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Albert Camus - Der Fremde/L' étranger

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    Der Fremde

    von

    4.2|31)

    Bindung: E-Book Download

    Seitenzahl: 152


    eISBN: 9783644026216


    Termin: Februar 2013

    • Albert Camus - Der Fremde/L' étranger

      Albert Camus - Der Fremde

      Inhalt:

      "Ich begriff, daß ich das Gleichgewicht des Tages, das ungewöhnliche Schweigen eines Strandes zerstört hatte, an dem ich glücklich gewesen war. Dann schoß ich noch viermal auf einen leblosen Körper, in den die Kugeln eindrangen, ohne daß man es sah. Und es waren gleichsam vier kurze Schläge an das Tor des Unheils."

      Dies ist eindeutig das wichtigste Ereignis des Buches, allerdings ist die wichtigste Intention des Buches einen Menschen vorzustellen, der gleichgültiger nicht sein könnte....

      Die Geschichte eines jungen Franzosen in Algerien, den ein lächerlicher Zufall zum Mörder macht, wurde 1942 im besetzten Frankreich zu einer literarischen Sensation und bedeutete den schriftstellerischen Durchbruch für Albert Camus.

      Aufbau und Handlung:

      Die Geschichte ist in Form eines Ich-Erzählers geschrieben und ähnelt ein bisschen einem Tagebuch. Das Buch ist in zwei Abschnitte eingeteilt, die Tage vor dem Mord und die Tage bzw Monate danach. Inhaltlich allerdings gibt es wohl eher 3 prägende Ereignisse. Der Tod der Mutter, der Mord an einem Albanen und die Verurteilung der Hauptfigur.
      Der Erzählstil ist eher beschreibend und besteht meist aus kurzen Sätzen, wodurch die Gleichgültigkeit der Hauptperson Meursault sehr unterstrichen wird.
      Es geht um den Büroangestellten Meursault, der eigentlich sehr zufrieden mit seinem Leben ist. Auch der Tod der eigenen Mutter beeinträchtigt das gar nicht. Er lernt danach eine Frau und einen neuen Freund kennen. Bis dahin ist die Geschichte eher etwas plätschernd, aber nicht langweilig da man von Anfang an in die Gleichgültigkeit der Hauptperson "eingeführt" wird. Durch einen Zufall wird Meursault zu einem Mörder und kommt ins Gefängnis, wo er dann verurteilt wird.

      Meine Meinung:

      Ich fand das Buch sehr interessant. Camus wollte das Buch erst "Der Gleichgültige" nennen, so heißt es. Und das träfe auch vollkommen zu. Ab und zu, während dem Lesen habe ich mir gedacht "Mensch, nun sag oder tu doch irgendwas." Camus beschreibt hier einen Menschen der gleichgültiger nicht sein kann. Ein Horrorszenario. Meursault ist fast alles egal. Diese Einstellung kommt gegen Ende des Buches am besten heraus, wo es um Leben oder Tod für Meursault geht. Es kommt einem vor, Meursault hat keinerlei Gefühle, und das hat der Autor meiner Meinung nach gut rübergebracht. Meursault lässt eigentlich alles mit sich geschehen und wirkt gewissenlos.
      Ich fand das Buch war vom Schreibstil her sehr einfach zu lesen, und man hat es auch schnell durchgelesen.
      Mir hat das Buch sehr gut gefallen, da die Intention des Autor, wie ich finde, sehr klar gemacht wird. Und obwohl der Ich-Erzähler Meursault alles ziemlich gleichgültig erzählt fand ich es sogar spannend.Ich würde dem Buch (wenn ich denn schon bewerten dürfte :cry: ) :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: Sterne geben :wink:
      :study: Sonia Marmen - Schild und Harfe :study:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von AliceDreamworld ()

    • Ich habe lange gebraucht, um das Buch zu beenden - für die 143 Seiten habe ich wirklich ewig gebraucht, weil ich immer nur mal ein paar Seiten gelesen habe und nicht jeden Tag. Ich wollte das einfach nicht als Hauptlektüre lesen.

      Trotzdem hat mich das Buch immer wieder gepackt. Es ist vor allem die Atmosphäre, die mich am Ball hat bleiben lassen. Jetzt am Ende muss ich aber sagen: ich verstehe das Buch nicht. Ich verstehe Merseault nicht. Er scheint so nüchtern und kalt zu sein, dann wieder will er weinen, als er die Abneigung gegen ihn im Gerichtssaal spürt, will er seinen Kumpel küssen, als der ihn dort so traurig ansieht, weil ihm nichts hilfreiches zu Merseaults Verteidigung einfällt. Was ich an ihm zu schätzen weiß, ist, dass er eben nicht, wie jeder andere, dem der Anstaltsgeistliche in seiner Lage begegnet ist, zu Gott finden will, "nur" weil ihn die Hinrichtung erwartet. In dieser Hinsicht ist er sehr ehrlich und konsequent. Denn: dass ihm auch diese Hinrichtung egal wäre, kann man nicht sagen, er kämpft die ganze Zeit mit seiner Angst davor.

