Jonas Winner - Davids letzter Film

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    Davids letzter Film

    von

    3.3|5)

    Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

    Bindung: Taschenbuch

    Seitenzahl: 352


    ISBN: 9783423212601


    Termin: Januar 2011

    • Jonas Winner - Davids letzter Film

      Journalist Florian Baumgartner soll den bekannten und umstrittenen Filmemacher David Mosbach porträtieren und dafür seine Kontakte zum einstigen Jugendfreund nutzen. Als Florian im winterkalten Berlin eintrifft, muss er feststellen, dass David seit Tagen spurlos verschwunden ist. Mehr von Sorge um den bewunderten Freund als von journalistischem Eifer getrieben, stürzt sich Florian in seine Recherchen, und ihn überkommt das blanke Entsetzen: Mosbach hat in seinen Filmen nicht nur die Grenzen des Geschmacks, er hat auch die Grenzen der Menschlichkeit überschritten. Kein Wunder, dass die Polizei bereits gegen ihn ermittelt. Und zwar wegen Mordes.

      Psychothriller gehören zur Zeit zu meinen bevorzugtem Genre. Dementsprechend waren meine Erwartungen an dieses Werk sehr hoch. „Ein Buch wie ein Film von David Lynch“, „purer Nervenkitzel“ und „Nichts für schwache Nerven“ - ich war gespannt.

      Florian Baumgartner hält sich als freier Journalist mit mickrigen Aufträgen in Spanien über Wasser. Als er den Auftrag erhält in Deutschland über den bekannten Regisseur David Mosbach und dessen geheimnisvollen neuen Film einen Artikel zu schreiben, hat er anfänglich Bedenken. David und er waren über viele Jahre seit der Kindheit befreundet und haben sich erst vor wenigen Jahren auseinander gelebt. Ausschlaggebend für seine Zusage ist das Verschwinden seines Freundes. In Berlin angekommen macht sich Florian gleich an die Recherche zum neuen Film und zeitgleich auf die Suche nach David. Dabei lernt Florian die andere Seite von David kennen. Seine umstrittenen Filmprojekte sind alles andere als harmlos. Für Geld dreht er alles, was perverse Menschen sehen möchten und schreckt sogar nicht davor zurück einen Menschen vor laufender Kamera umzubringen.

      Der Autor, Jonas Winner, schafft es den Leser innerhalb der ersten 20 Seiten komplett zu fesseln. Er fängt den Leser auf einem psychologischen Niveau ein, dass nichts für schwache Nerven ist. Detailliert beschreibt er brutale eine brutale, schockierende Szene nach der anderen. Dadurch schafft er einen kontinuierlichen Spannungsaufbau bis zur letzten Seite.

      Authentisch und lebendig wurde mir nebenbei die Welt des Filmemachens näher gebracht. Selbst als kompletter Laie wird man die verwendeten Techniken und innovativen Ideen nachvollziehen können. Anfängliche Bedenken, dass es mit der Zeit langweilig werden könnte, wenn man sich für dieses Gebiet nicht interessiert, wurden durch die schockierende und packende Handlung schnell in den Wind geschlagen. Als Leser wollte ich nur noch wissen, was hinter dem Verschwinden von David steckt und ob es Florian gelingt ihn lebendig zu finden. Über 200 Seiten baute sich dieser Wunsch auf und wurde dann durch eine mehr als überraschende Wendung über den Haufen geworfen. Allerdings ist diese Wendung brillant und wird den Leser nicht enttäuschen, sondern noch mehr anziehen. Die Zusammenhänge sind wie einzelne Puzzle-Teile und setzen sich ab diesem Punkt nach und nach für Florian, aber auch den Leser zusammen. Dabei achtet der Autor, dass er keine Frage offen lässt und jede Handlung logisch vermittelt werden kann. Damit ihm dies gelingt setzt er auf neue schockierende, brutale und grausame Details, die mir sofort das gewünschte Bild suggestiert haben, welches Jonas Winner erreichen wollte. Es berührt, schockiert und ließ mir die Worte fehlen. Damit ist jedoch das Buch dieses einmaligen Autors nicht beendet, denn der Schluss lässt den Leser noch einmal das Blut in den Adern gefrieren. Der Grund dafür liegt nicht an einer gewissen Brutalität, sondern an der Bestürzung des Lesers. Mit diesem Schluss habe ich an keiner Stelle des Buches gerechnet und lässt den Beruf Regisseur in einem ganz anderen Blickwinkel betrachten.

      Auf Grund mancher Handlungen finde ich das Buch nicht unbedingt für Leser unter 16 Jahren geeignet. Wer also schwache Nerven hat und nicht auf eine außergewöhnliche Weise geschickt werden will, sollte die Finger von diesem Buch lassen. Ansonsten kann ich das Buch jedem empfehlen.
    • Ich habe das Buch heute ausgelesen, und mal wieder eine ganz andere Meinung. Erstmal:

      cyqueeny schrieb:

      Der Autor, Jonas Winner, schafft es den Leser innerhalb der ersten 20 Seiten komplett zu fesseln. Er fängt den Leser auf einem psychologischen Niveau ein, dass nichts für schwache Nerven ist. Detailliert beschreibt er brutale eine brutale, schockierende Szene nach der anderen.
      Soweit kann ich noch zustimmen, die Geschichte fängt wirklich sehr spannend an, und ich dachte noch: Wow, endlich mal wieder ein guter Thriller aber dann:

      cyqueeny schrieb:

      Dadurch schafft er einen kontinuierlichen Spannungsaufbau bis zur letzten Seite.
      Und hier bin ich anderer Meinung, beim letzten Drittel wollte ich nur noch fertig werden. Meine Kritikpunkte:

      1. Der Protagonist, Florian Baumgartner, war mir reichlich unsympathisch. Ein weinerlicher Jammerlappen, der sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, und schon immer im Schatten seines Freundes David stand.

