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Jutta Wilke - Dornenherz: Jedem Ende wohnt ein Anfang

    • ab 14-16 Jahre

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    Dornenherz: Jedem Ende wohnt ein Anfang ...

    von

    4.4|16)

    Verlag: Coppenrath Verlag

    Bindung: E-Book Download

    Seitenzahl: 224


    eISBN: 9783649618041


    Termin: Januar 2014

    • Jutta Wilke - Dornenherz: Jedem Ende wohnt ein Anfang

      Inhalt:
      Anna hat vor einem Jahr ihre Schwester Ruth bei einem Autounfall verloren und gibt sich die Schuld dafür. Das Verhältnis innerhalb der Familie ist seit dem gespannt und Anna hat das Gefühl den Platz von Ruth einnehmen zu müssen.
      Am ersten Todestag der Schwester schafft es Anna einfach nicht mit auf dem Friedhof zu kommen und will daher Zerstreuung in ihrem Hobby Zeichnen finden. Hierfür fährt sie auf einen anderen Friedhof, der sie schon immer inspiriert hat und vom Rest der Welt abschalten lässt. Dort trifft sie auf eine Katze die ihr scheinbar versucht einen Weg zu weisen und Anna folgt ihr. Am Ziel angekommen steht sie vor einem wunderschönen steinernen Engel, dem ein Rosenmeer zu Füßen liegt. Und dieser Engel sieht aus wie Ruth! Oder eher wie sie selbst?!

      Das Buch:
      Dornenherz besteht aus 224 Seiten und ist in viele Kapitel aufgeteilt, die jeweils mit einem kleinen Gedicht beginnen. Es gibt Zeitsprünge zwischen dem 21. und dem 19. Jahrhundert, die zwei Geschichten erzählen. Anna ist kurz vor ihrem Abitur und daher schätze ich sie auf etwa 18. Anfangs dachte ich, dass es ein Jugendbuch ab 10 oder 12 Jahre ist, aber vielleicht bin ich etwas konservativ in der Hinsicht, aber es gibt auch etwas Erotik in dem Buch und daher würde ich das Buch „erst“ ab 14 oder 15 empfehlen.

      Meine Meinung:
      Das Buch beginnt mit einem Hauch von Magie: Die Katze die Anna zu dem steinernen Engel zu führen scheint; die Statue die aussieht wie Ruth/Anna; und der Engel scheint Anna immer wieder anzulächeln oder zu beobachten.
      Spoiler anzeigen

      Der Fantasybereich ist aber letztendlich gesehen nicht wirklich vorhanden.
      Zum Schluss gibt es aber eine Vermischung der beiden Geschichten aus den verschiedenen Jahrhunderten und ich kann ehrlich gesagt nicht sagen was genau das zu bedeuten hatte. Anna sieht dem Engel ähnlich und die Frau nach der der Engel gestaltet wurde ist die Frau aus dem 19. Jahrhundert, aber es gibt keine Möglichkeit, dass Anna ihre Nachkommin ist und auch keinen Hinweis darüber, dass vielleicht deren Seele in Anna ist oder sie neu Wiedergeboren wurde oder ähnliches. Und genau das hat mich ziemlich an der Story gestört. Letztendlich scheint es einfach nur eine Statue zu sein aber Anna hatte kurz Empfindungen die das Mädchen im 19. Jahrhundert hatte. Warum wieso weshalb ist mir nicht klar…

      Leider konnte ich teilweise das Verhalten von Anna nicht nachempfinden. Sie quält sich selbst ziemlich mit dem Tod ihrer Schwester, was ich noch verstehen kann, aber sie ist nun mit Leon zusammen, der der damalige Freund von Ruth gewesen ist. Sie nimmt also die Position ihrer Schwester ein, obwohl sie Leon nicht liebt und er scheint auch nur durch die optische Ähnlichkeit Ruth in ihr zu sehen. Sie sucht keinerlei Nähe zu ihm und erträgt es auch eher nur, wenn er sie berührt oder küsst. Warum sie genau das Gefühl hat ihm das Schuldig zu sein verstehe ich nicht…
      Das Ende fällt mir dann etwas zu schnell in Wohlgefallen aus. Aber letztendlich ist es ein Jugendbuch und da ist ein Happy End nun mal Pflicht…

      Fazit:
      Wegen der ungeklärten Verbindung der beiden Geschichten und dem teilweise mir nicht nachvollziehbaren Verhalten Annas gebe ich dem Buch :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:
    • Inhalt

      Der Todestag von Annas Schwester Ruth jährt sich zum ersten Mal.
      Ihre Eltern und Leon, Annas Freund, machen sich auf den Weg zum Friedhof, doch Anna weigert sich mitzugehen. Sie schnappt sich ihre Zeichenutensilien und geht auf einen anderen Friedhof. Das Papier unter ihren Fingern fühlt sich fremd an, der Stift in ihrer Hand ungewohnt, hat sie doch ein Jahr lang nichts mehr gezeichnet.

