T.C.Boyle - Die Terranauten/The Terranauts

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    Die Terranauten

    von

    3.7|22)

    Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 608


    ISBN: 9783446253865


    Termin: Januar 2017

    • T.C.Boyle - Die Terranauten/The Terranauts

      In einem geschlossenen Ökosystem unternehmen Wissenschaftler in den neunziger Jahren in den USA den Versuch, das Leben nachzubilden. Zwei Jahre lang darf keiner der acht Bewohner die Glaskuppel von „Ecosphere 2“ verlassen. Egal, was passiert. Touristen drängen sich um das Megaterrarium, Fernsehteams filmen, als sei es eine Reality-Show. Eitelkeit, Missgunst, Rivalität – auch in der schönen neuen Welt bleibt der Mensch schließlich doch, was er ist. Und es kommt, wie es kommen muss: Der smarte Ramsay verliebt sich in die hübsche Dawn – und sie wird schwanger. Kann sie das Kind austragen?...(Klappentext)

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      In den 1990er Jahren gab es das Experiment in der Wüste Arizonas, welches Biosphäre 2 genannt wurde. Acht Frauen und Acht Männer, verschiedene Spezies und Pflanzen sollten in einer künstlichen Umgebung die, durch eine Glaswand von der Außenwelt getrennt, 2 Jahre abgeschottet werden sollten. Das Ziel war, ein von der Außenwelt unabhängiges, sich selbst erhaltendes Ökosystem zu erschaffen und zu beweisen, dass in so einem System ein Leben langfristig möglich ist.
      Dieses Experiment wurde von T.C. Boyle aufgenommen und in einen Roman verpackt.

      Erzählt wird aus sich wechselnder Perspektiven von Dawn und Ramsay, welche die Sichtweise aus dem Inneren dieses Systems vertreten und Linda, welche die Sichtweise Außerhalb dieser Abschottung vertritt.
      Dies geschieht in Form von Nacherzählungen, vergleichbar mit Tagebucheinträgen.

      Ich erwartete einen Roman, welcher die wissenschaftlichen Aspekte behandelt, z.B. wie sich dieses künstliche Ökosystem auf den Körper auswirkt, auf die grundlegenden Aspekte des täglichen Lebens wie Essen, Schlafen, Hygiene, natürlich wie sich das alles auf die Psyche auswirkt (Gruppenbildung, anormales Verhalten, Entgleisung gesellschaftlicher Normen) und wie dies alles auf Außenstehende gewirkt haben muss. Dies alles verpackt in einen Roman, geschrieben von einem hochgepriesenen Autor, der auch als schriftstellerisches Genie bezeichnet wird und nicht nur aufgrund der hohen sprachlichen Qualität, welche seine Bücher beinhalten.
      Dies und die vielen positiven Rezensionen ließen mich dieses Buch kaufen - mein erster T.C. Boyle-Roman.

      Was mich jedoch erwartete war primitives Big-Brother-Dschungelcamp in Buchform. Zugegeben, es wurden viele Probleme wie z.B. Hunger und der daraus entstehende Futterneid, Sauerstoffmangel und was tun bei einem Stromausfall, behandelt, aber diese wurden meist nur am Rande erwähnt, bzw. schnell abgehandelt. Selbst die Schwangerschaft und Geburt waren so schnell vorbei wie sie erwähnt wurden. Als wären dies nur kleine Problemchen.
      Im Vordergrund stehen vor allem Gemütsschwankungen und die daraus resultierenden Streitereien, welche jedoch eher Kindergartenniveau erreichen. Aja, und Sex. Sex ist das Hauptthema in diesem Roman. Mir war durch die Inhaltsangabe klar, dass sich hier einiges abspielen würde, denn von nix wird man ja nicht schwanger...aber Mann...was hier rumgevögelt wurde.

