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Joyce Carol Oates - A Book Of American Martyrs (Start: 05.08.17)

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    A Book of American Martyrs

    von

    4.5|1)

    Verlag: Ecco

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 752


    ISBN: 9780062643049


    Termin: Februar 2017

    • Joyce Carol Oates - A Book Of American Martyrs (Start: 05.08.17)

      Am Samstag, den 05.08. beginnen @bittersweetlight und ich unsere MLR zu Joyce Carol Oates neuem Roman >A Book Of American Martyrs<.

      Weitere Teilnehmer sind herzlich Willkommen.

      Das Lesepensum haben wir noch nicht besprochen, aber ich denke, wir werden so ein bis zwei Kapitel pro Tag schaffen können.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • Teil 1 Soldier of God: Luther Amos Dunphy November 2, 1999

      Kapitel 1: Muskegee Falls, Ohio

      The Lord commanded me. In all that befell, it was His hand that did not waver.
      Schon diese erste Zeile des Romans hört sich irgendwie an wie eine Ausrede für das, was Luther Amos Dunphy dann, von Gott befohlen, tut.
      Denn natürlich war es Luthers Hand, die mit zwei Schüssen aus einer Schrotflinte das Leben des Arztes Augustus Vorhees und seines Begleiters, auf brutalste Art
      auslöschte.
      Oates setzt hier in diesem Kapitel Luther als Ich-Erzähler ein und versetzt damit den Leser mitten in die fanatische Gedanken- und Gefühlswelt dieses Mannes,
      der seinen Feind, den Arzt einer Abtreibungsklinik tötet. Offensichtlich war die Tat nicht spontan, sondern schon länger geplant, weil Luther zu einer christlichen
      Gruppe gehört, die jeden Morgen vor der Abtreibungsklinik (The Woman`s Center) gegen die Klinik protestiert. Er weiß auch, dass die Polizisten, die dort Aus-
      schreitungen vermeiden sollen, manchmal erst nach der Ankunft des Arztes kommen. Das nutzt er aus um gottbefohlen das Leben zweier Menschen auszulöschen.

      Wir erfahren, das Dunphy als Dachdecker arbeitet und verheiratet ist. Ob er hiermit mitteilen will, dass er eigentlich ein braver arbeitssamer Mann ist, soll hoffentlich
      keine Entschuldigung für seine Tat sein, klingt aber so.
      Das Kapitel endet damit, dass Luther nach der Exekution (so nennt er das selbst) die Schrotflinte beiseite legt, niederkniet und mit erhobenen Händen beginnt zu beten.
      Er wartet auf die Polizei und eine weitere Entscheidung seines Gottes. Wird die Polizei ihn erschießen, wenn er eine falsche Bewegung macht und ihn somit erlösen, oder
      entscheidet Gott anders? Luther hofft auf den Tod des Märtyrers wie die folgenden Zeilen zeigen.

      That they would execute me in a barrage of bullets that there would be three of us laid lifeless on the asphalt driveway on that morning as a sign to all
      the world, the abortion butchery must stop.
      Verrückt, nicht wahr. Da will jemand das "Abschlachten" der Abtreibungen stoppen und versucht das durch das Abschlachten eines Arztes und seines völlig unschuldigen
      Begleiters. Aber wie kommt es zu so einer, für mich absolut nicht nachvollziehbaren, Tat? Was für ein verwirrter Geist steckt dahinter? Was für eine verdrehte Ansicht der
      christlichen Lehre und ihres Gottes liegt da zugrunde?
      Zum zweiten Kapitel dann heute Abend. Das Erste wirft ja schon einige Fragen auf.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • Hallo @taliesin,

      taliesin schrieb:

      Schon diese erste Zeile des Romans hört sich irgendwie an wie eine Ausrede für das, was Luther Amos Dunphy dann, von Gott befohlen, tut.
      Oder er will deutlich machen, dass er zu höherem berufen wurde und diese Tat göttlichen Zielen diente. In seinen Augen wertet dies dies den Mord "auf" und sich selbst ebenfalls. Schrecklich sowas.

      taliesin schrieb:

      Wir erfahren, das Dunphy als Dachdecker arbeitet und verheiratet ist. Ob er hiermit mitteilen will, dass er eigentlich ein braver arbeitssamer Mann ist
      ...und damit entspricht er voll und ganz dem christlichen Ideal.