      Vor einem Jahr hat nicht nur Ruth aufgehört zu leben, sondern auch Anna. Anna hat aufgehört Anna zu sein, wollte zu Ruth werden, zu der vermissten Tochter, der vermissten Freundin.
      Doch heute will Anna etwas zeichnen, etwas Lebendiges, Blüten, Blätter, Rinde, nichts Totes, keine Grabmäler. Und dann hüpft ihr eine schwarze Katze über den Weg, mit einer weißen Schwanzspitze und einer weißen Pfote, ermuntert Anna, ihr durch den verwilderten Teil des Friedhofs zu folgen.
      Bis sie vor einem Beet aus schneeweißen Rosen landen und Anna denkt, ihre Schwester zu sehen, doch vor ihr steht nur ein Engel aus grauem Stein. Die Katze ist verschwunden.

      Und dann lernt sie dort Phil kennen, mit dem sie so vieles teilen kann, das sie mit Leon niemals verbinden wird. Phil sieht endlich nur Anna in ihr.
      Und Anna? Sie sieht einen Jungen, den sie schon immer zu kennen glaubt.

      Meine Meinung

      Jutta Wilke schildert in „Dornenherz“ die Trauer und die Schuldgefühle eines Teenagers, der sich für den Tod der Schwester verantwortlich fühlt, in einfachen und leisen, aber dennoch intensiven und eindringlichen Wörtern und Bildern.
      Als Leser sieht, hört, spürt, riecht man jedes Gefühl, das auch Anna in ihrem Schmerz und in ihrer Verwirrung durchleidet. Die Abkapselung von ihren Eltern, ihren Freunden, ihren Hobbys, ihrem ganzen Leben.

      Doch auf dem Friedhof scheint ein Wendepunkt in Annas Leben einzukehren. Sie lernt Phil kennen, der dort als Gärtner jobbt, der ihr nicht nur das Geheimnis anvertraut, das sich um den Engel mit der Rose in der Hand rankt.
      Anna fängt durch Phil wieder an, sie selbst zu werden, an ihre Träume und Gefühle zu denken und zu glauben, wenn sie dies auch vor Entscheidungen stellen könnte, die andere enttäuschen könnten.

      In einer Parallelhandlung, die Ende des 19. Jahrhunderts spielt, die eng mit Annas Geschichte verbunden zu sein scheint und sich mit der Handlung in der Gegenwart abwechselt, wird ebenfalls ein junges Mädchen vor eine folgenschwere Entscheidung gestellt.
      Pflicht und Verantwortung lasten schwer auf dem Mädchen, sodass man als Leser von Anfang an das beklemmende Gefühl nicht abschütteln kann, dass ein Unglück geschehen wird.

      So schwebt über „Dornenherz“ immer ein Hauch von Melancholie, auch wenn beide Mädchen eine wahre Liebe erleben werden. Beide Liebesgeschichten bezaubern mit ganz viel Poesie und Feinsinn, ohne jemals kitschig zu werden, sodass man beim Lesen selten genug davon bekommt.

      Außerdem fällt wieder einmal ein Roman aus dem Coppenrath- Verlag durch das besonders hübsche wie auch stilvolle Cover auf, das den wehmütigen Ton der Geschichte zart und unaufdringlich einfängt. Doch hinter den beiden steinernen Engelsstatuen verbirgt sich noch ein schönes Geheimnis, welches erst zum Vorschein kommt, wenn man den Schutzumschlag abnimmt.

      Als Leser wird man zudem nicht nur durch Jutta Wilkes besonderen Schreibstil und die feinfühligen Geschichte eingenommen, sondern auch durch die passenden Rosengedichte am Anfang eines jeden Kapitels. Die wunderschöne Gestaltung des Covers setzt sich also auch im Inneren fort.

