Jurek Becker -Jakob, der Lügner


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    Jakob der Lügner

    von

    4.5|35)

    Verlag: Suhrkamp Verlag

    Bindung: Kindle Edition


    eISBN: 9783518731406


    Termin: Mai 2013

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    • Jurek Becker -Jakob, der Lügner

      Ich war mir nicht sicher, ob ein Werk, dass 1969 erschien, schon bei den Klassikern zuzuordnen ist. Generell gilt ja, dass ein Klassiker etwas ist, dessen Autor bereits seit 70 Jahren tot ist. Aber "Jakob, der Lügner" ist meiner Meinung nach ein moderner Klassiker.

      Inhalt:

      Buch der 1000 Bücher
      Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

      Jakob der Lügner
      OA 1969 Form Roman Epoche Moderne

      Jurek Beckers Erstlingsroman, in den persönliche Erfahrungen einflossen, gehört zu den gelungenen Versuchen, das Grauen der Judenvernichtung während des Zweiten Weltkriegs literarisch zu verarbeiten. Becker selbst wuchs im Warschauer Ghetto sowie in den Konzentrationslagern von Ravensbrück und Sachsenhausen auf. Von 1960 bis 1977 lebte Becker, der erst nach 1945 Deutsch lernte, in Ostberlin, wo auch der Roman entstand.
      Der Ich-Erzähler, Überlebender eines polnischen Ghettos, schildert die Geschichte des Ghettobewohners Jakob Heym, der durch Zufall im deutschen Polizeirevier aus dem Radio Satzfetzen einer Meldung vernimmt, die fortan das Leben im Ghetto verändern sollte: »In einer erbitterten Abwehrschlacht gelang es unseren heldenhaft kämpfenden Truppen, den bolschewistischen Angriff 20 km vor Bezanika zum Stehen zu bringen.« Jakob kennt diesen Ort nur vom Hörensagen, doch weiß er, dass Bezanika nicht sehr weit vom Ghetto entfernt liegt. Gleichzeitig wird ihm bewusst, dass diese Nachricht den Ghettobewohnern einen konkreten Anlass zum Durchhalten und Weiterleben geben würde, denn mit dem sowjetischen Vormarsch näherte sich auch die Befreiung.
      Um die Glaubwürdigkeit seiner Informationen zu erhöhen, behauptet Jakob, selbst über ein Radio zu verfügen, dessen Besitz streng verboten ist. Durch die Notlüge gerät er unversehens in die Zwangslage, ständig neue Nachrichten erfinden zu müssen; sein Lügengewebe führt zu tragikomischen Situationen und das technische Medium wird zum Symbol von Verheißung und Gefahr. Einerseits schöpfen die Ghettobewohner wieder Hoffnung; sie schmieden Pläne, die Selbstmordrate ist rückläufig. Andererseits befürchten einige seiner Leidensgenossen, dass die Entdeckung des Radios durch die deutschen Besatzer letztlich alle gefährden könne.
      Spoiler anzeigen
      Jakob tritt seinen Kritikern entgegen, indem er die Wahrheit enthüllt, doch sein Eingeständnis wird nicht erkannt. Als die Lügen seine Kräfte zu übersteigen beginnen, vertraut er sich seinem Freund Kowalski an, der mit dem Geständnis scheinbar gleichgültig umgeht, in der Nacht aber Selbstmord begeht. Jakob begreift, dass er seine Leidensgenossen weiterhin mit Informationen über die bevorstehende Befreiung versorgen muss, doch schon am darauf folgenden Tag werden die Ghettobewohner ins Konzentrationslager abtransportiert. Der Roman bietet dem Leser zwei Schlüsse an: Das »blasswangige und verdrießliche, das wirkliche und einfallslose Ende« schildert den Abtransport aller Ghettobewohner. Doch gegen diesen Schluss erfindet sich der Erzähler ein hoffnungsvolles Ende aus eigener Fantasie: Zwar stirbt Jakob, der Lügner, bei seinem Fluchtversuch, aber das Ghetto wird von den russischen Truppen befreit.

