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Sabine Bode - Die vergessene Generation

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    Die vergessene Generation: Die Kriegskin...

    von

    4.4|7)

    Verlag: Klett-Cotta

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 304


    ISBN: 9783608947977


    Termin: 2015

    Das Buch ist der 1. Band der Reihe (3 Teile).

    Buchtipps zum Thema

    • Sabine Bode - Die vergessene Generation

      Klappentext:
      Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen.
      Noch nie hat es in Deutschland eine Generation gegeben, der es so gut ging wie den heute 60- bis 75jährigen. Doch man weiß wenig über sie, man redet nicht über sie - eine unauffällige Generation. Jetzt beginnen sie zu reden, nach langen Jahren des Schweigens. (von der Klett-Cotta-Verlagsseite)
      Sie haben den Bombenkrieg miterlebt oder die Vertreibung, ihre Väter waren Soldaten, in Gefangenschaft oder sind gefallen. Doch ihre Erinnerungen daran haben die Kriegskinder bislang in sich verschlossen gehalten, Stattdessen wurde nach vorne geblickt, Deutschland wieder aufgebaut, eine Familie gegründet. Heute sind sie im Ruhestand, die eigenen Kinder längst aus dem Haus – und zum ersten Mal im Leben schauen sie zurück. Begreifen, wie viel in ihrem Leben auf die Kriegserlebnisse zurückzuführen ist. Gleichzeitig beginnen die Kinder und Enkel der Kriegskinder, sich mit der vergessenen Generation zu beschäftigen. Sie wollen verstehen, woher dieses eiserne Schweigen kommt.
      (Rückentext)

      Zur Autorin:
      Sabine Bode lebt als freie Journalistin in Köln, schreibt Sachbücher und arbeitet für die Kulturredaktionen des Hörfunks von WDR und NDR. (von der Klett-Cotta-Verlagsseite)

      Allgemeine Informationen:
      15 Kapitel
      297 Seiten, Nachwort Luise Reddemann

      Persönliche Meinung:
      Nach dem zweiten Weltkrieg war Deutschland zunächst mit der Entnazifizierung beschäftigt und mit seiner Schuld am Völkermord an den Juden. Deutschland war das Land der Täter, und so wurde den Opfern des Krieges, den Ausgebombten, den Vertriebenen und den Angehörigen gefallener Soldaten ihr Status als Opfer praktisch abgesprochen, denn sie gehörten schließlich zum Land der Täter. Pauschalisierend könnte man es so formulieren.
      Verzweiflung war nicht gestattet, Klagen erst recht nicht, und der Trauer gab man nur in den eigenen vier Wänden – so sie noch standen – nach.

      Erst 50 Jahre nach dem Unrecht, dem Elend und der Angst, traut man sich, auch von der Traumatisierung der deutschen Zivilbevölkerung zu sprechen und diejenigen zu Wort kommen zu lassen, die während des Krieges Kinder waren. Diese Kinder, deren Leid so lange „vergessen“ wurde, mussten 50, 60 Jahre alt werden, ehe sie sich erlauben zu reden und ehe ihnen jemand zuhört.

      Traumata, die durch existenzielle Angst und tagtägliche Bedrohung des Lebens entstehen, werden heute erforscht, behandelt und ernst genommen. Doch in den ersten Nachkriegsjahren war der Umgang mit Kindern und deren Erziehung noch geprägt von den pädagogischen Idealen der Nazizeit, Zucht, Gehorsam, Unterordnung und Strenge. Zudem brauchten die Eltern – oft eine alleinerziehende Mutter – oft selbst traumatisiert -, ihre ganze Kraft, um das Überleben, Essen und Wohnung zu organisieren.

      Als Erwachsene haben diese Kinder über das Erlebte nicht sprechen können. Man kennt in den nachfolgenden Generationen zwar die Anekdoten, die Mutter und Vater, Oma und Opa über den Krieg erzählen, aber vor dem ertragenen Leid, der Angst und Ohnmacht blieb man stumm.
      Das, was heraus wollte und nicht durfte, suchte sich einen anderen Weg, zumeist durch körperliche oder psychische Beschwerden, deren Ursache man nicht sofort erkannte, oder durch bestimmte, erlernte Schutz- und Verhaltensmuster.

      Sabine Bode hat Überlebende besucht, mit ihnen gesprochen; für einige war es das erste Mal, dass sie ihre Kindheit oder Jugendzeit thematisierten. Auch die nachfolgende Generation kommt zu Wort, die mit Verschweigen und Verstummen in nächster Nähe auswuchs und sich kein konkretes Bild über die Vergangenheit der Eltern und Großeltern machen konnte.

