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Sabine Weigand: Das Buch der Königin

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    Das Buch der Königin

    von

    4.8|21)

    Verlag: FISCHER Taschenbuch

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 464


    ISBN: 9783596197019


    Termin: August 2015

    • Sabine Weigand: Das Buch der Königin

      Kurzbeschreibung (Quelle: Verlagsseite)
      Erbin, Mutter, Rebellin: der große Roman um Königin Konstanze, die heimliche Schlüsselfigur der Stauferdynastie.
      Es ist die berühmteste Geburtsszene des Mittelalters: Konstanze, Frau des deutschen Kaisers Heinrich VI., vierzigjährig, als unfruchtbar verschrien, hochschwanger. Um jeden Preis muss sie die Legitimität ihres Kindes sicherstellen. Und so bringt sie ihren Sohn öffentlich, auf dem Marktplatz von Jesi, zur Welt. Die Nachwelt kennt sie als Mutter des Stauferkaisers Friedrich II. Aber welcher Weg liegt wirklich hinter Konstanze von Sizilien? Wem gehört ihre Treue: ihrer Heimat Sizilien oder ihrem Mann, dessen Grausamkeit sie entsetzt?
      Sabine Weigand erzählt das Leben einer Frau, deren Träume ganze Königreiche umfassen…

      Autorin (Quelle: Verlagsseite)
      Sabine Weigand stammt aus Franken. Sie ist Historikerin und arbeitet als Ausstellungsplanerin für Museen. Dokumente aus Nürnberg waren der Ausgangspunkt ihres Romans ›Das Perlenmedaillon‹, das wahre Schicksal einer Osmanin am Hof August des Starken liegt dem Roman ›Die Königsdame‹ zugrunde. In ›Die Seelen im Feuer‹ bilden die Hexenakten von Bamberg die historische Romanvorlage, bei ihrem ersten Roman ›Die Markgräfin‹ war es die reale Geschichte der Plassenburg bei Kulmbach, bei ›Die silberne Burg‹ die Bestallungsurkunde einer jüdischen Ärztin, in ›Die Tore des Himmels‹ das Leben der Hl. Elisabeth und in ›Das Buch der Königin‹ das Schicksal der Konstanze von Sizilien.

      Allgemeines
      Erscheinungstermin: 26. Juni 2014 im Verlag FISCHER Krüger, Hardcover 464 Seiten
      Vier Bücher, mit einem Prolog und insgesamt 83 Kapiteln, ausführliches Nachwort der Autorin, Personenverzeichnis mit Markierung aller historischen Persönlichkeiten, Glossar
      Landkarten von Deutschland und Italien im vorderen und hinteren Einband
      Die Handlung des Romans spielt an verschiedenen Orten in Deutschland und Italien (Sizilien) im 12.Jahrhundert (1160er Jahre bis 1198)
      Die Kapitel sind abwechselnd als Ich-Erzählung der Protagonistin und als Erzählung in der dritten Person aus verschiedenen Perspektiven gestaltet.