      Die Army of God existiert tatsächlich. Ihr Ziel: Das Ungeborene verteidigen und die Mörder (Abtreibungsärzte) killen. Wie praktisch, dass in den USA fast jeder eine Waffe haben darf....

      wikipedia schrieb:

      In den Vereinigten Staaten ist der Schwangerschaftsabbruch seit dem Urteil Roe v. Wade des Obersten Gerichts im Jahr 1973 grundsätzlich bis zur Lebensfähigkeit des Kindes zulässig. Die einzelnen Bundesstaaten haben aber die Kompetenz, eigene rechtliche Regelungen festzulegen, solange sie nicht eine ungebührliche Belastung (undue burden) für die Frau darstellen. Eine Reihe von Bundesstaaten haben restriktive Regelungen erlassen, wie obligatorische Beratung, Bedenkzeit, Vorschriften für Kliniken oder Zustimmung der Eltern bei Minderjährigen. Mit dem Urteil des Obersten Gerichts im Jahr 2007 im Fall des Partial-Birth Abortion Ban Act wurde deutlich, dass das Gericht diese Bestrebungen teilweise mitträgt. Das Oberste Gericht hat in einem Urteil vom 19. Februar 1997 aber auch entschieden, dass es zulässig ist, rund um Abtreibungskliniken so genannte Bubble zones (Sperrzonen für demonstrierende Abtreibungsgegner) festzulegen.
      Zwei Referenden zur massiven Verschärfung der gesetzlichen Regelung des Schwangerschaftsabbruchs scheiterten im November 2008 in den Bundesstaaten South Dakota und Colorado.
      An anderer Stelle habe ich gelesen, dass die Vorschriften für die Kliniken schwer bis gar nicht einzuhalten sind, sodass eine um die andere schließen muss.

      Die radikale Auslegung der Bibel ist gerade in den USA nichts Neues und dennoch schaudert es einen, wenn man liest, zu welchen Schritten einige bereit sind.

      Im 2. Kapitel erfahren wir, wie er den Auftrag von Gott erhielt. Einige Tage zuvor stand er vor besagtem Center und jemand, der zu der protestierenden Menge gehört, raunte ihm zu, dass der Leiter vor der Ankunft des Polizeischutzes das Gebäude betritt. Luther spottet über diesen Wahnwitz, denn der Klinikleiter fordert sein Schicksal als Nr. 3 der Abschussliste geradezu heraus. Gott ist bereits in Luthers jungen Jahren in Erscheinung getreten als er seine ersten Jahre als Dachdecker zubrachte. Da er wenig redet und auch sonst alles andere als redegewandt ist, ist der Beruf des Pfarrers unerreichbar. Wie übersetzt man lay minister am treffendsten? Ich würde sagen, es ist jemand der sich sehr in der Kirche engagiert und Aufgaben wahrnimmt, ohne Würdenträger zu sein :?:

      Von Frauen scheint Luther auch nicht viel zu halten. Der weibliche Geist ist für den Teufel leichter zu erreichen, eine Frau, die sich für eine Abtreibung entscheidet, ist durch das Durcheinander ihrer Hormone quasi als unzurechnungsfähig zu betrachten :evil:

      Ich sehe schon, das Buch fordert heraus :study:
    • zu Kapitel 2 - Turns

      bittersweetlight schrieb:

      Wie übersetzt man lay minister am treffendsten? Ich würde sagen, es ist jemand der sich sehr in der Kirche engagiert und Aufgaben wahrnimmt, ohne Würdenträger zu sein
      In einer Freikirche (dazu gehören meines Wissens nach die evangelikalen Kirchen) würde man das wohl Laienpfarrer nennen. Laienprediger passt ja bei Dunphy nicht,
      weil er nicht frei reden kann. (davon erfahren wir später mehr).

      bittersweetlight schrieb:

