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Recherche extrem

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    • Recherche extrem

      Recherche ist ein wichtiger Bestandteil der Schriftstellerei. Meistens ist das ganz unspektakulär durch Literaturstudium und dergleichen zu meistern.

      Aber gestern habe ich Wasserlinsen (auch Entengrütze genannt) gekocht und gefuttert (Sicherheitshinweis: NICHT ROH VERZEHREN, GESUNDHEITSSCH'ÄDLICH!). Für mein neues Buch musste ich das einfach ausprobieren, bevor ich guten Gewissens eine vergleichbare Mahlzeit einbauen konnte. Jetzt weiß ich, dass das Zeug gar nicht schlecht schmeckt und dass es realistisch ist, dass eine Waldläuferin es ohne Not zu sich nimmt.

      :-k Das hat mich nun auf die Frage gebracht, was meine lieben Schriftstellerkolleginnen und Kollegen schon so alles angestellt haben, um sich für ihre Werke zu wappnen.

      Ich bin schon gespannt ...
    • Für meine SciFi-Romane habe ich mich tagelang mit den düsteren Ecken des Internets beschäftigt und mit leicht seelischen Traumata in die Realität zurückgefunden. Es ist eine Sache sich mit bionischen und elektronischen Verbesserungen des menschlichen Körpers im wissenschaftlichen Sinne auseinanderzusetzen, aber was Trendsetter und sogenannte Boddy-Modder an sich herumbasteln ist gruselig. Aber Augen zukneifen ging nicht - schließlich wollte ich einen Blick in den Untergrund des Jahres 2098 werfen. Da muss der Magen eben mitmachen.

      Nicht für einen Roman, allerdings für das Studium, las ich die Tagebücher der Künstler an der Front des Ersten Weltkrieges. Ich habe dabei Musik aus der Zeit gehört und karg gegessen. Schwarzbrot mit wenig Butter, Linsensuppe ohne Einlage, Wasser und Schwarztee. Als ich dann auf Hinweise gestoßen bin, welche Lektüre zu der Zeit angesagt war und ich auch noch historische Zeitungen in die Finger bekommen habe, war der Zug dann ganz abgefahren. Ich weiß nicht mehr wie viele Tage ich so "weg" war, aber es waren eine Menge und es hat mich bis heute in meinem Verständnis gegenüber allen Dingen verändert zurückgelassen.

      Also: Bei extremer Recherche ist auch Vorsicht geboten :wink: :mrgreen:
    • Recherche extrem ... nun ja, in meinem Genre sollte Recherche eigentlich recht leicht fallen, denkt man, da Erotik ja auch irgendwie zum Leben dazu gehört. Nun habe ich aber einen Roman mit einem anderen Schriftsteller zusammen geschrieben. Das Problem dabei: Es sollte ein BDSM-Roman sein. Er hatte Erfahrung diesbezüglich, ich hatte keine - außer dem, was ich in einem gewissen Forum über die Jahre mitbekommen habe.

      Wie Shades of Grey deutlich zeigt, wenn man sich etwas mit dieser Materie beschäftigt hat: Diese Autorin hat nicht recherchiert, sondern einfach geschrieben, was sie sich so dachte - womit sie eigentlich die typischen Klischees bedient hat, die sich bilden, wenn man etwas Außergewöhnliches nur vom Hörensagen kennt. Denn der Roman ist alles Mögliche, nur nicht besonders erotisch und schon gar kein BDSM-Roman.

      Bei mir war es dagegen anders. Nicht, dass ich nun extreme Sexpraktiken ausprobiert hätte, dazu hätte wohl auch mein Mann mitspielen müssen und der ist für so etwas nicht zu haben. Aber ich habe wirklich in die Tiefe recherchiert, mich mit der Psyche praktizierender BDSM-ler auseinandergesetzt, Erfahrungsberichte gelesen, um unter anderem nachvollziehen zu können, was daran erregend sein soll, wenn man mit einem Rohrstock verdroschen wird. Um so etwas glaubhaft auch für Szenemenschen rüberbringen zu können, kann man nicht einfach nur die Fantasie bemühen, dafür ist das Thema zu komplex. Es muss schon so sein, dass man sich wirklich damit beschäftigt und mental in diese Personen hineinversetzt.

