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Lew N. Tolstoi - Anna Karenina

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    Anna Karenina (Illustriert) (Das Origina...

    von

    4.3|77)

    Verlag: eClassica

    Bindung: E-Book Download

    Seitenzahl: 719


    ASIN: B00AMNA7O4


    Termin: Dezember 2012

    • Lew N. Tolstoi - Anna Karenina

      Auch wenn ich weiß, dass man dieses Buch nur unzureichend vorstellen kann, werde ich versuchen, eine Rezension zu schreiben.

      Inhalt:

      Klappentext
      Anna Karenina ist der große Roman einer Liebe. Erzählt wird die Geschichte einer verheirateten Frau, die nach langjähriger glückloser Ehe einem jungen Offizier in leidenschaftlicher Liebe verfällt. Sie verlässt den Ehemann und den Sohn und wird fortan von der Gesellschaft als Ehebrecherin ausgestoßen und gemieden. Die Liebe, für die sie alles geopfert hat, ist das einzige, was ihr bleibt...
      Spoiler anzeigen
      doch sie hält der Realität nicht stand: Und Anna Karenina sieht keinen anderen Ausweg, als ihrem Leben ein Ende zu setzen.


      Ergänzend von mir:
      Beschränkte sich die Handlung auf diese Beziehung, hätten wir ein ca. 600-seitiges Buch vor uns und nicht den 1206-seitigen Schmöker, der "Anna Karenina" ist.

      Wichtige Handlungsstänge finden sich auch in den Schicksalen von

      Kitty Schtscherbatzkij und Konstantin Lewin,
      Darja Schtscherbatzkij und Stepan Oblonski und
      Alexeij Karenin und Lydia Iwanowna.

      Mit Hilfe dieser Paare werden verschiedene Lebensentwürfe aufgezeigt und gegenüber gestellt. Jede Figur vertritt eine eigene Geisteshaltung, so stehen Kitty und Darja für den mütterlichen Typ. Während Kitty in einer glücklichen Ehe lebt, leidet Darja unter der Verantwortungslosigkeit und Untreue ihres Mannes.
      Lewin ist ein Grübler, der das einfache Leben liebt und das Stadtleben ablehnt. Er ist auf der Suche nach sich selbst.
      Stepan Oblonski ist ein Lebemann - ein Mann, der Kind geblieben ist. Einerseits sehr sympathisch, im Zusammenleben aber eine Katastrophe.
      Alexeij Karenin ist ein Bürokrat, wie er "im Buche steht". Er hält sich selbst für gut und gerecht, zerbricht aber an Annas Untreue. Der Einfluss der schwärmerischen, frömmelnden Gräfin Lydia Iwanowna beeinflusst ihn sehr.

      Neben diesen Protagonisten treten viele andere Charaktere auf, die für die Entwicklung der Geschichte wichtig sind.

      Meine Meinung:

      Ich habe schon lange nicht mehr so lange an einem Buch gelesen. "Anna Karenina" lässt sich nicht einfach wegschmökern, sondern muss zwischenzeitlich ruhen, damit man der Erzählung nicht überdrüssig wird. Die Schrift (zumindest in meiner Ausgabe) ist nicht augenfreundlich, was allein schon ein Grund war, häufige Pausen einzulegen. Aber auch der Inhalt dieses Klassikers ist nicht leicht zu verdauen.

      Ich bin froh, dass mein Schulfranzösisch zum Verständnis der französischen Einschübe ausreichte.

      Faszinierend, wie ausführlich Tolstoi seine agierenden Personen beschreibt und ihnen so häufig die Chance gibt, sich durch wörtliche Rede "selbst vorzustellen". Alle Charaktere haben einen tragischen Zug an sich oder man erahnt ihn bereits früh. Man merkt bald, dass Tolstoi insbesondere Konstantin Lewin für wichtig hält und Anna streckenweise in den Hintergrund stellt. Das 6. + 7. Buch entschädigen dann aber für diese "Vernachlässigung".

      Wer meint, einen reinen Liebesroman zu lesen, wird enttäuscht werden. Man muss sich bewusst machen, dass es in "Anna Karenina" auch um ein Zeitporträt geht, in dem sich viele Kapitel mit der russischen Gesellschaftsstruktur, dem Glauben an Naturwissenschaft und das europäische Vorbild beschäftigen. Insgesamt entsteht so ein faszinierend genaues Panorama des russischen Lebens im 19. Jahrhundert.