      Fazit

      Auch wenn ich mir mindestens einhundert Seiten mehr gewünscht hätte, ein bisschen mehr Anna und Phil, ein bisschen mehr Vergangenheit, ein bisschen mehr Minka, ist die Geschichte um Anna doch genau so richtig wie sie ist.

      Auch bleiben einige Fragen am Ende offen, die man sich als Leser selbst geben darf, weil die Geschichte sie nicht zwingend beantworten muss.
      Ich fand das stimmungsvoll, könnte mir aber vorstellen, dass manch jugendliche Leserin von einem solch offenen Ende enttäuscht sein könnte.

      So ist Jutta Wilke ein Roman gelungen, der sich um verschiedene Formen des Abschieds dreht, um Trauer und Trauerbewältigung, um das Gefangensein im Schmerz und in der Schuld, um das Freischwimmen, um das Finden des eigenen Ichs.

      „Dornenherz“ ist also nicht nur ein optisch wundervoller Roman für Jugendliche und Erwachsene, sondern auch inhaltlich, weil er mit viel Feingefühl und Poesie besticht und dennoch jugendlich, mädchenhaft bleibt.

      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: für „Dornenherz“.
      :study: C L Wilson - Der Winter erwacht
      :) Gelesen 2013: 105 / 2014: 77 / 2015: 16
      8-[ SUB: Ich geb`s auf...


    • Schöne, berührende Geschichte

      Inhaltsangabe:
      Das Buch „Dornenherz“ von Jutta Wilke handelt von der etwa 18-jährigen Anna. Ihre ältere Schwester Ruth, kam vor einem Jahr ums Leben. Seit dem ist nichts mehr wie es war. Das gesamte Familienleben ist zerstört und Anna hat keine Freude mehr am Leben. Sie fühlt sich verantwortlich für Ruths Tod.
      Am ersten Jahrestag von Ruths Tod, soll Anna mit ihren Eltern und ihrem Freund Leon Ruhts Grab besuchen. Sie schafft es aber nicht mitzugehen und bleibt zu Hause. Dort sieht sie wieder ihren Zeichenblock, den sie seit einem Jahr nicht mehr benutzt hat. So beschließt sie auf einen anderen Friedhof zu fahren, um zu zeichnen. Als Anna dort einer schwarzen Katze folgt, findet sie einen Engel aus Stein, der sie sofort in den Bann zieht und ihre Leben sehr verändern wird.

      Meinung:
      Zunächst möchte ich das wunderschöne Cover des Buches erwähnen. Der Schutzumschlag ist eine leicht durchsichtige Mischung aus Papier und Folie und sehr schön gestaltet. Auch wenn man den Schutzumschlag hinunter gibt, sieht das in türkis-gehaltene Cover sehr ansprechend aus.
      Das Buch ist in kurze Kapitel eingeteilt. Abwechselnd wird die Geschichte von Anna erzählt und eine andere Geschichte aus dem 19. Jahrhundert. Beide Erzählungen sind aus der Ich-Perspektive der jeweiligen Protagonistin geschrieben.
      Ich finde, dass Buch liest sich sehr flüssig. Ich konnte mich gut in die Geschichte vertiefen und fand beide Erzählstränge berührend. Schade fand ich, dass die Verbindung der beiden Geschichten am Ende nicht vertieft wurde. Darauf habe ich das ganze Buch über gewartet.
      Für mich hätte das Buch auch gerne dicker sein können. Ich habe mich so schön in die Geschichte hineingelesen, da war sie auch schon zu Ende.
      Die Schlussszene, war mir etwas zu kitschig, das hätte ich mir anders gewünscht.

      Fazit:
      Eine schöne Geschichte um Trauer, ihre Folgen und ihre Bewältigung. Auf jeden Fall eine lesenswertes Buch, mit wenigen Schwächen.
    • Meliii90 schrieb:

      Ich finde, dass Buch liest sich sehr flüssig. Ich konnte mich gut in die Geschichte vertiefen und fand beide Erzählstränge berührend. Schade fand ich, dass die Verbindung der beiden Geschichten am Ende nicht vertieft wurde. Darauf habe ich das ganze Buch über gewartet.
      Für mich hätte das Buch auch gerne dicker sein können. Ich habe mich so schön in die Geschichte hineingelesen, da war sie auch schon zu Ende.
      Die Schlussszene, war mir etwas zu kitschig, das hätte ich mir anders gewünscht.