      Im Grunde war es für mich sehr anstrengend, diese recht weitreichende, aber auch skurrile Welt zu erforschen und darüber zu schreiben. Mit dem, was dabei herausgekommen ist, war ich sehr zufrieden (und mein Co-Autor auch), aber mein persönliches Fazit daraus war: So erotisch die Vorstellung mancher Praktiken in der Fantasie auch sein mag, ich würde so etwas, zumindest in dieser extremen Form, nicht in Natura am eigenen Leib erleben wollen.
      "deine beschreiebung alleine lässt vermuten, dass es sich um schmöckerroman einzigartiger klasse handelt, nämlich übertriebenem bullshid, der mit der wirklichkeit keinene hinreichenden effekt auf die wirklichkeit erstreckt."(Simon Stiegler)
      Stimmt! Ich schreibe spannende Unterhaltungsliteratur, die den Leser aus der Wirklichkeit entführt, bis zum Ende gelesen wird und bei der der Leser am Ende fragt: Wann erscheint der nächste Band? Schreiben will halt gelernt sein
    • Bisher ist Schreiben für mich noch ein Hobby, habe aber bei meinem ersten Buch - ein Krimi - schnell feststellen müssen, dass es da teilweise schwer ist, ohne fremde Hilfe Dinge zu beschreiben, die man selbst nur aus Büchern oder Filmen kennt.
      Daher wollte ich euch mal fragen, ob ihr hauptsächlich in Sachbüchern und dem Internet recherchiert, oder im Bekanntenkreis Leute habt, die euch bei Fragen auch mal weiterhelfen können?
      Und falls nicht, wie findet man denn im besten Fall einen Fachmann, der bereit ist zu helfen? :-k
      So many things become beautiful when you really look.

      Lauren Oliver
    • -the-black-one- schrieb:

      Bisher ist Schreiben für mich noch ein Hobby, habe aber bei meinem ersten Buch - ein Krimi - schnell feststellen müssen, dass es da teilweise schwer ist, ohne fremde Hilfe Dinge zu beschreiben, die man selbst nur aus Büchern oder Filmen kennt.
      Daher wollte ich euch mal fragen, ob ihr hauptsächlich in Sachbüchern und dem Internet recherchiert, oder im Bekanntenkreis Leute habt, die euch bei Fragen auch mal weiterhelfen könnt?
      Und falls nicht, wie findet man denn im besten Fall einen Fachmann, der bereit ist zu helfen?
      Meine Recherchen stützen sich auf mehrere Säulen. Die Recherche im Internet nimmt einen großen Raum ein. Dabei ist es mir wichtig, mich dem Thema auf unterschiedliche Weise zu nähern. Die raschesten Zugänge bieten Informationsseiten (allen voran Wikipedia) aber zu vielen Themen findet man mit genügend Suchen auch sehr professionelle Filme bei Youtube. Dazu habe ich das Glück, auf einen recht großen Fundus von Sachbüchern, Fachbüchern, Lehrbüchern zugreifen zu können. So kamen zum Thema "Überleben in einer fremden Welt" unzählige Videos zum Thema Survival, Bushcraft, Naturdokumentationen etc. zusammen, dazu Fachbücher und Erfahrungsberichte zu dieser Thematik zusammen. Ganz wichtig ist auch: ich habe viel Zeit darauf verwendet, meine eigenen Erfahrungen mit brenzlichen (ich bin Hesse und darf das mit "ch" schreiben) und normalen Situationen in der Natur und diejenigen von Freunden und Bekannten zu reflektieren. Irgendeinen persönlichen Bezug braucht man bei zentralen Elementen. Keine Recherche kann das ersetzen. Um die fremde Fantasywelt selbst nicht unsinnig zu gestalten, war sogar ein recht dickes Lehrbuch zum Stand der Astronomie nötig bzw. inspirierend. Und wie ich eingangs erwähnte, probiere ich auch Dinge selbst aus. Oh, und Biologie hatte ich sowieso schon studiert.

