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Sabine Thiesler: Bewusstlos

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    Bewusstlos

    von

    3.6|47)

    Verlag: Heyne Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 528


    ISBN: 9783453415317


    Termin: Juli 2014

    Das Buch ist der 5. Band der Reihe (8 Teile).

    Ähnliche Bücher

    • Sabine Thiesler: Bewusstlos

      Kurzbeschreibung (amazon)

      Er kam im Sommer. Völlig überraschend. Aber er war kein Mensch, er war ein Ungeheuer.
      Als
      Raffael erwacht, sind sein Bett und seine Sachen voller Blut. Er gerät
      in Panik, denn ihm fehlt jegliche Erinnerung an die vergangene Nacht. Es
      gelingt ihm nicht herauszufinden, was passiert ist, aber wenn er
      getrunken hat, weiß er nicht mehr, was er tut. Mordet er vielleicht, ohne
      es zu wissen.
      Von seinen Eltern, die in der Toskana leben, fühlt
      er sich verraten und verlassen. Die beiden führen ein glückliches Leben
      und ahnen nicht, dass er in ihrer Nähe ist und sie längst im Visier hat
      ...

      Autoreninfo (amazon)

      Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte
      Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als
      Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem
      erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a.
      Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere
      Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem
      ersten Roman Der Kindersammler stand sie monatelang auf den
      Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern Hexenkind, Die
      Totengräberin, Der Menschenräuber und Nachtprinzessin.



      Aufbau

      Der Roman ist in 67 Kapitel unterteilt. Die Rahmenhandlung ist mit "Christine" betitelt und spielt im Winter 2011/2012 in Florenz. Christine spricht mit einem Psychologen, der Leser erfährt zunächst nicht, warum sie diese Termine hat und dem Mann aus ihrem Leben erzählt.
      Der überwiegende Teil der Handlung ist im Frühling 2011 in Berlin und im Sommer 2011 in der Toskana angesiedelt. In den Text sind wiederholt Rückblicke auf die Kindheit und Jugend von Christines Sohn Raffael eingeflochten.

      Eigene Beurteilung

      Der Protagonist Raffael ist seit dem 24.04.1992, als er als Siebenjähriger seine geliebte Zwillingsschwester Svenja verlor, nicht mehr er selbst. Vollkommen traumatisiert, spricht er kein Wort mehr und ist auch für seine Eltern nicht mehr zugänglich. Seine Mutter Christine widmet sich ihm intensiv und vernachlässigt darüber ihren Mann Karl, sodass die Ehe in den Strudel einer Krise gerät. Als die Atmosphäre in der Familie sich ständig verschlechtert und Christine mit Raffael nicht vorankommt, geben die Eltern den Jungen in ein Internat, aus dem er -wie man später erfährt - nach der Mittleren Reife verschwunden ist. Der Kontakt zu seinen Eltern ist abgebrochen.
      Christine und Karl haben sich wieder zusammengerauft und in Italien ein neues Leben aufgebaut. Raffael lebt dagegen in Berlin, verdient seinen Lebensunterhalt mit Aushilfsjobs und trinkt Alkohol bis zur Besinnungslosigkeit. Er ist intelligent, aber auch völlig impulsiv und unberechenbar. Vor allem im komplett betrunkenen Zustand ist er extrem aggressiv und wird zur Gefahr für seine Umgebung. Raffael ist ein Protagonist, der den Leser nicht kalt lässt. Obwohl man erfährt, dass er in seiner Kindheit und Jugend Schweres durchmachen musste, erregt er eher Abscheu als Mitleid. Auch sein Vater ist, milde ausgedrückt, nicht gerade ein Sympathieträger, man kann darüber spekulieren, ob Raffael nur durch seine Erlebnisse, oder auch durch ererbte Eigenschaften zum Soziopathen geworden ist.
      Im zweiten Teil des Romans, der in Italien spielt, gibt es ein Wiedersehen mit Kommissar Donato Neri, dessen Charakterisierung mir hier gelungener scheint als in den vorhergehenden Büchern der Autorin. Er ist in gewisser Weise immer noch ein Pechvogel, da er weiterhin "Oma", seine demente Schwiegermutter Gloria, die ihm (und seiner Frau) das Leben schwermacht, im Haus hat, aber in diesem Roman fällt er nicht durch die Inkompetenz auf, die ihn seinerzeit per Strafversetzung in die Provinz brachte. Die Geschichte um Familie Neri lockert einen spannenden Krimi humorvoll auf und sorgt für Entspannung neben dem Nervenkitzel.
      Vom Erzählstil hat mir "Bewusstlos" sehr zugesagt, die Autorin versteht es, Spannung aufzubauen, Informationen nach und nach einfließen zu lassen und sehr anschaulich zu schreiben. Man kann dieses Buch nur schwer aus der Hand legen, wenn man einmal angefangen hat.
      Mit dem Inhalt bin ich nicht ganz einverstanden, da mir einge Dinge nicht realistisch vorkommen: Raffael verstößt mehrfach massiv gegen die Gesetze und bekommt keine Anzeige? Auch bleiben manche Fragen offen
      Spoiler anzeigen
      Warum tötete Raffael die Zeitungsbotin?
      oder werden nicht nachvollziehbar aufgelöst (Ende des Romans). Hier hätte ich gern mehr Informationen gehabt.