      Kann ich so 100% unterschreiben [-X
    • Ich hätte auch gerne einhundert Seiten mehr gelesen...

      Aber dass die beiden Erzählstränge am Ende so offen blieben, nicht bis ins Detail zusammengeführt worden sind, fand ich gerade schön.
      Spoiler anzeigen
      Immerhin erfährt man auf der Ausstellung ja irgendwie, dass Anna Johannas Gefühle bei der Abreise spürt, das sieht und hört, was auch Johanna in dem Moment gespürt hat.

      So bleibt alles schön offen, man kann sich noch tagelang selbst Gedanken darüber machen, ob sie einfach alle nur verwandte Seelen waren oder wiedergeboren sind oder oder oder.
      Hätte Anna herausfinden wollen, was es wirklich mit der Engelsstatue auf sich hat und mit
      Spoiler anzeigen
      den aufkeimenden Gefühlen auf der Ausstellung, mit dem Bild mit dem Mädchen drauf, mit der besonderen Zuneigung gegenüber Phil, der herumstreifenden Katze,
      dann hätte Anna da einiges an Recherchearbeit hinlegen müssen und irgendwie hätte das doch gar nicht zur Stimmung des Buches gepasst.
      :study: C L Wilson - Der Winter erwacht
      :) Gelesen 2013: 105 / 2014: 77 / 2015: 16
      8-[ SUB: Ich geb`s auf...


    • Klappentext:
      Heute vor einem Jahr habe ich gelernt, dass man sterben kann, ohne tot zu sein. Obwohl ich in sicherer Entfernung stand, das offene Grab nur von Weitem sah, fühlte ich, wie die feuchte Erde mich nach und nach einhüllte. Wie ich nach und nach unter ihr verschwand und mit mir meine Träume, meine Sehnsüchte, meine Wünsche.
      Heute vor einem Jahr haben sie meine Schwester begraben. Und mich gleich dazu.

      Form und Stil:

      Das Buch gliedert sich in mehrere Kapitel, die alle mit einem Gedicht beginnen, dass im weitesten Sinne mit Rosen zu tun hat. Einige dieser Gedichte sind sehr bekannt, andere waren mir ganz neu. In jedem Fall scheint mir, dass für jeden Geschmack etwas dabei ist und ich habe mir einige der Gedichte herausgeschrieben. Die Protagonistin Anna erzählt ihre Geschichte als Ich-Erzählerin. Dies wird diese immer wieder unterbrochen von kurzen Erzählungen aus der Vergangenheit, die Johanna ebenfalls als Ich-Erzählerin schildert. Die Abschnitte von Johanna sind zur besseren Verständlichkeit kursiv gedruckt worden.

      Besonders gut gefallen hat mir bei diesem Buch der Schreibstil der Autorin. Er ist wunderbar leicht und poetisch. Trotz des eigentlich ernsten Themas schafft die Autorin es mittels ihres Stils eine traurige aber auch bezaubernde Stimmung zu erschaffen. Wunderschön ist auch die Gestaltung des Covers und des Schutzumschlages. Auf dem Bild des Covers lässt sich dies nicht erkennen, aber der Schutzumschlag ist durchsichtig und hat lediglich einige Ornamente sowie einen Rosenengel aufgedruckt. Der zweite Engel ist auf das Buch selbst gedruckt, inmitten von einem türkis gehaltenen Rosenmuster.

      Eigene Meinung:
      „Welche Träume hätten wir, wenn wir wüssten, dass wir morgen sterben müssen?“

      Anna hat es schwer nach dem Tod ihrer Schwester. Sie fühlt sich verantwortlich und schuldig und kann daher mit ihrer Trauer nicht umgehen. Auch ihre Familie ist nach einem Jahr nach dem Tod ihrer Schwester noch überwältigt von der Trauer Das Buch beschreibt diesen Part der Trauerbewältigung sehr feinfühlig und eindrucksvoll. Dabei lenkt die Autorin die Handlung aber auch immer wieder auf kleine andere Dinge, sodass das Buch nicht zu erdrückend ist. Anna als Protagonistin war für mich teilweise ein bisschen anstrengend und ihr Verhalten bisweilen auch nicht so ganz nachzuvollziehen. Insbesondere ihre Beziehung zu Leon war für mich merkwürdig. Allerdings geht jeder mit Trauer anders um und sie war in ihrer Art zumindest authentisch. Die übrigen Personen des Buches blieben leider für mich ein bisschen blass, was wohl auch der geringen Seitenzahl geschuldet war. Lediglich Phil war noch ein bisschen interessant.
      Gut gefallen hat mir die Metapher der Rose, die von der Autorin immer wieder aufgegriffen und sehr schön in die Geschichte eingebunden wurde.