      Das sind also ein paar Gedanken zum Buch, aber wie gesagt: ich verstehe es nicht, habe ich das Gefühl. Seinem Ausbruch am Ende dem Geistlichen gegenüber konnte ich nicht folgen. Was ist denn diese "Weltanschauung" oder "Message", die Camus hier an den Mann bringen möchte?
    • Auch wenn das Buch "leicht" zu lesen ist, so ist es doch schwere Lektüre.
      Es ist nicht die Handlung, welche den Inhalt bestimmt, sondern die Philosphie, die hier vertreten wird.
      Ich empfehle, begleitend mal bei Sartre und anderen Existentialisten reinzulesen.
      Das Bewusstsein, in eine Welt geworfen zu sein, in der es keine Erlösung gibt, in der mensch eben nur sein Leben leben kann und sonst nichts, findet sich in vielen französischen Büchern aus dieser Zeit.
      Ich mag diese Periode und Camus.
      Neue Lektüre:
      John Norman : Die Nomaden (Gor-Reihe, Bd 4 )
      Wo man liest, da lass dich ruhig nieder,
      böse Menschen lesen keine Bücher
    • Hans im Schnok schrieb:


      Auch wenn das Buch "leicht" zu lesen ist, so ist es doch schwere Lektüre.
      Es ist nicht die Handlung, welche den Inhalt bestimmt, sondern die Philosphie, die hier vertreten wird.
      Ich empfehle, begleitend mal bei Sartre und anderen Existentialisten reinzulesen.

      Da würde ich jetzt doch noch etwas anfügen wollen. Hab das Buch zusammen mit "dem Mythos des Sisyphos" gelesen und dadurch einen ganz anderen Zugang zu der "Fremde" bekommen. Es ist mir bis heut nich au dem Kopf gegangen, es ist als ganzes betrachtet einfach etwas ganz großes.

      Lieber gruß jannis
    • Ein verstörender Roman!

      Ich bin ja an den Roman heran gegangen, wie die Jungfrau zum Kind – und empfand direkt den Stil sehr seltsam! Der Sohn, Meursault, fährt zur Beerdigung seiner Mutter und ist ziemlich regungslos. Nicht dass er willenslos, gesteuert ist, nein, das ist es nicht, er weiß schon ganz genau, was er will. Aber er kann mit Empfindungen, ob sie nun von außen an ihn heran getragen werden, oder seinen eigenen, überhaupt nichts anfangen. Irgendwie schien mir diese Figur autistisch, nicht dumm aber emotionslos.

      >>Ich hätte gerne versucht, ihm herzlich, sogar liebevoll zu erklären, dass ich nie irgendetwas wirklich hatte bereuen können.<<

      Im zweiten Teil habe ich dann einige Parallelen zu „Stiller“ von Max Frisch gefunden. Auch hier dichtet der Staatsanwalt sowie viele andere Figuren dem Angeklagten, Meursault, etwas an, was sich ja so gar nicht verhält, nämlich brutal und hinterhältig zu sein. Auch dieser Protagonist kann sich der Überzahl nicht wehren, denn er ist in sich selber gefangen und nach außen hin scheint er teilnahmslos, so dass man ihn letztendlich verurteilt.

      >>Von dem Tag an, an dem ich ihren Brief bekommen habe, […] von diesem Tag an habe ich gefühlt, dass ich in meiner Zelle zu Hause war, und dass mein Leben hier aufhörte.<<

      Camus entwirft hier ein ziemlich absurdes Geflecht der Justiz, welche nicht im Zweifel für den Angeklagten handelt, nein, er wird gnadenlos überrannt. Selbst sein Atheismus macht ihn zum brutalen Mörder.

      >>Ich begriff, dass ich das Gleichgewicht des Tages, das ungewöhnliche Schweigen des Strandes zerstört hatte, an dem ich glücklich gewesen war. Dann schoss ich noch viermal auf einen leblosen Körper, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es sah. Und es waren gleichsam vier kurze Schläge an das Tor des Unheils.<<

      Mich hat dieses Buch genauso fassungslos zurück gelassen, wie derzeit „Stiller“, nur dass Max Frisch um einiges interessanter zu lesen ist.
      Liebe Grüße Euer Krümel

      Gedankenwelten
    • Die obigen Beiträge zeigen ja, wie verschieden und verstörend die Reaktionen auf diesen Roman sein können. Es handelt sich dabei aber tatsächlich um einen der wichtigsten Romane jener Epoche, und eben des Nobelpreisträgers Camus. Dieser war selber in Algerien groß geworden. Auch in Algerien schaut man wohl mit ein wenig Stolz auf ihn, doch sind die Gefühle sehr gemischt: warum hat denn jener getötete Araber noch nicht einmal einen Namen?

