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Marc Freund - Die Stille des Todes

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    Die Stille des Todes

    von

    3.5|1)

    Verlag: Hörplanet

    Bindung: Broschiert

    Seitenzahl: 173


    BT-Nr: otLadyBedfort


    • Marc Freund - Die Stille des Todes

      Inhalt (laut Verlagsseite): Ein heftiges Gewitter tobt über Narroway, als der geisteskranke Frank Cody seinen Pfleger umbringt. Anschließend gelingt ihm die Flucht aus der unheimlichen Anstalt. Sein nächstes Ziel scheint bereits festzustehen, denn bei seiner Verhaftung hat Frank geschworen, seinen Bruder Leland zu töten. Wird es Lady Bedfort gelingen, Codys Rachepläne zu vereiteln? Und noch mehr seltsame Dinge geschehen in Narroway und erwecken das Interesse der alten Dame. Sie beschließt, ihren Butler Max dort unter einem Vorwand einzuschleusen. Nicht ahnend, wie gefährlich diese Undercovermission schon bald für ihn sein würde…

      „Die Stille des Todes“ ist die erste als Roman erschienene Geschichte aus dem Krimi-Kosmos der langlebigen Hörspielserie „Lady Bedfort“, die (diesmal nicht als Hörspiel, sondern) auch als Hörbuch, gelesen von Dennis Rohling, erhältlich ist. (Da das Taschenbuch weder ISBN, noch ASIN hat, habe ich diese Rezension des Romans mit dem Cover des Hörbuchs verlinkt, die Lesung selber ist mir "noch" unbekannt.)

      Die Hörspielserie (nach Wikipedia): "Lady Bedfort" ist eine Hörspielserie von John Beckmann, Michael Eickhorst und Dennis Rohling, die beim Osnabrücker Hörspiellabel Hörplanet erscheint. Die Krimiserie spielt in der kleinen englischen Ortschaft Broughton an der Küste Englands in der Gegenwart. Hauptfigur ist Lady Clara Bedfort, die, ein wenig im Stil von Miss Marple, mit ihrem Butler Max Kriminalfälle löst, nicht immer zur Freude des örtlichen Inspektors Samuel Miller. Neben dem Ende 2009 ausgeschiedenen John Beckmann haben auch Sebastian Weber, Dennis Rohling, Michael Eickhorst, Marc Freund, Thorsten Beckmann, Yann Krehl, Wolfgang Schroeder, Frederic Brake, Ulrike Rylance und Esther Kaufmann Manuskripte für die Serie verfasst. Zwischen März 2007 und Januar 2015 sind bereits 79 Folgen veröffentlicht worden, eine für ein unabhängiges Hörspiellabel unglaublich hohe Zahl!

      Auch wenn Lady Bedfort eine gewisse Ähnlichkeit mit Miss Marple aufweist (sie ist spitzfindig und hartnäckig bis zum Nerven, wird oft unterschätzt, ist bauernschlau und beschlagen in Mordmethoden, denkt um die Ecke und wirkt so vertrauensvoll, dass ihr Zeugen und selbst Täter das Herz ausschütten) und das Setting der verklärten englischen Kleinstadtszenerie entspricht, in der auch Agatha Christie gerne ihre Romane spielen ließ, erinnern mich die Lady-Bedfort-Geschichten eher an den gruselig-ruppigen Edgar-Wallace-Stil (vor allem den aus den deutschen Verfilmungen der 1960er), kombiniert mit Enid Blytons Kinderkrimiwelt, geschaffen von und für die Generation der Kassettenkinder, von Fans der „Drei Fragezeichen“, der „Fünf Freunde“ und H.G. Francis' Gruselserie. Es geht nicht selten um leerstehende Häuser, Leichenfunde im Moor, seltsame Vermächtnisse, geheimnisvolle Botschaften und versteckte Hilferufe, um panische Maler, kauzige Entführer, die Rache der Druiden und Schatten der Vergangenheit.

      Der Roman „Die Stille des Todes“ hat mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist einfach gestrickt, aber wirkungsvoll. In einer angenehmen Dosierung werden sowohl stereotype Gruselorte bespielt (die unheimliche Irrenanstalt), als auch bedrohliche Krimi-Schemata durchgenommen (zum einen will der irre Mörder ins verbarrikadierte Haus seines Opfers gelangen, zum anderen wird eine Hauptfigur inkognito zum Spionieren in die Irrenanstalt eingeschleust). Es ist eine spannende Geschichte, die hauptsächlich aus der Sicht von Lady Bedforts noch recht jungenhaftem Butler Max erzählt wird. Es ist auch weniger die geniale Kombinationsgabe der ältlichen Hobbydetektivin, die das Rätsel löst, als ein Zusammenspiel der drei ermittelnden Hauptfiguren. Dabei werden einige beliebte Schock- und Gruselregister gezogen. So wird in dunklen Korridoren herumgetappt, während entfernt die Schreie der Anstaltsinsassen zu hören sind, es wird im toten Winkel von Überwachungskameras und um einsame Häuser herumgeschlichen, ein Stromausfall ereignet sich bei Gewitter samt verzögert anspringendem Notstromgenerator, bevor zur Warnung Fenster eingeworfen werden, verschlossene Stahlkassetten mit dubiosem Inhalt auftauchen und Schreibtische nach geheimen Dokumenten durchwühlt werden. Außerdem wird eine herzzerreißende Vorgeschichte erzählte über abgrundtiefe böse Brüder, einen um Millionen geprellten Minderjährigen und eine zur Adoption freigegebene Töchter, aber auch herausgeschnittene Herzen und eingeschlagene Schädel - es handelt sich also nicht unbedingt um einen Kinderkrimi.