      Größter Kritikpunkt des Buches war für mich die unglaubliche Durchschaubarkeit des Buches. Man kann die Verbindungen von Vergangenheit und Zukunft schnell durchschauen und selbst bezüglich ungewisser Details winkt die Autorin schon nach 50 Seiten mit dem Zaunpfahl. Vielleicht ist das auch so gewollt und es soll so ein Wissensvorsprung des Lesers vor der Protagonistin Anna erreicht werden, allerdings konnte mich diese Herangehensweise so nicht überzeugen. Das war mir zu leicht und zu früh im Verlauf der Geschichte.

      Trotz allem habe ich mit Anna mitgefiebert und mit ihr und ihrer Familie sowie allen anderen mitgelitten. Die Geschichte von Anna und ihr Leid haben mich sehr berührt. Ich habe während der Lektüre die ganze Zeit mitgehofft und gebangt, dass Anna die richtigen Entscheidungen trifft und den Weg zu ihrem Glück findet.

      Fazit:

      Ein Buch über die Liebe und den Tod, das mich berührt hat. Insbesondere hat mich der poetische Schreibstil dabei bezaubert.
      "Ich frage mich, ob die Sterne leuchten, damit jeder eines Tages den Seinen wiederfinden kann." - Der kleine Prinz
    • Wilke, Jutta - Dornenherz

      Vor einem Jahr verlor Anna ihre Schwester bei einem schweren Unfall und zeitgleich verlor sie -gefühlt- auch ihr eigenes Leben. Gefangen in ihrer Trauer versuchte sie immer stärker ihre Schwester zu ersetzen, sowohl für ihre Eltern, als auch für den Freund ihrer verstorbenen Schwester. Dabei begann sie sich selbst zu verlieren. Erst als sie auf einem Friedhof eine Engelsstatue umrankt von weißen Rosen entdeckt, beginnt sie Schritt für Schritt in ihr eigenes Leben zurückzukehren und wieder sie selbst zu werden.

      Jutta Wilkes neuester Roman wird auf zwei Handlungsebenen geschildert. Zum einen lernt der Leser Anna in der Gegenwart kennen, die um ihre Schwester trauert und eher wie eine Marionette in ihrem Leben wirkt, die von anderen Menschen gesteuert wird. Der andere Teil des Romans wird ebenfalls aus einer Ich-Erzählerperspektive geschildert. Dieses Mal jedoch aus Johannas Sicht, die im 19. Jahrhundert lebt und deren Eltern eine folgenschwere Entscheidung über ihren Kopf hinweg treffen.

      Der Roman ist als Hardcover-Ausgabe erschienen und bezaubert optisch durch seinen transparenten Schutzumschlag, der den zweiten Engel auf das Cover zaubert, denn nur der linke Enkel ist direkt auf dem stabilen Einband gedruckt. Die historischen Kapitel aus Johannes Schrift sind stets kursiv abgebildet und verdeutlichen dem Leser somit auf den ersten Blick, um welche Geschichte es gerade geht.

      Wie immer lassen sich Wilkes Bücher sehr flüssig lesen und es fällt leicht sich der Geschichte hinzugeben. Einfühlsam beschreibt sie, wie Annas Familie mit dem Tod und der Trauer um Annas Schwester umgeht und vor allem, wie dieser Schicksalsschlag Annas Leben in allen Bereichen tangiert hat. Zusätzlich zu diesen traurigen Aspekten geht es aber auch um Liebe, Leidenschaft und den Willen sein Leben selbst zu bestimmen und so zu leben, wie man es selbst möchte. Nicht nur der emotionale Teil, sondern auch der historische Part hat mir sehr gut gefallen, wobei letzterer den Leser in eine andere Welt entführt. Beide Geschichten weisen Parallelen auf, deren Verknüpfung ich mir gegen Ende des Romans etwas intensiver gewünscht hätte.

