Bruno Preisendörfer - Als Deutschland noch nicht Deutschland war

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen


    Affiliate-Link

    Als Deutschland noch nicht Deutschland w...

    von

    4.3|3)

    Verlag: KiWi-Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 528


    ISBN: 9783462049572


    Termin: März 2017

    • Bruno Preisendörfer - Als Deutschland noch nicht Deutschland war

      Inhalt lt. amazon:
      »Am Tore wurden wir angehalten. Ein Sergeant kam an den Postwagen und fragte: ›Wer sind Sie? Woher kommen Sie? Werden Sie lange hierbleiben?‹« …
      ... so wurde befragt, wer zur Goethezeit an die Tore von Berlin kam. Das Gepäck wurde durchsucht, man bekam einen Passierschein – musste aber, kaum im Gasthaus angekommen, schon die nächsten Kontrollbögen, diesmal die der Polizei, ausfüllen.

      Wer mit Bruno Preisendörfer als Zeitreisender unterwegs ist, erlebt aber noch viel mehr: Er steht z. B. am 7. 11. 1775 morgens um fünf in Weimar vor dem Haus eines Kammergerichtspräsidenten namens von Kalb und sieht zu, wie Goethes Kutsche über das Pf laster rollt. Er besucht eine philanthropische Reformschule oder wird zwischen die Bauernkinder in die Bänke einer Dorfschule gesteckt. Er geht an die Universität, um Kant und Fichte zu lauschen, etwaige Verständnisschwierigkeiten müssen ihm nicht peinlich sein, es ging den Zeitgenossen ebenso.

      Aber der Zeitreisende lernt nicht nur den philosophischen Zeitgeist kennen, sondern erlebt auch handfeste Abenteuer, übersteht mit dem jungen Eichendorff einen Schiffsunfall auf der Oder, sieht aus E.T.A. Hoffmanns Eckfenster am Gendarmenmarkt Berlin brennen, oder ist bei Georg Lichtenberg in Göttingen, als der durchs Fernglas der Beerdigung von Gottfried August Bürger zusieht. Vielleicht ist er auch bei der Zofe einer Gräfin, die sich ohne fremde Hilfe nicht ankleiden kann, oder er schleicht in den Anatomiesaal von Jena, wo die Selbstmörderinnen obduziert werden, die in Weimar in die Ilm gegangen sind, stiehlt mit fronenden Bauern Korn oder gerät als Knecht mit seinem Brotherrn aneinander.

      Bruno Preisendörfer hat sich durch Hunderte von Büchern gelesen, Romane, Selbstzeugnisse, Briefe und Tagebücher. Er nimmt den Leser mit auf eine große Reise in die Goethezeit und man erlebt, wie das Lebe damals wirklich war.


      Über den Autor:
      Bruno Preisendörfer ist freischaffender Publizist und Schriftsteller mit eigener Internetzeitschrift (fackelkopf.de). Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, u. a. bei Galiani Berlin: Der waghalsige Reisende. Johann Gottfried Seume und das ungeschützte Leben (2012), Als Deutschland noch nicht Deutschland war. Reise in die Goethezeit (2015) und Als unser Deutsch erfunden wurde. Reise in die Lutherzeit (2016).
      Quelle: amazon

      Aufbau/Aufmachung des Buches:
      Das Buch umfasst insgesamt 518 Seiten, unterteilt in Einleitung, 10 unterschiedlich lange Kapitel, die verschiedene Themengebiete umfassen, ein kleines Nachwort, und einen recht umfangreichen Anhang von ca. 80 Seiten. Die mir vorliegende Hardcoverausgabe enthält ferner zwei "Bildteile" von jeweils 10 Seiten mit farbigen Abbildungen. Ein Lesebändchen ist ebenfalls vorhanden.