      Fazit

      "Bewusstlos" ist ein ansprechend geschriebener, spannender Krimi, in dessen Mittelpunkt die kranke Psyche des Protagonisten steht. Ermittler/Ermittlungen spielen nur eine sehr untergeordnete Rolle. Das Buch bietet rasante Unterhaltung, ist aber manchmal im Handlungsverlauf nicht ganz realistisch.
      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
      :study:
      Paradise on earth: 51.509173, -0.135998
    • Meine Meinung:
      Raffael trinkt zu viel. Und es gibt Tage, an denen er das auch weiß. Tage, an denen er irgendwie versucht, sein Leben in den Griff zu kriegen. Seinen Job beim Theater gut zu machen. Nett zu seiner Vermieterin Lilo zu sein, die immerhin schon fast achtzig Jahre alt ist und die niemanden außer ihm hat. All das. Und dann gibt es Tage, an denen er alles und jeden auf der Welt hasst, Lilo verabscheut, seinen Job verabscheut, sich selbst. Tage, an denen er kaum weiß, wohin mit all seinem Hass.
      Doch selbst das ist für Raffael selbst nicht das Schlimme. Das Schlimme sind die Momente, in denen er nicht mehr weiß, was er zuvor getan hat. In denen er merkt, dass es Momente, Stunden, Tage (?) in seinem Leben gibt, die sein Gedächtnis direkt löscht. Und in denen es ihm so geht wie eines morgens, als er aufwacht und feststellt, dass seine Kleidung von oben bis unten voller Blut ist. Und es ist nicht sein eigenes…
      Er ist gerade mal Mitte zwanzig und hat eigentlich noch so viel vor sich. Doch seit dem Tod seiner Schwester, den Raffael mit ansehen musste, als er noch ein Kind war, hat er sich nie wieder wie ein ganz normaler Junge fühlen können. Seine Eltern, die mit seiner Wesensänderung nicht leben konnten, gaben ihn ins Internat – für Raffael aber, der sich abgeschoben fühlte, begann hier ganz anderer Horror, über den er nie sprechen konnte.
      Und nun scheint alles immer schlimmer zu werden; Raffael verliert die Kontrolle über sich selbst, ist immer öfter “bewusstlos” und handelt wie im Rausch; und dieser Rausch ist mehr als ein Alkoholrausch, es ist eine Macht in Raffael, die er nicht kontrollieren kann und derer er sich auch nicht bewusst ist. In diesem Zustand beschließt er, nachdem er in Berlin auf keinen Fall mehr bleiben kann, weil die Polizei hinter ihm her ist, sich auf den Weg in die Toskana zu machen. Dort haben sich seine Eltern nämlich eine neue Existenz aufgebaut und das macht Raffael sehr wütend…

      Meine Meinung:
      Der Thriller beginnt mit einem Prolog, in dem Christine, Raffaels Mutter, schildert, was an dem Tag geschah, als ihre kleine Tochter starb. Auch später kommt sie noch zweimal zu Wort und gibt dem Leser Einblicke in das Geschehen, die man aus der reinen Romanhandlung nicht bekommen kann. Das hat mir sehr gut gefallen und gleich am Anfang Spannung aufgebaut.
      Raffaels Geschichte hat mich ziemlich schnell in ihren Bann gezogen und das liegt vor allem an dem Protagonisten selbst. Ich habe wirklich selten eine Romanfigur erlebt, die ich abwechselnd so verabscheut und bemitleidet habe wie ihn. Sympathisch kann er einem gar nicht sein, weil man zu viel über ihn weiß und er immer eher unheimlich und bedrohlich wirkt, auch in seinen “guten Phasen”, und auch das erhöht die Spannung beim Lesen, weil man sich mit ihm einfach nicht identifizieren kann. Bis zum Schluss habe ich trotzdem auch irgendwie mit ihm gelitten, denn dass er nach allem, was passiert ist, alkoholabhängig wird und durchdreht, kann man verstehen – und Hilfe gibt es für ihn nicht. Sicherlich ist er daran auch selbst Schuld, aber trotzdem tat er mir einfach leid.
      Zunächst erlebt man beim Lesen Raffaels Leben in Berlin mit. Hier eskalieren die Ereignisse immer mehr und gerade weil Sabine Thiesler es schafft, mit Lilo so eine unglaublich sympathische Figur zu erschaffen, konnte ich gerade hier das Buch kaum aus der Hand legen. Was sie mit Raffael erleben muss, ist schockierend und grauenhaft, und ich habe beim Lesen immer wieder auf eine nächste “gute Phase” bei ihm gehofft…
      Die Auseinandersetzung mit seinen Eltern fand ich ebenfalls spannend und extrem unheimlich, vor allem ab dem Punkt, ab dem Raffael so viel Zeit mit seiner “neuen” kleinen Schwester verbringt, die er jetzt erst kennenlernt. Von Sabine Thiesler wissen wir, dass sie schonungslos menschliche Abgründe ausloten kann, und so fehlt bei Raffaels Verhalten jede Gewissheit, dass “sie ihn das nicht machen lässt”.
      Ich fand diesen Thriller sehr spannend und sehr gut erzählt. Auch das Ende ist absolut stimmig. Was man sich vor dem Lesen nur überlegen sollte ist, dass die Gefahr besteht, dass man wirklich nicht mehr aufhören kann – und ich musste auch wieder überall Licht einschalten, um mich im Dunkeln nicht total zu gruseln…
      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:
    • Ich lese gerne die Romane dieser Autorin, leider fand ich das letzte Buch "Nachtprinzessin" nicht mehr so gut, deshalb war ich schon sehr gespannt auf dieses Buch.