      Fazit: Ich habe das Buch unglaublich gerne gelesen und auch sehr genossen, aber das i-Tüpfelchen für ein 5 Sterne Buch fehlte mir leider. Somit vergebe ich 4 sehr gute Sterne an "Dornenherz" und freue mich schon weitere Romane der Autorin. 4/5 Sterne.

      • Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
      • Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 - 17 Jahre
      • :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
      Viele Grüße
      Claudia

      Schaut gerne in meinen Bücher-Blog hinein: claudias-buecherregal.blogspot.com/
    • „Jedem Ende wohnt ein Anfang inne“ (Zitat aus dem Buchtitel)

      Anna hat vor einem Jahr ihre Schwester durch einen Unfall verloren.
      Seitdem trauert sie um ihre Schwester und versucht ihren Schmerz zu verdrängen. Sie fühlt sich schuldig und versucht deshalb allen, sowohl ihren Eltern als auch dem Freund ihrer Schwester, ihre Schwester Ruth zu ersetzen. Sie wird immer mehr zu ihrer Schwester – und verliert dadurch immer mehr sich selber.

      Die Autorin hat ein wunderbares Gespür für die Beschreibung von Situationen und Gefühlen („Es gibt Worte, die müssen ihren Weg nicht durchs Ohr nehmen. Es gibt Worte, die treffen direkt ins Herz. Ich hätte es auch gehört, wenn sie es nur gedacht hätten.“, S. 72).
      Mir persönlich gefielen ihre wunderbare Formulierungen („Ich fuhr herum und fiel aus dem Augenblick zurück in die Wirklichkeit.“, S. 83) außerordentlich gut.

      Von leichter Hand und oftmals sehr poetisch geschrieben („Ich bleibe stehen, atme dieses Bild ein, inhaliere die Schönheit dieses Augenblicks.“, S. 75), schafft sie es mit ihrer feinfühligen Art, den Leser direkt zu berühren. Dabei haftet ihrem Schreibstil nichts Kitschiges an!

      Sehr schön und nachvollziehbar arbeitet die Autorin dieses Bestreben heraus, es immer allen ANDEREN recht zu machen und niemanden zu verletzen.
      Und dass damit natürlich einher geht, sich selbst aufzugeben und die eigenen Wünsche zu verleugnen („Damals fing ich an, unsichtbar zu werden“, S. 73).

      Wie sehr Schuldgefühle einen auffressen können, besonders wenn man sie in sich hinein frisst und wie sehr man geneigt ist, sich und anderen etwas vorzulügen, mit all den daraus resultierenden Konsequenzen, drückt die Autorin deutlich aus („Betroffen schaue ich meinen Vater an. Während ich geglaubt habe, er könnte mich nur lieben, wenn ich Ruth immer ähnlicher werde, ist mein Vater vor mir davon gelaufen, WEIL ich Ruth immer ähnlicher wurde.“, S. 199).

      Sehr leise und zart erzählt sie über die junge Liebe.
      Es ist ein sehr romantisches Buch - nicht kitschig - sondern sehr gefühlvoll.

      Dabei ist dies nicht nur ein Jugendroman, sondern auch Erwachsene werden das Buch lieben.
      Mich hat dieser Roman sehr berührt - weil es so ehrlich geschrieben ist.

      Ein sehr feines Buch.
      Ein kleiner Buchschatz.

      Tolles und hochwertiges Buch; der halbtransparente Pergamenteinband lässt den Druck des Hardcovers durchscheinen, so dass der Eindruck von zwei sich gegenüberstehenden Engelsfiguren entsteht; sehr schön!

      5 Sterne (von max. 5 Sternen)

      Empfohlenes Lesealter: 14 - 17 Jahre
    • einfühlsam; Umgang mit Tod und Schuldgefühlen


      In dem Buch "Dornenherz" von Jutta Wilke werden zwei Geschichten erzählt, die sich ähneln, treffen und wohl unterschiedlich enden.

      In der Gegenwart wird die Geschichte von Anna erzählt, die sich schuldig am Tod ihrer Schwester Ruth fühlt, sich in ihrer verzweifelten Trauer und dem Versuch allen anderen Ruth zu ersetzen selber verliert. An Ruths Todesjahrestag beginnt Anna wieder zu zeichnen, eine Engelskulptur auf einem Friedhof. Von diesem Zeitpunkt ändert sich ihr Leben in kleinen Schritten....