      Zum Inhalt
      Im Prolog wird die Krönung des gerade einmal 3 1/2jährigen Friedrich II zum König von Sizilien geschildert, der seine Mutter Konstanze von Sizilien (1154 - 1198) voller Stolz beiwohnt. Die folgenden 83 Kapitel schildern das Leben Konstanzes von ihrer Kindheit bis zu diesem feierlichen Tag, für den sie lange gekämpft und teuer bezahlt hat. Im Mittelpunkt steht ihre unglückliche Ehe mit dem elf Jahre jüngeren Staufer Heinrich VI (1165 - 1197), Sohn des berühmten Friedrich Barbarossa, die von ständigen Konflikten geprägt und lange von Kinderlosigkeit überschattet ist.
      Konstanze sieht sich nach dem Tod der männlichen Familienmitglieder als rechtmäßige Thronerbin und strebt, vom sizilianischen Adel unterstützt, die alleinige Herrschaft über Sizilien an. Ihr königlicher Gemahl will dagegen Sizilien seinem Stauferreich einverleiben, seiner Frau gesteht er bei der angestrebten Herrschaft über sein riesiges Reich keine aktive Rolle zu. Der Papst möchte die unumschränkte Herrschaft des Staufers unbedingt vermeiden, da er in einer Umklammerung des Kirchenstaates durch das Stauferreich eine Gefahr sieht. Die schwelenden Konflikte zwischen diesen Parteien bereiten den Boden für die in diesem Roman geschilderten Verschwörungen und Intrigen.
      Ein paralleler, sich mit der Haupthandlung verzahnender Erzählstrang berichtet aus dem Leben des jungen Gottfried von Streitberg, der , nach tragischen Ereignissen aus seiner Heimatburg vertrieben und auf der Flucht befindlich, nach allerhand Irrungen und Wirrungen an den sizilianischen Hof gelangt und dort zum königlichen Schreiber und Illustrator avanciert. Gottfried ist eine fiktive Figur, steht aber exemplarisch für die mittelalterlichen Schreiber, die königliche Urkunden und Briefe verfassten. Im Roman ist er der Verfasser des titelgebenden dreiteiligen "Buchs der Königin", das unter dem lateinischen Originaltitel "Liber ad honorem Augusti sive de rebus Siculis" bekannt ist, die ersten beiden dieser drei Bücher befassen sich mit Konstanzes Leben, das letzte ist dagegen ein "Lobgesang" auf Heinrich VI.

      Persönliche Beurteilung
      Der Großteil der auftretenden Romanfiguren sind historische Persönlichkeiten, auch die geschilderten Ereignisse entsprechen den historischen Tatsachen. Die Autorin hat - wie in jedem ihrer vorherigen Romane - ausgezeichnet recherchiert und versteht es meisterhaft, dem Leser die manchmal etwas verzwickten Hintergründe verständlich nahezubringen. Die Charakterzeichnung der Hauptfiguren ist gelungen: Der Leser kann sich sehr gut in Konstanze einfühlen und entwickelt eine starke Abneigung gegen den harten, gefühlskalten und erbarmungslosen Staufer. Es handelt sich hier jedoch nicht um eine reißerische Schwarz-Weiß-Malerei, sondern schildert realistisch das Vorgehen des Stauferkönigs, dessen extrem brutales Vorgehen gegen tatsächliche oder verdächtigte Aufständische in den Quellen belegt ist.
      Sehr interessant sind auch die kenntnisreichen Ausführungen zur mittelalterlichen Buchherstellung, angefangen von den unterschiedlichen verwendeten Tinten über die Gewinnung der Farben für die Illustrationen der Manuskripte bis hin zum Binden der fertigen Manuskripte zu Büchern.
      All diese (kunst)geschichtlichen Informationen werden in einem flüssig lesbaren Sprachstil sehr unterhaltsam vermittelt.
      In einem ausführlichen Nachwort gibt die Autorin Hintergrundinformationen zu den im Roman angesprochenen geschichtlichen Fakten und erläutert die (wenigen) dichterischen Freiheiten, die sie sich genommen hat. Eine Liste bibliographischer Empfehlungen, ein Personenverzeichnis und ein Glossar zeitgenössischer Ausdrücke runden diesen hervorragenden Roman perfekt ab.
      Schließlich sollte auch die sehr ansprechende äußere Gestaltung des Romans gewürdigt werden: Der Umschlag zeigt eine für die Romanhandlung zentrale Szene aus dem "Buch der Königin", Konstanze muss ihren Säugling der Herzogin von Spoleto zur Pflege übergeben und wird gewaltsam von ihm getrennt. Auch die Deckblätter der vier Bücher des Romans zeigen Illustrationen aus diesem mittelalterlichen Werk. Der vordere und der hintere Einband enthalten Karten, auf denen man die Wege der Romanfiguren durch Deutschland und Italien verfolgen kann, was sehr hilfreich ist.