      Mir ging es wie Strandläuferin, selten schaffen es Autoren einen so widerlichen, kranken und doch authentsichen Charakter zu zeichnen wie es Frau Thiesler mit Raffael geschafft hat. An und für sich könnte man vielleicht ein wenig Mitleid aufbringen, aber das sind nur die ersten paar Seiten, danach erfährt man seinen wahren Charakter und ist einfach nur zutiefst erschüttert und traurig zugleich wie krank eine Menschenseele doch sein kann.

      Schnell ist man gefangen von der Geschichte, ich konnte und wollte das Buch schon nach den ersten Seiten nicht mehr aus der Hand legen. Die Autorin hat es mit diesem Buch geschafft ihren Leser sofort in den Bann zu ziehen, man möchte das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen und einfach erfahren wie es weitergeht.
      Ab der ersten Seite geht es rasant los und man weiss nie welche lapalie Raffael wieder dazu bringen wird zu explodieren.

      Die Spannung hält sich das ganze Buch über, man bekommt einen Einblick darüber wie sehr ein Mensch abrutschen kann. Der kleine Rafaell musste in seiner Kindheit einige schlimme Dinge erleben und daraus entstand im laufe der Zeit ein Monster, das niemand kontrollieren kann.
      Eine Geschichte die einem eiskalt den Rücken hinuter läuft.

      Es war schön wieder alte Bekannte in diesem Buch zu treffen, Neri, seine Frau und sein Sohn haben schon in einigen Thiesler Büchern begleitet und es war wie auf einen alten Bekannten zu treffen, auch wenn man leider nicht wirklich viel neues von den 3 bzw. 4 erfahren hat, war es doch nett.

      Ein paar Mankos gab es meiner Meinung trotz allem, wie auch €nigma schon geschrieben hat
      Spoiler anzeigen
      hab ich mich das ganze Buch über gefragt wieviel eigentlich noch passieren muss das er "zur Strecke" gebracht wird bzw überhaupt mal auffällig gegenüber der Polizei wird. Er schlägt den Briefträger, den Hausmeister, bringt seinen ehemaligen Chef halb um und niemand ruft die Polizei?

      das alles fand ich ein wenig zuviel

      Oder das Ende, irgendwie fand ich das nicht ganz so stimmig zum gesamten Buch, das ganze Buch über ist Vollgas angesagt, das Ende fand ich dann ein wenig "abgehackt". Es bleiben sehr viele offene Fragen zurück.

      Trotz allem muss ich sagen, ein wirklich guter und durchdachter Thriller mit wahnsinnig gut beschriebenen Charakteren.
      Man hat über 500 Seiten lang einen guten Thriller in den Händen, deshalb :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
      Es geht uns mit Büchern wie mit den Menschen. Wir machen zwar viele Bekanntschaften, aber nur wenige erwählen wir zu unseren Freunden.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Nelly21 ()

    • Nichts für ungut, aber mich konnte das Buch leider nicht überzeugen. Zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten, die im Raum stehen blieben, Klischees über Klischees und vor allem unausgereifte Figuren, die mich nicht fesseln konnten. Ich habe das Buch anlässlich der Leserunde hier im BücherTreff als Freiexemplar vom Verlag bekommen und werde es der Fairness halber meiner Bücherei überlassen. Sabine Thiesler hat ja bekanntlich eine große Fangemeinde, so können sich andere an dem Buch erfreuen.

      :bewertung1von5: :bewertungHalb:
      :montag: Monika Held - Sommerkind

      "Sehnsucht nach Liebe ist die einzige schwere Krankheit, mit der man alt werden kann, sogar gemeinsam."
      (Bodo Kirchhoff: Die Liebe in groben Zügen)

    • Hier nur schnell meine Eindrücke, ausnahmsweise ohne Kurzbeschreibung:

      Ehrlich gesagt, habe ich bei dem Titel eine total andere Geschichte erwartet. Deshalb fällt meine Bewertung nicht allzu gut aus, und auch weil ich den Handlungsverlauf, die Charakterzeichnung, Charakterentwicklung nicht immer als plausibel und konsequent empfunden habe.

      Ein junger Mann wacht morgens in seinem Bett auf, seine Kleider sind über und über mit Blut befleckt. Er hat keine Ahnung, was in jener Nacht passiert ist, er hat einen regelrechten Filmriss.
      Ich hätte mehr Rätselraten erwartet, was Raffael in der Nacht angestellt haben könnte.
      Stattdessen wird für den Leser ziemlich schnell aufgelöst, was passiert sein könnte. Nur Raffael tappt weiterhin im Dunklen, doch er macht sich schnell keine Gedanken mehr, denn ihm fehlt das Gewissen. Stattdessen stolpert er von einem Gewaltausbruch in den nächsten, von einem Saufgelage ins nächste - ohne Konsequenzen.
      Seine Gewaltbereitschaft wird immer größer, teilweise erschien sie mir ein wenig an den Haaren herbeigezogen und nicht ganz logisch.
      Und schließlich sucht er seine Eltern auf, die er schon seit Jugendtagen nicht mehr gesehen hat. Ein Kindheitstrauma hat sie entzweit.
      Und dann überschlagen sich die Ereignisse, gehen für mich in eine völlig unerwartete Richtung, werden ein wenig unglaubwürdig und unlogisch.