      Von den Hauptprotagonisten war keiner wirklich ein Sympathieträger, was mich jedoch nicht sonderlich störte. Auf so engem Raum, über so lange Zeit hinweg und mit all den Problemen würde bei jedem das Animalische und der Egoismus hervortreten (vielleicht auch deswegen die viele Rumvögelei als gäbe es kein Morgen?). Aber hier waren alle von Anfang an Unsympathler und auf einem Niveau pupertierender Teenies.
      Vor allem Linda's Passagen ließen mich nicht nur einmal genervt mit den Augen rollen. Hier bekommt man keinen Einblick in die Sichtweise einer Außenstehenden, sondern in die Gedankenwelt einer egoistischen, selbstmitleidigen, bipolaren Dramaqueen. Auf diesen Seiten wird dann gejammert, getrotzt und auf die Welt und alle Mitmenschen geschimpft was das Zeug hält.
      Dabei bedient sich der Autor einer sehr einfachen Sprache (wo war hier die hochgepriesene sprachliche Qualität?).
      Die Spannung hält sich mehr als nur in Grenzen, sie ist nämlich gleich gar nicht vorhanden. Da wird schon im Vorfeld eines Problems der Ausgang beschrieben oder angedeutet und wenn nicht da, dann im Satz vor dem Ereignis. Es war also immer schon die Luft raus, bevor sie überhaupt drin war.
      Der Roman plätschert also seicht dahin und beinhaltet auch die ein oder andere Länge. Und das Ende? Tja, irgendwie gibt es keines. Der Roman endet abrupt - einfach nur Punkt, Klappe zu, Affe tot..oder in meinem Fall die Erwartung, wobei...die war eigentlich schon lange vorher dahin.

      Fazit:
      Für mich war der Roman eine Mischung aus Big-Brother und Dschungelcamp und auch genauso primitiv und seicht. Meine Erwartungen waren also definitiv zu hoch.
      Zu meinem Fazit muss ich wohl nicht mehr viel sage, außer, dass mich dieses Buch und der Autor wirklich enttäuscht zurücklassen.
      Wenn ein Mann zurückweicht, weicht er zurück. Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können. (Zsa Zsa Gabor)
      :twisted:
    • Ich habe jetzt nur Dein Fazit gelsen, da ich das Buch selbst gerade lese und mich nicht spoilern will. Dein Fazit erstaunt mich etwas, denn ich empfinde das Buch weder als primitiv noch als seicht. :shock: Bin jetzt zur Hälfte etwa.
      Sicher sind einige Charaktere die nerven (ich mag diese Linda bspw. überhaupt nicht) und irgendwie denken alle immer nur an Sex, was mich auch etwas stört, aber es liest sich doch recht gut und ich finde diese Idee des Projektes sehr interessant. Aber ich bin auch noch nicht durch und werde nach Beendigung des Buches auch meinen Leseeindruck hinterlassen.
      Wahrscheinlich wird das wieder mal so ein Buch sein was polarisiert. Hate or love it.
      "Herbst: Brokat in der Garderobe der Natur:" (Gabriele Renate Pyhrr)
    • Danke @Ambermoon für Deine interessante Rezi und Deinen Eindruck. Ich wurde vor ca. 20 Jahren mit "America" zum Boyle - Fan (offtopic: Ist der Roman gerade nicht herrlich aktuell...), muss allerdings sagen, dass ich seitdem auch einiges von ihm gar nicht gemocht habe. Tatsächlich bevorzuge ich inzwischen eher seine Kurzgeschichten.
      Ich bin auf andere Meinungen zu den Terranauten gespannt!
    • @Jessy1963
      Dieses Buch polarisiert wirklich. Entweder man mag es oder nicht, aber es wäre ja auch stinkelangweilig, wenn jeder den selben Geschmack hätte :wink:
      Ich muss aber auch dazu sagen, dass meine Erwartungen, nach der ganzen Lobhudelei bezüglich Boyle, relativ hoch waren und dementsprechend enttäuscht war ich dann auch. Ich hoffe das klingt jetzt nicht so als würde ich mich für meinen Eindruck rechtfertigen. Ich finde das Buch noch immer Mist :lol: , aber vielleicht versteht man es dann eher. Bin schon auf Deine Rezi gespannt und vor allem was Dich daran begeistern konnte.


