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Kent Haruf - Unsere Seelen bei Nacht / Our Souls at Night

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    Unsere Seelen bei Nacht

    von

    3.5|6)

    Verlag: Diogenes

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 208


    ISBN: 9783257069860


    Termin: März 2017

    • Kent Haruf - Unsere Seelen bei Nacht / Our Souls at Night

      Original : Our souls at night (Englisch/USA, 2015)

      INHALT :
      Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.

      BEMERKUNGEN :
      Dieser Roman erschien postum, und mag wie ein Erbe klingen seitens des alternden Schriftstellers. Das Thema setzt sofort ein : schon im ersten von 43 schraffen und kurzen Kapiteln steht die circa siebzigjährige Addie Moore vor der Türe von Louis Waters und macht ihm dieses zunächst mal seltsam klingende Angebot. Doch es geht nicht um Sex und ein flottes Nachtleben, sondern darum, die Einsamkeit der beiden Witwer zu überwinden, zu teilen, und die « schweren Nächte gemeinsam zu überstehen ». Nach kurzem Zögern willigt Louis ein. Und geht also regelmäßig mit Zahnbürste und Pyama in der Tasche abends rüber zu Addie. Gut, sie kannten sich eher indirekt, da die verstobrne Frau von Louis mit Addie enger bekannt war, doch ansonsten : ein gewagter Schritt ! Oh, die etwas muffige Kleinstadt redet schnell, und mauschelt, was denn da passiert. Auch die eigenen Kinder ziehen überhaupt nicht mit. Und selbst wenn diese selbst total wirr in ihren Beziehungen leben sollten, können sie diese mehr als lautere Beziehung mit so echten Motivationen nicht gutheißen. Inzwischen ändert sich das Leben der lange Alleinstehenden : sie kommen einander näher und näher. Und der Titel spricht vielleicht eine Ebene an, von der heute weniger die Rede ist : da ist nicht von Körper, Lust oder auch mal Herz und Schmerz die Rede, sondern von der Seele. Die wachsende Vertrautheit schafft Nähe und eine Form der (Mit-Verantwortung für sich selbst, für den anderen.

      Wie aber dann trotz allen Geredes seinen Weg gehen ? Ja, die beiden alternden Leute scheinen eine Form der Unabhängigkeit und Losgelöstheit gefunden zu haben, die manch Jüngerem ferne ist. Wie weit ?


      « Die freie Suche nach Glück verlangt immer mehr Mut als man sich vorstellt... »

      Die Sprache ist einfach, relativ knapp sogar. Die Dialoge oft kurz und einsätzig, wie es im Leben halt oft ist. Nur ab und zu kommt der ein oder die andere ins Erzählen eines Aspektes seines/ihres Lebens.

      Zu meiner eigenen Überraschung bleibt mir wohl nichts anderes übrig als diesen Roman unter « Liebesromane » einzuordnen, was eigentlich echt nicht mein Genre ist. Kritisch betrachte ich die Schilderung der Rückständigkeit so vieler Einwohner und Familienmitglieder. Ist das möglich, heute ? Aber grundsätzlich sicherlich ein Roman, wie er vielen hier gefallen könnte !!!

      AUTOR :
      Kent Haruf (geboren 24. Februar 1943 in Pueblo, Colorado; gestorben 30. November 2014 in Salida, Colorado) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er war der Sohn eines methodistischen Pfarrers, graduierte 1965 an der Nebraska Wesleyan University (NWU). Später, 1973, machte er noch einen M.F.A. im Iowa Writers’ Workshop an der University of Iowa.

      Haruf jobbte in verschiedenen Tätigkeiten und kam auch als Angehöriger des Peace Corps in die Türkei, wo er Englisch unterrichtete. Er lebte später mit der Familie in Salida und arbeitete als Lehrer an einer Highschool und wurde dann noch Assistant professor für Literatur an der NWU und Gastdozent an der Southern Illinois University.

      Harufs Romane spielen in der fiktiven Kleinstadt Holt in der Prärie Colorados. Sein erster Roman The Tie That Binds erschien 1984 und erhielt einen Whiting Award. Er veröffentlichte auch Kurzgeschichten. Der Roman Plainsong stand 1999 auf der Shortlist des National Book Award for Fiction und wurde ein Bestseller in den USA. 2006 erhielt Haruf den Dos Passos Prize und 2014 den Folio Prize. Der Roman Eventide wurde 2010 von Eric Schmiedl für das Denver Center for the Performing Arts (DCPA) eingerichtet. Der Roman Benediction kam im Februar 2015 ebenfalls dort auf die Bühne.

      Ab 2017 findet in Harufs Heimatstadt Salida zu seinen Ehren jährlich ein literarisches Festival statt

      Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
      Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (22. März 2017)
      Sprache: Deutsch
      ISBN-10: 3257069863
      ISBN-13: 978-3257069860
      Adolf Muschg - Das gefangene Lächeln
      Alex Stock - morgen: theologie einer tageszeit
      Esther Kinsky - Naturschutzgebiet

      (Un-)Gelesenes: buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#shelf
    • Hier ein Link zu einer Ausgabe im Original: Our Souls at Night

      Angesichts einer recht einfachen Sprache müsste dies vielen Englischsprechenden zugänglich sein?