      Das heißt jetzt nicht, dass man jedes langweilige Detail, jede letzte Wahrheit ergründen müsste, um ein gutes Buch schreiben zu können. Aber es illustriert, wie aufwändig Recherche zur Grundthematik durchaus ohne Übertreibung sein kann. Und es illustriert einen weiteren Punkt: Man kann keine Thematik in den Mittelpunkt rücken, zu der man selbst keinen Bezug hat oder zu dem man aus besonderem Interesse einen herstellen will.

      Wenn all diese Recherchemöglichkeiten ausgeschöpft sind und dann noch ein Fachmann benötigt wird, ist die Frage im allgemeinen sehr einfach zu beantworten: Man sucht im Internet einen und schreibt ihn einfach an. Fachleute haben es meist so an sich, dass sie begeistert sind, wenn sich tatsächlich mal ein Mensch freiwillig ausgiebig mit ihrer Thematik befassen möchte und neigen daher dazu sehr auskunftsfreudig zu sein, wenn man nett zu ihnen ist.
    • -the-black-one- schrieb:

      Daher wollte ich euch mal fragen, ob ihr hauptsächlich in Sachbüchern und dem Internet recherchiert, oder im Bekanntenkreis Leute habt, die euch bei Fragen auch mal weiterhelfen können?
      Und falls nicht, wie findet man denn im besten Fall einen Fachmann, der bereit ist zu helfen?
      Sachbücher, Internet, das alles kann helfen, sich besser in die Materie einzufinden. Allerdings muss man auch in der Lage sein zu filtern. Nicht jedes Sachbuch ist wirklich hilfreich (wie man leicht aus dem Thread "Bekomme Drohmail vom Autor" herauslesen kann), nicht alles, was im Internet geschrieben wird, entspricht auch wirklich der Wahrheit. Vieles ist nur Fantasie oder auch von selbsternannten Experten geschrieben, sodass man den Quellen immer kritisch gegenüber stehen sollte.

      Die besten Erkenntnisse kann man wohl aus einschlägigen Foren ziehen. Im Bereich Krimi wären das wohl Rechts- und Polizeiforen. An diese kann man sich auch wenden, wenn man zu speziellen Dingen Informationen haben möchte, gerade was Polizeiarbeit betrifft.
      Ralf Kurz hat, soweit ich mich erinnern kann, immer direkten Kontakt zu Polizisten gepflegt, um seinen Büchern den entsprechenden Realitätsgehalt zu geben.
      Schwieriger könnte es sein, aus der Sicht eines Mörders zu schreiben. Ich würde mir jedenfalls überlegen, ob ich deswegen eine JVA oder sogar eine Psychiatrie für Straftäter aufsuchen würde. Sicher mag es hinterher authentisch sein, allerdings ist es äußerst anstrengend, die seelische Distanz zu wahren.

      Martin Hühn schrieb:

      Irgendeinen persönlichen Bezug braucht man bei zentralen Elementen. Keine Recherche kann das ersetzen.
      Da möchte ich dir widersprechen. Wenn man genügend Einfühlungsvermögen besitzt, ist es nicht nötig, gewisse Erfahrungen zu sammeln. Ich muss mich nicht an einer Herdplatte verbrennen, wenn dieser Verbrennungsschmerz ein zentrales Element ist, ebenso wie ich mich nicht als Skydiver vom nächstbesten Felsen stürzen muss, wenn ich von fliegenden Menschen schreibe. Auch muss ich mich nicht fesseln und quälen lassen, um zu erfahren, was andere an hartem BDSM toll finden, denn ich werde es nicht nachempfinden können, wenn ich selber keine oder nur geringe masochistische Neigungen habe.
      Wichtig ist nur, dass man sich hineinversetzen kann, seine eigenen vorhandenen Gefühle auf die beschriebene Situation ausdehnen kann und es dann schafft, dieses Gefühl, das man dabei empfindet, auf den Leser zu übertragen. Dann glaubt er dir auch, dass hartes BDSM eine ganz tolle Sache ist - zumindest für bestimmte Menschen :wink:

      Ich hatte keinen Bezug zu BDSM - und trotzdem hat mir im Nachhinein kaum jemand geglaubt, dass ich damit keine Erfahrungen habe. Es geht also, wenn man es kann O:-) .
      "deine beschreiebung alleine lässt vermuten, dass es sich um schmöckerroman einzigartiger klasse handelt, nämlich übertriebenem bullshid, der mit der wirklichkeit keinene hinreichenden effekt auf die wirklichkeit erstreckt."(Simon Stiegler)
      Stimmt! Ich schreibe spannende Unterhaltungsliteratur, die den Leser aus der Wirklichkeit entführt, bis zum Ende gelesen wird und bei der der Leser am Ende fragt: Wann erscheint der nächste Band? Schreiben will halt gelernt sein
    • Martin Hühn schrieb:

      Man sucht im Internet einen und schreibt ihn einfach an. Fachleute haben es meist so an sich, dass sie begeistert sind, wenn sich tatsächlich mal ein Mensch freiwillig ausgiebig mit ihrer Thematik befassen möchte und neigen daher dazu sehr auskunftsfreudig zu sein, wenn man nett zu ihnen ist.
      Haha, dann ist das also tatsächlich so. :D Probieren werde ich es demnächst vielleicht einfach man. Kann ja wohl nichts schlimmeres passieren, als dann man am Ende doch keine Antwort bekommt. ;D

      Martin Hühn schrieb:

      mit genügend Suchen auch sehr professionelle Filme bei Youtube

      Divina schrieb:

      Die besten Erkenntnisse kann man wohl aus einschlägigen Foren ziehen.
      An sowas hatte ich gar nicht gedacht, danke für die Tipps! Da kann ich mich ja gleich mal in ein paar Foren umsehen. ;)

      Divina schrieb:

      Ich würde mir jedenfalls überlegen, ob ich deswegen eine JVA oder sogar eine Psychiatrie für Straftäter aufsuchen würde.
      Das wäre etwas, was mich wirklich sehr interessieren würde, obwohl ich auch durchaus noch eine Zeit lang darüber nachdenken muss, ob das wirklich nötig ist. Ich habe aber immer gedacht, dass man als gewöhnlicher Bürger nicht so leicht einen Zugang zu solchen Einrichtungen bekommen kann. Reicht es da wirklich auch zu sagen, dass es für Recherchezewecke nötig ist? :-k Aber auch hier werde ich es vielleicht für eine gewisse Romanidee ausprobieren und einfach mal anfragen.

      Danke, für eure schnellen Antworten. :)
      So many things become beautiful when you really look.

      Lauren Oliver
    • Divina schrieb:

      Da möchte ich dir widersprechen. Wenn man genügend Einfühlungsvermögen besitzt, ist es nicht nötig, gewisse Erfahrungen zu sammeln. Ich muss mich nicht an einer Herdplatte verbrennen, wenn dieser Verbrennungsschmerz ein zentrales Element ist, ebenso wie ich mich nicht als Skydiver vom nächstbesten Felsen stürzen muss, wenn ich von fliegenden Menschen schreibe. Auch muss ich mich nicht fesseln und quälen lassen, um zu erfahren, was andere an hartem BDSM toll finden, denn ich werde es nicht nachempfinden können, wenn ich selber keine oder nur geringe masochistische Neigungen habe.
      Wichtig ist nur, dass man sich hineinversetzen kann, seine eigenen vorhandenen Gefühle auf die beschriebene Situation ausdehnen kann und es dann schafft, dieses Gefühl, das man dabei empfindet, auf den Leser zu übertragen. Dann glaubt er dir auch, dass hartes BDSM eine ganz tolle Sache ist - zumindest für bestimmte Menschen

      Ich hatte keinen Bezug zu BDSM - und trotzdem hat mir im Nachhinein kaum jemand geglaubt, dass ich damit keine Erfahrungen habe. Es geht also, wenn man es kann .
      So war das auch nicht gemeint. Man muss nicht alles aus eigener Erfahrung wissen oder direkt erlebt haben. Man braucht aber zumindest einen Ausgangspunkt, der an mehr an eigene Interessen anknüpft als "ich möchte gerne mal darüber schreiben. Die Sache mit der Herdplatte ist leicht. Jeder hat schon einmal Schmerzen gehabt und selbst wenn man sich noch nie verbrannt hat, kann man mit ein paar Beschreibungen darüber, was das besondere an Verbrennungen ist eine passable eigene Version davon kreiren. Wenn ich über "fliegende Menschen" schreibe, werde ich vielleicht nicht gleich zum Skydiver aber ich muss persönliche Bezüge zur Hilfe nehmen, wenn solche Beschreibungen lebendig werden sollen. Wie fühlt es sich an, wenn ich hoch oben auf einem Berg stehe und der kalte Wind mir um die Ohren pfeift? Wie ist es, von einem hohen Punkt aus hinab zu sehen, was kann ich erkennen, was nicht? Wie fühlt sich freier Fall an (und sei es auch nur über einen halben Meter? Habe ich schon einmal vom Fliegen geträumt und kann meine eigenen Sehnsüchte mit verarbeiten? Solche Sachen meine ich.

