Umberto Eco - Die Geschichte der Hässlichkeit


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    Die Geschichte der Hässlichkeit

    von

    4.8|5)

    Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag

    Bindung: Taschenbuch


    ISBN: 9783423346122


    Termin: Dezember 2010

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    • Umberto Eco - Die Geschichte der Hässlichkeit

      Klappentext:
      Was schön ist, glauben wir zu wissen. Aber was ist hässlich? Umberto Eco zeigt in einem reich illustrierten Buch, dass Hässlichkeit nicht einfach nur im Fehlen von Schönheit besteht. Die Schönheit war immer das Reizvolle - aber die Hässlichkeit in all ihren Formen ist das eigentlich Faszinierende, Geheimnisvolle, Anziehende. Der Begriff des Hässlichen hat sich mit den Zeiten und Kulturen ebenso gewandelt wie der Begriff des Schönen, und die großen Werke der Kunst dokumentieren diesen Wandel ebenso eindrucksvoll wie die Dinge der Alltagskultur.
      In seiner erfolgreichen Geschichte der Schönheit hat Umberto Eco gezeigt, was Menschen über die Jahrhunderte als schön empfunden haben. Nun zeigt er uns die Kehrseite - und der Leser und Betrachter erkennt, dass es etwas gibt, was noch interessanter ist als das Schöne: das Hässliche.


      Voltaire: "Fragt eine Kröte, was Schönheit ist, dann wird sie antworten, das sei das Weibchen mit den schönen runden Augen, die aus dem kleinen Kopf hervorstehen, dem breiten, platten Maul, dem gelben Bauch und dem braunen Rücken. ..."

      Schon immer haben sich Menschen mit dem Wesen der Schönheit beschäftigt; es wurden Definitionen aufgestellt von Künstlern, von Philosophen, doch das Hässliche galt nur als Gegenstück des Schönen und war weniger einer eigenen Betrachtung wert. Nach Die Geschichte der Schönheit hat Eco sich der kleinen Schwester der Schönheit, der Hässlichkeit, angenommen. In fünfzehn Kapiteln auf 439 Seiten behandelt Eco Themen wie "Die hässliche Frau von der Antike bis zum Barock", "Hexerei, Satanismus und Sadismus", "Die Befreiung des Hässlichen in der Romantik" oder "Der Kitsch", zitiert Dichter (u.a. Kafka, Poe, Dostojewski, Doyle) Philosophen (Schopenhauer, Schlegel, Aristoteles, u.a.), belegt Zitate und Texte mit einem umfangreichen Anhang. Mindestens 350 farbige Abbildungen von antiken Vasen über Renaissance-Gemälde bis zum zeitgenössischen Comic oder Filmfoto machen das Buch zu einem oppulenten Bilderbuch, das man immer wieder ansehen kann.

      Mit den Bilder lässt sich am besten darstellen, worin in einzelnen geschichtlichen Epochen der Begriff der Hässlichkeit verankert war und wie er sich konkret ausdrückte. Die Ansicht der Antike und des mittelalterlichen Christentums, "hässlich" gleichzusetzen mit "böse" oder "schlecht", brach die Romantik auf und stellte das Hässliche als Gegenentwurf zur Perfektion des Schönen hin.
      Das Gefühl für das, was hässlich ist, ist der Geschichte und ihrer Entwicklung unterworfen: z.B. die Bilder von "Höllenbrueghel" Pieter mit ihren Höllenqualenund folternden Teufeln: Jagen sie uns heute noch den Schrecken ein, den sie für die Menschen des 16. Jahrhunderts hatten? Wir betrachten sie doch eher mit anachronistischem Vergnügen. - Dieses These hat sich mir beim ersten Durchblättern bestätigt: Während ich Bilder und Gemälde vergangener Jahrhundert mit Interesse, aber emotionaler Distanz betrachten konnte, liefen mir bei einigen Abbildungen, die aus unserer Zeit stammen, leichte Grusel- bis schwerere Ekelschauer über den Rücken.
      Andererseits überdauern manche Schrecken die Jahrhunderte, z.B. medusa. Warum dies so ist und wo warum für welche Epoche der Punkt ist, etwas als hässlich zu bezeichnen, erklärt Eco eingängig und trotz seines wissenschaftlichen Anspruchs leicht verständlich.

      Ein wunderbares Buch, mit 39,90 € nicht gerade billig, aber jeden Cent wert. Jetzt warte ich auf eine barmherzige Seele, die mir "Die Geschichte der Schönheit" schenkt. Das gibts zwar als Taschenbuch, aber allein für die Qualität der Farbtafeln lohnt sich die HC-Ausgabe.