      2. Die Dialoge. Beispiel: "Was Du sagst, was Du versuchst - das ist nichts als trostloser Wirrwarr voller Kummer und Entsetzen." Wer redet denn so? Na, ich jedenfalls nicht.

      3. Dazu kommt, dass Flo, immer wenn er kurz davor ist, etwas Entscheidendes über seinen verschwundenen Freund zu erfahren, z.B. vom ermittelnden Polizeibbeamten, plötzlich "einfach nur noch weg will". Also erfährt er erstmal nichts, und der Leser natürlich auch nicht. Das hält aber nicht die Spannung hoch, sondern es nervt - mich zumindest!

      4. Und am Wichtigsten: Der Schlusstwist ergibt einfach keinen Sinn. Entweder ich habe etwas Entscheidendes in den verworrenen Gedankengängen der Protagonisten überlesen, oder hier fehlt einfach etwas. Ich verstehe Davids Intention mit dem Film, auch die Durchführung, aber ich weiß nicht, was das Ganze sollte. Was hat er letzendlich davon?

      Ich vergebe mal :bewertung1von5: :bewertung1von5: , einen für die gute Grundidee, und einen für Davids Filmprojekte. Hier hat sich der Autor wirklich Gedanken gemacht, es sind ein paar tolle Einfälle dabei und man kann durchaus Parallelen zu Lynch-Filmen erkennen.
      Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben.
      Jimi Hendrix
    • Sugar schrieb:

      1. Der Protagonist, Florian Baumgartner, war mir reichlich unsympathisch. Ein weinerlicher Jammerlappen, der sein Leben nicht auf die Reihe bekommt, und schon immer im Schatten seines Freundes David stand.
      Das stimmt, unbedingt ein Sympathieträger ist Florian nicht. Trotzdem denke ich, dass Jonas Winner genau das beabsichtigt hat, denn wenn man das Ende kennt, ist doch gerade dieser Aspekt unglaublich passend.

      Sugar schrieb:

      4. Und am Wichtigsten: Der Schlusstwist ergibt einfach keinen Sinn. Entweder ich habe etwas Entscheidendes in den verworrenen Gedankengängen der Protagonisten überlesen, oder hier fehlt einfach etwas. Ich verstehe Davids Intention mit dem Film, auch die Durchführung, aber ich weiß nicht, was das Ganze sollte. Was hat er letzendlich davon?
      Spoiler anzeigen
      David wollte mit seinen Filmen die Welt verändern. So sehr, dass er dafür sogar seinen Tod in Kauf nahm. Er wollte die gängigen Regeln in Bezug auf Moral umdrehen und zeigen, dass es "die eine Moral" nicht gibt, sondern dies aus jeder Sichtweise anders wahrgenommen wird. Zudem ging es ja auch immer wieder um die Erschaffung einer Scheinwelt und genau diese hat David für Florian bereitgelegt mit seinen Vorbereitungen auf dessen Reise nach Berlin. Und die Scheinwelt rund um den Streit, und dass er angeblich im Recht ist, hatte sich Florian ja die ganzen Jahre über auch selbst aufgebaut bis David diese zusammenstürzen ließ und ihm eine andere Sichtweise aufgezeigt hat.

      Sugar schrieb:

      und man kann durchaus Parallelen zu Lynch-Filmen erkennen.
      Finde ich auch. Es erreicht zwar nie die Intensität und Komplexität, aber es waren einige Aspekte, die mich an Lynch-Filme erinnert haben. Vor allem die Art, wie David ans Filmemachen herantritt und versucht, aus den gängigen Schemata auszubrechen. Ich denke, die beiden würden sich gut verstehen. :wink:

      Ansonsten schließe ich mich cyqueenys Rezension in allen Punkten an. Vor allem die Beschreibungen übers Filmemachen haben mich begeistert und die Abschweifungen über die Abgründe von Snuff-Filmen fand ich auch ganz große Klasse. Die Story war ein ganz toller Einfall wie er mir bisher noch nicht untergekommen ist und mich hat das Buch "zu späterer Seite" noch besser gefesselt als am Anfang. Das Ende fand ich ebenfalls klasse und nachbetrachtend wird "Davids letzter Film" wie ein stimmiges Ganzes ohne Logiklücken.

      Dieser außergewöhnliche Psychotrip ist mir :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: wert, Tendenz nach oben. :thumleft: Ich hoffe, von David Winner gibt es bald noch weitere Bücher.
      :study: Seth - Clyde Fans
      :study: 2017 gelesen: 25 :study: SUB: 293
    • Kapo schrieb:

      Dieser außergewöhnliche Psychotrip ist mir :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: wert, Tendenz nach oben. :thumleft: Ich hoffe, von David Winner gibt es bald noch weitere Bücher.


      Ich vermute, du meintest Jonas Winner? Oder war der Schnitzer im Namen bewusst gemacht?

      Ich lese das Buch gerade und finde es recht spannend. Besonders schoen fand ich, dass es teilweise in Potsdam spielt - meiner Heimatstadt. Bewusst habe ich versucht, mich nicht zu spoilern, obwohl mir das sonst nichts ausmacht. Ich habe die Haelfte durch und werde wohl bis zum Ende der Woche fertig sein. Dann fuege ich meine Meinung hinzu.
      Ist es eigentlich Non-Canon, dass Non-Canon nicht Canon ist, weil Canon nicht in Non-Canon Büchern sein darf, oder ist das Canon....?

      Ich :study: gerade ...

      Lese Challenge 2017: 5 von 24 (25%) :P
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