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Jakob Michael Reinhold Lenz - Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung

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    Der Hofmeister

    von

    3.3|7)

    Bindung: E-Book Download

    Seitenzahl: 84


    ASIN: B004SIYETI


    Termin: März 2011

    • Jakob Michael Reinhold Lenz - Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung

      Goethe, der einige Zeit für den Verfasser des anonym erschienenen und sofort Furore machenden Dramas Der Hofmeister gehalten wurde, schrieb an E. Th. Langer: »Gebt auf ein Lustspiel acht, das die Ostermesse herauskommen wird: Der Hofmeister oder die Vorteile der Privaterziehung. Ihr hört am Titel, daß es nicht von mir ist. Es wird Euch ergötzen.«

      Der Theologe Läuffer sucht eine Stelle als Hofmeister und findet eine solche; allerdings wird sein Lohn reduziert, er hat keinen Erfolg beim Knaben Leopold, dem er etwas beibringen soll und auch ansonsten wird er ausgenutzt um der Tochter des Hauses, Gustchen, Zeichnen beizubringen u.a. Tätigkeiten zu vollbringen, die eigentlich nicht seinem Auftrag entsprechen. Gustchen ist verliebt in ihren Cousin Fritz und er ihn sie, allerdings muss er fernab von ihr studieren. Und so entwickelt sich denn auch zwischen Läuffer und Gustchen eine kleine Affäre - Gustchen ist schwanger und flieht, Läuffer flieht vor dem Major, Gustchens Vater, zum Schulmeister und wird Aushilfslehrer. Gustchen bringt derweil das Kind bei einer blinden Frau zur Welt, will ihren geliebten Vater, den Major, benachrichtigen, aber beschließt dann doch sich umzubringen - ihr Vater rettet sie und verzeiht ihr. Das Kind wird von Marthe, der alten blinden Frau, im Schulhaus vorbeigebracht, Läuffer erkennt es als das ihm Eigene, kastriert sich, wird dafür vom lutheranischen Schulmeister gelobt; enttäuscht ihn jedoch und verliebt sich in ein Mädchen, das sich, dank der zahlreichen Enten und Hühner, nicht stört, dass Läuffer keinen Sex mit ihr haben kann. Daneben läuft auch parallel die Handlung um Fritz und seine Freunde Pätus und Bollwerk; Fritz studiert in Halle, setzt sich für seinen Freund Pätus ein, der zuviele Schulden gemacht hat, und kommt an seiner statt ins Gefängnis. Sein Vater kauft ihn - wider erwarten - jedoch nicht frei. Er flieht und lebt zusammen mit Pätus, der nebenbei auch nen Mädchen schwängert. Als er von einem "von Seiffenblase" (der Name ist Programm) hört, dass sich sein Gustchen - er erinnert sich noch an den Liebesschwur in seiner Jugend - umgebracht haben soll, kehrt er umgehend zu ihr zurück und heiratet sie. Seinem Freund Pätus wird von seinem Vater verziehen (der Schulden wegen), ebenso wie dieser seiner Mutter verzeiht - die blinde Marthe, und er heiratet denn auch, die von ihm geschwängerte. Daneben gibt es noch eine Reihe kleinerer Handlungen um eine Reihe weiterer Personen und insbesonders auch geradezu moderne Streitgespräche.

      Eines davon dreht sich eben um die "Vorteile der Privaterziehung" bzw. eben eher die Nachteile. In seinen Aussagen was ein staatliches Schulsystem und was private Erziehung betrifft, ist es aktuell bis heute: Elitenbildung oder Massenbildung mit gleichen Bildungschancen für alle ist ja kein Thema das sich erledigt hat. Auch in anderen Bereichen ist Lenz durchaus gesellschaftskritisch: bspw. was die relativ schlechten Verhältnisse der Domestiken angeht, die ja gleichzeitig auch noch massiv abhängig sind von ihren "Herren" und eben auch keinen Feierabend o.ä. besitzen. Es geht also um die Rechte der Hausangestellten. Aber am meisten gewinnt das Buch durch seinen tragisch-komischen Charakter. Im Gegensatz zu viel zu vielen anderen Werken der Klassik (und davor und danach) sitzt in diesem Buch allzuoft der Schalk. Seien es die schier endlosen - und an der Realität vorbeigehenden - Predigten des Schulmeisters, sei es die Selbstkastration Läuffers oder das in seiner vollkommenen Harmonie und Glückseligkeit strahlende "Happy-Ende", das eben dadurch regelrecht absurd wirkt: trotz der Tragik, weiss es durchaus zu amüsieren. An die gehäuften Zufälle, kann man eben nicht so recht glauben. Nicht nur in Bezug auf den Humor, auch stilistisch wirkt es bisweilen ziemlich modern.
      Warum ich Welt und Menschheit nicht verfluche?
      - Weil ich den Menschen spüre, den ich suche.

      - Erich Mühsam
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