      Fazit
      "Das Buch der Königin" bietet ebenso informative wie fesselnde Unterhaltung für Liebhaber gründlich recherchierter historischer Romane. In jeder Hinsicht ein gelungenes Buch!
      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
      :study:
      Paradise on earth: 51.509173, -0.135998
    • Tolle Rezension :thumleft: , das Buch kommt gleich mal auf meine Wunschliste.

      Mir kam die Kurzbeschreibung sehr bekannt vor, weil ich vor vielen Jahren mal etwas ähnliches gelesen habe: Tilman Röhrig - Wie ein Lamm unter Löwen. Da musste ich jetzt mal kurz das Bücherregal durchstöbern, weil mir der Titel nicht mehr eingefallen ist :wink: .
    • Siderea schrieb:

      Tilman Röhrig - Wie ein Lamm unter Löwen. Da musste ich jetzt mal kurz das Bücherregal durchstöbern, weil mir der Titel nicht mehr eingefallen ist .

      Das liegt schon ewig auf meinem SuB. Kannst Du es empfehlen? Ich lese Tilman Röhrig sehr gern, aber die Bücher sind anspruchsvoll und ich brauche immer etwas länger dafür. Deshalb warte ich auf den richtigen Zeitpunkt (viel Zeit und Ruhe) für diesen dicken Brocken. Die Bewertungen im Büchertreff sind größtenteils positiv.
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
      :study:
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    • €nigma schrieb:

      Das liegt schon ewig auf meinem SuB. Kannst Du es empfehlen? Ich lese Tilman Röhrig sehr gern, aber die Bücher sind anspruchsvoll und ich brauche immer etwas länger dafür. Deshalb warte ich auf den richtigen Zeitpunkt (viel Zeit und Ruhe) für diesen dicken Brocken. Die Bewertungen im Büchertreff sind größtenteils positiv.


      Es ist wirklich schon eine halbe Ewigkeit her, dass ich das Buch gelesen habe. Meine Ausgabe ist von 2002, also liegt das sicher schon über 10 Jahre zurück.

      Aber doch, es hat mir gefallen, auch wenn ich jetzt detailliert auf den Inhalt nicht mehr eingehen könnte :wink: . Ich weiß noch, dass ich es damals gekauft habe, weil ich auch mal was über deutsche Geschichte lesen wollte (nach Gablé und Follett) und das Buch ist auf jeden Fall bei mir geblieben und nicht verschenkt worden, daraus schließe ich, dass ich es mal wieder lesen wollte :wink: .

      Ich hab mir dann später noch ein Buch von T. Röhrig zugelegt, welches ich aber abgebrochen habe (Solange es Unrecht gibt) - das hat mir gar nicht gefallen, worüber ich echt verwundert war, weil ich das Buch über Friedrich II. eben so gut fand. Ich dachte, bei dem Autor könnte ich auf jeden Fall zugreifen.

      Aber du hast Recht, es ist ein ziemlicher Brocken, und ich erinnere mich auch, dass ich es im Urlaub gelesen habe. Wahrscheinlich eher nix, wo man abends mal schnell zwei Kapitel liest.
    • €nigma schrieb:

      Hirilvorgul schrieb:

      Auf meinem auch.

      Du hast aber am 22.Februar 2013 eine Bewertung von 4 Sternen dazu abgegeben. :scratch:
      Echt? dann sollte ich das mal aus meinem SuB-Regal räumen :totlach: Junge, Junge... Alzheimer lässt grüßen. Wobei ich es definitiv nicht im letzten Jahr gelesen habe. Wenn, dann hab ich da nur die Bewertung nachgetragen. Aber ich glaube inzwischen, dass ich es mit dem hier verwechselt habe. Sorry für die Verwirrung... :pale:
      Gelesen in 2017: 50 Gehört in 2017: 21 SUB: 325