      Meine Meinung:
      Bruno Preisendörfer nimmt uns mit auf eine Zeitreise in die Zeit Goethes, also vom Ende des 18./Anfang des 19. Jahrhunderts. Eine sehr interessante Zeit, als es Deutschland noch nicht als einheitliches Staatsgebilde gab, sondern unterteilt war in wenige große und viele kleine Königreiche, Fürstentümer, Grafschaften usw. - der sprichwörtliche Flickenteppich. Die Französische Revolution zeigte den Fürsten, dass es mit ihrem Gottesgnadentum doch nicht so weit her war und dass ihre Köpfe nicht so fest auf ihren Hälsen saßen, wie es gerne hätten. Eine Zeit, in der es einerseits noch die Feudalherrschaft gab, aber am Horizont bereits die Neuzeit herankam, mit ihren neuen Erkenntnissen. Und den Waren, die aus der Neuen Welt und den dortigen Kolonien nach Deutschland kamen, und heute zum Alltag gehören - Kaffee, Tee, Kartoffeln. Die Welt wurde größer und bunter.
      Diese Zeit und die Menschen, die damals lebten, bringt der Autor mit seinem Buch näher. Ich war dabei, wenn sie reisten, wie sie in der Stadt oder auf dem Dorf lebten, was sie aßen und tranken, welche Kleidung sie trugen, wie sie lebten, wie sie geboren wurden, arbeiteten (oder auch nicht), liebten, heirateten, krank wurden, und starben. Oft war ich schockiert und dachte, "das ist ja wie im Mittelalter", und war dann froh, in der heutigen Zeit zu leben.

      Ich empfand als sehr angenehm, dass das Buch nicht von Zahlen und Fußnoten überladen war; diese befinden sich nahezu komplett im Anhang.
      Für Zahlen- und Statistikfans kann ich auf den Abschnitt "Die Goethezeit in Zahlen" verweisen (ebenfalls im Anhang enthalten). Hier finden sich u.a. die Bevölkerungszahlen, Eltern und Kinder in Zahlen, Gewichte und Maße, Währungseinheiten, Einkommensübersichten (König Friedrich II "der Große" bekam nach eigenen Angaben monatlich 10.000 Taler, seine getrennt Hof haltende Gattin jährlich 41.000 Taler), zur Veranschaulichung weitere Preise und Steuern.

      Bruno Preisendörfer zitiert aus vielen Quellen, die er für dieses Buch gelesen hat, jedoch ist dies niemals langweilig. Dabei kommen alle Bevölkerungsschichten zu Wort, von den Fürstlichkeiten bis hinunter zu den armen Leuten. Er zitiert aus Briefen, Romanen, Erinnerungen, philosophischen Abhandlungen. Für einen Einblick in seine Schreibweise lasse ich ihn mal selbst zu Wort kommen (der letzte Absatz des Vorworts):

      Bruno Preisendörfer schrieb:

      Dieses Buch soll als Zeitreiseführer die Epoche nicht systematisch erfassbar, sondern erzählerisch erfahrbar machen. Dabei werden Publizisten und Schriftsteller in den Zeitzeugenstand gerufen, um Auskunft zu geben über das kulturelle, politische, wirtschaftliche, soziale und auch banale Leben, über Kleines und Großes, über Alltagsbegebnisse und historische Ereignisse.
      Besser kann ich es nicht sagen, und mir verbleibt nur, dem Buch die wohlverdienten :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: zu geben und ihm weitere Leser zu wünschen!
      Und mich auf den Nachfolgeband zu freuen, der jedoch ein paar Jahrhunderte früher spielt: Bruno Preisendörfer: Als unser Deutsch erfunden wurde - eine Reise in die Lutherzeit.
      Nun kannte ich Orlandos große Liebe. Es war eine einfache Liebe: Wenn er die Seiten umblätterte, konnte er sich an jeden Ort der Welt versetzen lassen, weg von der harten Realität.
      Lucinda Riley, Die Schattenschwester
    • Vielen Dank für die schöne Vorstellung. Wir haben es ja schon als MLR-Buch angedacht für nächstes Jahr, und nach Deiner Rezension denke ich, dass es sich dafür sehr gut eignen müsste.

      Und den "Lutherischen" Nachfolgeband hätte ich auch schon im Regal für eine weitere schöne LR :D
      Liebe Grüße von Sylli :study:
      "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)
    Anzeige
    BuecherTreff.de in den Medien