      Sabine Thiesler erklärt die Gewaltbereitschaft und den Alkoholkonsum ihres Protagonisten mit einigen Traumata aus Kindheit und Jugend, und lässt dabei fast kein schockierendes Klischee aus.
      Und auch die Polizeiarbeit schien mir ein wenig unglaubwürdig. Raffael begeht eine Gräueltat nach der anderen, angefangen
      Spoiler anzeigen
      von einer Prügelei über eine Vergewaltigung bis zu Freiheitsberaubung
      , und niemals kommt ihm die Polizei auch nur annähernd auf die Schliche. Und dabei geht Raffael nicht einmal in bester CSI- Manier vor, sondern handelt im Rauschzustand, im Affekt, völlig unüberlegt. Er hinterlässt eine Spur nach der anderen, aber die Polizei tappt im Dunklen, findet keine Zusammenhänge.

      Sprachlich war die Geschichte recht einfach gehalten. Schnell und flüssig zu lesen. Ich hätte mir jedoch mehr Einblicke in den Kopf von Raffael gewünscht. Mir blieben die Einblicke zu oberflächlich, nicht wirklich nachvollziehbar. Bei einem so verstörten wie gewaltbereiten Charakter wie Raffael hätte eine intensivere, tiefgründigere Darstellung für viel mehr Spannung sorgen können.

      Im Endeffekt hatte ich gedacht, dass es mehr darum gehen würde, wie ein junger Mann mit einem Filmriss umgeht, wie er selbst herausfinden will, was in jener Blutnacht passiert sein könnte, dass er nicht mehr ein noch aus weiß, dass er an sich zweifelt, Angst vor sich und seinen Taten bekommt, dass er sich als Monster sieht, aber keine Ahnung hat, was dieses Monster in ihm weckt, wie er damit umgehen soll, wie er Panik bekommt, wie er das Monster unterdrücken kann, wie er Angst vor dem nächsten Ausbruch bekommt.
      Stattdessen geht die Geschichte in eine völlig andere Richtung, die ich aber nicht verraten kann, weil sonst ja die Überraschung verloren geht. Am Ende bleiben auch noch viele Dinge offen, ungeklärt, bleiben in der Luft hängen, bleiben unlogisch. Verschiedene Handlungsstränge verlaufen einfach im Sande.

      Titel und Klappentext haben mich ein wenig in die Irre geführt.

      :bewertung1von5:
      :study: C L Wilson - Der Winter erwacht
      :) Gelesen 2013: 105 / 2014: 77 / 2015: 16
      8-[ SUB: Ich geb`s auf...


    • Ich bin recht enttäuscht von diesem Buch, hatte ich doch viel gutes über die Autorin gehört und war auf einen spannenden Thriller eingestellt. Flüssig lesen lies es sich ja, die Sprache war einfach und nicht anspruchsvoll. Es wurde zu vieles für mich nur angedeutet und nicht weiter ausgeführt bzw. war nicht wirklich stimmig. Von daher fällt mein Gesamteindruck eher schlecht aus.
      Bücher müssen mit soviel Überlegung und Behutsamkeit gelesen werden, als sie geschrieben wurden.
      Henry D. Thoreau




      :montag: Ich lese gerade
    • Raffal ist durch ein Erlebnis in der Kindheit schwer traumatisiert und wird vor diesem Hintergrund zum Verbrecher.
      In diesem Satz lässt sich der Roman zusammenfassen.

      Insgesamt hat er mich gut unterhalten, aber auch nicht mehr, dazu "zerfasert" die Handlung zu stark: Handlungsstränge werden begonnnen und nicht zu Ende geführt, wichtige Fragen bleiben ungeklärt. Prinzipiell habe ich nichts gegen offene Enden, aber hier hat mich die Tatsache, dass noch so vieles ungeklärt geblieben ist in Kombination mit dem, was am Schluss klar ist, mit einem schalen Nachgeschmack zurück gelassen.

      Sabine Thiesler's Sprache ist einfach und flüssig, die Kapitel relatib kurz gehalten. Als sich die Situation um Lilo aufbaut und zuspitzt, ist der Roman wirklich packend, ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht.

      Gesamt gesehen ist "Bewusstlos" an vielen Stellen nicht richtig rund, wirkt nícht durchdacht genug, und viele Ereignisse kommen klischeehaft oder sogar effekthascherisch bei mir an, wie die Mißbrauchsszene und die Vergewaltigung. Beides wirkt aufgesetzt und wäre nicht zwingend notwendig gewesen.

      Lilo ist eine Figur, die sich sehr mochte, bei ihrem Handlungsstrang habe ich mitgefiebert undmitgelitten. Tatsächlich wirkt sie von allen Charakteren auf mich am sympathischsten, sie hat das Buch durch weite Strecken getragen.

      Ich vergebe dreieinhalb Sterne, weil ich den Roman als mittelmässig empfunden habe drei und den halben Pluspunkt, weil "Bewusstlos" stellenweise wirklich packend ist und die Sprache angenehm zu lesen - und weil ich Lilo so mochte.
      Ich lese gerade:
      "Serva III: Drachenfall" von Arik Steen (pausiert)
      "Staub und Stolz" von C.Dewi
    • Ich fands auch eher Durchschnitt:

      Raffael scheint ein netter junger Kerl zu sein, er arbeitet hart als Bühnentechniker, wohnt bei einer netten alten Dame, der er bei Hausarbeiten und Einkäufen behilflich ist. Doch eines Tages erwacht er in seinem Bett mit blutigen Klamotten an seinem Leib. Er kann sich an nichts erinnern, der Alkohol scheint ihn immer öfters zu einem unberechenbaren Mann zu machen und langsam verliert er die Kontrolle.