      Ich kann es uneingeschränkt weiterempfehlen. Das Buch war für mich einer der Lesehöhepunkte des Jahres.
      She wanted to talk, but there seemed to be an embargo on every subject.
      - Jane Austen "Pride and prejudice" - +

      :study: Sophie Kinsella: Mini Shopaholic + Lisa Hilton: Queen's Consort
    • Vielen Dank, Fezzig, für die gelungene Rezension! =D>

      Was mich ein bisschen erschreckt, ist deine Angabe der Seitenanzahl. Meine Ausgabe ist nämlich die hier angefügte (allerdings als Hardcover) mit 366 Seiten... Kann mir das jemand erklären???

      Produktinformation

      Taschenbuch: 366 Seiten
      Verlag: Neuer Kaiser Vlg GmbH; Auflage: Neuaufl. (2000)
      ISBN: 3704320277
      Ein Leser hats gut: er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
      (Kurt Tucholsky)
      ____________________________________
      meinebuecherwelt.wordpress.com/
    • @Susannah:

      ich habe vorhin etwas recherchiert, aber nichts zu deinem Buch finden können. Wenn man aber z. b. die "Krieg und Frieden"-Ausgabe vom Neuen Kaiser-Verlag mit anderen Ausgaben vergleicht, merkt man, dass die vom Neuen Kaiser-Verlag wesentlich kürzer ist (668 Seiten gegenüber 1560 Seiten).

      Hast du mal die Kapitel in den Büchern gezählt? Meine Ausgabe ist folgendermaßen aufgeteilt:

      Buch 1: 34 Kapitel
      Buch 2: 35 Kapitel
      Buch 3: 32 Kapitel
      Buch 4: 23 Kapitel
      Buch 5: 33 Kapitel
      Buch 6: 32 Kapitel
      Buch 7: 31 Kapitel
      Buch 8: 19 Kapitel

      Vielleicht kannst du daran erkennen, ob und wo etwas fehlt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dassder Inhalt meines Buches auf 366 Seiten gepasst hätte... wie gesagt, meine Ausgabe ist sehr klein gedruckt... :-k
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    • Ich lese das Buch gerade. So ganz komme ich noch nicht in die Geschichte rein, obwohl ich schon in der Mitte des 2. Teils bin. Die ganze Zeit frage ich mich, was Lewin eigentlich mit der Handlung zu tun hat. Vielleicht wird das ja klarer, wenn ich weiter lese.
      Meine mangelnde Begeisterung könnte auch damit zusammen hängen, dass ich erst von ein paar Wochen "Krieg und Frieden" gelesen habe und von Tolstoj leicht übersättigt bin.

      ***
      Aeria


      Nach erfolgter Ankunft und Besichtigung der Verhältnisse war Cäsar die Erringung des Sieges möglich.


    • Kleine Ergänzungen meinerseits:

      Sprache
      Das ist das Erste was dem Leser auffällt, die wunderbare Sprache, poetisch, ausführlich, teilweise bildhaft und sehr ausschweifend, der Russe hat Zeit und Platz, so kommt einem das vor, nicht nur vom Raum, sondern auch vom Typ her.
      Tolstoi besitzt eine gewaltige Erzählkraft, er beschreibt die Figuren, Gebäude, Landschaften, Gedanken und Prägungen, einfach alles, sehr genau und ausführlich. Und da das Werk ihm große Freiheit gewährt, kommt seine Erzählkunst voll zum Tragen. (Kleine Geschichten am Rande bemerkt, spiegeln die Handlung z. B. das Pferderennen, und reflektieren den Inhalt aus einer anderen Perspektive, hier ganz eindeutig die Gedanken/Meinung des Autors, unterschwellig und raffiniert gemacht.)



      Figuren
      Von Beginn an hatte ich Probleme mit den Figuren, vor allem die Protagonistin Anna konnte ich über weite Strecken nicht wirklich fassen und begreifen, ihre Handlungen und Reaktionen kamen mir unnatürlich vor. Im Vergleich zum „Zauberberg“ von Th. Mann, der bewusst unnatürliche Personen schafft, kam mir dann der Gedanke, dass es sich bei Tolstoi um die gleiche Technik handeln muss. Die Handlungen und Gedanken der Figuren sollen die Zeit widerspiegeln, so dass die Anna beispielsweise als Vorkämpferin der Frauenrechte im Mittelpunkt steht. Durch die Personen im Roman wird das Zeitportrait erzeugt, jede Figur zeigt eine Prägung der damaligen Zeit, sie wirken dadurch manchmal nicht nachvollziehbar, unnatürlich (z. B. warum wollte Anna die Scheidung zunächst nicht), stellen aber dadurch die Gesellschaft dar, und erzeugen damit eine gelungene Gesellschaftskritik.
      Diese Kritik an der Gesellschaft ist weiträumig und vordergründig, es wird jede Richtung: Landwirtschaft, Religion, Politik, Philosophie, Standesdünkel, Adel, Bauern und Arbeiter; von Tolstoi angesprochen und erläutert.