      Von Frauen scheint Luther auch nicht viel zu halten. Der weibliche Geist ist für den Teufel leichter zu erreichen, eine Frau, die sich für eine Abtreibung entscheidet, ist durch das Durcheinander ihrer Hormone quasi als unzurechnungsfähig zu betrachten
      Ich war schon so gespannt auf deinen Kommentar auf diese Passagen. Wenn Dunphy das nicht so ernst meinen würde, klingt das ja schon fast witzig. Einmal im
      Monat zieht also der Satan in den weiblichen Körper ein (und bringt auch ein paar Hormone zum MIttagessen mit). Dann muss der Mann sie retten, damit sie nicht
      auf dumme Ideen kommt. :roll:
      Schlimm ist, dass er auch schreibt, dass die Frauen in seiner Verwandschaft das akzeptieren.
      Interessant ist auch das Ende des Kapitels, indem wohl der Vorarbeiter etwas zu Dunphys Verhalten schreibt. Offensichtlich gab es ja einen Unfall bei dem Dunphy
      eine Tochter verliert. Er fuhr den Wagen.
      Wie der Mord kommentiert wird gab mir zu denken, denn auch der Vorarbeiter bezeichnet Vorhees als Babymörder.

      Danke für den Artikel über die Army of God. Es ist schon erschreckend wie stark diese Verfechter der radikalen Bibelauslegung in den U.S.A sind und das sie auch
      von der Bevölkerung (vor allem im Mittelwesten) so unterstützt werden.
      Auf die Idee zum Buch kam Oates übrigens durch den Mord an einem Arzt im Jahre 2015. Auch er wurde durch einen fanatischen Anhänger dieser Kirche getötet.

      Und ja, das Buch fordert heraus...und das ist erst der Anfang :-,
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • Kapitel 3 The miracle of the little hand


      Als Dunphy seine Frau Edna Mae kennenlernt händigt sie ihm eine Broschüre aus, die in ihrer Kirche verteilt wird. So findet er durch seine Frau den Weg
      zur St. Paul Missionary Church. Die Geschichte über einen Abtreibungsarzt dem der Fötus kurz die Hand schüttelt und ihn so auf den richtigen Weg
      bringt (sorry, da werde ich zynisch) ist so unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen, dass ich einfach nicht verstehen kann, dass diese Leute dem
      Glauben schenken. ?(
      Jetzt weiter zu Kapitel 4......... :study:
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    • Kapitel 3

      taliesin schrieb:

      Die Geschichte über einen Abtreibungsarzt dem der Fötus kurz die Hand schüttelt und ihn so auf den richtigen Weg bringt (sorry, da werde ich zynisch) ist so unglaubwürdig und an den Haaren herbeigezogen, dass ich einfach nicht verstehen kann, dass diese Leute dem
      Glauben schenken.
      Dem ist nicht mehr hinzuzufügen :!:

      Kapitel 4 - Defending the defenceless

      Als Reaktion auf das Urteil Roe vs. Wade entstand eine protestantisch-katholische Allianz, die Coalition. Sie zweifeln die Rechtsprechung des Staates an, da sie auf atheistischem Grund agiert. Diese Coalition lädt zur Rede von Professor Wohlman, einem Ex-Mitglied der Demokraten, der beinahe Priester geworden wäre. Luther und seine Frau fahren wenige Monate nach dem Tod ihrer Tochter mit ihrer Gemeinde nach Huntington West um ihn reden zu hören.

      Ironischerweise fehlt bei diesem Vortrag die Bibel als Grundlage. Hier konnte ich mir ein kleines Grinsen nicht verkneifen. Keine Zitate, nichts. Die Unterschiede zwischen der protestantischen und der katholischen Kirche fallen Luther auf, besonders auf die Heiligen ist er fixiert. Wohlman hält eine flammende Rede. Er beschreibt bildlich, was die Abschlächter mit den Ungeborenen machen. Das kleine Lebewesen hat keinen rechtlichen Rückhalt. Aber die Märtyrer, die diese schutzlosen Wesen schützen, in dem sie die Mörder zur Strecke bringen, werden vom Staat zum Tode verurteilt. Die Petition für einen dafür verurteilten Mann lautet sinngemäß: Wir sagen uns von den menschengemachten Gesetzen los und folgen dem Worte Jesu. Wir werden alles tun, um das ungeborene Kind zu schützen. Terence Mitchell hat die Staatsgesetze, jedoch nicht das Gesetz Gottes gebrochen. Seine Tat war gerechtfertigt. Er bittet zum Schluss, für die scheidenden und die kommenden Märtyrer zu beten.

