Umberto Eco - Das Foucaultsche Pendel

    • Marie schrieb:

      Ich überlasse gerade @serjena die mühselige Recherchearbeit....
      Ach @Marie von Kapitel 102- 106 habe ich mehr gelesen und nur noch wenig im Netz nachgeguckt- ich wollte endlich das "vermaledeite" Tifereth beenden, denn ich befürchtete dieser Roman würde mich noch in meinen Träumen verfolgen- genau das ist nämlich schon passiert. Werde mal kurz spoilern und dann kannst es nachlesen wenn du diese Kapitel beendet hast. :lol:
      Spoiler anzeigen

      Kapitel 106
      Lea sagt : Weil diese famose Botschaft hier eine Wäscheliste ist. Komm, lesen wir sie noch mal. Das habe ich auch so in meine Gedanken übernommen, und auch so geschrieben, Wäscheliste- irgendwann in der Nacht bin ich erwacht und fluchte zuerst mal denn wie kann man an eine Wäscheliste denken- allerdings es war das Wort Wäscheliste- wieso Wäscheliste, es ist doch eine Einkaufsliste- also im italienischen nachschauen -was steht da "è una nota della lavandaia" also Wäscheliste - okay
      Internet konsultiert, denn ich hatte das Gefühl "neben den Schuhen zu stehen" Lese den Satz:
      Lange, erschöpfende Liste von Personen oder Dingen. Oft auch im Negativen verwendet als lange Liste mit mühsamen, langweiligen Aufgaben.
      Hätte mich Orfeigen können denn es fiel mir wie Schuppen von den Augen- ver... :evil: das hast du doch gewusst.


      Kapitel 102
      Diesen Satz beschreibt eigentlich meinen Ärger "Klar gibt es Steine (Menhire- Monolithen- Hinkelsteine –Obelisken, wie diese alle genannt werden) -genug – wenn dieses nicht passen, oder nicht passend gemacht werden können – nehme ich die Nächsten". Nochmals hat der gute Herr Eco in den Tiefen seiner Bibliothek gegraben, hat in dem allerhintersten Ecken noch einige Werke gefunden, und fand oh wie schön, da könnten wir doch nochmal etwas Neues anbringen- der Leser ist doch sicher noch nicht genug verwirrt-. denn vieles was man lesen kann bis Kapitel 106 ist eine weitere Aufzählung von "das wäre doch noch eine Möglichkeit" betrachten wir doch noch die Schiiten, die Sunniten, dann gibt es da noch die Drusen und die Khojas usw. Ach ihr habt noch nie was von den "Vätern der Sonnenstadt" gehört- aber Konstantin kennt man aus den Geschichtsbüchern-
      jedoch der Satz "Le monde est fait pour abtouir à un livre (faux) - Die Welt ist gemacht, um in ein Buch zu münden (ein falsches) , spricht doch klar und deutlich für sich (Kapitel 105)
      Nezach Kapitel 107 liest sich super, interessant, flüssig, macht richtig Spass (dazu mehr zu gegebener Zeit :-, )
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Tifereth 95 / 96
      Immer noch tragen die Herren irgendwelche Informationen zusammen. Ich stelle mir mit Schrecken vor, es hätte Google schon gegeben, als Eco das Buch schrieb. Was wäre dann erst zusammen gekommen? :shock:

      Sobald ein "fehlendes Kettenglied" gesucht wird - ein immer wiederkehrendes Problem - kann man sich darauf verlassen, dass eins gebastelt wird. Prompt tauchen Namen auf, die man schon kennt. Der Graf ist immer ein dankbarer Vertreter für jeglichen unbeweisbaren Unsinn, der bewiesen werden soll. Die Rosencreutzer sind auch wieder einer Erwähnung wert. Wobei mich wundert, dass einer der drei ständig in Antiquariaten auf genau das Buch stößt, das in die Lücke passt, die gerade gefüllt werden muss, um weiter zu kommen, und sich in das verquerte Beziehungsgeflecht der ganzen Theorie einbauen lässt. Als würden sie eine Literaturliste besitzen, die abgearbeitet werden muss.
      "Wer sagt denn, dass jede Geschichte eine Moral haben muss? ... vielleicht will sie sagen, dass man, um etwas zu beweisen, manchmal sterben muss." Zum ersten Mal seit langem denke ich wieder an Casaubon im Pendel. Denn auf der Ebene der Gegenwart sitzt er immer noch drin, und das, was er uns erzählt, rekapituliert er. Das muss eine verdammt lange Nacht sein. :-, Ach ja, und Belbo wird, wenn ich mich richtig erinnere, über die ganze Sache verrückt. Was ich so gut verstehe. :lol:


      Tifereth 97
      "Die Kunst gaukelt uns etwas vor und beruhigt uns, denn sie lässt uns die Welt so sehen, wie die Künstler sie gerne hätten. Der Schauerroman tut so, als ob er bloß scherze, aber dann zeigt er uns die Welt so, wie sie ist ... ... Fu Man-Chu ist wahrer als Nathan der Weise, ..." Hält Eco sein Buch für einen Schauerroman? Es hat durchaus etwas davon.
      In diesen wenigen Sätzen stellt Eco die Literaturtheorie und unsere ach so säuberlich gepflegte Trennung zwischen E- und U-Literatur auf den Kopf, in dem er via Belbo das Klischee zur Wirklichkeit erklärt und die hehren Vorbilder zu irrealen Kunstfiguren. Niemand widerspricht. Warum sollte ich es tun? [-(

      Da kommt schon der Beweis: Belbo war / ist verrückt. Der Text, den Casaubon in dessen files findet, scheint es zu beweisen. Angeblich sollen diese Schauerepisoden voller literarischer Anspielungen sein. Ich habe keine gefunden. :uups: Vielleicht lese ich die falschen Sachen.
      Leider muss ich zugeben, dass ich "Die Rückkehr des Grafen von Saint-Germain" nach dem einleitenden Abschnitt nur überflogen habe. Es war mir einfach zu bizarr und durcheinander, was Belbo hier zusammenschustert. Ich hoffe, dass das Kapitel nicht unbedingt für das Verständnis der folgenden Kapitel notwendig ist.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Nezach 107
      Dem Kapitel ist ein Zitat aus Faust1 Vor dem Tor vorangestellt, dass sich im ersten Moment gar nicht einordnen lässt in den Roman, (musste wieder mal googeln)

      Johann Wolfgang von Goethe schrieb:

      Faust:
      Siehst du den schwarzen Hund durch Saat und Stoppel streifen?
      Wagner:
      Ich sah ihn lange schon, nicht wichtig schien er mir.
      Faust:
      Betracht ihn recht! für was hältst du das Tier?
      Wagner:
      Für einen Pudel, der auf seine Weise
      Sich auf der Spur des Herren plagt.
      Faust:
      Bemerkst du, wie in weitem Schneckenkreise
      Er um uns her und immer näher jagt?
      Und irr ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
      Auf seinen Pfaden hinterdrein.