      Für Freunde der Hörspielserie ist die Lektüre gewissermaßen Pflichtprogramm (klingen doch sofort die gewohnten Stimmen im Ohr). Doch auch Leser, die bisher mit Lady Bedfort keinen Kontakt hatten, sollten Vergnügen an den kriminellen Machenschaften haben. (Und werden sich sicher bald einige der liebevoll gemachten Hörspiele besorgen). Alle Figuren werden hinreichend eingeführt (beziehungsweise sind hinreichend stereotyp angelegt), so dass es keine Schwierigkeiten gibt, sich in dem kleinen Ensemble an Figuren zurecht zu finden. Allerdings scheinen mir einige aus der Hörspielserie bekannte Nebenfiguren nur deswegen aufzutauchen, damit sie eben auch erwähnt werden, um das Fan-Herz zu schmeicheln. Dass der Schluss etwas hanebüchen über die Stränge schlägt und die irren Verbrecher, wenn ihr großartig eingefädelter, dabei jedoch an sich viel zu komplizierter Racheplan, zerbröselt, dann auch wieder nur wild mit den Augen rollen und irre lachen wie Stummfilmbösewichte, schmälert den Gesamteindruck ein wenig, lässt aber die bis dahin mit wohligem Grusel vergnüglich verlebten zwei bis drei Lesestunden nicht verblassen. Ich vergebe mal :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: Sterne (für Fans der Serie - und in ihrem Rahmen - fällt die Bewertung allerdings höher aus!)

      Erhältlich ist der Roman bisher nur über den Webshop des Hörspiellabels Hörplanet. Die Hörbuchfassung ist dagegen auch über Amazon zu beziehen.

      Das Buch ist übrigens in einer Schriftart gesetzt, die es Legasthenikern durch die besondere (irgendwie runde, an manchen Stellen verdickte) Form der Buchstaben leichter macht, die Schrift zu lesen. Davon habe ich noch nie gehört, das habe ich noch nie gesehen, finde ich aber ausgesprochen löblich!

      Der Autor (laut Amazon): Marc Freund, geboren 1972 in Flensburg, wuchs in Osterholz an der Ostsee auf. Im Alter von 16 Jahren veröffentlichte er seine erste Kurzgeschichte im Bastei-Verlag. 2009 belegte seine Krimi-Story "Über ihnen schwebte der Tod" beim ersten Edgar-Wallace-Kurzgeschichtenwettbewerb den 1. Platz. Daraus folgte im Frühjahr 2010 eine Veröffentlichung als Hörbuch. In 2011 wurde sie als Titelgeschichte in der gleichnamigen Krimi-Anthologie des Schardt-Verlages veröffentlicht. Heute arbeitet Marc Freund hauptsächlich als Hörspielautor für die erfolgreichen Krimiserien „Sherlock Holmes: Die neuen Fälle“ vom Label Romantruhe und „Lady Bedfort“ und „Edgar Wallace“ vom Label Hörplanet. Weitere Hörspielbearbeitungen aus seiner Feder wurden bereits an verschiedenen Theatern und live im Berliner Rundfunk dargeboten. 2012 erreichte sein Hörspiel „Freifahrt“ den 2. Platz beim Literaturwettbewerb des Timmendorfer Strandes. Außerdem ist er Autor der Geschichten um „Dr. Cornelius Stahl - Mörderische Abgründe“, eine ebook- und Hörbuchserie des Verlages Roegelsnap. Im März 2013 folgte die Veröffentlichung seines ersten Kriminalromans "Das Haus am Abgrund - ein Ostsee-Krimi" im Boyens-Verlag. Mit "Endstation Steilküste" wurde im Oktober 2014 ein weiterer Ostsee-Krimi vorgelegt.
      Lucius Shepard "Das Leben im Krieg" (361/601)
      Thomas Gaschler & Eckhard Vollmer "Dark Stars - 10 Regisseure im Gespräch" (103/300)
      John Casey "Der Traum des Dick Pierce" (91/392)

      Jahresbeste: Willa Cather (2017), Adrian Tomine (2016), Derek Raymond (2015), James Agee (2014), Ken Kesey (2013), Jim Nisbet & Richard Ford (2012) :king:
      Gelesen: 110 (2017), 180 (2016), 156 (2015), 77 (2014), 58 (2013), 39 (2012)
      Letzter Buchkauf am 15.11.2017: Lucia Berlin "Was ich sonst noch verpasst habe"
    • K.-G. Beck-Ewe schrieb:

      Beitrag in die Hörbuchrubrik verschoben. 8)
      Ich muss allerdings noch einmal betonen, dass ich den Roman rezensiert habe, und nicht das Hörbuch, das ich nicht kenne. Wenn es möglich wäre, die Rezension mit dem von mir eingestellten ISBN-losen Buch zu verlinken, wäre das "am richtigsten"...
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    • @Squirrel und @K.-G. Beck-Ewe: Entschuldigt bitte das Hin und Her. Ich hätte es einfach ohne ISBN rezensieren sollen (wollte halt ein Bild dazu) :wink: . Aber es sollte ja nicht mehr lange dauern, dass das Büchlein irgendwie auch bei Amazon auftaucht (es ist ja noch brandneu). Vielleicht kann dann einer von Euch die Rezi umlinken von der Hörbuch-Info zur Taschenbuch-Info?! Das wäre prima! O:-)
      Lucius Shepard "Das Leben im Krieg" (361/601)
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