      Zu BDSM beispielsweise könnte ich sehr viele Recherchen machen und auch lesen, was andere daran so toll finden. Ich könnte das auch wiedergeben, rekombinieren aber nachvollziehen könnte ich es nicht so weit, dass ich ein Buch schreiben könnte, in dem es hauptsächlich darum geht. Wenn ich das wollte und gut machen wollte, müsste ich mich vermutlich mit den Kernpunkten beschäftigen (falls es um die geht, so viel kann man recherchieren): Wie fühlt es sich an, Macht über andere Auszuüben, was ist reizvoll daran, welche ambivalenten Gefühle sind damit verbunden und wie steht es mit der Gegenseite, dem Beherrschten? Welchen Reiz kann gewollte Machtlosigkeit haben? Ich stünde da dumm da. Aber vielleicht fände ich einen Anknüpfungspunkt in dem Gefühl, einer übermächtigen Natur absolut ausgeliefert zu sein.

      Auch für Sachen, die einem eigentlich nicht nahe sind, lassen sich also häufig gute Anknüpfungspunkte finden. Aber dafür muss man die Recherche eben auch nach innen richten.
    • Ich hab zwar keine Ahnung, was Wasserlinsen sind, aber ich würde sie auch ausprobieren zu Recherchezwecken. Das Ganze wird realistischer und außerdem macht es Spaß, seinen Horizont durchs Schreiben zu erweitern.
      Was Krimis anbelangt - da würde ich tatsächlich jede Führung im Polizeipräsidium mitmachen oder Kontakte zu Polizisten suchen, ebenso bei anderen Themen. Und Foren sind sicher auch ne gute Idee.

      Als ich vor zwei Jahren angefangen hab, auch Erotik zu schreiben, hab ich in einem Forum gefragt, ob Männer Lust hätten, mal reinzulesen und mir zu sagen, was sie davon halten. Weil man ja ungern im Bekanntenkreis damit hausieren geht. Bzw. weil man dort keine so ehrlichen Antworten bekommt. Ich wurde überschwemmt mit Mails (natürlich machte ich das alles anonym). Ich sags euch, das war total interessant! Hab die Jungs natürlich dann ausgefragt nach ihren Phantasien, wie sie gewisse Dinge am Liebsten mögen und so weiter. Lach. Hab erstens viel über Männer gelernt, zweitens ein paar Einladungen ins Stundenhotel gekriegt und drittens erstaunlicherweise sogar zwei nette Kontakte mit Männern geknüpft, die auch gerne Erotik schreiben. Im Stundenhotel war ich nicht, keine Sorge. Die beiden Kerle sind gute Kumpels geworden.

      Was ich witzig finde: Ich schreibe schon längere Zeit Kurzkrimis für Zeitschriften. Und nun eben auch Erotik, unter anderem. Aber ich wurde NIE gefragt "Wieviele Menschen hast du in echt schon umgebracht?", aber schon viele Male "Hast du all das erlebt, was du in deine Sexbücher reinschreibst?????"

      Ich muss gestehen, ich könnte niemals einen historischen Roman schreiben, weil mir die Recherche zu anstrengend wäre. Aber ich bewunder Leute, die das tun und Spaß daran haben.

      Grüßle
      Karin
    • Karin669 schrieb:

      Aber ich wurde NIE gefragt "Wieviele Menschen hast du in echt schon umgebracht?", aber schon viele Male "Hast du all das erlebt, was du in deine Sexbücher reinschreibst?????"
      Haha, naja, die Wahrscheinlichkeit, dass man die Dinge schon erlebt hat, über die man im Erotikgenre schreibt, ist einfach größer. :P
      Im Genre "Thriller" / "Krimi" werden Autoren dann eher gefragt, wie sie überhaupt auf solche Gedanken kommen, bzw. woher die Ideen dazu überhaupt kommen. ;)
      So many things become beautiful when you really look.