      Wirkung: Die außergewöhnliche Leistung des Romans liegt in seiner unpathetischen Darstellungsweise. Becker erzählt mit distanzierter Ironie vom Alltag der Ghettobewohner und verdeutlicht umso mehr Schrecken und Irrwitz der Situation im von Deutschen besetzten Polen. Der Roman wurde 1974 in der DDR verfilmt (Regie: Frank Beyer; Titelrolle: Vlastimil Brodsky); 1999 folgte eine weitere Verfilmung mit Robin Williams in der Hauptrolle (USA, Regie: Peter Kassovitz). J. R.

      Meine Meinung:

      Erstmal war ich sprachlos! Was für ein intensiver Roman!
      Jede Menge Galgenhumor vor den tristesten Umständen. Naturgemäß ist die Rahmenhandlung (Warschauer Ghetto) bedrückend und niederschmetternd, doch die Bemühungen Jakobs, seinen Leidensgenossen Mut zu geben, bilden auch für den Leser Höhepunkte. Was mag er sich jetzt überlegt haben? Gibt es eine Chance, dass seine Lügen der Wahrheit entsprechen könnten? Wie wird es nur ausgehen...
      Fragen, die sich immer wieder stellen.
      Einerseits liest sich der Text leicht (die Spannung zieht den Leser in seinen Bann), andererseits ist er seelisch sehr belastend - zu recht. Der Roman gehört sicher nicht zu der Kategorie: "Gelesen und beiseite gelegt"!

      Die Sätze sind stellenweise zu verschachtelt, um sie beim ersten Lesen vollständig zu verstehen, weshalb man sehr aufmerksam lesen muss. Aktives Lesen ist gefordert!
      She wanted to talk, but there seemed to be an embargo on every subject.
      - Jane Austen "Pride and prejudice" - +

      :study: Sophie Kinsella: Mini Shopaholic + Lisa Hilton: Queen's Consort
    • Re: Jurek Becker -Jakob, der Lügner

      Original von Fezzig


      Erstmal war ich sprachlos! Was für ein intensiver Roman!
      Jede Menge Galgenhumor vor den tristesten Umständen. Naturgemäß ist die Rahmenhandlung (Warschauer Ghetto) bedrückend und niederschmetternd, doch die Bemühungen Jakobs, seinen Leidensgenossen Mut zu geben, bilden auch für den Leser Höhepunkte. Was mag er sich jetzt überlegt haben? Gibt es eine Chance, dass seine Lügen der Wahrheit entsprechen könnten? Wie wird es nur ausgehen...
      Fragen, die sich immer wieder stellen.
      Einerseits liest sich der Text leicht (die Spannung zieht den Leser in seinen Bann), andererseits ist er seelisch sehr belastend - zu recht. Der Roman gehört sicher nicht zu der Kategorie: "Gelesen und beiseite gelegt"!


      Kann mich Dir nur vorbehaltlos anschließen.
      Ich habe "Jakob,der Lügner" gerade zu Ende gelesen und bin immer noch beeindruckt.
      Ich habe beim Lesen wirklich fürchterlich geheult.
      Ein Buch,welches jede/r gelesen haben sollte!!

      LG
      Schoenchen
      LG
      Schoenchen O:-)
      :study:
      Meine Bücher, Meine Gedanken, MEIN BLOG
    • Kann mich da nur anschliessen. Es ist schon ein paar Jahre her seit ich es gelesen habe.
      Musste es damals für die Schule lesen, aber ich war beeindruckt. Den Film dazu find ich auch nicht so schlecht.

      Man muss es auf jedenfall gelesen haben.

      liebe grüsse
      "Das Paradies habe ich mir immer als eine Art Bibliothek vorgestellt."

      :study: Die Vermessung der Welt, Daniel Kehlmann
    • „...ich werde, wenn es gut geht, ein paar Gramm Nachrichten entführen und mache euch eine Tonne Hoffnung draus.“

      Jurek Becker erzählt auf tragisch-komische Weise die Geschichte des Jakob Heym. Anhand des Erzählers – der selbst Ghettobewohner war, überlebte und seine eigene Geschichte miteinfließen lässt - werden mit vermeintlicher Leichtigkeit, fast Irrwitz die Zustände im Ghetto beschrieben, wenn auch dem Leser oftmals das Lachen im Halse steckenbleibt. Der Erzähler nimmt zwischendurch immer wieder Kontakt mit dem Leser auf und weist somit nochmals eindringlich auf den Wahnsinn und die Schrecken dieser Zeit hin, besonders augenfällig wird dies mit der Beschreibung des „doppelten Endes“.