      "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)
    • Ich habe gerade "Das Buch der Königin" beendet. Hier wird Geschichtswissen auf eine sehr anschauliche Art an den Mann gebracht. Heinrich und Konstanze sind von leblosen Figuren der Geschichte zu Menschen aus Fleisch und Blut geworden. Zusammen mit "Das Spiel der Nachtigall" und "Die Tore des Himmels" wird hier das 12./13. Jahrhundert für mich richtig lebendig und begreifbar. Ach, hätte es zu meiner Schulzeit doch schon so tolle Bücher gegeben! Da wäre der Geschichtsunterricht doch gleich um vieles besser gewesen.
      Das Buch der Königin ist mein bisheriges Jahreshighlight und ich vergebe (seltene) :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: Sterne.
      Die Erfindung des Buchdruckes ist das größte Ereignis der Weltgeschichte (Victor Hugo).
    • Bridgeelke schrieb:

      Ach, hätte es zu meiner Schulzeit doch schon so tolle Bücher gegeben! Da wäre der Geschichtsunterricht doch gleich um vieles besser gewesen.

      Ich entdeckte mein Interesse für Geschichte leider auch erst, nachdem ich das Fach nicht mehr in der Schule hatte. Der schulische Geschichtsunterricht war eher zum Abgewöhnen. :thumbdown: Allerdings habe ich erfreut festgestellt, dass das heute ganz anders ist. Unsere Söhne hatten/haben ziemlich interessanten Unterricht und hochinteressante Geschichtsbücher, die ich mir immer gleich zur Lektüre schnappe... :-,
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
      :study:
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    • €nigma schrieb:

      Allerdings habe ich erfreut festgestellt, dass das heute ganz anders ist. Unsere Söhne hatten/haben ziemlich interessanten Unterricht und hochinteressante Geschichtsbücher, die ich mir immer gleich zur Lektüre schnappe...


      Das scheint wohl so zu sein. Mein Sohn hatte Geschichte (gegen meinen wohlgemeinten Ratschlag) neben Mathe als LK gewählt. Allerdings steht er mehr auf Zeitgeschichte (und zerrt seine alte Mutter mit zur Wahlurne, obwohl die Mama so gar keine Lust dazu hat).
      Die Erfindung des Buchdruckes ist das größte Ereignis der Weltgeschichte (Victor Hugo).
    • Bridgeelke schrieb:

      Allerdings steht er mehr auf Zeitgeschichte (und zerrt seine alte Mutter mit zur Wahlurne, obwohl die Mama so gar keine Lust dazu hat).

      Das kenne ich. :mrgreen: Ich bin in Politik beklagenswert desinteressiert, aber der Sohn (Geschichte- und Sozialkundefreak) maßregelt mich regelmäßig deswegen.
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
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    • Wirklich sehr gute Rezension. :thumleft:
      Habe das Buch gestern ausgelesen und war vom geschichtlichen Hintergrund begeistert. Die Protagonistin Konstanze hatte meine volle Sympathie, wenn sie meines Erachtens auch etwas zu perfekt war - was aber nicht weiter gestört hat. Doch die vielen Beschreibungen der Farbenherstellungen hat mich zuweilen doch etwas Geduld gekostet. Einerseits zwar sehr informativ, aber stellenweise zu detailliert und zu häufig für meinen Geschmack.
      Aber abgesehen von diesem Mango ein sehr gut recherchierter historischer Roman zum weiterempfehlen.
    • Das Titelbild zeigt eine Szene aus Konstanzes Leben, und vielleicht eine der bittersten: sie wird gezwungen, ihr Baby abzugeben, und dann abgeführt wie eine Verbrecherin. Dabei war die Geburt für sie ein kleines Wunder, mit dem sie nach vielen Jahren der Unfruchtbarkeit nicht mehr gerechnet hatte, und in diesem Moment ist sie nicht die Frau des Kaisers, sondern einfach eine verzweifelte Mutter, der ihr Kind weggenommen wird.