      @SiriNYC
      Ich habe den Autor noch nicht aufgegeben und bei mir liegt schon "Grün ist die Hoffnung" auf dem SuB. Irgendwas muss doch an diesem Lobgesang dran sein :scratch:
      Falls jemand einen Boyle-Tipp hat nur her damit :winken:
      Wenn ein Mann zurückweicht, weicht er zurück. Eine Frau weicht nur zurück, um besser Anlauf nehmen zu können. (Zsa Zsa Gabor)
      :twisted:
    • Ambermoon schrieb:

      @Jessy1963
      Dieses Buch polarisiert wirklich. Entweder man mag es oder nicht, aber es wäre ja auch stinkelangweilig, wenn jeder den selben Geschmack hätte
      Ja, das ist wohl wahr :lol:

      Ambermoon schrieb:

      Ich muss aber auch dazu sagen, dass meine Erwartungen, nach der ganzen Lobhudelei bezüglich Boyle, relativ hoch waren und dementsprechend enttäuscht war ich dann auch.
      Oh, das kenne ich gut ! Oftmals bin auch ich an gehypte Bücher voller Erwartung herangegangen und dachte dann nach Ende der Lektüre "Wie, da muss doch noch was kommen wenn alle so begiestert waren" :-k
      Mir ging es in der letzten Zeit mit "Die Nachtigall" so wo sich alle vor Begeisterung schier überschlugen. :shock: Ich fand es einfach nur schlecht und habe es abgebrochen.

      Ambermoon schrieb:

      Ich hoffe das klingt jetzt nicht so als würde ich mich für meinen Eindruck rechtfertigen.
      Das musst Du ja auch nicht, Jedem sei seine Meinung zu einem Buch zugestanden. Ich finde es immer echt interessant wie unterschiedlich Bücher doch immer wieder wahrgenommen werden. Was dem einen sin Uhl ist dem Anderen sin Nachtigall. :wink:

      Ambermoon schrieb:

      Bin schon auf Deine Rezi gespannt und vor allem was Dich daran begeistern konnte.
      Ich bin nicht so der grosse Rezischreiber, sorry. Ein paar Sätze Leseeindruck schreibe ich aber ab und an schon.

      Ambermoon schrieb:

      Falls jemand einen Boyle-Tipp hat nur her damit
      Ich muss gestehen, das ist erst mein zweiter Boyle :uups: Untenstehendes Buch hatte ich mal angelesen aber dann abgebrochen. Ich fand das so extrem deprimierend aber vielleicht hatte ich es auch zu einem falschen Zeitpunkt angefangen.
      Ich will diesem Buch definitiv auch nochmal eine Chance geben.
      "Herbst: Brokat in der Garderobe der Natur:" (Gabriele Renate Pyhrr)
    • Wenn hier schon die Romane von Boyle in den Ring geworfen werden, bringe ich auch einen. Starker Tobak, für den man gute Nerven braucht.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Die Terranuten wartet darauf gelesen zu werden, jedoch habe ich durch die viele Berichte und Rezensionen welche ich schon lesen konnte immer dieses Buch vor Augen.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Ich liebe T. C. Boyle und kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er ein oberflächliches, seichtes Buch geschrieben hat. Das klingt für mich, als würde man Mozart vorwerfen, langweilige Musik gemacht zu haben. Völlig unvorstellbar, irrsinnig und aus der Luft gegriffen. ABER ich kenne "Die Terranauten" noch nicht, von daher ist es natürlich möglich, dass ich mich täusche... Ich hab es zu Weihnachten bekommen und ich bin schon sehr gespannt darauf...