      Die zweite Geschichte, die immer kursiv geschrieben wurde, spielt in einer anderen Zeit, im 19. Jahrhundert. Johanna wird zwangsverlobt mit dem Sohn des Geschäftspartners ihres Vaters. Beide Familien sehen in Deutschland keine wirtschaftliche Zukunft und beschließen, zusammen nach Amerika auszuwandern. Johnna, die heimlich einen anderen liebt, kämpft um eine Entscheidung mit Herz oder Verstand... Es kommt zu einem überraschenden Ausgang....



      Beide Geschichten sind sehr schön miteinander verwoben und an mehreren Berührungspunkten beeinflussen sie sich. Anna fragt sich auch auf Grund Johannas Geschichte, ob es überhaupt richtige oder falsche Entscheidungen gibt - oder gibt es einfach nur Konsequenzen, mit denen wir nach jeder Entscheidung leben müssen? Und eine Frage läßt ihr keine Ruhe mehr: Wenn ich wüßte, daß ich morgen sterben muß, was würde ich tun?

      Sehr gut haben mir auch die Rosengedichte gefallen, die sich wie ein roter Faden durch das Buch ziehen. Die Geschichte fand ich insgesamt sehr bewegend; man kommt nicht umhin über Schuldgefühle und eigene Träume nachzudenken... Wie heißt es so schön in der Geschichte: "Wir alle haben Träume, die weiterreichen als das Leben."



      Dieses wunderschöne Buch erhält meine absolute Leseempfehlung, nicht nur für jugendliche, auch für "schon erwachsene" Leser eine echte Bereicherung! Ich bin ganz begeistert!

      huckleberryfriendz.wordpress.com

      "Nothing is impossible, the word itself says: I'm possible!" Audrey Hepburn
    • hab ich innerhalb von Sekundenbruchteilen selber bemerkt und abgeändert. Schon vor Deinem Kommentar!

      Störe ich Dich hier?

      Ich hab den Eindruck, sobald ich mich hier nur eine Minute aufhalte, mache ich etwas, das Du falsch findest und mich umgehend belehren mußt.

      Wenn ich Dich so sehr nerve, bin ich dann auch schon wieder weg. Dann haben wir beide weniger Streß.
      huckleberryfriendz.wordpress.com

      "Nothing is impossible, the word itself says: I'm possible!" Audrey Hepburn
    • katze102 schrieb:

      hab ich schon längst! Störe ich Dich hier?
      nein, ganz sicher nicht :friends: und da hat sich mein Post einfach mit Deiner Korrektur zeitlich überschnitten - also alles bestens und Danke schön :wink:
      viele Grüße vom Squirrel

      :study: Elizabeth Kostova - The Historian
      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)
    • Wow,
      was für ein zauberhaftes Buch! Ich habe es in einem Rutsch
      durchgelesen, weil ich nicht aufhören konnte. Und so will ich denn auch
      schnell die Rezension schreiben, solange es noch in meinem Kopf
      nachhallt.

      Dieses Buch erzählt zwei Geschichten in zwei verschiedenen
      Zeitebenen. Beide Male heissen die Hauptfiguren (Joh)Anna und Phil(ipp);
      nur einmal findet das Geschehen 1883 und einmal in der Gegenwart statt.

      Im Jahre 1883 sind Johanna, Tochter aus gutem Hause, und Philipp, Maler
      und Bildhauer, sehr ineinander verliebt. Doch Johanna ist Leonhard
      versprochen, dem Sohn eines guten Freundes ihres Vaters. Und zu allem
      Unglück will die Familie nach Amerika auswandern, weil die Geschäfte in
      Deutschland sehr schlecht gehen. Johanna geht mit an Bord der "Cimbria",
      mit einem Blumentopf mit einer weissen Rose als einzige Erinnerung an
      Philipp. Doch das Schiff sinkt, und kaum jemand überlebt das Unglück.
      Philipp erschafft eine Statue: einen Engel mit einer Rose in der Hand,
      der die Züge seiner verstorbenen, geliebten Johanna trägt.