      Und genau das war für mich die große Stärke des Romans: historische Gestalten - Barbarossa, Richard Löwenherz, Heinrich VI., Konstanze selber und viele mehr - erwachen auf seinen Seiten zum Leben. Wenn man Geschichtsbücher liest, kann man leicht vergessen, dass Geschichte von echten Menschen aus Fleisch und Blut geschrieben wurde, aber die promovierte Historikerin Sabine Weigand lädt uns ein, mit ihnen zu fühlen, zu leiden und zu hoffen. Die Autorin stützt sich auf die überlieferten Dokumente, soweit das möglich ist, und erfindet plausibel und glaubhaft dazu, was diese uns nicht verraten. (Im Anhang des Buches findet man übrigens eine hochinteressante Erklärung über die überlieferten Hintergründe.) Hat Konstanze ihren Sohn zum Beispiel wirklich in einem Zelt geboren? Mit Sicherheit lässt sich das nicht sagen, aber es gibt genug Hinweise darauf, dass es wahr sein könnte... So oder so passt es zu der Konstanze, die das Buch uns zeigt, und ist eine packende Schlüsselszene.

      Es gibt auch erfundene Charaktere, wie z.B. den jungen Gottfried von Streitenberg, der eigentlich ein Adliger ist, aber schon als 11-jähriger - zu unrecht als Mörder verschrien - flüchten muss und danach ein ganz anderes Leben als Buchmaler und Schreiber beginnt, in dem er es zu einem gewissen Ruhm bringt. Oder seine Schwester Hemma, die ihre große Liebe beinahe ins Unglück stürzt. Oder Aziz, den Milchbruder Konstanzes, für den sie mehr als nur brüderliche Gefühle hegt... Und viele mehr.

      Diese erfundenen Charaktere fügen sich nahtlos ein in das Geflecht, atmen genauso den Hauch der Geschichte wie die echten. Sie zeigen dem Leser, wie das Leben damals war, für die Adligen sowie für die Bürgerlichen - die vom Glück gesegneten und die, die jeden Tag hart arbeiten oder gar um ihr Leben kämpfen mussten. Diese gekonnte, lockere Mischung aus "so war es" und "so hätte es sein können" liest sich spannend und originell.

      Besonders die vielen Dinge, die man durch Gottfried über die Kunst der Buchmalerei erfährt, fand ich hochinteressant! Die Herstellung der verschiedenen Tinten, das Gemisch der möglichen Farben, das könnte eine dröge Ansammlung von Fakten sein - ist es aber nicht. Durch Gottfried und seine Liebe zu dieser Kunst wird es auch für den Leser fesselnd... In mir haben seine Erklärungen direkt den Wunsch geweckt, mich mit dem Thema näher zu beschäftigen!

      Der Schreibstil ist bei historischen Romanen ja immer eine Art Drahtseilakt: ein Tanz zwischen dem, wie Leute damals wirklich gesprochen und geschrieben haben, und dem, was für heutige Leser noch flüssig genug zu lesen ist, damit sie das Buch nicht frustiert zuklappen. Meiner Meinung nach gelingt der Autorin genau die richtige Balance; nur hier und dort klang mir ein einzelner Satz ein wenig zu modern, aber das kam wirklich nur selten vor. Sie schreibt angenehm bildreich, in prächtigen Metaphern, so dass man Orte und Charaktere beinahe schon vor sich sehen kann. Vieles wird aus Konstanzes Sicht erzählt - in der Ich-Perspektive und im Präsens, so dass man das Gefühl hat, es gerade jetzt im Moment mitzuerleben. Der Wechsel der Perspektiven und auch der Zeitformen ist ein geschickter Schachzug, der manche Szenen umso mehr heraushebt.