      Dies sind die einleitenden Worte welche zum Teufelspakt führen, hinter der Gestalt eines Hundes verbirgt sich Mephistopheles
      Diotallevi ist immer noch krank, Belbo besucht ihn, macht dann mit Lorenza einen Ausflug an die Riviera, immer noch lässt sich er von Lorenza einfangen, kaum meldet sie sich, schmilzt er wie Butter an der Sonne, und lässt sich für ihre Zwecke einspannen.
      Ist es Zufall, Schicksal, Bestimmung,welche die beiden beim Rasten, um ein Mittagessen zu geniessen auf den Namen Doktor Agliè stossen lassen?
      Es ist wirklich nicht klar was Lorenza mit Belbo im Schilde führt- der Ärmste leidet doch sonst schon genug und nun noch diese Story mit Agliè. Also wird die Weiterfahrt beschlossen und da passiert dann das Unglück mit dem Hund – Zitat aus Faust - der Hinweis, dass die drei Herren in ihrem Hochmut den "grossen Plan" zu entwerfen, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben und somit verloren sind. Klar der Ausflug ist nun komplett verdorben.
      Aber wenigstens werde ich in diesem Kapitel von „Geheimbünden“ verschont.
      Das Lorenza einfach von der Bildfläche verschwindet ist wohl nicht Neues und auch hier ist es nicht der Leser sondern nur noch Belbo der sich aus der Fassung bringen lässt.
      Was Agliè betrifft, den Belbo als seinen „Feind“ betrachtet, gibt es nur eines - "An seinen Feinden rächt man sich am besten dadurch, dass man besser wird als sie"- Diogenes von Sinope
      Nezach 108
      Eine tolle Geschichte die Belbo Agliè auftischt, klar dass dieser Feuer und Flamme ist und den „Köder“ schluckt – oder mindestens „Tut so, als ob“.
      Des Weiteren werden wir als Leser in einen „Krimi“ verwickelt, welcher sich ganz harmlos liest- ein kleines Köfferchen –im Gepäcknetz- wird abgeholt- ein wenig „Bond-mässig“, wobei Belbo ahnungslos, sich sogar freut Agliè einen Gefallen zu tun, die Zufahrt antritt. Das etwas eigenartige Benehmen eines Mitfahrenden ist für ihn zwar nicht nachvollziehbar, und auch wie ihn dieser auf den Koffer im Gepäcknetz den er liegen lässt aufmerksam macht, tut er dies mit einem lässigen Hinweis dass dieser abgeholt werden würde ab, und wie er Abends zu Hause ist, den Fernseher anstellt ist der Schrecken gross über das was er hört, und durch das Telefonat dass er erhält, am andern Tag fühlt er sich wirklich aufgeschmissen.
      Da ich in diesem Roman oftmals Mühe habe welcher Tag, Monat schreiben wir denn nun, bin ich froh dass Belbo in der Zeitung vom Begräbnis von Enrico Berlinguer liest, somit weiss ich, es ist der 13. Juni 1984.
      Nezach 109
      Dass Belbo die Welt nicht mehr versteht, wie Agliè unauffindbar ist, ist nicht verwunderlich, sein Nervenkostüm ist schon so angeschlagen da braucht es wenig bis er komplett verwirrt ist. Im Büro, wie er den Text über „Die Wahrheit über den Grafen von Saint - Germain“ liest, befällt ihn ein neuer Schock, und wie er auch Lorenza nicht erreichen kann...mehr geht kaum.
      Zu allem Elend kommt das, was als Köder für Agliè gedacht war wie ein Bumerang zurück, zu lesen in Tifereth 75

      Umberto Eco schrieb:

      Mir fiel die seltsame Frage von De Angelis ein, die er mir am Ende unseres letzten Gesprächs gestellt hatte: Ob ich schon einmal von einer Gruppe namens Tres gehört hätte. Und so sagte ich: „Tres.“ „Was ist das?“ fragte Belbo. „Wenn es ein Akrostichon ist, muss sich darunter ein Text verbergen“, meinte Diotallevi. „Sonst hätten meine Rabbiner nicht das Notarikon praktizieren können. Schauen wir mal ... Templi Resurgentes Synarchici. Wie klingt das?“ Der Name gefiel uns, und so setzten wir ihn ans Ende der Liste. „Nach all diesen Geheimbünden war es gar nicht so leicht, noch einen weiteren zu erfinden“, sagte Diotallevi in einem Anfall von Eitelkeit.
      In seiner Not wendet sich Belbo hilfesuchend an De Angelis wie auch an Garamond selbst, jedoch von beiden wird er mit mehr oder weniger nichtssagenden Antworten abgespeist. Seine Hoffnung ruht nun nur noch auf Diotallevi den er am Krankenbett besucht.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Thomas Stauder führt mit Umberto Eco sehr spannende Gespräche über seine Romane „Der Name der Rose“ „Das Foucaultsche Pendel“ „ Die Insel des vorigen Tages“ „Die geheimnisvolle Flamme der Königin Luana“ „Der Friedhof von Prag“ zudem eine Interview über die Stationen von Umberto Ecos Biografie. Ich werde fertig gelesen, sicher zu jedem dieser Romane Interessantes beitragen können.