      Bei den Neuerscheinungen im Januar bin ich unter anderem über dieses Buch gestolpert und schon lange wollte ich eines von Sabine Thiesler lesen. Da kam mir dieses gerade recht.
      Das Buch dreht sich komplett um Raffael. Er ist ein sehr verletzter und wütender Mann, der in der Vergangenheit sehr viel mitmachen musste und vielleicht deswegen dem Alkohol zum Opfer fiel, um vergessen zu können. Er schwankt stark in seinem Gemüt, er kann liebevoll und rücksichtsvoll mit seinen Mitmenschen umgehen oder aber das Böse packt ihn und er wird gewalttätig. Für mich entwickelte er sich hauptsächlich in den ersten 20 Kapiteln immer mehr zu einem richtigen Arschloch ohne Gefühle. Dann begibt er sich auf eine Reise, um mit seiner Vergangenheit reinen Tisch zu machen. Ich kam mir vor, als würde ich ein neues Buch anfangen, ganz abrupt endet sein Leben in Berlin. So hört man auch ab der Hälfte des Buches nichts mehr von den laufenden Ermittlungen aus Hauptstadt, denn die Blutspuren an seiner Kleidung stammen nicht von ihm oder einem Tier. Irgendwie hatte ich bis zum Ende darauf gewartet, dass die Kommissare noch mal auftauchen, leider war dem nicht so. Stattdessen neues Land, neue Probleme, neue Akteure.
      Spannend und fesselnd war dieser Thriller auf jeden Fall, es gab viele Überraschungen und Wendungen, wie z.B. der Wechsel des Handlungsortes. Ich hätte mir allerdings nicht ganz soviele gewünscht, vielleicht hätte man aus diesen beiden “Geschichten” zwei Romane machen können. Es wirkte ein wenig zusammengeschustert auf mich und das Ende war total vorhersehbar.

      Insgesamt hat es mir gefallen, gerade der Schreibstil und die Neugier haben mich das Buch dann fertig lesen lassen, aber richtig begeistern konnte es mich leider nicht.
      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
      Thrillerwelt
      :study: 2013: 20 (6109 Seiten)
    • Das Buch Bewusstlos hab ich ebendfalls als Frei Exemplar für die Leserunde bekommen und ich war sehr gespannt auf das Buch, da ich bisher noch kein einziges Buch von Sabine Thiesler gelesen habe, was jedoch daran liegt, dass ich meinen Fokus momentan auf Krimireihen gelegt habe und nicht auf Einzelbände. Nun freudig hab ich dann das Buch angefangen zu lesen und sehr schnell festgestellt, dass dies anders ist als die Krimis die ich sonst so bevorzuge. Man weiss in diesem Fall ziemlich schnell wer der Täter für allerlei Gewaltverbrechen ist und durch immer mehr Rückblicke in dessen Vergangenheit erfährt man, wie es dazu kommen konnte, dass er zu diesem Täter geworden ist. Dies fand ich an und für sich erstmal nicht schlecht. Bei den Rückblicken in seine Vergangenheit hatte ich schon Mitleid mit ihm, da ich mir vorstellen kann das solche Erlebnisse einen schon prägen, aber der Mensch der aus ihm geworden ist den konnte ich absolut nicht leiden. Der Krimi an sich war ok und hatte einen guten Schreibstil, welcher mir keinerlei Schwierigkeiten beim Lesen brachte :) , jedoch blieben mir am Ende zuviele wichtige Fragen offen, weswegen ich nur :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: vergeben habe.
      :study: Ursula Poznanski - Schatten
      :study: Richard Dübell - Der Jahrhundertsturm (ebook)


      2017 gelesen :study: : 10

      2017 gehört :musik: : 2





      2016 gelesen: 30
      2015 gelesen: 43
      2014 gelesen: 38
    • Meine Meinung
      Das Buch habe ich gewonnen, als ich mich für die Autorenbegleitete Leserunde hier auf Büchertreff beworben hatte.
      Da ich alle Bücher der Autorin können, war ich natürlich ultragespannt auf ihren neusten Thriller
      Der Einstieg ist sehr spannend und packt den Leser bei seinen Emotionen und spielt mit ihnen. Ist zwar blumig ausgedrückt, aber so habe ich ziemlich gefühlt.
      Wie üblich kritalisiert sich dann ein Hauptcharakter heraus um den es in dem Plot geht, hier ist es der Zwillingbruder Raffael
      Er hat mich etwas an den Charakter aus "Nachtprinzessin" erinnert von der Art her zu denken, zu wüten und sich zu rechtfertigen
      Aber auch hier packt die Autorin einen wieder an den Emotionen und man ist entsetzt über die Durchtrieben- und Kaltblütigkeit.
      Die zweite Hälfte des Buches verlagert dann den Schauplatz von Berlin-Deutschland in die Toskana-Italien.
      Ich fand diesen Abschnitt nicht mehr ganz so packend. Kam mir hier doch alles irgendwie konstruiert, vorhersehbar udn platt vor.
      Die Emotionalle Fessung herrscht zwar bis zum Ende vor, aber es fehlte an Tiefe.

