Stefan aus dem Siepen: Das Seil

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    • gaensebluemche schrieb:

      Hab ich da was Bedeutendes überlesen? Was ist denn die Erklärung dafür?
      Das verlassene Dorf habe ich mir am Ende so erklärt:
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      Die Frauen verlassen irgendwann alle ihr Dorf, weil die Männer nicht wiederkommen. Damit ist sozusagen das nächste "Geisterdorf" entstanden. Das verlassene Dorf, das die Männer vorfinden, ist vermutlich genauso entstanden: die Männer folgten dem Seil, und die Frauen mussten irgendwann aufgeben.
    • @ Strandläuferin:

      Ok, so habe ich das auch verstanden. Deswegen dachte ich irgendwann auch, dass
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      die Männer auf das von ihren Frauen verlassene Dorf stoßen würden und praktisch im Kreis gegangen sind. Aber das war dann ja doch nicht so. Obwohl ich immer noch der Meinung bin, dass es kein zweites Seil gibt, sondern das erste Seil sich praktisch selbst kreuzt und dann wieder zurückführt...
      "Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
      Hape Kerkeling

      "Jemanden zu lieben bedeutet, ihn freizulassen. Denn wer liebt, kehrt zurück."
      Bettina Belitz - Scherbenmond
    • Ein Dorf mitten im Wald. Die Bewohner sind fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten, nur der Lehrer kommt ab und zu von außerhalb vorbei. Doch die Menschen sind soweit zufrieden, sie kennen nichts anderes.
      Da findet einer der Dorfbewohner ein Seil. Es ist ein gutes, dickes Seil. Und es lang. Sehr lang.

      Das Seil, das da so plötzlich im Gras liegt, erregt die Neugierde der Dörfler. Sie machen sich auf die Suche um das Ende zu finden, aber vergeblich.
      Deshalb verlassen die Männer das Dorf. Frauen und Kinder bleiben zurück, dazu ein Kranker und ein einzelner Mann, der die Frauen beschützen soll. Auch die Tatsache, das die Ernte bevorsteht, hindert die Männer nicht.

      Zeit und Ort bleiben unbestimmt. Weder wird der genaue Name des Dorfes genannt, noch eine Jahreszahl. Aber für diesen kurze Geschichte ist das auch gar nicht notwendig.
      Die Sprache ist sehr karg. Wörtliche Rede wird nichts besonders gekennzeichnet. Am Anfang fand ich das schon etwas irritierend, aber man gewöhnt sich schnell daran.
      Zwar gibt es mehrere Figuren, aber alle sind eher oberflächlich gezeichnet. Wobei das keine Kritik meinerseits ist, denn zu der Geschichte passte das so perfekt. Es geht mehr um die Menschen als Gruppe, nicht um eine einzelne Person. Und es geht darum, was Menschen in einer Extremsituation unternehmen.

      Überhaupt finde ich es unglaublich, was eine so eigentlich harmlose Sache in den Dorfbewohnern auslöst. Da liegt einfach ein Seil im Gras und langsam aber sicher verändern sich die Männer. Bis sie schließlich Dinge tun, an die sie vorher nie gedacht hätten. Das Seil ist unrealistisch lang und damit irgendwie auch absurd, aber die Männer sind sich durchaus bewusst.

      Das Ende bleibt offen. Eigentlich hatte ich danach noch mehr Fragen als vorher. :wink:
      Aber es hat mich sehr zum Nachdenken angeregt.

      Fazit: Beginnt harmlos, entwickelt aber schnell tiefe Abgründe.
      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
    • Was für eine faszinierende Geschichte :thumleft: Da stößt eine wohlorganisierte, friedliche, mitunter ein wenig schrullige Dorfgemeinschaft auf etwas Ungewöhnliches und plötzlich ändert sich alles. Wichtiges wird unwichtig, alle Pläne werden über den Haufen geworfen und die bestehende Ordnung mal eben auf den Kopf gestellt. Die Männer drehen durch, müssen sich plötzlich beweisen und erliegen einem Anfall von Abenteuerlust. Klar - im gewohnten Alltagstrott, in dem man sich sogar das Nachdenken abgewöhnt hatte, können sie ja nie zeigen, was für ganze Kerle sie sind. Da braucht es nach dem seltsamen Fund, der sowieso alle beschäftigt, nur noch einen kleinen, wohldosierten Schubs in die richtige Richtung und schon wirft Bauchgefühl jede Vernunft über Bord. Und wer muss es am Ende richten? Die Frauen. Während die Männer durch den Wald turnen, müssen sie dafür sorgen, dass das Leben weitergeht. Ist also wie im richtigen Leben :wink:
      Das mag jetzt alles ein bisschen salopp formuliert sein. Aber das ist es, was ich beim Lesen empfunden habe. Abgesehen vom Erstaunen über die menschlichen Abgründen und die Erkenntnis, wie leicht sich viele doch manipulieren lassen.
      Der Schluss war für mich ein wenig unbefriedigend, aber letztendlich doch stimmig. Und bei der Szene mit dem Geisterdorf hatte ich zuerst den gleichen Gedanken wie gaensebluemche
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      dass die Männer irgendwie in der Zeit hängen geblieben sind und dann ihr eigenens Dorf geplündert haben. Aber das hätten sie eigentlich erkennen sollen.
      Genial fand ich hier die wortwörtliche Wiederholung in der Beschreibung - das fand ich schon gruslig...

      Der Stoff wäre eines Stephen King nicht unwürdig, aber der hätte bestimmt viel mehr Seiten damit gefüllt :wink: Und das ist auch ein bisschen mein einziger Kritikpunkt: manche Dinge hätten sich gern etwas ausführlicher entwickeln dürfen. Aber für die wenigen Seiten klingt das Buch erstaunlich lange nach, gibt Stoff zum Nachdenken und wird somit von mir auf jeden Fall weiterempfohlen.
      Gelesen in 2017: 62 - Gehört in 2017: 28 - SUB: 345

      "Wie das Schwert den Wetzstein braucht ein Verstand Bücher, um seine Schärfe zu behalten." (Tyrion Lennister)
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