      Lauren Oliver
    • -the-black-one- schrieb:

      Haha, naja, die Wahrscheinlichkeit, dass man die Dinge schon erlebt hat, über die man im Erotikgenre schreibt, ist einfach größer.
      Eigentlich nicht, weil manche der beschriebenen Dinge zwar interessant zu lesen, aber doch für den Alltag recht abwegig sind. Dann müsste nämlich jede zweite Sekretärin ihre Bluse bis zum Bauchnabel offen haben (natürlich ohne Unterwäsche) und es würde hinter jedem dritten Busch im Stadtpark heiß hergehen - vom Gangbang mal ganz abgesehen. Aber der Gedanke, dass man so etwas erleben könnte, ist reizvoller als der eines Mordes. Deswegen mag man sich lieber so etwas vorstellen und dann eben auch diese Frage stellen :lol:

      Das ist dann allerdings auch die Gefahr im Erotikgenre, dass Autoren sich leichter dazu verleiten lassen, ohne Recherche über Dinge zu schreiben, von denen sie keine Ahnung haben. Und dann kommt eben so etwas wie SoG heraus, das andere, die auch keine Ahnung haben, zu teilweise recht gefährlichen Sexspielchen animiert, ohne sich dessen bewusst zu sein. Und diejenigen, die so etwas real praktizieren, sehen die Bücher bzw. die Szenen darin eher als Lachnummer.
      Ich finde, dass man als Autor schon eine gewisse Verantwortung hat. Fantasie ist gut, aber wenn sie unterlegbar ist, sollte man das auch nutzen und sich selbst da fachlichen Rat holen.
      "deine beschreiebung alleine lässt vermuten, dass es sich um schmöckerroman einzigartiger klasse handelt, nämlich übertriebenem bullshid, der mit der wirklichkeit keinene hinreichenden effekt auf die wirklichkeit erstreckt."(Simon Stiegler)
      Stimmt! Ich schreibe spannende Unterhaltungsliteratur, die den Leser aus der Wirklichkeit entführt, bis zum Ende gelesen wird und bei der der Leser am Ende fragt: Wann erscheint der nächste Band? Schreiben will halt gelernt sein
    • Karin669 schrieb:

      Ich hab zwar keine Ahnung, was Wasserlinsen sind, aber ich würde sie auch ausprobieren zu Recherchezwecken.
      Wasserlinsen sind die kleinen linsenförmigen Pflanzen, die (vor allem im Spätsommer/Herbst) nährstoffreiche Teiche (etwa in Wäldern) ganz bedecken können. Sie sind weltweit verbreitet und können sogar im Winter vom Gewässergrund geholt werden (sie sinken zum Überwintern ab). Es gibt verschiedene Arten, die sich in ihrer Essbarkeit (nur gegart, sonst schädlich!) nicht unterscheiden. Die Pflanze ist zwar sehr nährstoffreich aber kaum eine Mahlzeit mit erotischem Potenzial (die Liebenden sollten sich auch weiterhin besser mit süßen Kirschen füttern).

      Karin669 schrieb:

      Aber ich wurde NIE gefragt "Wieviele Menschen hast du in echt schon umgebracht?"
      Nun gut, ich halte zwar viel von ausführlicher Recherche mit eigenem Ausprobieren/Erleben aber an dieser Stelle muss ich einräumen, dass auch bei mir eine Grenze erreicht ist.

      -the-black-one- schrieb:

      Haha, naja, die Wahrscheinlichkeit, dass man die Dinge schon erlebt hat, über die man im Erotikgenre schreibt, ist einfach größer.
      Größer als selbst jemanden umgebracht zu haben, sicher. Aber von Kriminalität bzw. Ermittlungsarbeit etwas mit zu bekommen (vorzugsweise nicht als Täter) ist ja nicht unbedingt die große Ausnahme. Ich treibe mich eigentlich nicht unbedingt im Mafiamillieu rum (eher in malierischen Kleinstädten) aber von Einbruch in Räume und Autos, Diebstahl und Vandalismus über Angriff auf Menschen, kleinere und größere Betrugsversuche bis zum Stolpern über Ermittlungsbeamte mit Hunden, die gerade zu einer Leichenfundstelle eilten und einem Banküberfall in unmittelbarer Nähe war eigentlich alles dabei.
    • Divina schrieb:

      Und dann kommt eben so etwas wie SoG heraus, das andere, die auch keine Ahnung haben, zu teilweise recht gefährlichen Sexspielchen animiert, ohne sich dessen bewusst zu sein.