      Von mir gibt es
      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

      Gruß Janina
    • Ich gehöre ebenfalls zu den Leserundlern hier im Büchertreff.

      Mir fehlte in der Geschichte so einiges. Die Charaktere waren sehr schwach gezeichnet, die Story fand ich (gerade in der ersten Hälfte) sehr in die Länge gezogen, sodass mir die Spannung flöten ging und ich mich langweilte. Zwischendurch gab es dann noch ein paar, in meinen Augen, völlig überflüssige Szenen von Personen, die irgendwie im Entferntesten mit Raffael zu tun haben, aber absolut nichts zur Geschichte beitragen. Vielleicht muss man für den lieben Herrn Neri und seine Ausschweifungen die restlichen Bücher gelesen haben, aber seine Eskapaden mit der Schwiegermutter fand ich persönlich total fehl am Platz. Ja, ab und an zwar lustig, aber absolut überflüssig (zumal ich Demenz auch nicht unbedingt witzig finde).

      Dann gab es eine ganze Batterie von Psychoterror: Einsperren/Foltern, Vergewaltigung, Mord, Observierung und und und. Immer her damit! Gibt der Geschichte aber absolut keinen roten Faden. Zwar könnte man jetzt argumentieren, dass Raffael doch ein Psychopath ist, aber das endschuldigt nicht die flache Story des Buches.

      Die Polizei scheint - wenn man sie in dem Buch ernst nimmt - absolut überflüssig zu sein, denn sie kriegen auch nichts gebacken.

      Elskamin schrieb:

      Im Endeffekt hatte ich gedacht, dass es mehr darum gehen würde, wie ein junger Mann mit einem Filmriss umgeht, wie er selbst herausfinden will, was in jener Blutnacht passiert sein könnte, dass er nicht mehr ein noch aus weiß, dass er an sich zweifelt, Angst vor sich und seinen Taten bekommt, dass er sich als Monster sieht, aber keine Ahnung hat, was dieses Monster in ihm weckt, wie er damit umgehen soll, wie er Panik bekommt, wie er das Monster unterdrücken kann, wie er Angst vor dem nächsten Ausbruch bekommt.
      Auch das ist ein springender Punkt bei diesem Buch. Ich hatte ebenfalls etwas völlig anderes erwartet und fand es enttäuschend, wie dieses Buch dann in Wahrheit war.

      Auch wenn das Buch ab der Hälfte an Fahrt aufnimmt und mir persönlich irgendwann besser gefiel, hinterlässt das Buch bei mir keinen besonderen Eindruck und es gehört auch nicht zu den Büchern, die ich weiterempfehlen würde. 2,5 Sterne von mir :bewertung1von5::bewertung1von5::bewertungHalb:
      Du weißt mehr, als Du weißt!

      Meine Bücher bei Booklooker
    • Das Buch ist in zwei große Handlungsblöcke aufgeteilt. Der erste spielt in Berlin. Wir begegnen Raffael, einem jungen Mann, der morgens aufwacht und feststellt, dass seine Kleidung und seine Hände blutverschmiert sind, außerdem ist sein geliebtes Messer verschwunden – aber er kann sich an nichts erinnern!

      Nach und nach lernen wir Raffael genauer kennen, er arbeitet als Hilfsarbeiter in einem Theater, lebt bei Lilo, einer älteren Frau, zur Untermiete. Raffael trinkt viel und wird unter Alkoholeinfluss immer wieder aggressiv, hat regelrechte Ausraster. Dann jedoch ist er wieder ein freundlicher, hilfsbereiter junger Mann und die einsame Lilo ist glücklich, dass er bei ihr wohnt. Doch nach und nach spitzt sich die Situation immer weiter zu.

      Bereits im Prolog haben wir erfahren, dass Raffaels Zwillingsschwester als Kind ums Leben gekommen ist und er seitdem ein schweres Trauma hat. In Rückblenden kommen mehr und mehr Informationen ans Tageslicht, wie es ihm seit damals ergangen ist.
      Schließlich verlässt er Berlin und macht sich auf in die Toskana, um seine Eltern zu finden, die sich dort ein neues Leben aufgebaut haben. Wie wird die Begegnung zwischen ihnen und ihrem Sohn, von dem sie jahrelang nichts mehr gehört haben, wohl ablaufen?

      Zu Beginn fand ich das Buch extrem spannend und habe insbesondere im Lilo-Teil sehr mitgefiebert und mitgelitten. Einige Szenen gingen mir hier wirklich nahe. Der Italien-Teil hingegen konnte mich dann nicht mehr so ganz überzeugen, hier konnte ich einfach zu viele Handlungen der Figuren nicht so recht verstehen und nachvollziehen.

      Da ich das Buch in einer Leserunde gelesen habe, habe ich mir sicherlich mehr Gedanken darüber gemacht als ich es beim alleine lesen getan hätte. Und gerade in der Diskussion mit anderen Lesern fielen doch so einige Ungereimtheiten auf, die mich im Nachhinein gestört haben. Sicher muss man nicht alles bis ins letzte Detail erklären, ein Buch mit fiktiver Handlung und fiktiven Charakteren muss nicht jede Frage bis zum allerletzten Punkt beantworten, aber an einigen Stellen war es mir dann trotzdem einfach zu unglaubwürdig und unstimmig.