      Biografie aus Amazon
      Thomas Stauder studierte Germanistik, Anglistik und Romanistik in Erlangen, Canterbury und Siena; er promovierte 1992 über ein Thema aus der Vergleichenden Literaturwissenschaft ("Die literarische Travestie"), anhand von Beispielen aus der deutschen, englischen, französischen und italienischen Literatur. Nach seiner Assistentenzeit in Kiel und Erlangen habilitierte er sich 2002 in Romanischer Philologie (Literaturwissenschaft) mit einer Untersuchung über "Wege zum sozialen Engagement in der romanischen Lyrik des 20. Jahrhunderts (Aragon, Éluard - Hernández, Celaya - Pavese, Scotellaro)". Anschließend lehrte er als Privatdozent an der Universität Erlangen-Nürnberg sowie als Gastprofessor und Lehrstuhlvertreter für französische, spanische und italienische Literatur an den Universitäten Wien, Innsbruck, Mainz und Augsburg; an der letztgenannten Universität ist er bis heute tätig. 2012 bis 2014 externer Mitarbeiter der Brockhaus Enzyklopädie (Online-Version), zuständig für die Aktualisierung des gesamten Artikelbestands zur französischen (auch frankophonen) und italienischen Literatur. Seit 2014 regelmäßige Anfertigung von literarischen Übersetzungen aus den romanischen Sprachen.
      Zum Gespräch
      Da ich schon sehr lange am Lesen des Romans „Das Foucaultsche Pendel“ bin, war ich besonders neugierig was Herr Eco darüber zu berichten hat, denn schon während des Lesens hatte man immer wieder das Gefühl , in diesem Roman steckt sehr viel Autobiografisches.
      Nun die erste Frage von Herr Eco an Herr Stauder ist denn auch, ob dieser den Roman schon gelesen hätte, was dieser bejaht, gleichzeitig jedoch anfügt zwar ein würdiger Nachfolger von „Der Name der Rose“zu sein aber was die literarische Technik betreffen würde keine grosse Neuigkeit wäre. Seite 45
      Während des Gespräches wird immer wieder auf "Der Name der Rose" Bezug genommen und die wesentlichen Unterschiede behandelt, jedoch sagt Herr Eco, dass auch in diesem Teile seines eigenen Lebens verarbeitet werden. Nur ist es für den Leser nicht so offensichtlich da er die Charaktere in historische Kostüme steckt. Seite 46
      Somit entsteht eine gute Diskussion der beiden Herren und Herr Stauder beginnt auf die Autobiografischen Züge im Roman hinzuweisen.
      In Binah 16 haben wir uns intensiv mit den Gemeinsamkeiten Eco zu Belbo unterhalten, nun kann ich hier die Zusammenhänge nachlesen.
      Wie Belbo stammt Umberto Eco aus dem Piemont- durch das im Roman erwähnte Dorf fliesst der Fluss Belbo und einige Kilometer entfernt befindet sich Santo Stefano Belbo zugleich der Geburtsort von Cesare Pavese was Herrn Eco veranlasst lässt Worte welche er aus Erzählungen, wie des 1941 erschienenen Roman „Paesi tuoi“ dieses Poeten, entlehnt in den Roman einfliessen zu lassen. Seite 46/47




      Cesare Pavese schrieb:

      Usciamo dalle piante e si vede un collinone tutto vigne e boscoso, e pelato sulla punta. – Dove’e Monticello?- Da casa lo vediamo. È sul fianco della mammella,-…


      Zur Erinnerung "Das Foucaultsche Pendel" Binah Kapitel 16

      Umberto Eco schrieb:

      Das Haus in *** beschreiben, wie es einsam auf dem Hügel zwischen den Weingärten steht sagt man nicht, die Hügel hätten die Form von Brüsten?
      Im weiteren Gespräch erzählt Eco ebenfalls die Geschichte mit der Trompete welche er in den Roman einfügte, weil er das Bedürfnis hatte dies sein Jugenderlebnis mit den Partisanen erzählen zu wollen. Wir erinnern uns, Don Tico dem Salesianer aus Geburah Kapitel 56 , in welchem Belbo in seinen Kindheitserinnerungen schwelgt. Dieser hat ihm sein damaliges Blasinstrument zugeschickt. Seite 50
      Cecilia welche im Roman von Belbo angehimmelt wurde, in Wirklichkeit jedoch ein Jugendschwarm von Herrn Eco war, und Cesira hiess hat ihm sogar einen Brief geschrieben und war sogar Bürgermeisterin des Dorfes jenes Ortes. Seite 51
      Es gibt weitere autobiografische Züge, wie der Herr Salon dem wir in diesem Roman einige Male begegnen. Herr Eco erzählt: Wie er ungefähr drei Jahre alt war wohnte in der untern Wohnung ein Herr mit dem Namen Salon und er war Tierpräparator, welcher jedoch im Gegensatz zu der im Roman beschriebenen düstern Gestalt ein ehrenwerter Herr war. Seite 51
      Allerdings sind nicht alle Personen im Roman aus der Realität wie Herr Eco erklärt, sondern wie Lia aus verschiedenen Frauen welcher er kannte zusammengesetzt, wobei er zugleich bestätigte dass jede Figur die Züge mehrerer Personen aufweisen kann, auch Herr Garamond die Eigenschaften mehreren Bekannten in sich vereint. Seite 55
      Sowieso, erklärt Herr Eco, sollte man als Leser vorsichtig sein mit den Interpretationen der Namen, denn damit stellt dieser Verbindungen her welche sich als falsch erwiesen. Gut mit Casaubon lagen wir richtig, eine Figur aus dem Middlemarch von George Eliot. Seite 65
      Man müsste sich jetzt noch genauer über die P2 einlesen, denn diese wird im Zusammenhang von Diotallevi erwähnt. Seite 66

      P2 wird ausführlich besprochen in Umberto Eco – Die Biografie von Michael Nerlich
      An gewissen Spielereien hatte Herr Eco wie er sagte grosse Freude, die Via Marchese Gualdi wo sich der Verlag Manuzio befindet welche sich aus Gualdi einem Alchimist herleitete, und die Bar Pilade welche in Wirklichkeit Oreste hiess- nach der griechischen Mythologie Orest der Sohn Agamemnon welcher zusammen mit Pylades dem Sohn Strophios aufwuchs. Seite 67
      Im Gespräch wird ebenfalls auf gewisse Gemeinsamkeiten von „Namen der Rose“ und dem „Foucaultsche Pendel“ hingewiesen, welches sich auf der Ebene auf der Suche nach der Struktur des Universums bewegt.
      Einige Male habe ich von einem Labyrinth geschrieben durch den der Leser sich in diesem Roman bewegt, und Herr Eco bestätigt dies indirekt, dass dies seine Intention gewesen sei, dass der Mensch erkennt in einer solchen Welt zu leben. Seite 51
      Schon 1963 schrieb Her Eco in L’Espresso er von einer jungen Frau welche er während seines Brasilien Aufenthaltes kennen lernte und die während eines Candomblé –Ritus in Trance verfallen war- Amparo in diesem Roman. Er erklärt ebenfalls wieso er diese Brasilien Geschichte überhaupt in den Roman eingebaut hat. Sie hat drei Funktionen – Casaubon musste einig Zeit aus Italien entfernt werden – dem Okkultismus Brasiliens verfallen später auch die drei Herren- und in Italien passiert zur gleichen Zeit das, was Amparo widerfährt: die Brigata Rosse und der Fall Aldo Moro Seite 60/61
      Herr Eco und Thomas Stauder sprechen über die Hermeneutik, eine Wissenschaft welche mir persönlich trotz des Lesens dieses Romans fremd ist, jedoch in diesem Roman eine prägende Rolle einnimmt. Für das bessere Verständnis:

      Umberto Eco schrieb:

      Ja, aber der wahre Gegenstand des Romans, um es einmal ganz deutlich zu sagen, sind nicht ein paar armselige Okkultisten. Es ist Heidegger nach der Kehre! Versuchen sie einmal, das Foucaultsche Pendel als Pamphlet gegen den Heidegger nach der Kehre und dessen hermeneutische Methode zu lesen. Seite 62
      Es werden auch die kritischen Stimmen erwähnt welche dem Roman eine zu starke „Konstruiertheit“ nachsagen, welche kein Zeichen guter Literatur wäre. Seite 69
      Diese Kritiker werden auch in seiner Biografie erwähnt wobei unter andern Willi Winkler sagt „das sei ein sterbenslangweiliges, mit einem ungeheuren, aber gänzlich überflüssigen Wissensballast befrachtetes Buch“ –kurz „ein Klumpatsch“. Hellmuth Karasek „ein ganz entsetzliches Buch“ weil es zu viel „Ballaststoffe“ enthielte, wie man sonst nur brauche „damit der Darmtrakt besser arbeitet“Sigrid Löffler erklärt am 12.02. 1990 im Literarischen Quartett, das Buch "tue so" als habe es "einen aufklärerischen Anspruch" und wolle "die Geheimlehren" entlarven, in Wahrheit aber selbst "auf dieses falsche Denken" hereinfalle.
      Herr Eco erklärt, dass er mit dem Sammeln von Büchern zum Thema Okkultismus schon im Jahre 1950 begonnen hätte, dass er erschrocken wäre wie in den 60er Jahren die Esoterik Welle um sich gegriffen hätte und wie auch wir beim Lesen dieses Romans feststellen konnten es ist fast eine „Parodie“ auf dieses Phänomen. Seite 72
      Herr Stauder fragt Herrn Eco nach einem dritten Roman und wie wir wissen hat Herr Eco fleissig weitere Romane geschrieben.
      Zum Schluss noch diesen Satz

      Umberto Eco schrieb:

      „ Wenn ich das eigentliche Thema des Romans mit wenigen Worten benennen soll: Es gibt heutzutage ein Phänomen, das ich als „Neurose der Interpretation“ bezeichne, ein Art fortschreitender Barbarisierung des Denkens, die alle Bereich der geistigen Aktivität betrifft. Seite 61
      In seinem Buch, welches Gedanken enthält welches den Autor während des Schreibens zum Roman „Das Foucaultsche Pendel“ beschäftigte, äussert er sich ausführlich dazu.
      Erschienen auf deutsch 1992 " Die Grenzen der Interpretation – Umberto Eco"
      Die Seitenangaben beziehen sich auf die Sätze welche ich aus dem Buch entlehnt habe.
      Das Gespräch fand am 7. April 1989 in Bologna statt.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Nezach 110
      Wie schon erwähnt besucht Belbo in seiner Not Diotallevi der schwer krank im Bett liegt und erzählt ihm die ganze Geschichte. Es entsteht ein „fast hitziges“ Gespräch, wenn man an den Gesundheitszustand von Diotallevi denkt, wieso und warum es so weit geschehen konnte dass er nun im Sterben liegt und Belbo anscheinend den Verstand verliert.
      Belbo ging hinaus, und es war das letzte Mal gewesen, dass er Diotallevi gesehen hatte.
      Nun ist also Belbo nach Paris gefahren, nachdem er zu Hause alles geordnet hatte, zu „denen“. Wir werden erfahren wer diese sind, noch haben wir ja einige Kapitel vor uns.
      Nezach 111
      Es ist Samstagmorgen den 23. Juni – das entscheidende Datum.
      Casaubon besucht eine Buchhandlung und erkundigt sich nach Agliè (wieso auch immer- habe den Abschnitt zwar zweimal gelesen- entschliesst sich mir jedoch nicht ganz) Was wollte er Erklärungen? Und wenn was für Erklärungen? Na, ja ich lasse es mal gut sein- vielleicht ist es auch gar nicht mehr wichtig, oder ich habe etwas (wäre nicht ungewöhnlich, nach dieser langen Zeit wie ich schon an diesem Roman lese) vergessen, überlesen, nicht beachtet.
      Auf jeden Fall nimmt Casaubon „Reissaus“ fühlt sich von Araber verfolgt, wen wundert es, und begibt sich in ein Hotel.
      Er weiss am Abend muss er im Conservatoire sein.
      Hod 112
      So nun wird es nochmal echt spannend, zuerst irrt Casaubon (er hatte sich ja versteckt) im Dunkeln durch das Museum und gelangt zur Freiheitsstatue wobei er mit Glück nicht entdeckt wird. Somit kann er der Dinge harren welche nun passieren werden. Allerdings ist das Ganze schon etwas verworren, wenn Casaubon doch befürchten muss das Belbo Unangenehmes bevorsteht, hat er nun einfach die Rolle des Zuschauers eingenommen?
      Hod 113
      Na also da sind sie ja, zuerst wird von den Gefährten gesprochen und dann kommen die eigentlich wichtigen Personen- man ahnt es schon – Bramanti – Riccardo (wurde zwar nur einmal kurz erwähnt – Lorenza- Pellegrini – Agliè - Ardenti (Totgeglaubte leben doch länger wie angenommen)
      Das Pendel, ein wie man weiss, wichtiges Element, den es stellt ja den unerlässlichen Fixpunkt her ohne das die „Weltherrschaft“ nicht errungen werden kann, das schwingt frei hin und her durch eine Hand im Hintergrund sanft korrigiert, „ein Zauberer aus dem Petit Clique der Madame Olcott“, ( da musste ich einfach nochmals Google bemühen, Absatz Ehe und Kinder, Denn von Helena Petrovna Blavatsky konnte man schon lesen in diesem Roman).
      Die Dame, hat eine wahre Flut von „Zaubereien“ auf Lager, welche auf den Anwesenden„Angstmachend“ wirkt und somit wogt es tumultartig hin und her.
      Ich werde jetzt nicht auf das Fluchen eingehen- jedenfalls scheint dies wichtig zu sein bei diesem eigenartigen Ritus, (oder vielleicht wäre es angebracht „Zirkus“ zu sagen), welcher absolut absurde Formen annimmt, welche auch nach einem zweiten Mal lesen, nicht plausibler klingen.
      Es erscheinen sogar die sechsunddreissig Würdenträger, (man weiss die Zahl 36 ist ein wichtiges Element in diesem Roman) alles bekannte Gestalten - Salon – Camestres –Garamond...
      Inmitten in diese eigenartigen Versammlung wird nun Belbo gebracht- und es ist schon etwas bizarr was sie mit diesem „armen Tropf“ machen- aber das ganze liest sich sowieso so was von aberwitzig mich erstaunt schon fast nichts mehr.
      Denn nun wird von Menschenopfer gesprochen- wobei das Pendel eine Rolle spielt. Ach und es geht ja immer noch um das „Geheimnis“ obwohl es doch gar keines gibt- auf jeden Fall wie das Ganze ausser Kontrolle gerät, gibt es Tote – dummerweise :uups: muss also auch Belbo daran glauben.
      Hod 114 -117
      Casaubon entfernt sich von Ort „des Schreckens“ (anders kann man es wohl nicht nennen) – es scheint ihm immer noch nicht ganz klar zu sein was da alles passiert ist, was er alles gesehen hat. Allerdings muss man ihm zugestehen so eine Geschichte ist sehr schwer verdaulich, denn es sind ja nicht nur einige wenige „“Menschen“ welche all dies was die drei Herren erfunden haben, als die „Wahrheit“ betrachteten, und welches Belbo mit den Worten gegenüber Agliè von einen „Wissen“ dass er bis jetzt nicht preisgegeben hatte auf die Spitze trieb, was sich schliesslich als ein verhängnisvoller Fehler erweisen sollte. Das war ein richtig grosses Zusammentreffen, von verschiedenen „Gestalten“, nicht greifbar mit rationalem Verstand.
      Auf jeden Fall irrt er durch die Strassen hat reale oder auch nur eingebildete Begegnungen bis er Doktor Wagner (ja den gibt es doch auch noch) aufsucht. Wobei der nach dem er Casaubon angehört hatte die einzig richtige Schlussfolgerung zog „»Monsieur, vous itesfou.«