      Divina schrieb:

      Ich finde, dass man als Autor schon eine gewisse Verantwortung hat.

      Ich finde das nicht ganz so einfach. Zwar gebe ich dir Recht, dass man als Autor eine gewisse Verantwortung hat und wenigstens mal nicht dazu animieren sollte, das im Buch beschriebene einfach mal so nachzumachen. Allerdings sollte jedem Leser auch irgendwo selbst bewusst sein, dass es eben nur ein Buch ist und keine Gebrauchsanweisung. Und dabei ist es ganz egal, ob es ein Krimi oder ein Erotikroman ist. Es ist nur Fanatsie, mehr nicht. :wink:

      Gerade bei SoG konnte man dann ja eine Zeit lang nicht den Fernseher anmachen, ohne dass irgendjemand davor gewarnt hat, nicht einfach alles so nachzumachen, wie es im Buch steht, weil da schon mal was passieren kann.
      Und dass sich plötzlich die Mitarbeiter im Baumarkt über das Thema informieren mussten kann man der Autorin auch nicht ankreiden, das war eine ganz blöde Beeinflussung durch die Medien, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann. :-,
      So many things become beautiful when you really look.

      Lauren Oliver
    • -the-black-one- schrieb:

      Ich finde das nicht ganz so einfach. Zwar gebe ich dir Recht, dass man als Autor eine gewisse Verantwortung hat und wenigstens mal nicht dazu animieren sollte, das im Buch beschriebene einfach mal so nachzumachen. Allerdings sollte jedem Leser auch irgendwo selbst bewusst sein, dass es eben nur ein Buch ist und keine Gebrauchsanweisung.
      Diesen Punkt sehe ich eher wie Divina. Sicherlich wäre es unsinnig, einen Autor zu belangen, weil ein Leser meint, einfach alles nachmachen zu können, das in einem fiktionalen Werk steht. Aber keine juristische Verantwortung zu haben bedeutet nicht, dass man keine menschliche hat. Leider gibt es so etwas wie dumme, gutgläubige, unvorsichtige Leser auch und ein Schriftsteller, der vermeidet, sie rauszumendeln belastet sein Gewissen nicht. Vielleicht kann man nicht jeden davon abzuhalten, irgend etwas zu finden, das er nachmachen kann um sich damit zu schaden. Aber gerade bei sicherheitsrelevanten Themen ist ordentliche Recherche und Darstellung (und sei es nur ein Gefahrenhinweis in einer Fußnote) durchaus auch eine moralische Pflicht. Abgesehen davon sollte Lesen ja nicht nur unterhalten, sondern auch bilden. Für Verdummung der Konsumenten haben wir schon das Fernsehen :wink: .
    • Martin Hühn schrieb:

      Aber gerade bei sicherheitsrelevanten Themen ist ordentliche Recherche und Darstellung (und sei es nur ein Gefahrenhinweis in einer Fußnote) durchaus auch eine moralische Pflicht.
      Dem möchte ich auch gar nicht wiedersprechen. :wink: Allerdings finde ich es wirklich auch als Leser sehr wichtig, sich immer bewusst zu sein, dass man da keine Ratgeber liest, sondern frei erfundene Geschichten, die zur Unterhaltung und nicht als Anleitung für das Leben dienen. ;)
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      Lauren Oliver
    • Die Recherche für mein Genre (Fantasy) war nicht wirklich "extrem", aber trotzdem intensiv.
      In meinem Roman ist die Gattung Werwolf zuhause, jedoch nicht die, die eher einer Verschmelzung von Mensch und Wolf gleicht. Nein, es sind richtige Wölfe. Ein Grund für ihr Auftreten in meiner Reihe ist nichts anderes als meine Abhängigkeit von diesen wundervollen Wesen, ihr Aussehen und Verhalten faszinieren mich. Aber ich wollte sie aus den Klischees der "modernen" Fantasy-Welt herausholen! Also sah ich es als meine Pflicht, ihre Art richtigzustellen. Die - mehr oder weniger - extreme Recherche beinhaltete das genaue Studieren dieser Tiere. Bücher, Reportagen, Blogs von Leuten, die mit ihnen zu tun haben, sogar mit ihnen leben. Damit habe ich mir auch selbst einen Gefallen getan. Ich durfte noch tiefer in eine Welt eintauchen, in der ich mich schon zu Beginn sehr wohl gefühlt habe. :)
      "Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt." ~Albert Einstein