      Eben jene Engelstatue entdeckt Anna auf dem Friedhof. Diese ist umgeben
      von weissen Rosen, und sie zieht Anna magisch an.Sie beginnt, den
      Rosenengel zu zeichnen, der ihr sogar ziemlich ähnlich sieht. Dabei
      nimmt sie zum ersten Mal seit einem Jahr wieder ihre Zeichenutensilien
      zur Hand. Denn vor einem Jahr ist ihre ältere Schwester Ruth bei einem
      Autounfall ums Leben gekommen. Anna gibt sich selbst die Schuld an
      diesem Unfall, denn Ruth war unterwegs, um sie abzuholen, da sie den Bus
      verpasst hat. Diese Schuldgefühle nehmen ihr jede Kraft zum Leben. Und
      unbewußt wird sie immer mehr zu Ruth, um ihrer Familie die tote Tochter
      zu ersetzen; sie hat sogar Ruths Freund Leon "übernommen" und ihre
      langen Haare abgeschnitten. Doch dann begegnet sie Phil am Rosenengel
      und erfährt von der Geschichte der unglücklichen Liebe des Bildhauers.
      Phil jobbt neben seinem Studium als Friedhofsgärtner, und er hat die
      weissen Rosen am Fusse des Engels gepflanzt. Er besitzt sogar ein
      kleines Büchlein mit Rosengedichten. Anna verliebt sich in ihn, doch sie
      will es nicht wahrhaben. Vielmehr versucht sie, ihre Rolle als Ruth
      weiterzuspielen und ihre Beziehung mit Leon weiterzuführen. Phil erhält
      unterdessen die Chance, ein halbes Jahr in England zu studieren.

      Doch dann stösst Anna zufällig in einem Museum auf die Geschichte der
      "Cimbria" und entdeckt ein Foto von Auswanderern, auf dem auch Johanna
      mit der weissen Rose zu sehen ist. Und ihr wird klar, dass sie endlich
      ihr Leben leben muss, wieder zu Anna werden muss und vor allen Dingen
      Phil wiederfinden muss.

      Das Ganze ist wirklich wunderschön von der Autorin erzählt. Man kann
      diese traurige Stimmung im Elternhaus von Anna förmlich spüren. Diese
      Geschichte entwickelt einen starken Sog, dem sich der Leser nicht
      entziehen kann. Dazu hat Frau Wilke an den Anfang jeden Kapitels ein
      Rosengedicht gestellt; eine ganz tolle Idee. Diese wunderschönen
      Gedichte fügen sich nahtlos in die Geschichte ein und unterstreichen die
      spezielle Poesie dieses Buches. Und ein grosses Kompliment an die
      Gestalterin des Bucheinbandes. Das ist wirklich sehr gelungen und passt
      fantastisch zu diesem Buch. Die Buchdeckel werden von Rosen geziert, und
      vorne sieht man dazu die Engeslsstatue mit der Rose in der Hand. Dazu
      gibt es einen transparenten Schutzumschlag, auf dem der Engel noch
      einmal seitenverkehrt abgebildet ist, so dass sich die beiden Engel beim
      Anlegen des Umschlages anschauen, Das spiegelt wunderbar die zwei
      Zeitebenen des Buches wieder.

      Ausserdem finde ich es sehr interessant, dass es die Cimbria und
      ihren Untergang wirklich gegeben hat. Und wenn ich mal in Hamburg sein
      sollte, werde ich mir dann bestimmt das Auswanderer-Museum mal
      anschauen.

      Einen klitzekleinen Kritikpunkt hätte ich dann doch noch: es wird von
      der Autorin zum Schluss nicht aufgelöst, ob es zwischen Johanna und
      Anna doch eine verwandschaftliche Beziehung gibt, was aufgrund der
      Ähnlichkeit zwischen Anna und dem Engel ja irgendwie angedeutet wird.
      Das würde ja dann bedeuten, dass Johanna unter den wenigen Überlebenden
      des Untergangs der "Cimbria" gewesen wäre. Aber vielleicht gibt es ja
      noch ein weiteres Buch, in dem Johannas Geschichte weitererzählt wird.
      Fände ich toll.

      Zusammenfassend gibt es von mir eine absolute Kaufempfehlung für
      dieses Buch. Ich hatte aufgrund der Leseprobe doch ein bißchen was
      anderes erwartet, bin aber trotzdem komplett überwältigt worden. Und
      damit ist auch bewiesen, dass es nicht nur etwas für Jugendliche ist,
      sondern auch für junggebliebene Erwachsene, die eine gute Geschichte zu
      schätzen wissen.
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