      Als Empfehlung kommt von mir auch was:
      "America", weil erschreckend aktuell
      "Riven Rock", weil mein erster Boyle, der mich gleich vom Hocker gehauen hat und
      "Wassermusik", das ein bisschen braucht, sich aber zu einem meiner damaligen Jahreshighlights entwickelt hat. Großartig!!! :pray:
      Ein Leser hats gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
      (Kurt Tucholsky)
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      meinebuecherwelt.wordpress.com/
    • Soeben das Buch nun beendet und ich muss sagen, es hat mir wirklich sehr gut gefallen :thumleft: Es las sich ohne Längen flüssig weg und war sehr kurzweilig.
      Interessante Charaktere und ihre Entwicklung über gut zwei Jahre war sehr interessant beschrieben. Entscheidungen welche sie trafen waren für mich nicht immer so ganz nachvollziehbar aber das habe ich durchaus öfter in Büchern.
      Auch die Beschreibungen des Alltags in E2, so kleine banale Dinge oft, fand ich super. Fast als wenn man selbst mit "drin" ist.
      Was mich, besonders in der ersten Hälfte des Buches, etwas gestört hat war dieses ständige Gerede und Getue betreffend Sex. Mal ist das ja ok, aber in der Fülle fand ich das irgendwie aufgesetzt.
      Daher habe ich einen halben Stern abgezogen.
      Somit von mir :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: für dieses interessante Buch über ein interessantes Thema bei dem ich oft denken musste "Typisch Mensch, so sind wir" :)
      "Herbst: Brokat in der Garderobe der Natur:" (Gabriele Renate Pyhrr)
    • Jessy1963 schrieb:

      es hat mir wirklich sehr gut gefallen
      Jetzt freue ich mich noch mehr darauf. Es liegt schon seit drei Wochen hier auf meinem Bücherei-SuB, aber wegen Urlaub und Rezensionsbüchern liegt es halt immer noch. :( In guter Gesellschaft neben Austers 4-3-2-1.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Jessy1963 schrieb:

      Soeben das Buch nun beendet und ich muss sagen, es hat mir wirklich sehr gut gefallen
      Toll das dir das Buch gefiel, selbst habe ich nun die Möglichkeit ab 4. April das Hörbuch zu geniessen, jedoch in einer gekürzten Fassung von 16 Stunden/44Minuten oder mich zu gedulden bis im Juni das Buch in der Onleihe für mich bereit ist. Ich werde wohl in das Hörbuch reinhören und dann entscheiden.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Ich bin jetzt irgendwo bei Seite 250 und überlege, ob es das zweite Boyle-Buch wird, dass ich nicht zuende lese.Es sieht schwer danach aus. Ambermoon hat schon vieles geschrieben, was ich genau so empfinde.Es gibt aber noch mehr, was mich stört. So wird die Geschichte ja aus mehreren Blickwinkeln erzählt, aber alle schreiben einen ununterscheidbaren Stil, selbst die Sichtweisen unterscheiden sich für mich viel zu wenig. Ein Spannungsbogen erschließt sich mir nicht, keiner der Protagonisten ist mir wirklich sympathisch. Die Welt, also E2, wird mir nicht nahegebracht, wenn es ein Big-Brother-container wäre, würde sich nicht viel ändern. Die Sexualität ist zentrales Thema, aber sexy oder erotisch ist da nicht viel. Wenn mal was passiert (Stromausfall), ist es nach ein paar Seiten halt wieder gut. Boyles hintersinniger Humor, den ich sehr mag, kommt auch nicht wirklich vor.
      Lebte man in so einem Container, würde das Buch wohl ganz gut passen. Aber im hier und Jetzt bietet es mir einfach zu wenig. Ach ja: was wollten die mit dem Experiment noch mal herausbekommen? Na ja, ist ja auch egal.....
    • Nach 270 eBook-Seiten musste ich aufgeben und diese Spätpubertierenden in der E2 ihrem Schicksal überlassen. Weitere Kommentare spare ich mir lieber, hat @Ambermoon die wesentlichen Kritikpunkte doch sehr gut herausgearbeitet.
      Meiner Meinung nach hat T. C. Boyle in diesem Fall ziemlich dahingeschludert, hoffentlich behält er den Arbeitsstil nicht bei. Wäre schade um so einen begabten Erzähler, wenn er nichts Besseres mehr zustande bringt.
      Liebe Grüße von Sylli :study:
      "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)
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