      Bode sagt sehr deutlich, dass der Schmerz der vergessenen Generation und der Holocaustüberlebenden nicht gegeneinander aufgerechnet werden darf. Und dass eine starre Trennung in Täter und Opfer eine wirkliche Annäherung bremst.

      Kinder sind immer und unter allen Umständen unschuldig an kriegerischen Geschehen, und wenn sie zu Tätern werden, so werden sie von Erwachsenen dazu gemacht (Kindersoldaten).
      Auch wenn die Generation der deutschen Kriegskinder stirbt: Das, was sie erfahren haben, bleibt. Es bleibt als Wunde in der Familie und der Gesellschaft.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Marie schrieb:

      der es so gut ging wie den heute 60- bis 75jährigen.

      Marie schrieb:

      Sie haben den Bombenkrieg miterlebt oder die Vertreibung, ihre Väter waren Soldaten
      Also die Frau kann nicht rechnen, ich bin jetzt 67 und erst 1948 geboren, hab also nichts vom Krieg erlebt, mein Mann ist 72 und 1944 geboren und war ein Jahr alt da war der Krieg aus. :lol:
      :study: Ich bin alt genug, um zu tun, was ich will und jung genug, um daran Spaß zu haben. :totlach:
    • Mara schrieb:

      Also die Frau kann nicht rechnen
      Ich habe den Klappentext ohne nachzurechnen von der Verlagsseite übernommen. Wahrscheinlich wurde er zur ersten Ausgabe von 2004 geschrieben und seitdem nicht verändert, obwohl das Buch für die neuen Ausgaben ergänzt wurde.

      Trotzdem: Du hast recht, ich hätte nachrechnen können und wäre dann selbst dahinter gekommen. :uups:
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Bisher habe ich über diese Generation, der auch meine Eltern angehören, immer nur gehört, dass sie sich glücklich schätzen können, als Erwachsene nie in ein Kriegsgeschehen hineingezogen worden zu sein. Sie sind seit Menschengedenken die Ersten, die immer in einem friedlichen Land leben durften, auf der Welle des Wirtschaftswachstums mitsegelten und sich auch noch sehr früh in die Pension verabschieden durften.
      Umso mehr hat mich das Buch von Sabine Bode beeindruckt und auch sehr nachdenklich gestimmt, weil ja wirklich nie darüber gesprochen wurde, wie Kinder Bombennächte, Hunger, Angst und die stete Anspannung der Erwachsenen erlebt haben - und vor allem darüber, welche Auswirkungen solche traumatische Geschehen hatten. Meine Mutter hat mir nur erzählt, dass sie es mit 4 Jahren als ganz normal empfand, jeden Abend ihre Kleidung ordentlich zurechtzulegen, damit man sich nicht mit Suchen aufhalten, und im Bedarfsfall rasch in den Keller laufen konnte.
      Und genauso haben es laut der Autorin viele Kinder empfunden - als Normalität! Körper und Seele waren auf Katastrophen eingestellt, damit konnte man umgehen. Todesangst war ein steter Begleiter, die sich nach dem Krieg oft in Lebensangst verwandeln sollte.
      Gewusst haben weder Eltern noch Kinder von diesen Phänomenen, und auch die Medizin hat sich bis weit in die 1970-er Jahre nicht damit befasst. Der allgemeine Rat hieß, vergesst alles, seid froh, dass ihr überlebt habt, jammert nicht, andere hat es noch viel schlimmer getroffen.
      Mit diesen Ratschlägen lassen sich Traumata aber nicht heilen, nur Trauer kann helfen, weiß man heute. Nicht nur für die Betroffenen ist dieser Schritt sehr wichtig, sondern auch für deren Nachkommen. Es hat mich sehr erstaunt zu lesen, dass die dunklen Schatten der seelischen Erschütterungen dieser Kriegskinder bis in die 2. und 3. Generation reichen können, je nachdem, welche Erlebnisse Eltern und Großeltern hatten.
      Besonders schrecklich fand ich auch die Ansichten der Nazi-Pädagogin Johanna Haarer zur Pflege und Erziehung von Säuglingen und Kleinkindern, deren unselige Veröffentlichungen bis in die 1980-er! Jahre gelesen (und wohl auch befolgt) wurden.
      Mich hat das Buch sehr betroffen zurückgelassen, und selbst manche Lebensängste meiner Mutter, die ich bisher nicht verstehen konnte, sehe ich jetzt mit anderen Augen.
      Für mich war das eine sehr wichtige Lektüre, ein Buch, dem ich nicht genug Leser wünschen kann.
      Liebe Grüße von Sylli :study:
      "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)
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