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Gunnar Gunnarsson - Advent im Hochgebirge / Advent

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    Advent im Hochgebirge: Erzählung

    von

    4.3|3)

    Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag

    Bindung: Gebundene Ausgabe

    Seitenzahl: 103


    ISBN: 9783150106044


    Termin: September 2006

    • Gunnar Gunnarsson - Advent im Hochgebirge / Advent

      Der Autor:
      Gunnar Gunnarsson (18. Mai 1889 - 21. November 1975) war ein isländischer Dichter, den ich erst durch @tom leos zahlreiche positive Rezensionen "entdeckte". Scheinbar sind die meisten Bücher des Autors nur noch antiquarisch verfügbar, was die Aussage unterstützt, dass Gunnar Gunnarsson ziemlich im Schatten des grossartigen isländischen Schriftstellers Halldor Laxness steht.

      Inhalt:
      Alljährlich zur Adventszeit macht sich Benedikt gemeinsam mit seinem Hund Leo (ein wahrer Papst von Hund - so das höchste Lob, das Benedikt vergeben kann) und dem Leithammel Knorz auf den Weg ins Hochgebirge, um einzelne, verirrte Schafe einzusammeln und so vor dem Erfrierungs- oder Hungertod zu bewahren. Nicht etwa, weil es seine eigenen Schafe wären, sondern einfach, damit sich jemand auch um die Geschöpfe Gottes kümmert, bei denen sich andere nicht die Mühe machen. So bricht Benedikt bereits zum siebenundzwanzigsten Mal auf zu einer beschwerlichen Suche. Dieses Jahr ist der Winter allerdings früh hereingebrochen und besonders frostig.
      In der knapp 80-seitigen Wanderung trifft das Trio anfangs noch auf vereinzelte Menschen, die nicht verstehen, wie man sein Leben für ein paar fremde Schafe riskieren kann. Danach ist die Gruppe mehr oder weniger auf sich alleine gestellt und trotzt den sehr schön beschriebenen Naturgewalten des isländischen Winters.

      Meine Meinung:
      Es ist eine sehr angenehme, leise Geschichte, die man idealerweise in der kalten Jahreszeit lesen sollte. Eine besinnliche Erzählung mit ein paar biblischen Referenzen, die nachdenklich stimmen kann, was wirklich wichtig ist im Leben: Freundschaft, Verbundenheit mit der Natur und Toleranz allen Geschöpfen gegenüber.
      Neben der eigentlichen Erzählung ist auch das 17-seitige Nachwort von Jón Kalman Stefánsson (einem weiteren isländischen Autoren, den ich noch nicht kenne) über Gunnarssons Stellenwert in der nordischen Literatur lesenswert.

      Der dänische Originaltitel lautet einfach "Advent"
      :study: Franz Hohler - Spaziergänge (80/160)
      :study: Curzio Malaparte - Die Haut (99/448)
      Letzter Neuzugang am 04. Dezember: Ralph Ellison - Der unsichtbare Mann
    • Nungesser schrieb:

      einem weiteren isländischen Autoren, den ich noch nicht kenne

      Was ist das denn nur, dass du mich ständig zu Empfehlungen verleitest :?: :wink:
      An dieses Buch, das ich erst kürzlich las, habe ich mich bei der Inhaltsangabe des Buches von Gunnarsson erinnert. Auch hier geht es um den Kampf mit und in Schnee und Frost. Sehr lesenswert! (Und nach der Lektüre hättest du einen weiteren isländischen Autor, den du kennst, auf deiner Liste. :thumleft:
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Marie schrieb:

      Was ist das denn nur, dass du mich ständig zu Empfehlungen verleitest

      Das beruht dann wohl auf Gegenseitigkeit ! "Der Schmerz der Engel" klingt tatsächlich interessant und ist jetzt soeben auf meine Wunschliste gewandert.
      :study: Franz Hohler - Spaziergänge (80/160)
      :study: Curzio Malaparte - Die Haut (99/448)
      Letzter Neuzugang am 04. Dezember: Ralph Ellison - Der unsichtbare Mann
    • Gunnar Gunnarsson - Advent im Hochgebirge

      Original : Advent (Dänisch, 1937???)
      Dtsche Übersetzung : Helmut de Boor (1936)
      Nachwort : Jón Kalman Stefánsson

      INHALT :
      Den Angabe von Nungesser füge ich nichts hinzu.