      Zwei kleinere Kritikpunkte
      Ich fand vor allem den Titel überhaupt nicht passend, da die Anna Karenina eigentlich erst im letzten Drittel aus Hauptfigur wirklich zum Tragen kommt. Die Person Lewin, mit autobiographischen Zügen, ist eigentlich die zentrale Figur, und mit ihr die Gesellschaftskritik. Der Titel täuscht einen Liebesroman vor, was dieses Werk aber auf keinen Fall ist.
      Der zweite Punkt ist höchstwahrscheinlich ein sehr subjektiver Eindruck: Mir war das Werk zu schwer, die unendliche Schwere/Melancholie hat mich fast erschlagen. Ein Werk von 1000 Seiten, das man nicht auf die Schnelle gelesen haben kann, ganz ohne Lichtpunkte, Schmunzeleffekte und Humor. Okay, ich bin dafür sehr empfänglich, aber diese Stimmung hat mich stark nach unten gezogen, so dass ich vorläufig keinen Tolstoi mehr lesen werde.


      Insgesamt aber ist dieses Werk ein absoluter Lesetipp :thumleft:
      Liebe Grüße Euer Krümel

      Gedankenwelten
    • Dem kann ich mich nur anschließen!
      Ich selbst habe das Buch vor ca. 3 Jahren gelesen und es förmlich verschlungen.
      Nach 4 Wochen hatte ich es durch und war am Ende ganz mitgenommen. :uups:
      Ein wirklich großartiges Buch!
      Allerdings muss ich zugeben das das Lesezeichen in "Krieg und Frieden" immer noch bei der ersten Hälfte steckt und das nach ...mm...1 Jahr? :pale:Aber irgendwann werde ich auch das bewältigt haben.Später.







      :study:"Look at me"
      Ein klassisches Buch ist ein Buch, das die Menschen loben, aber nie lesen.
      Ernest Hemingway
    • Anna Karenina war eins der ersten Klassiker, die ich gelesen habe. Und das noch mit etwa 12 Jahren und in griechisch, ist also ziemlich lange her. 8)

      Aber ich kann mich errinnern, dass es mir sehr gut gefallen hat, auch wenn ich jetzt nicht mehr genau sagen könnte, wie die ganze Handlung ist :roll:
      :study::
      • Walter Moers - Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär
      Zuletzt:
      * J. Ketchum - EVIL *****
      * P.F. Hamilton - Die Dunkle Festung *****
      * A. Eschbach - Die Haartepichknüpfer *****
    • Ich habe das Buch auch vor einem Jahr gelesen und im Allgemeinen hat es mir schon gefallen .
      ABER
      Ich fand (subjektiv), dass die Textstellen, in denen z.B. die Heuernte, wo Lewin hilft, oder irgendwelche Politiksachen von Karenin zu ausufernd beschrieben werden. Sicherlich gehört das zum Zeitbild und zum Plot vom klassichen Roman aber ich glaube ich bin aus der Zet rausgewachsen .Trotzdem fand ich s toll . BEsonders Annas Schicksal am Ende ist großartig geschrieben . Ich kann mich nicht mehr recht erinnern, aber ich glaube, ich habe sogar ein bischen geweint ... ( aber ich weine allgemein sehr schnell... :roll: )
      Insgesamt ist es in meinem Lesetagebuch mit 8 von 10 Punkten vermerkt... :)

      lg, shia :batman:
      Ich :study:
      J.M.Coetzee - Das Leben der Tiere
      Erzählungen von Franz Kafka
      Gedichte von Allen Ginsberg und Cummings

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von shia ()

    • Das Buch kann ich nur weiterempfehlen,
      Annas Schicksal hat mich sehr berührt, obwohl ich zugeben muss dass ich das Buch zuerst nur wegen dem Ende ( ihrem ende) lesen wollte, was ich schon im vorraus(danke mama :P) wusste. Die beschreibungen anderer Schicksale, fand ich sehr wichtig, weil sie einen anderen sichtpunkt auf Annas jeweilige situation ermöglichten.
      :rambo: >>Nur ein Feigling stirbt für die Republik, ein Jakobiner tötet für sie!<< G. Büchner: Dantons Tod

      :study:
    • Liebe Bonprix.