      Ein Buch, das tiefe Spuren hinterlässt, ein großartiges Buch!

      Inzwischen habe ich auch den Film mit Robin Williams gesehen -ebenfalls großartig!
      Herzliche Grüße
      Rosalita

      :study:
      Wenn das Schlachten vorbei ist - T.C. Boyle


      *Life is what happens to you while you are busy making other plans* (Henry Miller)
    • Ich habe sehr viel Literatur über den Holocaust gelesen. An der Uni hatte ich auch ein Literaturseminar dazu. Und ich kann mich ebenfalls nur anschließen. "Jacob der Lügner" ist ein ganz beeindruckendes Buch, das wirklich Spuren hinterlässt. Man legt es nicht einfach auf Seite und denkt nicht mehr darüber nach. Es wirkt vielmehr nach und beschäftigt einen noch eine ganze Weile.
      Gib jedem Tag die Chance, der Schönste deines Lebens zu werden.

      lese-schreib-werkstatt.de
    • Ich habe das Buch vor knappen 20 Jahren (OhGottohGott) in der Schule gelesen und kann mich nur noch soweit erinnern, dass ich es sehr flüssig lesen konnte und mich die Thematik sehr bewegt hat.

      Mir hat das Buch bis zu dem Zeitpunkt gut gefallen, da wir das Buch dann in der Klasse besprochen, oder besser, zerredet haben. Das Schlimme damals war, dass wir einen Deutschlehrer hatten, der jeden Diskussions- und Interpretationsansatz bereits im Keim erstickt hat und nichts ausser seiner Musterlösung aus dem begleitbuch gelten ließ. Kann mich noch erinnern, dass sich damals selbst die Literatur-Freaks aus der Klasse in ihr Schneckenhaus zurückgezogen haben und es über sich ergehen liessen.

      Vielleicht sollte ich mich trotz meinem SuB mich nochmal dran wagen...
      Shalom, kfir

      :study: Joe Hill - Teufelszeug
      :thumleft: Farin Urlaub - Indien & Bhutan - Unterwegs 1 #2533 signiert

      "Scheiss' dir nix, dann feit dir nix!"
    • RE: Jurek Becker -Jakob, der Lügner

      Original von Fezzig
      Ich war mir nicht sicher, ob ein Werk, dass 1969 erschien, schon bei den Klassikern zuzuordnen ist. Generell gilt ja, dass ein Klassiker etwas ist, dessen Autor bereits seit 70 Jahren tot ist. Aber "Jakob, der Lügner" ist meiner Meinung nach ein moderner Klassiker.


      Also bei uns war das auch Schullektüre im Deutsch - LK, genauso wie Buddenbrooks und Nathan der Weise auch. Und damals fand ich es ist wirklich toll geschrieben. Insofern ist es bestimmt ein Klassiker..ich meine was schon in den Lesekanon der Oberstufe Aufnahme gefunden hat...wäre lustig zu sehen was in den Klassen passiert, wenn mal wirklich Zeitgenössisches gelesen würde.. ;- )
      Ich lese gerade "Fabian - Die Geschichte eines Moralisten" von Erich Kästner

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von modern_millie ()

    • Ich habe heute damit begonnen, das Buch zu lesen, und muss sagen, dass es mich von der ersten Seite an beeindruckt hat. Die Sprache des Erzählers ist sehr dicht und trotz des Schreckens, der vermittelt wird, liest sich das Buch sehr schön, stellenweise fast poetisch. Was mir besonders gut gefällt ist, dass die Erzählung stellenweise auch humorvoll ist und dass man dadurch diese "Hoffnung in einer hoffnungslosen Zeit" wirklich gut vermittelt bekommt.
      Ein ganz besonderer Roman, zurecht schon jetzt ein Klassiker! :thumleft:
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