      Joyce Coral Oates schrieb:

      ...and pray for ourselves to find the strenght to act as we must, when we must.

      Luther ist verwirrt und erschüttert, dass der Weg zu Gott über Jesus doch nicht so einfach ist wie er bislang glaubte und schämt sich dessen. Er spricht während des Vortrages (dem er übrigens nicht ganz folgen kann) von einem Gefühl, the sickening sensation of loosing balance. In diesem Zustand befindet er sich ständig, wie ich finde. Das Gebot des Mehrens empfindet er als Bürde, ebenso seine Frau, die seit dem Tod der Tochter schwer depressiv ist, ihre häuslichen und mütterlichen Pflichten vergisst und oft orientierungslos ist. Als er sie mit einem Kissen ersticken will :shock: , möchte er sich entlasten, nicht sie, wie er vorgibt. Dem Himmel sei Dank hat er eine göttliche Eingebung :shock: Wie jetzt klar wird, hat Luther 4 weitere Kinder.

      Zum Thema Abtreibung habe ich bislang nichts gesagt, es steht mir auch nicht zu. Ich war noch nie in dieser Situation (und werde mir diese Frage hoffentlich nie stellen müssen) Es stimmt, dass das ungeborene Kind nichts dafür kann. Frauen, die sich dafür entscheiden, haben sich die Entscheidung bestimmt auch nicht leicht gemacht. Der erhobene Zeigefinger (auch in Bezug auf die Ärzte) ist für mich unangebracht.

      Puh, das Buch schafft mich ganz schön. Nach dem Kapitel musste ich erstmal an die frische Luft.
    • zu Kapitel 4

      bittersweetlight schrieb:

      Luther ist verwirrt und erschüttert, dass der Weg zu Gott über Jesus doch nicht so einfach ist wie er bislang glaubte und schämt sich dessen. Er spricht während des Vortrages (dem er übrigens nicht ganz folgen kann) von einem Gefühl, the sickening sensation of loosing balance. In diesem Zustand befindet er sich ständig, wie ich finde.
      Ja, das stimmt. Verwirrung und Unsicherheit ist sozusagen der Grundzustand des Luther Amos Dunphy. Er findet keinen sicheren Stand, weder was seine Gedanken noch was
      seine Gefühle betrifft. ER versucht sich immer an Anderen festzuhalten. Professor Wohlmann ist ihm zu intellektuell, er kann ihm kaum folgen. So passiert es, dass er sich am
      bildlichen festhält. An den Märtyren, die vor ihm zur Tat schritten und die Feinde mit Gewalt bekämpften. Er schließt sich der Operation Rescue an und damit beginnt der Weg,
      der ihn zum Womans Center und zur Ermordung des Artztes Vorhees führt.

      bittersweetlight schrieb:

      ebenso seine Frau, die seit dem Tod der Tochter schwer depressiv ist, ihre häuslichen und mütterlichen Pflichten vergisst und oft orientierungslos ist. Als er sie mit einem Kissen ersticken will , möchte er sich entlasten, nicht sie, wie er vorgibt.
      Diese Szene in der Luther neben seiner völlig erschöpften und traumatisierten Frau im Bett liegt und glaubt, dass Gott ihm sagt, dass er sie erlösen soll, damit sie im Himmel
      bei ihrer Tochter sein kann, sind wirklich schwer zu lesen. Oates beschreibt das so albtraumhaft und intensiv, dass man schwer Luft holen muss. Eine schlimme Szene, aber
      erstklassig wiedergegeben.

      bittersweetlight schrieb:

      Puh, das Buch schafft mich ganz schön. Nach dem Kapitel musste ich erstmal an die frische Luft.
      Ja, ein schwieriges Thema das die Autorin hier anfasst. Die Fronten sind da wohl nicht nur in Amerika sehr verhärtet. Das Problem ist, dass in den U.S.A eben auch noch
      zu Gewalt gegriffen wird und es beinahe unmöglich ist, sich da neutral zu verhalten. Für praktizierende Christen geht es da wohl auch um die Frage der Auslegung des fünften
      Gebots, für andere um den freien Willen. Aber, wie du schon schreibst, den erhobenen Zeigefinger sollte man sich sparen, vor allem, wenn man, wie Luther Dunphy, dieses
      fünfte Gebot mit Füßen tritt.
      Ein wenig frische Luft brauchte ich nach diesem Kapitel auch.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
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    • Kapitel 5 The lost daughter

