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Haruki Murakami - Von Männern die keine Frauen haben / Onna no Inai Otokotachi

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    Von Männern, die keine Frauen haben

    von

    3.9|14)

    Verlag: btb Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 256


    ISBN: 9783442714254


    Termin: Oktober 2016

    • Haruki Murakami - Von Männern die keine Frauen haben / Onna no Inai Otokotachi

      Nach dem für mich hervorragenden 'Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki' erst vom Anfang diesen Jahres war die Wartezeit auf einen neuen Murakami erfreulich kurz: mit dem Band 'Von Männern die keine Frauen haben' erschien vor kurzem eine neue Sammlung von Kurzgeschichten des Autors.

      Diese Geschichten unterschiedlicher Länge, sieben an der Zahl, drehen sich thematisch allesamt um den Aspekt, welchen der Titel des Buches bereits eindeutig vorgibt: Männern, die keine Frauen haben. So jedenfalls nur oberflächlich betrachtet. Denn was den Protagonisten in den Kurzgeschichten fehlt, geht oft weit über den Aspekt eines nicht vorhandenen Partners hinaus, oder steht damit nur indirekt in Zusammenhang.

      Die Qualität der Kurzgeschichten schwankt dabei durchaus; besonders überzeugt hat mich vor allem die skurril-melancholische Erzählung über einen Barbesitzer, welcher sich durch einige mysteriöse Umstände seiner inneren Verletztheit stellen muss, während ich mit Murakamis Hommage an Kafkas Verwandlung mit der Kurzgeschichte 'Samsa in Love' nur wenig anfangen konnte. So wird wohl jeder in diesem Band persönliche Highlights zu finden vermögen; diese sind durchaus vorhanden, wenn mich diese Kurzgeschichtensammlung des Autors auch nicht annähernd so zu fesseln konnte, wie es vor allem die Kurzgeschichten-Bände 'Der Elefant verschwindet' oder 'Blinde Weide, Schlafende Frau' vermochten. Letztlich würde ich 'Von Männern die keine Frauen haben' vordergründig Fans des Autors ans Herz legen, wenngleich auch diese durchaus auf die Taschenbuchausgabe warten können.
      "Wenn ich einer Untergrundkultgemeinschaft beitrete, erwarte ich Unterstützung von meiner Familie!" (Homer Simpson)

      :montag:
    • Eol schrieb:

      während ich mit Murakamis Hommage an Kafkas Verwandlung mit der Kurzgeschichte 'Samsa in Love' nur wenig anfangen konnte

      Und diese Erzählung war für mich DER Hit des Buches. Genial die Idee, Gregor Samsas Rückverwandlung in einen Menschen zu schildern :thumleft: . Mit allen Widrigkeiten, die man sich vorstellen kann: Die Angst um die schutzlose Haut (besonders groß die Angst vor Vögeln), das Problem, auf zwei Beinen zu gehen und die Frage, wie man was anzieht. Ich hätte mir noch ein bisschen mehr Konsequenz erhofft,
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      dass also Gregors Familienmitglieder, die anscheinend nicht im Haus sind, nun ihrerseits zu Käfern werden.


      Daneben berührte mich auch die Erzählung, die @Eol erwähnt hat, die des Barbesitzers, der auf eine seltsame Reise geschickt wird. Wenig dagegen konnte ich mit der letzten, der titelgebenden Erzählung anfangen; eine ironische Betrachtung des Liebeskummers habe ich schon anderswo besser und ansprechender gelesen.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)

      Bücher sind auch Lebensmittel. (Martin Walser)
    • Marie schrieb:

      Und diese Erzählung war für mich DER Hit des Buches.

      Mir hat sie auch gefallen. Murakami hat die Käfermetapher durchgängig einfließen lassen und auch Samsas Entwicklung lässt sich mit der im Original vergleichen, nur invers: Während Kafkas Samsa immer mehr einem Käfer gleicht, gewöhnt sich Murakamis immer besser an das Menschendasein. Auch das Motiv der Türen hat Murakami aufgegriffen. Besonders interessant ist die Frage, was Murakamis Samsa denn vor seiner Verwandlung gewesen ist.
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      ​Ich habe zuerst angenommen, er ist ein Käfer gewesen, aber irgendwie scheint es nicht ins Bild zu passen. Weshalb sollte die Familie ihn eingeschlossen haben? Und woher sollten die Erinnerungen kommen, von denen er spricht? Mittlerweile denke ich, er war einfach nicht gestorben, sondern wurde völlig zum Käfer, sodass er sein menschliches Dasein vergessen hat. Durch die (erneute) Verwandlung kommt das menschliche Ich wieder zurück.


      Marie schrieb:

      Wenig dagegen konnte ich mit der letzten, der titelgebenden Erzählung anfangen

      Im Gegensatz zu der Erzählung mit dem Barbesitzer, die mich nur in Teilen angesprochen hat, konnte ich hiermit relativ viel anfangen. Auf stilistischer Ebene war da ziemlich viel zu holen (auch bei der Metaphorik) und die Tatsache, dass die Frau endlich einmal niemanden betrogen hat, hat mich sehr mit der Sammlung versöhnt.

      Das hat mich nämlich an den anderen Geschichten gestört: In den meisten hintergehen die Frauen ihre Partner. Das war auf die Dauer ziemlich vorhersehbar. Dadurch hatte man zwar schnell eine Sympathie für die Männer entwickelt, aber die Darstellung ist zu einseitig. In Das eigenständige Organ geht es sogar explizit darum, wie verlogen Frauen sind, das fand ich schon zu viel des Guten. Da war es eine Erleichterung, dass die Frau in der letzten Erzählung (übrigens in Kafka-Manier nur mit "M." tituliert) positiv dargestellt wird, der Radiergummi-Zwischenfall hat mir sehr gefallen. Auch die erste Geschichte - obwohl ebenfalls mit einer Betrügerin - hat mir zugesagt, weil die Figurenkonstellation spannend angelegt ist.

      Ansonsten mochte ich es ganz gerne, dass Murakami mit verschiedenen Erzählern gespielt, mal die Er- und dann wieder die Ich-Form verwendet hat. Insgesamt würde ich mich @Eol anschließen: Wer das Buch lesen möchte, kann ruhig auf die Taschenbuchausgabe warten.
      :queen: Colonia im Mittelalter // Dieter Breuers
      :jocolor: Verschwundene Reiche: Die Geschichte des vergessenen Europa // Norman Davies (Projekt)


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