      In diesem Jahr kam es in Frankreich zu einer sehr interessanten Neuerscheinung, die doch hoffentlich auch bald ihre Wege in eine deutsche Übersetzung finden wird. Es handelt sich um "Meursault, contre-enquête" von Kamel Daoud. Es stand ganz obenauf als Anwärter auf den diesjährigen Goncourt-Preis. Und hätte ihn vielleicht auch kriegen sollen? Aus dem Klappentext:

      "Cet homme qui soliloque dans un bar, nuit après nuit, c est le frère de l Arabe tué par un certain Meursault dans un célèbre roman du XXe siècle. Soixante-dix ans après les faits, rage et frustration inentamées, le vieillard rend un nom au mort et donne chair à cette figure niée de la littérature : l Arabe."

      Jener Mann, der da in einer Bar Nacht für Nacht Selbstgespräche führt ist der Bruder des Arabers, der von einem gewissen Meursault in einem berühmten Roman des XX.Jahrunderts getötete worden ist. 70 Jahre nach den Ereignissen, nach Wut und zehrendem Frust gibt dieser Greis dem Toten Gestalt und Namen, was ihm, dem Araber, in der Litteratur verweigert worden war...
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      (Un-)Gelesenes: buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#shelfce
    • Vor etlichen Jahren habe ich eine sehr interessante Biografie über Camus von Iris Radisch gelesen, und war damals ganz fasziniert davon, wie sie das Licht in Algerien beschreibt. Die enorme Hitze und gleißende Helligkeit habe ich in diesem Roman wiedergefunden, in einfachen Worten beschrieben, und doch von einer Intensität, wie sie nur den ganz Großen ihres Fachs gelingen wird.
      In oben erwähnter Biografie führt die Autorin Camus' schnörkellosen, um nicht zu sagen kargen Stil auf seine Mutter zurück, die als autistische Analphabetin zur sprachlichen Entwicklung des Sohnes kaum etwas beizutragen vermochte.
      Die Beschreibung Meursaults, seine emotionale Gleichgültigkeit, seine generelle Interessenlosigkeit oder sein Verhältnis zu seiner Geliebten (und die große Anzahl früherer Freundinnen) haben mich immer wieder an Camus' eigene Biografie erinnert. Vor allem im ersten Teil des Romans stellt er diese Charakterzüge gekonnt in den Mittelpunkt, führt den Lesern die Sinnlosigkeit des Daseins am Beispiel seines Protagonisten vor Augen, dessen grundlegende Lebenshaltung von Langeweile dominiert zu sein scheint. Und doch ist Meursault mit diesem Leben nicht unzufrieden, das er, wie im Gefängnis nach der Verurteilung erkennbar wird, bis in die tiefsten Tiefen des Leidens bejaht. Meiner Meinung nach hätte Camus dieses Leiden am sinnlosen Leben - und dessen bedingungsloses Annehmen (die Grundgedanken seiner Philosophie) nicht besser darstellen können als am Schicksal seines Protagonisten.
      Dass ihm dies bereits mit dem ersten Roman im Alter von 29 Jahren gelungen war, zeugt vom Genie eines großen Schriftstellers, dessen unruhiges Leben in krassem Gegensatz zur Tiefe seiner philosophischen Gedanken steht.
      Liebe Grüße von Sylli :study:
      "Bücher lesen heißt wandern gehen in ferne Welten, aus den Stuben über die Sterne." (Jean Paul)
    • Danke, Sylli!

      tom leo schrieb:

      In diesem Jahr kam es in Frankreich zu einer sehr interessanten Neuerscheinung, die doch hoffentlich auch bald ihre Wege in eine deutsche Übersetzung finden wird. Es handelt sich um "Meursault, contre-enquête" von Kamel Daoud. Es stand ganz obenauf als Anwärter auf den diesjährigen Goncourt-Preis. Und hätte ihn vielleicht auch kriegen sollen? Aus dem Klappentext:

      "Cet homme qui soliloque dans un bar, nuit après nuit, c est le frère de l Arabe tué par un certain Meursault dans un célèbre roman du XXe siècle. Soixante-dix ans après les faits, rage et frustration inentamées, le vieillard rend un nom au mort et donne chair à cette figure niée de la littérature : l Arabe."

      Jener Mann, der da in einer Bar Nacht für Nacht Selbstgespräche führt ist der Bruder des Arabers, der von einem gewissen Meursault in einem berühmten Roman des XX.Jahrunderts getötete worden ist. 70 Jahre nach den Ereignissen, nach Wut und zehrendem Frust gibt dieser Greis dem Toten Gestalt und Namen, was ihm, dem Araber, in der Litteratur verweigert worden war...
      Yep, inzwischen ja auf Deutsch erschienen, und wird somit hier mal als Info nachgereicht! Ein ausgezeichnetes Buch und im Dialog mit Camus...
      Marie-Hélène Lafon - Nos vies
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      (Un-)Gelesenes: buechertreff.de/user/2161-tom-leo/#shelfce
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