      Dein erster Link ist wohl ein Suchlink, der deine Session beinhaltet, d.h. alle anderen bekommen eine Fehlermeldung ;)
      :study::
      • Walter Moers - Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär
      Zuletzt:
      * J. Ketchum - EVIL *****
      * P.F. Hamilton - Die Dunkle Festung *****
      * A. Eschbach - Die Haartepichknüpfer *****
    • Original von Susannah
      Vielen Dank, Fezzig, für die gelungene Rezension! =D>

      Was mich ein bisschen erschreckt, ist deine Angabe der Seitenanzahl. Meine Ausgabe ist nämlich die hier angefügte (allerdings als Hardcover) mit 366 Seiten... Kann mir das jemand erklären???

      Produktinformation

      Taschenbuch: 366 Seiten
      Verlag: Neuer Kaiser Vlg GmbH; Auflage: Neuaufl. (2000)
      ISBN: 3704320277


      Bei meinen Eltern zuhause habe ich ebenfalls eine Ausgabe von diesem Verlag gefunden, hier die Daten:

      "Uebersetzt und zeitgemaess bearbeitet von Hertha Lorenz" (diese Information ist nur im "kleingedruckten" zu finden)
      1978
      Neuer Kaiser Verlag

      Die Seitenzahl lag auch bei knapp 400. Finde es ganz schoen dreist sowas zu verkaufen und nichtmal im Klappentext etwas von einer Kuerzung zu erwaehnen.

      Habe mir nun die Ausgabe von Albatros/Patmos geholt in der Uebersetzung von Fred Ottow, und bin gespannt. :mrgreen:

      Gruesse, busfahrer
      zuletzt gelesen: "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald
      aktuell: "Die Brüder Karamasow" von Fjodor M. Dostojewskij
    • Original von busfahrer

      Die Seitenzahl lag auch bei knapp 400. Finde es ganz schoen dreist sowas zu verkaufen und nichtmal im Klappentext etwas von einer Kuerzung zu erwaehnen.


      Nicht wahr? Es müßte doch wengistens angeführt sein, dass es sich um eine gekürzte Ausgabe handelt!! :evil:
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      (Kurt Tucholsky)
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    • Ich habe "Anna Karenina" vor ewigen Zeiten auf Englisch gelesen (ich war zufällig gerade in London, als ich auf die Idee kam, das Buch zu kaufen :loool: ) und ich muss sagen, dass es mir sehr gut gefallen hat, obwohl ich es sonst nicht so mit russischer Literatur habe. Dostoevskij ("Schuld und Sühne") fand ich furchtbar langweilig.
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
      :study:
      Paradise on earth: 51.509173, -0.135998
    • Kurze Analyse der gekürzten Fassung von "Anna Karenina" von Lew N. Tolstoi

      Hallo,

      ich hoffe das passt in diesen Forumsabschnitt. :)

      Wie an anderer Stelle in diesem Forum bereits erwähnt wurde, gibt es von "Neuer Kaiser Verlag" zwei (zumindest weiß ich von so vielen) gekürzte Ausgaben von Lew N. Tolstois "Anna Karenina". Bei dem mir zur Verfügung stehenden Buch handelt es sich um die Ausgabe von 1978, zu der ich leider keine ISBN Nummer finden konnte. Auf dem Klappentext der 366 Seiten umfassenden Ausgabe findet die Tatsache, das es sich um eine gekürzte Fassung handelt, mit keinem Wort Erwähnung, lediglich im "Kleingedruckten" steht "Aus dem Russischen übersetzt und zeitgemäß bearbeitet von Hertha Lorenz".
      Die zweite Ausgabe ist von 2000 [ISBN 3704320277], und aufgrund der gleichen Seitenanzahl nehme ich an, dass der zugrunde liegende Text derselbe ist.

      Falls jemand die Ausgabe von 2000 zur Hand hat waere es interessant zu erfahren, ob dort auf dem Klappentext etwas von einer Kürzung erwähnt wird.
      Zum Vergleich habe ich meine Ausgabe vom Patmos Verlag herangezogen, in der Übersetzung von Fred Ottow [ISBN 978-3-491-96196-8], die zum Vergleich - abzüglich Anmerkungen und Zeittafel - 978 Seiten umfasst.