      Marie
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)
    • Danke, Marie, für diese schöne Rezi. Beide Bücher stehen schon seit längerem auf meinem Wunschzettel, den Preis fand ich allerdings auch recht heftig. Vielleicht sollte ich mal ein wenig mit dem Zaunpfahl winken, es könnte sich ja doch mal jemand erbarmen, der sich eh immer schwer bei der Geschenkeauswahl tut. :-,
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      Fliegen kannst du nur gegen den Wind.
    • @ Karthause, Du musst ja nicht mehr soo lange winken. :winken:

      Ich hatte das Buch in der Buchhandlung gesehen, und es war eines der berühmten Liebe-auf-den-ersten-Blick-Bücher. Ich MUSSTE es besitzen, und wenn ich nicht 14 Tage später Geburtstag gehabt hätte, so hätte ich wahrscheinlich Mann und Kinder eine Zeitlang auf Wasser und Brot gesetzt, um es mir zu kaufen. :-x SO ein Buch ist das.

      Marie
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)
    • Fragt eine Kröte, was Schönheit ist, das wahrhaft Schöne, das to kalón. Dann wird sie antworten, das sei das Weibchen mit den schönen runden Augen, die aus dem kleinen Kopf hervorstehen, dem breiten, platten Maul, dem gelben Bauch und dem braunen Rücken. … Fragt den Teufel: Er wird euch sagen, das Schöne sind zwei Hörner, vier Pfoten mit Krallen und ein Schwanz.“ (Voltaire)

      Was ist schön und was empfinden wir als hässlich? Ist Hässlichkeit einfach nur die Umkehrung der Schönheit oder lediglich deren Abwesenheit? In seinem Buch widmet Eco sich diesen Fragen. Dabei thematisiert er unter anderem das Hässliche in der Antike, Apokalypse, Tod, Hölle und Teufel, die hässliche Frau, Hexerei und Satanismus, die Hässlichkeit der Industrie, Dekadenz und Kitsch. Anders als für die Schönheit gibt es für die das Hässliche keine klare Definition oder Regel. Auch Eco definiert sie nicht, er betrachtet sie aus kulturgeschichtlicher Sicht und zeigt dem Leser und Betrachter die unterschiedlichen Sichtweisen in den einzelnen Epochen. Denn eines ist die Hässlichkeit auf jeden Fall, sie ist in Abhängigkeit zu ihrer Zeit zu sehen. Um dies zu belegen, bedient sich der Autor einer Vielzahl von Zitaten von Zeitzeugen und Dokumenten. Er bezieht sich immer wieder auf die „Ästhetik des Häßlichen“ von Karl Rosenkranz, vergleicht und diskutiert dessen Thesen. Besonders wird dieses Buch jedoch erst durch die Auswahl des Bildmaterials. Deshalb ist „Die Geschichte der Häßlichkeit“ neben seinen interessanten Texten auch (oder vor allem) ein sehr schöner Bildband, der eindrucksvoll die Fülle an Hässlichem, Ordinärem, Missgestaltetem und Unförmigem wiedergibt, aber trotzdem kein Gruselkabinett ist und nur durch eine aufwändigere Gestaltung, wie z. B. aufklappbare Seiten für große Abbildungen, aufgewertet werden könnte. Aber auch so ist das Äußere von Eco’s Werk alles andere als hässlich. Es ist ein Schmuckstück in dem gutes Papier auf Fadenheftung trifft.
      Ich habe dieses Buch am Stück gelesen. Nicht als Zweitbuch oder häppchenweise. Es war eine hervorragende und lehrreiche Lektüre. Nun wandert es zurück ins Regal, aber ich bin mir sicher, es noch häufig in die Hand zu nehmen, um einzelne Abschnitte erneut auf mich wirken zu lassen und zu vertiefen.
      „Die Geschichte der Häßlichkeit“ ist trotz des nicht unerheblichen Preises jeden Cent wert. Es ist ein Buch zum Lesen, zum Genießen, zum Vor- und zum Zurückblättern, zum Nachdenken, zum längeren Betrachten und
      Verweilen bei einzelnen Seiten. Es ist ein Buch, das man ein Leben lang hat, um immer wieder reinzuschauen, um Neues zu entdecken und Bekanntes aufzufrischen. Bereits 3 Jahre vor diesem Band erschien „Die Geschichte der Schönheit“, ich freue mich jetzt schon darauf, es zu lesen.
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    • Karthause schrieb:

      irgendwie hatte mich die Hässlichkeit gleich im Griff

      So gings mir auch. Ich hatte das Buch damals nach den Bildern ausgesucht und fand die Hässlichkeit faszinierender als die Schönheit, auch wenn mich Ecos Ausführungen zum Thema Schönheit nach wie vor interessieren, sein ungemein breites Wissen und die unterhaltsame Art, wie er es an den Leser bringt.
      Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten. (Oscar Wilde)
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