      Frau Oates macht es dem Leser nicht einfach. Auch in diesem Kapitel schnappt man ob Luthers Verhalten öfter nach Luft. Das ist teilweise purer Selbstbetrug
      und mir offen gesagt, völlig unverständlich und durch nichts zu erklären.
      Luter schildert den Unfall bei dem seine jüngste Tochter Daphne stirbt und er schwer verletzt wird. Der Unfallverursacher begeht Fahrerflucht, aber so ganz unschuldig
      an diesem Unfall scheint der wieder einmal leicht verwirrte Luther auch nicht zu sein. Sehr schlimm fand ich allerdings, dass Luther sich einfach weigert zu sagen,
      dass Daphne (ein Kind mit Down-Syndrom) mit ihm im Auto war. Das ist doch einfach unfassbar. Das Mädchen stirbt bei diesem Unfall und er behauptet steif und fest,
      dass sie nie in seinem Auto war. Sie starb, so sagt er sich selbst, während seines Krankenhausaufenthaltes nach dem Unfall. Mir fehlen die Worte. Dannach beginnt
      dann Verdrängung der besonderen Art, denn auch Edna Mae redet einfach nicht mehr vom Tod der Tochter. Beide verlieren kein Wort mehr darüber und offensichtlich
      helfen ihnen die Mitglieder der Kirche auch bei dieser Totalverweigerung.
      Edna Mae did not try to convince me that our three-year-old daughter had been in the vehicle with me for Edna Mae would not speak of the little girl at all.
      And others in the family told me, there was no need to think of it.
      Den Rest des Kapitel erzählt wohl jemand aus dem weiteren Familienkreis, aber wer das ist bleibt verborgen.
      Wir erfahren etwas über das Verhalten der Eltern als ihnen klar wird, dass sie ein Kind mit Down Syndrom bekommen werden. Natürlich wollen beide nichts von einem
      Schwangerschaftsabbruch wissen, was ja auch ihr gutes Recht ist, aber sie wollen auch keine Hilfe bezüglich des weiteren Vorgehens, denn ein Kind mit Down Syndrom
      ist eine Herauforderung. Auch eine Herzoperation lehnen sie ab, obwohl das bei vielen dieser Kinder unbedingt zu empfehlen ist, denn fast alle kommen mit einem Herz-
      fehler zur Welt.
      Ein paar kritische Anmerkungen erlaubt sich der Erzähler dann auch hinsichtlich Luthers Sturheit und Uneinsichtigkeit.
      The deeper a man`s feelings are, the quieter he is. Which can be deceiving, as Luther`s actions have proven. You could see the stubbornness in the
      man`s face for as long as we have known him. The set of his jawlike the set of a horse`s jaw when the horse has made its mind up and nothing can
      change it.
      Luthers Verweigerung zu akzeptieren, dass sein Kind bei diesem Unfall starb, ist meiner Meinung nach ein hilfloser Versuch seine Schuldgefühle zu verdrängen,
      aber wie der Erzähler schon schreibt: That, Luther Dunphy would never get over. That he`d been driving that car.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • taliesin schrieb:

      Eine schlimme Szene, aber erstklassig wiedergegeben.
      Mir gehen viele Passagen des Buches unter die Haut, das muss man wirklich anerkennen. Das Grauen steigert sich von Kapitel zu Kapitel. Es provoziert sehr, das nächste Kapitel war für mich eigentlich unzumutbar. Nein, lesen will ich sowas nicht. Aber das Leben ist nun mal an Grausamkeiten nicht arm und Oates erzählt alles so eindringlich, dass man doch an den Zeilen klebt :pray: Sie nimmt keine Stellung ein, sondern lässt jeden für sich erzählen.

      taliesin schrieb:

      Luthers Verweigerung zu akzeptieren, dass sein Kind bei diesem Unfall starb, ist meiner Meinung nach ein hilfloser Versuch seine Schuldgefühle zu verdrängen,
      Er entscheidet sich für Daphne, ist jedoch der Führer des Fahrzeugs, in dem seine Tochter stirbt. Dieser grausamen Ironie des Lebens kann er nicht entkommen. Wie auch?