      Seit ich von diesen Ausgaben erfahren habe, hat mich einerseits die Tatsache verstört, wie man eine gekürzte Ausgabe vertreiben kann (darf?) ohne dies auf dem Umschlag zu erwähnen; andererseits habe ich mich auch gefragt, was wohl gekürzt wurde. Dazu fielen mir spontan zwei Möglichkeiten ein:
      a) Es werden immer wieder einzelne Sätze weggelassen.
      b) Es werden ganze Kapitel weggelassen. Aufgrund der Tatsache, dass es in dem Werk um zwei Liebesgeschichten geht, die mehr oder weniger disjunkt voneinander ablaufen, wäre dies wohl besser durchführbarer, als einem im ersten Augenblick erscheinen mag. Naiv könnte man argumentieren, das Buch heisst schließlich "Anna Karenina", auch wenn mich die Beziehung von Lewin und Kitty mindestens genauso sehr fasziniert.

      Um einen ersten Eindruck zu gewinnen, habe ich einmal die einleitenden Sätze der beiden Ausgaben verglichen.

      Zunächst die gekürzte Fassung der Lorenz-Übersetzung:
      Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie hingegen ist auf ihre besondere Weise unglücklich.
      Im Hause der Oblonskijs herrschte allgemeine Verwirrung. Die Prinzessin hatte erfahren, daß ihr Gatte ein Verhältnis mit einer französischen Gouvernante hatte, die früher im Hause beschäftigt gewesen war. Infolge dieser Entdeckung hatte sich die Prinzessin in ihrem Schlafzimmer eingeschlossen; der Gatte hatte das Haus verlassen, die Kinder irrten in den Zimmern umher, die Dienerschaft sprach von Kündigung.


      Hier die eigentliche Fassung, in der Ottow-Übersetzung:
      Alle glücklichen Familien ähneln einander; jede unglückliche aber ist auf ihre eigene Art unglücklich.
      Bei den Oblonskijs herrschte allgemeine Verwirrung. Die Frau des Hauses hatte von der Liebschaft ihres Mannes mit der früheren Gouvernante ihrer Kinder Kenntnis erhalten und erklärt, daß sie unter diesen Umständen nicht länger mit ihm unter einem Dache leben könne. Qualvoll lastete diese Situation nun schon drei Tage nicht nur auf den Ehegatten selbst, sondern auch auf den anderen Familienmitgliedern und den übrigen Hausgenossen. Alle fühlten, daß ihr Zusammenleben sinnlos geworden war, ja, daß in einem Gasthof zufällig versammelte Leute enger miteinander verbunden sein müßten als sie, die Angehörigen der Familie Oblonskij und ihre Hausangestellten. Die Dame selbst blieb in ihren Zimmern, ihr Gatte war drei Tage nicht mehr zu Hause gewesen. Die Kinder liefen verlassen herum. Die englische Erzieherin hatte sich mit der Haushälterin verzankt und einer Freundin geschrieben, ihr eine andere Stelle zu verschaffen. Der Koch war gestern während des Mittagessens einfach davongelaufen; das Küchenmädchen und der Kutscher hatten gekündigt.


      Wie wir sehen handelt es sich wohl um Option a). Man kann zu Kürzungen stehen wie man will, aber ist es nicht gerade der herrliche Vergleich mit dem Gasthof, der dieses Juwel der Weltliteratur von der Menge abhebt?

      Die Einteilung in acht Teile wurde auch in der kurzen Fassung beibehalten, jedoch nicht die Aufteilung der einzelnen Kapitel innerhalb dieser Teile. Beispielsweise besteht in der Ottow-Fassung - die, wie ich vermute, die Einteilung vom Autor selbst übernommen hat - der erste Teil aus 34 Kapiteln, wohingegen das letze Kapitel des ersten Teils der Kurzfassung die Nummer 13 trägt, wobei zu bemerken ist, dass in dieser Ausgabe Kapitel 9 auf Kapitel 7 folgt.
      Teilweise wurden aber wohl doch komplette Kapitel weggelassen (also auch Option b)):
      Die Kapitel 26 und 27 (bzw. deren Handlung) der Ottow-Fassung, die sich mit den Gedanken Lewins über seinen Bruder und mit seinem Leben auf dem Gut beschäftigen, fehlen beispielsweise gänzlich.

      Scheinbar wurden also sowohl einzelne Sätze, als auch ganze Kapitel gestrichen, um eine Kürzung des Stoffes auf rund ein drittel seines ursprünglichen Umfangs zu erreichen.

      Ich hoffe, dass dieser kurze Vergleich in Zukunft denen hilft, die wie ich verwirrt im Netz recherchieren aufgrund des Unglaubens, bei einer 366 Seiten langen Version von Anna Karenina könne es sich um den kompletten Text handeln.

      Grüße, busfahrer
      zuletzt gelesen: "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald
      aktuell: "Die Brüder Karamasow" von Fjodor M. Dostojewskij

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von busfahrer ()

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