      Es gibt die ein oder andere Liebesgeschichte - und die meisten davon zeigen, dass viele Menschen damals nicht den Luxus hatten, selber zu entscheiden, wen sie lieben wollen. Die Bauern waren da freier als die Adligen, aber auch ein Bauerssohn musste vielleicht die Tochter des Müllers heiraten, um die Mühle zu erben... Insofern hat die Romantik in diesem Buch oft einen Beigeschmack von leichter Verzweiflung, von Bedauern und unerfüllten Wünschen. Realistisch, und glücklicherweise nur wenig kitschig.

      Fazit:
      Eigentlich bin ich ja, was historische Romane betrifft, eher ein Lesemuffel - allzu oft fühle ich mich von den vielen Personen und Ereignissen geradezu erschlagen. Hier ist es mir aber schnell gelungen, mich in die Geschichte einzulesen! Die Autorin verbindet geschickt historisch Belegtes mit glaubhaft Erfundenem, und das Ergebnis liest sich unterhaltsam UND lehrreich.
    • Das Buch der Königin war mein erstes Buch von Sabine Weigand, aber dabei wird es definitiv nicht bleiben. Gekonnt setzt sie unterschiedliche Mittel ein, um dem Leser Geschichte nahezubringen. Ich möchte unbedingt mehr lesen!

      Etwas ungewohnt war der ständige Wechsel der Erzählperspektive. Weigand hat durch die Bandbreite - Ich-Erzähler, Er-/Sie-Erzähler, unterschiedliche Figuren - jedoch keineswegs verwirrt, sondern ein abgerundetes Bild vom Geschehen geliefert. Dieses wurde dadurch nicht nur lebendiger, sie hat damit auch verschiedene Interessen besser zur Geltung bringen können und hat das Werk damit greifbarer gemacht. Eine wirklich beeindruckende Leistung!

      Die Sprache hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Weigand beschreibt nicht zu viel und nicht zu wenig, sauber stellt sie das Wichtigste heraus: Emotionen, Fakten, Atmosphäre usw. Die Kunst der Buchherstellung ist eine der angenehmen Überraschungen, die mir die Autorin beschert hat. Trotz des Titels hätte ich nicht gedacht, dass dieses Thema, welches mich sehr interessiert, eine so große Rolle spielen würde. Ich kann mich der folgenden Aussage komplett anschließen:

      €nigma schrieb:

      Sehr interessant sind auch die kenntnisreichen Ausführungen zur mittelalterlichen Buchherstellung, angefangen von den unterschiedlichen verwendeten Tinten über die Gewinnung der Farben für die Illustrationen der Manuskripte bis hin zum Binden der fertigen Manuskripte zu Büchern.
      All diese (kunst)geschichtlichen Informationen werden in einem flüssig lesbaren Sprachstil sehr unterhaltsam vermittelt.
      Ansonsten hat Weigand mich nicht nur für die Staufer begeistern können (Friedrich II. war für mich vorher bereits von Interesse, doch nun würde ich mich gerne mit den anderen Mitgliedern der Dynastie beschäftigen wollen), sondern auch für Sizilien. Ich war noch nie dort, aber nach der Lektüre hätte ich nichts dagegen, diesen vielfältigen Flecken näher kennenzulernen.

      Die Figuren hat sie so gut in Szene gesetzt, dass ich sie förmlich atmen hören konnte. Dafür bewundere ich Weigand sehr, denn das ist maßgeblich für ein gutes Buch und für ein historisches sowieso: Je besser die Figuren die Handlung tragen, desto besser kann Geschichte vermittelt werden. In diesem Werk herrscht eine wunderbare Harmonie zwischen Fakten und Fiktion. Man hat das Gefühl, als hätten die Figuren wirklich so handeln können.

      Besonders dankbar bin ich Sabine Weigand für das ausführliche Nachwort und die immer wieder eingeschobenen Passagen in älterem Deutsch. So bereitet einem das Lesen gleich noch viel mehr Freude.

