesten danach rief, gelesen zu werden. Es ist das hier. :|
      Viel Spass (sofern man diesen bei dem Buch überhaupt haben kann ) und ich bin sehr gespannt auf Deine Meinung !
      "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt." (Johann Wolfgang von Goethe)
    • Meriva_3010 schrieb:

      Ich hatte das Hörbuch - die Sprechstimme ist sehr angenehm zum zuhören mit einem passenden Sprechtempo. die Geschichte ist optimal als Hörbuch.

      Marie schrieb:

      Der / die sicher einen Namen hat.

      edit: Habe ihn gefunden: Helene Grass. Obwohl Du schreibst, als handle es sich um einen Mann.
      Und hier ist das Hörbuch
      :study: Ich bin alt genug, um zu tun, was ich will und jung genug, um daran Spaß zu haben. :totlach:
    • Ein Tipp für die Berliner BücherTreffler: Am 24. Oktober um 20.00 Uhr liest Coleson Whitehead im Literarischen Colloquium am Wannsee. Wenn nichts dazwischenkommt, gehe ich hin. Vielleicht sieht man sich. :winken:
      :montag: Anne Köhler - Ich bin gleich da

      "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
      (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)

    • Über den Inhalt wurde schon alles gesagt, daher nur soviel: Obwohl mir bei Romanen aus der Historie die gesicherten Fakten sehr wichtig sind, habe ich keine Probleme damit, dass Whitehead aus dem Netzwerk der Railroad Underground eine reale unterirdische Eisenbahnlinie gemacht hat. Dadurch hat er "abstrakt" zu "konkret" gewandelt.

      Der Autor schreibt in einem gefälligen Erzählstil, so dass man der Handlung leicht folgen könnte, wären nicht die vielen Personen; manche von ihnen spielen nur in einer Episode eine Rolle, andere tauchen immer mal wieder sporadisch auf, den dritten gönnt Whitehead einen eigenen Handlungsstrang.

      Die Sklaverei wie im Buch geschildert wurde 1865 abgeschafft. Doch der Rassismus, der sie möglich machte, wirkt noch heute, 150 Jahre später, fort. Dass Amerika inzwischen von einem schwarzen Präsidenten regiert wurde und dass Schwarze in höhere Gesellschaftsschichten aufsteigen können, beweist nicht das Gegenteil. Eine Google-Suche mit den Stichwörtern "Sklaverei" und "modern" fördert erschreckende Beispiele zutage, nicht nur in Amerika. Insofern kann auch ein historischer Roman aktuell sein.

      Was ich absolut nicht verstehe: Dass man dem Buch mangelnde Emotionalität vorwirft. Ist es nicht Sache des Lesers, die Emotionen beizusteuern? Die Handlung wühlt auf alle Fälle auf und lässt (fast) niemanden unberührt.
      Sicher ist "Underground Railroad" eins der Bücher, die mich in diesem Jahr am stärksten gepackt haben, und sicher hätte es Zeiten gegeben, in denen ich das Buch nicht hätte lesen können.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • "Die Menschen tragen Ketten und sind Sklaven; aber sie sind nicht geboren, es zu sein, und haben die Hoffnung nicht verloren, wieder frei zu sein." (Matthias Claudius)
      Cora arbeitet ebenso wie ihre Großmutter auf der Randall Farm, für sie gab es nie etwas anderes, als Sklavin sich auf Plantagen zu schinden. Eines Nachts flüchtet dann Coras Mutter von der Farm und lässt ihre Tochter alleine bei ihrer Mutter zurück. Cora kann nicht nachvollziehen, warum sie, sie ganz alleine gelassen und nicht mitgenommen hat. Nach dem Tod des alten Plantagenbesitzer Randall wird die Farm an seine Söhne vermacht, die diese genauso herzlos weiterführen. Unter unerträglichen Bedingungen müssen die Sklaven der Randalls Bauwolle säen und ernten. Doch eines Tages tritt Caesar an Cora heran und offenbart ihr das er flöhe und sie mitnehmen möchte. Erst verneint Cora diesen Vorschlag, den selten ist einem Sklaven so eine Flucht gelungen und wenn man sie gefasst hätte, wäre dies ihr Todesurteil gewesen. Ein paar Tage später wusste Cora das, wenn sie jetzt nicht flieht, dies ihr Leben lang bereuen würde. Zusammen wollen sie mit der Underground Railroad in ein neues Leben fliehen. Dabei wird Ridgehead einer der berüchtigten Sklaveneintreiber, die beiden unerbittlich verfolgen, um sie an Randall auszuliefern, den dieser hat ein Kopfgeld auf sie ausgesetzt. Es beginnt eine abenteuerliche Reise bei denen sie heldenhafte Bahnhofswärter, Kopfgeldjäger und Leichendieben begegnen und überall lauern Gefahren. Werden sie ihre Freiheit wirklich finden?

      Meine Meinung:
      Mit Colson Whitehead ist hier ein fiktiver Roman erschienen, der die qualvolle Wirklichkeit der Sklaven in den USA widerspiegelt. Zur Vorlage nahm sich der Autor mehrere Slave narrative Vorlagen und gestalte damit einen fiktiven Roman, den es so nicht gab. Aber wenn man dieses Buch gelesen hat, kann man sich gut vorstellen, das es so gewesen sein könnte. Das Netzwerk der Underground Railroad gab es in Wirklichkeit, mit dieser wurden tatsächlich in der Mitte des 19. Jahrhunderts Sklaven zur Flucht verholfen. Der Schreibstil ist sehr gut, schade nur das dem Buch ein wenig die Emotionen fehlen, trotzdem hat es mich zu tiefst bewegt. Entsetzt hat mich auch, das ab dem Jahr 1776, 460 000 Sklaven in die USA verschleppt und als billige Arbeitskräfte gehalten wurden. Ich denke dabei immer an eine damalige Fernsehserie Roots bei denen dies auch drastisch geschildert wurde. Selbst heute noch muss die schwarze Bevölkerung mit vielen Benachteiligungen in der ganzen Welt, vor allem aber in den USA leben. Deshalb auch stellvertretend dieses Buch, für alle jene Sklaven, die bisher ihr Leben lassen mussten. Ausgezeichnet wurde es mit dem National Book Award 2016 und dem Pulitzer Preis 2017. Ein Buch, das man gelesen haben sollte und von mir 5 von 5 Sterne bekommt.
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