      Das ist wieder einmal ein passendes Schlusswort für diese Kapitel
      Die Narrheit hat ein großes Zelt; Es lagert bei ihr alle Welt, Zumal wer Macht hat und viel Geld.
      Sebastian Brant, Das Narrenschiff,
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
    • Jessod 118-119
      Der Schluss der Geschichte ist relativ schnell erzählt, denn Casaubon verlässt Paris, und er stellt im Flieger eine Liste der Tatsachen auf (wenn es denn nur Tatsachen sind, aber das sei dahingestellt)
      Auf jeden Fall ist er immer noch überzeugt? alles wäre in Ordnung so wie es passiert wäre.
      Wie er den Schlüssel zum Haus *** findet ist es die einzig logische Handlung, dahin zu fahren, denn es gibt etwas was er ergründen möchte- den Wandschrank.
      Die Zeilen welche Folgen sind die Geschehnisse welche Umberto Eco unter den Partisanen erlebte.

      Malchuth 120
      Casaubon sagt Ich habe alles begriffen. Und die Gewissheit, dass es da nichts zu begreifen gab, müsste meine Zufriedenheit und mein Triumph sein…“
      Und sollte es tatsächlich immer noch „Spinner“ geben die einem „Geheimnis“ nachrennen und eine Karte welche dieses lüften sollte dann…

      Ich bin mir bewusst dass die letzten Beiträge etwas kürzer ausgefallen sind, jedoch ich musste für mich endlich ein Ende finden, denn irgendwann ist es genug.


      Mein Fazit
      Ich habe mich nun fast ein ganzes Jahr mit diesem Roman befasst, Mal mehr, Mal weniger intensiv. Oftmals war ich der Verzweiflung nahe, habe mich nicht gescheut ungebührliche Worte beim Lesen und interpretieren zu benutzen. Jedoch jetzt darf ich sagen es hat trotz allen Hindernissen und Steinen welche der Autor dem Leser dieses Werks in den Weg gelegt hat, Spass gemacht, und durch das viele „googeln“, welches oftmals ungeahnte Folgen hatte, denn eines führte zum andern war es eine Bereicherung- noch nie hab ich so viel erfahren über die verschiedenen Geheimbünde, Orden und Verschwörungen wie durch diesen Roman. Klar kann man diese Geschichte einfacher lesen, ohne sich mit dem Ballast der vielen Namen und Geschehnisse rund um die Templer (die sind an allem schuld :-, ) und den weiteren Orden zu belasten, jedoch wenn die Neugierde überwiegt bietet das Internet eine unglaubliche Fülle an Wissen rund um diese Erzählung. Da ich nebenbei auch die italienische Ausgabe gelesen habe, nicht immer und nicht alles war es interessant wie ein Übersetzer Sätze interpretiert, oftmals sehr überraschend, wobei ich einiges dazu gelernt habe, was ich sehr positiv bewerte.
      Gut ich habe nun auch die Biografie von Umberto Eco geschrieben, von Michael Nerlich gelesen. (kann ich jedem interessierten an Herrn Eco empfehlen, sehr sorgfältig geschrieben), welche ein ausführliches Kapitel über „Das Foucaultschte Pendel“ enthält, mit Ansichten und Aussagen sowie Vermutungen welche wir in dieser Leserunde überhaupt nicht in Erwägung gezogen haben.
      Dann lese ich nun auch noch „ Gespräche mit Umberto Eco aus drei Jahrzehnten" - Thomas Stauder, woraus ich schon einen Beitrag geschrieben habe.
      Was bleibt, ein intensives Leseerlebnis mit einem Roman eines Autors welcher mir immer in Erinnerung bleiben wird. Und nicht zu vergessen ein Buch das nun schon so zerfleddert und „verkritzelt“ ist dass ich es, mit einem guten Glas Wein in der Hand, im Herbst dem Kaminfeuer übergeben werde, denn das wird sicher niemand mehr lesen, in dieser Form.
      Ich möchte mich bei @Marie herzlich bedanken dass sie meiner Hartnäckigkeit gefolgt ist und die Leserunde tapfer :-({|= mitgemacht hat.
      Das Bewußtsein, vor dem Schlafengehen gute Lektüre zu haben, ist eines der angenehmsten Gefühle, die ich kenne.
      peter e. schumacher (1941 - 2013), Aphorismensammler und Publizist
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