      Fazit:
      Absolut empfehlenswert! Die derzeitige Besitzerzahl steht in keinem Verhältnis zu diesem großartigen Geheimtipp.
      :queen: Colonia im Mittelalter // Dieter Breuers
      :jocolor: Verschwundene Reiche: Die Geschichte des vergessenen Europa // Norman Davies (Projekt)


      You cannot open a book without learning something. - Konfuzius
    • Irongretta schrieb:

      Absolut empfehlenswert! Die derzeitige Besitzerzahl steht in keinem Verhältnis zu diesem großartigen Geheimtipp.
      Das hast du sehr schön ausgedrückt! :applause:
      Ich freu mich so, dass ich noch ein ungelesenes Werk der Autorin habe, welches ich bald vom SuB befreien werde und das bald ein neues Buch erscheint. Bisher haben mich ihre Bücher noch nie enttäuscht.

      Und da ich die Autorin neulich auf einer Lesung persönlich kennenlernen durfte, bin noch angetaner von ihren Werken!

      @Irongretta: Da wünsche ich dir noch ganz viel Lesefreude mit ihren anderen Büchern!
      Wir brauchen Geschichten.
      Wer möchte denn nur ein Leben führen, wenn er das von vielen besuchen kann?
      Sabrina Qunaj - Das Blut der Rebellin
    • @€nigma, @Mikka Liest und @Irongretta haben bereits so hervorragende Rezensionen geschrieben, dass mir nur noch zu sagen bleibt: ich schließe mich Euren Aussagen vorbehaltlos an.

      Sabine Weigand hat hier einen wunderbaren Einblick in die Stauferzeit gegeben und eine Frau im Kontext ihrer Zeit wieder zum Leben erweckt, die lange vergessen war in Europa - außer offensichtlich in Sizilien. Ich war von Anfang an gefesselt und begeistert von der Geschichte; Fiktion und hervorragend recherchierte, wahre Ereignisse sind so kunstvoll ineinander verwoben, dass es eine Einheit ergibt und in einem wundervollen Buch resultiert. Dabei kann man ja stets nachvollziehen, was wahr und was fiktiv ist, wobei die fiktiven Teile einen so 'wahren' Eindruck hinterlassen, dass sie das Bild irgendwie abrunden - denn Fragen nach dem alltäglichen Leben der Personen werden in den Quellen meist nicht behandelt. Doch am Ende dieses Buches kann man sich zurücklehnen mit dem Gefühl "ja, so könnte es gewesen sein".

      Ein tolles Buch und eine absolute Leseempfehlung von mir an alle, die sich für mittelalterliche Geschichte sowie für die Buchkunst der damaligen Zeit interessieren.
      viele Grüße vom Squirrel

      :study: Reiner Engelmann - Wir haben das KZ überlebt
      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)
    • Squirrel schrieb:

      Ein tolles Buch und eine absolute Leseempfehlung von mir an alle, die sich für mittelalterliche Geschichte sowie für die Buchkunst der damaligen Zeit interessieren.
      Hört sich gut an ! :thumleft: Liegt bei mir auch noch auf dem SuB.
      "Des Menschen größtes Verdienst bleibt wohl, wenn er die Umstände soviel als möglich bestimmt und sich so wenig als möglich von ihnen bestimmen läßt." (Johann Wolfgang von Goethe)
    • Jessy1963 schrieb:

      Squirrel schrieb:

      Ein tolles Buch und eine absolute Leseempfehlung von mir an alle, die sich für mittelalterliche Geschichte sowie für die Buchkunst der damaligen Zeit interessieren.
      Hört sich gut an ! :thumleft: Liegt bei mir auch noch auf dem SuB.
      Lass es nicht mehr lange dort liegen, es lohnt sich und ich bin mir sicher, es wird Dir gefallen :wink:
      viele Grüße vom Squirrel

      :study: Reiner Engelmann - Wir haben das KZ überlebt
      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)
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