      An einer Stelle hatte ich das Gefühl, dass hauptsächlich aus Show-Effekt eine Thematik eingebracht wurde, die in immer mehr Krimis Erwähnung findet, in diesem Fall aber meiner Lesermeinung nach einfach zu viel und überhaupt nicht notwendig war (mehr möchte ich nicht verraten, aber es hat mich einfach gestört, vor allem, da das Thema in wenigen Zeilen abgehandelt wurde).

      Regelmäßige Leser von Thieslers Büchern werden im Toskana-Teil auf einen guten Bekannten stoßen, Commissario Neri hat hier mal wieder einen Auftritt, inklusive Schwiegermutter. Für die eigentliche Handlung nicht wirklich relevant, aber amüsant und eine kleine Auflockerung der ansonsten ziemlich grausigen Geschichte!

      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:
    • Meine Meinung:

      Der Roman besteht aus drei längeren Teilen, die jeweils den Namen eines der Protagonisten tragen: Lilo, Paolo, Raffael und in kürzere Kapiteln unterteilt sind. Auffallend und interessant fand ich, dass der Gespräch zwischen der Mutter Christine des Hauptcharakters Raffael mit dem Dr. Manfred Corsini, einem vom Gericht bestellten, psychiatrischen Gutachter, wie ein roter Faden sich durch die Handlung zieht: die Geschichte eröffnet, in der Mitte wieder kurz auftaucht, und die Geschichte zu Ende bringt. Ein spannender Einstieg, schnelle Entwicklung, wechselnde Schauplätze, eine Menge an Ereignissen und gut ausgearbeitete Charaktere kennzeichnen diese Geschichte.

      Ganz besonders hat mir gefallen, dass dieser Thriller mich gefühlsmäßig enorm beansprucht hat. Es lief nichts so, wie man sich das wünschen oder vorstellen würde. Die Charaktere handelten völlig anders, als man es erwarten würde und machten genau das Gegenteil dessen, was man sich in einer "heilen und guten" Welt wünschen würde.
      Beim Lesen durchlebte ich die ganze Palette von allen möglichen negativen Emotionen: ich war ärgerlich, wütend, rasend, erstaunt, traurig - ein Wechselbad der Gefühle. Ich kann nur weniger Romancharaktere nennen, die mich so sehr ärgerten und zu Weißglut brachten. Diese, beim Lesen erlebte Emotionalität, in dem Ausmaß, in dem es bei diesem Buch vor kam, war für mich überraschend und hat mir gut gefallen.

      Ich fand den Roman insgesamt unterhaltsam, spannend und gut zu lesen. Der flüssige Erzählstil der Autorin passte gut zu dem Genre.
      Ich hätte es mir vielleicht noch "blutiger" gewünscht, aber nicht jeder Thriller muss vom Blut triefen, dieser hier hat mich mit dem "kranken" Geist des Täters unterhalten. Mir hat es gut gefallen. Von mir :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
      2017: Bücher: 166/Seiten: 66 633
      2016: Bücher: 177/Seiten: 74 766
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      "Das Nicht-Wahrnehmen von etwas beweist nicht dessen Nicht-Existenz"
      Dalai Lama
    • Bei diesem Buch überlege ich schon die ganze Zeit hin und her ob ich es mir zulegen soll oder nicht :lol: . Ich werde es mir wohl auf den Kindle laden und bin schon sehr gespannt darauf.
      Narkose durch Bücher - Das Richtige ist: das intensive Buch.
      Das Buch, dessen Autor dem Leser sofort ein Lasso um den Hals wirft, ihn zerrt, zerrt und nicht mehr losläßt.

      :study: Sarah J. Mass - Throne of Glass / Die Erwählte :study:
    • Inhalt

      Der Thriller setzt ein mit einem Prolog, indem Christine im Jahr 2011 ihrem Therapeuten aus ihrem Leben berichtet: Sie lebte mit ihrem Mann Karl und ihren Zwillingen Svenja und Raffael in einem kleinen Ort in Nordfriesland. Karl war Universitätsprofessor und Christine arbeitete als Lehrerein. Wenn die Kinder mal betreut werden mussten, war immer die Oma da, die im gleichen Ort wohnte. So gesehen lebte die Familie ein Bilderbuchleben und die Kinder haben eine glückliche behütete Kindheit verlebt, bis zu dem Tag, wo ein schreckliches Unglück die Kinder traf. Raffael musste zusehen, wie seine geliebte Schwester starb und konnte dieses traumatische Erlebnis nie verarbeiten.

      Mit dem ersten Kapitel wechselt die Perspektive. Man erfährt wie Raffael als junger Erwachsener in Berlin lebt. Er wohnt zu Untermiete bei einer älteren Dame, Lilo Berthold. Er ist Alkoholiker, führt ein recht unstetes Leben und hält sich dank seines Jobs als Kulissenbauer in einem Theater über Wasser.
      Eines Morgens erwacht er und muss feststellen, dass seine Kleidung voller Blut ist und sein Messer fehlt. Er kann sich an den Vorabend nicht erinnern und versucht, bei Arbeitskollegen seinen Erinnerungen auf die Sprünge zu helfen.

      Gleichzeitig wird eine Zeitungsausträgerin aufgefunden, die niedergestochen worden ist.

      Hat Raffael etwas mit dem Mord zu tun?