      Inzwischen glaube ich, dass sich Luther mit den Morden von allem zu befreien versuchte. Seiner Familie, seinem Leben und von seinem Ungleichgewicht. Er will den Moment heraufbeschwören, in dem alles Sinn macht.

      Kapitel 6 - Sin

      Joyce Coral Oates schrieb:

      At age twelve, and for years to come, I dwelt in filth and shame.
      Luther prügelt sich mit für andere schlimmen Folgen, quält Mitschüler, behandelt Frauen wie den letzten Dreck und fühlt sich dabei so erhaben. Zu Hause ist Gewalt ebenso vorherrschend. Und wieder ist es die Ironie des Schicksals, dass er einmal eingreift in die Misshandlung eines Mitschülers und später die Polizei vor der Tür steht. Er streitet ab, überhaupt davon zu wissen, ist aber nicht sonderlich überzeugend. Sein Vater bestraft ihn hart und ignoriert ihn daraufhin, was Luther nicht nachvollziehen kann.

      Ich hasse Luther :evil: Er hat Glück, dass ihn Felice vergleichsweise glimpflich verletzt :evil: :evil: :evil: Edna Mae, lauf so schnell Du kannst! Aber wir kennen ja das Ende vom Lied. Viele akzeptieren die Liebe, die sie zu verdienen glauben. Mit Anfang 20 lässt er sein altes Leben hinter sich und wird zum zweiten Mal getauft.
    • zu Kapitel 6

      bittersweetlight schrieb:

      Inzwischen glaube ich, dass sich Luther mit den Morden von allem zu befreien versuchte. Seiner Familie, seinem Leben und von seinem Ungleichgewicht. Er will den Moment heraufbeschwören, in dem alles Sinn macht.
      Und doch gelingt ihm auch das nicht richtig. Er tötet den auserkorenen Feind und stellt, so denkt er, endlich etwas dar, aber er tötet auch den Begleiter.
      Im Grunde hat er schon wieder versagt..........

      bittersweetlight schrieb:

      Sie nimmt keine Stellung ein, sondern lässt jeden für sich erzählen.
      Oates verurteilt nicht und das zieht sich durch das ganze Buch. Der Leser muss sich ein Bild machen und das betrifft nicht nur die Familie Dunphy.

      bittersweetlight schrieb:

      Edna Mae, lauf so schnell Du kannst! Aber wir kennen ja das Ende vom Lied
      Schon richtig, wir trauen es Edna Mae nicht zu auszubrechen. Sie scheint einfach nicht der Typ zu sein, der sich wehrt. Aber man darf nicht vergessen, dass sie jetzt alleine
      mit ihren Kindern ist. Ist sich Dunphy der Tragweite seiner Tat überhaupt bewusst. Er lässt ja damit auch seine Familie völlig hilflos zurück.
      Aber lesen wir weiter...........
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • Kapitel 7 The Calling

      Luther hat eine Idee, eine neue Berufung und natürlich verfolgt er diese Idee mit der ihm eigenen Sturheit und Uneinsichtigkeit. Trotz der nicht gerade ermunternden
      Reaktion des Reverend Dennis auf seine Idee eine Karriere in der Kirche anzustreben, beharrt Luther darauf in der Toledo School of Ministry zu studieren und
      gleichzeitig an drei Tagen die Woche weiter als Dachdecker zu arbeiten. Ein Pensum, das eigentlich kaum zu schaffen ist.
      Es kommt wie es kommen musste. Auch hier ist es wie in der Schule, auch hier kommt er nicht wirklich mit, verachtet die anderen Studierenden und bleibt der
      Außenseiter. Schon im zweiten Semester ist er öfter in Bars in Toledo, betrinkt sich und wird (ach, der arme Kerl) in seiner Schwäche von bösen Frauen verführt,
      während Edna Mae nach kurzer Schwangerschaft eine Fehlgeburt erleidet.
      Obwohl man ihm nahelegt das Studium zu beenden, besteht er darauf weiterzumachen und irgendwie bekommt er wohl auch ein Diplom.
      Das Kapitel endet mit einem Text, indem sich die Kirche von Luthers Tat distanziert. Trotzdem richtet sie eine Art Spendenkonto für ihn ein, damit er einen Anwalt
      bezahlen kann und seine Familie während seiner Abwesenheit halbwegs versorgt ist.
      Auch hier erleben wir wieder hautnah Luthers verquere Ideen, sein Scheitern und natürlich auch seine Versuche das Ganze auf andere zu schieben.
      Zur Not hilft da auch mal der Satan, der in allen Frauen wohnt und die Fleischeslust, die ja auch von Satan kommt und gegen die Luther sich nicht wehren kann.
      Jawohl, alles wie gehabt............. :roll: :evil: .
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    • taliesin schrieb:

      Schon richtig, wir trauen es Edna Mae nicht zu auszubrechen.
      Die Warnung galt Edna Mae als sie noch eine Wahl hatte, bevor sie Luther geheiratet hat. Für sie würde ausbrechen vor allem bedeuten, Ihre Ideale zu verraten. Dann hätte sie aber nichts Konstantes mehr in ihrem Leben....

      taliesin schrieb:

      Luther hat eine Idee, eine neue Berufung und natürlich verfolgt er diese Idee mit der ihm eigenen Sturheit und Uneinsichtigkeit. Trotz der nicht gerade ermunternden
      Reaktion des Reverend Dennis auf seine Idee eine Karriere in der Kirche anzustreben, beharrt Luther darauf in der Toledo School of Ministry zu studieren und
      gleichzeitig an drei Tagen die Woche weiter als Dachdecker zu arbeiten. Ein Pensum, das eigentlich kaum zu schaffen ist.
      Warum will er immer alles gleichzeitig? Das kann in seinem Fall nur ein Scheitern nach sich ziehen

      taliesin schrieb:

      Auch hier erleben wir wieder hautnah Luthers verquere Ideen, sein Scheitern und natürlich auch seine Versuche das Ganze auf andere zu schieben.
      Sonst müsste er sich der Wahrheit stellen, das ist ausgeschlossen.

      Die öffentliche Distanzierung der Kirchengemeinde ist in Luthers Fall glaube ich tatsächlich als solche zu werten. Versteckter Beifall wird ihm nicht zuteil. Wie Du schon erwähntest: Er hat wieder einmal versagt...
    • Kapitel 8 A soldier of Christ

      Mit diesem Kapitel verlassen wir vorerst das Ehepaar Dunphy und ihre Kinder (von denen wir noch nicht allzuviel wissen). Dunphy sieht sein Scheitern bezüglich
      einer Karriere in der Kirche als letztes Zeichen Gottes an. Jetzt bleibt nur noch die endgültige Tat des Märtyrers. ER muss sich opfern und sich den anderen
      Soldaten Gottes anschließen, die im Zeichen Gottes Abtreibungsärzte getötet haben. Zwar hat er Angst und hofft, dass Gott seine Pläne für ihn noch einmal
      ändert, aber im Grunde sind die Würfel gefallen.
      Er hat seltsame, abwegige Theorien. So, zum Beispiel, dass Luther Vorhees Schuld ist am Tod seiner Tochter, dass er der Fahrer des Unfallwagens war und nun
      von Luther die gerechte Strafe erhält.
      And so it seemed, executing the abortionist-murderer Vorhees was intended as a way of exacting justice for our daughter.
      Da fehlen mir die Worte.............

      Nachdem er sich von seiner noch schlafenden Familie verabschiedet hat, schreitet Luther zur Tat und sein Leben wie es einmal war, findet ein Ende.

      Die Familie, von der Luther behauptet, dass sie sein ein und alles war, lässt er im Stich. Er ist nun ganz seiner Sache als Soldat Gottes verpflichtet.
      Da schüttelt es mich. Macht er sich Gedanken welch furchtbares Leid er, nicht nur über seine eigene, sondern auch über die Familie Vorhees bringt?
      ist sich Luther dessen wirklich bewusst? Meiner Meinung nach ein extrem egoistisches und asoziales Verhalten, an dessen Ende ein Mord steht.
      Ob soviel Ignoranz kann man schon Wut empfinden.