      Wer schneidet, muss bluten ♥♥♥ Mein Debüt-Roman!
    • In meinen Romanen werden gelegentlich nebenbei die exotischen Landkorallenriffe auf der Fantasywelt H´Veredy erwähnt. Wie so ein Ökosystem funktionieren könnte, habe ich offen gelassen.
      Ehrlich gesagt hielt ich so etwas selbst nicht für besonders realistisch. Aber ich dachte mir, irgendwie muss so etwas sicher gehen. Jetzt habe ich in Bayern ein Miniatur-"Landkorallenriff" entdeckt. Die korallenartigen Formen werden dort von stark kalkhaltigem Wasser geformt, das aus dem Boden austritt. Der Kalk lagert sich unter anderem um Moose ab, von denen nur noch die Spitzen heraus schauen, und bildet die faszinierenden Formen.
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    • Echt spannend, was man alles lernt beim Schreiben, gell?

      Solche Dinge machen mir auch Spaß. Wobei ich die Fantasyautoren eh bewundere, weil ihr euch ganze Welten ausdenken müsst, Respekt! Tolle Fotos von den Korallen, ich wusste gar nicht, dass es in Bayern so etwas gibt.

      Ich hab mir heute zu Recherchezwecken Videos von Kalb-Geburten angeschaut und mich sehr amüsiert über manche Kommentare. Da kommt ein Kalb auf natürlichem Weg auf die Welt, die Kuh ist schnell wieder fit und eine Menge Leute schreiben "das arme Tier! Was für eine Quälerei, dass es so leiden muss. Das ist unmenschlich." Ähhhhh...ich hab meine Kids auch so auf die Welt gebracht und Kühe samt anderen Säugetieren machen das auch schon ein paar Jahre, was ist daran Tierquälerei? Ich wette, der Kommentar kommt von Leuten, die gerne Supermarkt-Fleisch essen. Aus Massentierhaltung....

      sorry, das war jetzt völlig off topic. Hab mich nur gerade total gewundert deswegen.

      Karin
    • Karin669 schrieb:

      Ich hab mir heute zu Recherchezwecken Videos von Kalb-Geburten angeschaut und mich sehr amüsiert über manche Kommentare. Da kommt ein Kalb auf natürlichem Weg auf die Welt, die Kuh ist schnell wieder fit und eine Menge Leute schreiben "das arme Tier! Was für eine Quälerei, dass es so leiden muss. Das ist unmenschlich." Ähhhhh...ich hab meine Kids auch so auf die Welt gebracht und Kühe samt anderen Säugetieren machen das auch schon ein paar Jahre, was ist daran Tierquälerei? Ich wette, der Kommentar kommt von Leuten, die gerne Supermarkt-Fleisch essen. Aus Massentierhaltung....

      sorry, das war jetzt völlig off topic. Hab mich nur gerade total gewundert deswegen.
      Das ist jedenfalls ein bemerkenswertes Rechercheerlebnis und noch dazu eines, das mir in ähnlicher Weise bekannt vorkam. Bei mir war es ein privater Film von einer Ringelnatter, die sich einen Kampf mit einem Frosch liefert und ihn irgendwann verschlingt. Kommentar: Man solle der Ringelnatter den Frosch wegnehmen, weil das grausam sei. Dass die Schlange ein seltenes und gefährdetes Tier ist, dass eben Frösche frisst, war offenbar nicht mit dem Weltbild des Kommentators vereinbar. Ja, auf so etwas kann man bei Recherche auch immer wieder stoßen.
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