      Die Handlung wechselt im späteren Verlauf wiederum den Schauplatz. Aufgrund von Problemen, auf die ich jetzt nicht näher eingehen möchte, verlässt Raffael Berlin und reist in die Toskana, wo seine Eltern inzwischen ein Hotel betreiben. Sie haben noch mal eine Tochter bekommen, die in Raffael Erinnerungen an seine Schwester Svenja wachruft.


      Meine Meinung

      Der unberechenbare Raffael war für mich ein sehr ungewohnter Protagonist. Seine Handlungen sind aufgrund seines immensen Alkoholkonsums oft nicht nachvollziehbar und erscheinen unlogisch. Man hat es in diesem Buch nicht mit einem Psychopathen zu tun, der intelligent und planvoll vorgeht, sondern mit einer tickenden Zeitbombe mit fehlerhafter Uhr, die jederzeit abgehen kann.

      Raffael hat verschiedene Gesichter. Er kann der nette, junge Mann sein, der sich liebevoll und die ältere Lilo kümmert. Von einer Minute auf die andere kann er aber auch wieder sehr bösartig sein, er ist eine total verknorzte Persönlichkeit aufgrund seiner nicht verarbeiteten Traumata und seiner Alkoholsucht. Das hat in mir beim Lesen einiges Unbehagen bereitet, weil die Taten irgendwie auch zufällig und die Opfer beliebig sind.

      Die beiden Schauplätze, Berlin und die Toskana haben mir sehr gut gefallen. Vor allem die Beschreibungen der Landschaft und der Stimmung in der Toskana haben mir sehr zugesagt. Eine wunderbare Figur ist der Carabiniere Neri, der offenbar regelmäßig in Sabine Thieslers Bücher auftritt. Er ist ein liebevoller Familienmensch, der seine Aufgabe bei den Carabinieri mit viel Menschlichkeit angeht.

      Der Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen. Ich bin förmlich an den Seiten geklebt und hatte das Buch innerhalb sehr kurzer Zeit gelesen.

      Schade fand ich, dass einige Erzählstränge aus dem ersten Teil des Buches, nicht weiter geführt worden sind. Die polizeiliche Aufklärungsarbeit wird nur bis zu einem gewissen Punkt ausgeführt und bricht dann ab. Ich hatte vor allem zu Lilo Mitgefühl entwickelt und hätte gerne da noch einen Abschluss gefunden.

      Ich hatte insgesamt etwas Probleme mit dem Buch, weil es im Gegensatz zu den meisten Büchern am Ende nicht Gerechtigkeit herstellt. Wenn ein Mord geschieht, kann das Opfer nicht zurück gebracht werden. Aber durch die Ermittlung und die Verurteilung eines Täters hat man doch das Gefühl, dass die Gerechtigkeit ein Stück weit wieder hergestellt ist. Das ist zwar kein Happy End, aber die Welt ist doch irgendwie wieder in Ordnung. Das ist hier nicht der Fall. Der Täter kommt zu lange davon. Es wird zwar am Ende jemand festgenommen, aber man hat nicht das Gefühl, dass das rechtens ist.


      Mein Fazit

      Dieses Buch erzählt eine Familientragödie zwischen Nordfriesland, Berlin und der Toskana. Ich habe dieses Buch sehr schnell lesen können, habe aber etwas die polizeiliche Aufklärungsarbeit vermisst. Auch hat mir die fast ständig unter Alkoholeinfluss agierende Hauptfigur Raffael Unbehagen bereitet. Ich bevorzuge Thriller, wo ich mitdenken kann und durch Schlussfolgerungen zum Täter finde. Das bedeutet für mich Spannung und die Art von Spannung hat mir hier etwas gefehlt.

      Ich vergebe :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:
      Ich schlief und träumte, das Leben sei Freude. Ich erwachte und sah, das Leben war Pflicht. Ich handelte und siehe, die Pflicht ist Freude!
      Rabindranath Tagore (1861-1941)

      Lha gyal lo - Free Tibet!

      Wir sind grüüüüüün!!!!
    • Ich höre gerade das Hörbuch und die Psyche von Raphael ist schon bemerkenswert.Es kommt jetzt keine Thrillerspannung auf, eher die Psyche , das ganze krasse drum herum hält einen am Ball. Die Sprecherin, aber diese jugendliche Stimme ist doch nicht die Autorin, oder???? ist bemerkenswert, fühle mich sehr gut unterhalten :thumleft: Sie geht richtig mit, sie schreit und schimpft , leicht überzogen aber da kann man gar nicht einschlafen :geek: . Habe heute schon die Hälfte des Hörbuches gehört.
      "Ein gutes Buch ist wie ein erholsamer Kurztrip aus dem Alltag."
      »Verlass das Haus nie ohne ein Buch.« Edward Gorey
      "Zu Hause ist da, wo deine Bücher sind" SILBER - Kerstin Gier
    • Habe sie eben auf ihrer Lesung zu diesem wundervollen Buch erlebt und es mir signiert mitgenommen. Kann es kaum erwarten es zu lesen. Sie hat toll gelesen, man hat wirklich gemerkt, dass sie auch Schauspielerin und synchronsprecherin ist :pray: Das war ein ganz toller Abend!!!

      @ Floxine sie hat auch eine relativ jugendliche Stimme und sie meinte, dass sie ihre Hörbücher selbst eingelesen hat.
      Meine Schmucklesezeichen
      (Ich fertige auch nach Wunsch und nach (Buch-) Themen...)

      SuB 2016: 696 (2015: 657) :uups:
      2016 :study: : 7 Bücher, 3304 Seiten
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