      BEMERKUNGEN :
      Der 54-jährige Benedikt feiert Jubiläum : seit 27 Jahren läuft er so bei einbrechendem Winter und Advent den zerstreuten Schafen hinterher : Dienst am Geschöpf, aber in seinen Augen auch eine Selbstverständlichkeit. Und... auch ein Gottesdienst. Er versäumt so den 1.Advent im Dorf und macht sich auf den Weg, lebt aber gleichzeitig intensiv den Bezug zu den Geschöpfen, zur Umwelt, zu Gott. Vielleicht wird er nicht von allen ernstgenommen, oder als verschrobener Typ angesehen ?

      Tauschen will er mit keinem, und was uns als das Allerletzte vorkommt ist für ihn Freudenquell. Wie erwähnt sind die biblischen und spirituellen Bezüge (der gute Hirt) zahlreich und das Buch mag recht fallen in diese Adventszeit. Allerdings mag vorausgeschickt sein, dass die Übersetzung aus den 30iger Jahren, das Umfeld und eine leicht pathetisch-frömmelnde Art manchen befremden könnte. Wäre aber eigentlich schade drum : im Kern ist dies doch irgendwo stimmig. Und schön.

      Eine gute Adventslektüre für den vorgewarnten Leser !

      Es gibt verschiedene antiquarische Ausgaben ; ich selber las eine sehr gut erhaltene aus dem Reclamverlag, aus dem Jahre 1936 mit 15 Illustrationen von Wolfgang Felten. Insofern kann ich persönlich mich nicht zur Form dieser hiesigen, zeitgenössischen Ausgabe äußern. Prima, dass zumindestens ein Buch von Gunnarsson neu erhältlich ist! (wie auch « Schwarze Vögel », das hier auch schon renzensiert wurde). Doch der angegebene Übersetzer ist derselbe wie in der alten Reclamausgabe aus den 30iger Jahren, und Jon Kalman Stefansson hat sicherlich was Gutes zu sagen gehabt im Nachwort.

      AUTOR :
      Der isländische Schriftsteller Gunnar Gunnarsson wurde 1889 im Fljótsdalur in Ostisland geboren und wuchs dort als Sohn eines armen Bauern auf dem Hof Valþjófsstaður auf. Als er acht Jahre alt war, starb seine Mutter. Er besuchte nur die einfach Volksschule und besuchte ab dem achtzehnten Lebensjahr für zwei Jahre die Volkshochschule in Jütland, Dänemark. Hier lernte er auch Franzisca Jörgensen kennen, die er 1912 heiratete.

      In Dänemark versuchte er auch sein Glück als Schriftsteller. So erschien 1912 sein Roman « Ormarr Ørlygsson », der der erste Teil einer Tetralogie wurde, die in Deutschland unter dem Titel « Die Leute auf Borg » erschien und bereits 1919 als erster isländischer Roman überhaupt verfilmt wurde. Diese Romane machten ihn berühmt, so dass nun in rascher Folge weitere Romane von ihm erschienen, die seinen Ruhm festigten und ihn über Skandinavien hinaus bekannt machten.

      In Deutschland begann sein Ruhm mit « Salige er de enfoldige » (dt. Der Hass des Pall Einarsson) von 1921. 1926 ging er zurück nach Island, wo er sich zunächst in Ljótsstaðir bei Vopnafjörður niederließ. 1938 kaufte er den Hof Skriðuklaustur in der Nähe seines Elternhauses. Dieser Hof ist heute ein Museum über Gunnarsson.

      Im Jahr 1948 zog er nach Reykjavík, wo er begann, seine Bücher, die er bislang in Dänisch geschrieben hatte, ins Isländische zu übersetzen. Seine letzten drei Romane, die alle nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind, schrieb er erstmals original auf isländisch. Der letzte erschien 1955, in diesem Jahr war er auch für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Normalerweise werden die Nominierten nicht bekannt gegeben, aber es kam inzwischen heraus, das er zu diesem Zeitpunkt bereits zum dritten Mal vorgeschlagen war. Gunnarsson gilt neben Halldor Laxness als grösster Romanautor Islands im 20. Jahrhundert.

      Gunnar Gunnarsson starb 1975 in Reykjavík, ein Jahr später seine Frau. Sie wurden auf Viðey beigesetzt, einer kleinen Insel im Westen Islands. Seine Romane wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt.
      (Quelle siehe : histo-couch.de/gunnar-gunnarsson.html ; ausführlicher Artikel auf Englisch auch hier : en.wikipedia.org/wiki/Gunnar_Gunnarsson )

      Gebundene Ausgabe: 103 Seiten
      Verlag: Reclam, Philipp, jun. GmbH, Verlag (September 2006)
      Sprache: Deutsch
      ISBN-10: 3150106044
      ISBN-13: 978-3150106044
      Adolf Muschg - Das gefangene Lächeln
      Alex Stock - morgen: theologie einer tageszeit
      Esther Kinsky - Naturschutzgebiet

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