      Taschenbuch: 192 Seiten
      Verlag: Picador; Auflage: Main Market Ed. (5. Mai 2016)
      Sprache: Englisch
      ISBN-10: 144729937X
      ISBN-13: 978-1447299370
      Adolf Muschg - Das gefangene Lächeln
      Alex Stock - morgen: theologie einer tageszeit
      Esther Kinsky - Naturschutzgebiet

      (Un-)Gelesenes: buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#shelf
    • Das Buch beginnt als berührende Geschichte und weckt anfangs große Erwartungen: Realistisch und kitschfrei wird von Addie und Louis erzählt, die ihre nächtliche Einsamkeit und Schlaflosigkeit überwinden, indem sie die Nächte freundschaftlich zusammen im Bett verbringen und sich Ereignisse aus ihrem Leben erzählen. Schmerzliche Erfahrungen, folgenreiche Episoden, lapidar Alltägliches. Sie kommen sich emotional näher, verbringen auch tagsüber immer mehr Zeit miteinander und nehmen sich gemeinsam des Enkels von Addie an, der nach der Trennung seiner Eltern vorübergehend bei seiner Großmutter unterkommt.
      Mit dem Gerede der Leute werden Addie und Louis besser fertig als mit den Anfeindungen durch die eigenen Kinder.

      Leider besteht die Handlung zu 90% aus Dialogen (ohne Anführungszeichen), manche interessant, andere nur langweilig, wieder andere läppisch oder überflüssig. Auf eine Geschichte, die den Leser mitnimmt, wartet man vergebens. Und auch darauf, dass etwas passiert, das fesselt.
      Bedauerlicherweise fehlt den Ereignissen aus den beiden Leben der Protagonisten die Unmittelbarkeit für den Leser, weil er zum Zuhörer statt zum Beteiligten wird.

      Den Schluss mag ich überhaupt nicht.
      Spoiler anzeigen
      Selbst der Tod eines Protagonisten wäre befriedigender als diese Kapitulation.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Eine hübsche Geschichte mit nicht so hübschem Ende, leicht gelesen, schnell gelesen - aber auch so schnell bewertet? Ich bin tatsächlich ein wenig hin- und hergerissen. Sind es doch nur wenige Wochen, die hier geschildert werden - wenige Wochen, die zwei Leben doch eklatant verändern, kurz, schnell und knapp erzählt. Aber so ist doch auch oft das Leben, kurz und knapp, nicht episch und dramatisch. :-k

      tom leo schrieb:

      Kritisch betrachte ich die Schilderung der Rückständigkeit so vieler Einwohner und Familienmitglieder. Ist das möglich, heute ?
      Ja, leider ist das auch heute noch möglich und bestimmt sehr alltäglich. Sehr sogar, wenn es wie hier um die Kinder geht, die das Leben ihrer Eltern moralisch bewerten obwohl sie ihren eigenen moralischen und sozialen Ansprüchen nicht genügen.

      Marie schrieb:

      Mit dem Gerede der Leute werden Addie und Louis besser fertig als mit den Anfeindungen durch die eigenen Kinder.
      Das ist für mich auch nachvollziehbar, denn "die Leute" kann man leichter ignorieren als die eigenen Kinder, noch dazu, wenn die Kinder der letzte Rest der Familie sind.

      Marie schrieb:

      Den Schluss mag ich überhaupt nicht.
      Ich auch nicht, ein anderes Ende hätte mir auch besser gefallen. Aber wie realistisch wäre das, wie realistisch ist das geschriebene Ende? Ist es nicht tatsächlich so, dass genau dieses geschriebene Ende oft genug böser Alltag ist in unserer Gesellschaft?

      Marie schrieb:

      Auf eine Geschichte, die den Leser mitnimmt, wartet man vergebens. Und auch darauf, dass etwas passiert, das fesselt.
      Mitgenommen hat mich die Geschichte, die Erinnerungen und die Gespräche der Protagonisten, schon, ich hab sie gerne gelesen. Aber ich habe auch nicht darauf gewartet, dass etwas "fesselndes" passiert, sondern mit dieser Alltäglichkeit des Erzählten eher gerechnet. Insofern wurde ich nicht enttäuscht davon. Allerdings hat es mich nicht so weit mitgenommen oder gefesselt, dass es für eine hohe Bewertung reicht. :-k
      viele Grüße vom Squirrel

      :study: Elizabeth Kostova - The Historian
      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)
    • Neu

      Eine berührende Geschichte mit netten Figuren, insgesamt hab ich sie gern gelesen.

      Ich fand es erstaunlich, welchen Mut und Zielstrebigkeit Addie an den Tag legt, als sie zu Louis marschiert und ihren ungewöhnlichen Vorschlag unterbreitet. Louis fragt sie später, wieso ihre Wahl gerade auf ihn gefallen ist, doch so richtig überzeugt hat mich ihre Antwort nicht. Damit komme ich auch zu dem, was mir an diesem Buch weniger gefallen hat. Den beiden Hauptfiguren fehlte es für meinen Geschmack an Tiefe. Ihre Persönlichkeiten, ihre Beweggründe, Gefühle und Probleme wurden nur oberflächlich angerissen, sie kamen nett und sympathisch rüber, aber für eine solch berührende Geschichte war mir das irgendwie nicht intensiv genug. Dazu kommt, dass die Sprache schon sehr einfach gehalten ist, besonders in den erzählenden Passagen. Durch ihren aufzählenden Charakter lasen sie sich zeitweise wie ein Kinderaufsatz, auch das für mich ein bisschen enttäuschend.

      Trotzdem denke ich, dass der Autor mit seiner Geschichte einen Nerv in unserer heutigen Zeit trifft und damit viele Leser erreicht, vielleicht gerade wegen der Einfachheit seiner Erzählweise. Mir hat sich die Frage gestellt, zeigt er einen möglichen Weg aus der Einsamkeit? Wohl eher nicht, die Situation ist wahrscheinlich zu speziell um Nachahmung zu finden, aber es ist schön, was Addie und Louis erleben, egal, ob realistisch oder nicht.

      Das Ende hat mich auch nicht glücklich gemacht. Irgendwie will es für mich nicht recht zu Addie passen.
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