      Beim ersten Lesen dieses, was die Gefühlslage angeht, wirklich sehr fordernden Romans, hatte ich an dieser Stelle kurz die Vorstellung, dass Frau Oates
      uns nun, im zweiten Teil der Geschichte mit der Familie Vorhees den absoluten Gegensatz zu den Dunphys zeigt.
      Dabei wusste ich doch aus anderen Romanen der Autorin, dass sie dem Leser solche Vorstellungen ganz gerne einmal kräftig um die Ohren haut.
      Schauen wir also mal wie es bei den Vorhees ausschaut. Bisher hatten wir die Familie des Täters, jetzt wenden wir uns der Familie des Opfers zu.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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    • Zweiter Teil: The Life and Death of Gus Vorhees: An Archive


      Kapitel 9 Abortionist`s Daughter
      Nur ein Satz und er klingt ein wenig zynisch: >You must be grateful, he didn`t kill you<

      Kapitel 10 Memory, undated
      >Why can`t we live with Daddy?<
      Because it`s dangerous to live with Daddy.
      >Don`t you love Daddy? Are you mad at Daddy?<
      Yes. I am mad with Daddy. But yes, I love Daddy.

      Das wirft Schatten voraus. Offensichtlich gab es schon vorher Anfeindungen gegen den Arzt.


      Kapitel 11: Memory undated: Flying glass

      Der Doktor wurde bei einem Anschlag durch Glassplitter verletzt. Hier erzählt die Tochter, die sich aber, weil sie noch so jung war, nicht deutlich an die Zeit in Michigan
      und den Anschlag erinnern kann. >I don`t remember but if I write down a few words, other words will (sometimes) follow unexpectedly<.

      Man mag sich gar nicht vorstellen, wie traumatisch sich diese Ereignisse auf die Kinder auswirken werden.
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    • bittersweetlight schrieb:

      wollte nur kurz Bescheid geben, dass ich erst ab Freitag wieder schreiben kann.
      Ok, ich schreibe noch etwas zu Kapitel 12 und warte dann auf dich............. :winken:
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • Kapitel 12 "Rot In Hell"


      Nach dem Tod des Vaters erhät die Familie Briefe, aber es sind keine Beileidsbekundungen. Die Vorhees wissen, das es besser ist diese Briefe nicht zu öffnen,
      aber manchmal öffnet die Mutter sie. Wie abartig können Menschen sein. Hier der Inhalt:
      Now you know what its like you athiest bitch. You & yours will rot in Hell.
      BABY KILLERS
      Schwer zu verstehen, wes Geistes Kind diese Menschen sind. Nach all dem Leid müssen sie sich jetzt auch noch mit den Idioten dieser Welt auseinandersetzen.
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (MLR)
      :study: John Burnside - Ashland & Vine (MLR)
    • taliesin schrieb:

      bittersweetlight schrieb:

      wollte nur kurz Bescheid geben, dass ich erst ab Freitag wieder schreiben kann.
      Ok, ich schreibe noch etwas zu Kapitel 12 und warte dann auf dich............. :winken:
      Einen Tag später als angekündigt :uups: Hier bin ich wieder! Gestern Abend war ich so hundemüde, die Äuglein sind zugefallen, ehe der Rechner hochgefahren war :uups: Heute Abend habe ich leider auch wenig Zeit, morgen werde ich dann bis einschließlich Law of Exponents ausführlich schreben...

      Für den Szenenwechsel zu den Vorhees bin ich ehrlich gesagt dankbar gewesen. Luther hat mich sehr an meine Grenzen gebracht. Die letzte Unterhaltung mit seiner Frau fand ich absolut grandios umsetzt :pray: Er achtet nur auf ihre äußere Erscheinung, die für ihn wie immer eine Qual zu sein scheint. Sie, mit all ihren Pillen intus, hat einen klareren Verstand als er. Sie merkt an, dass man nicht nur einen Menschen tötet, sondern gleichzeitig einen Sohn, einen Ehemann, einen Vater....das ist die perfekte Überleitung!
    • bittersweetlight schrieb:

      Heute Abend habe ich leider auch wenig Zeit, morgen werde ich dann bis einschließlich Law of Exponents ausführlich schreben...
      So weit bist du schon.......... :shock:
      Achte auf die Stille und bewahre sie, denn sie bringt alle Träume des Menschen

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