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Juli Zeh - "Adler und Engel"

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    Adler und Engel

    von

    3.3|15)

    Verlag: Schöffling & Co.

    Bindung: E-Book Download

    Seitenzahl: 449


    eISBN: 9783895619700


    Termin: August 2012

    • Juli Zeh - "Adler und Engel"

      Vielleicht hält ihr kleines Bewusstsein hinter den kleinen blauen Fetzen ihrer Augen Zwiesprache mit dem großen Bewusstsein hinter der großen Himmelsdecke.

      Klappentext:
      Max ist am Ende.
      Er hat mit dem Leben abgeschlossen.
      Dabei ist er erst Mitte dreissig und hatte es eigentlich geschafft: Als Karrierejurist war er ganz weit oben auf der Leiter. Doch seit dem Tod seiner Freundin Jessie ist alles anders.
      Max befindet sich im freien Fall. Die abgebrühte Radiomoderatorin Clara zwingt ihn schließlich zu einer Reise nach Wien, zurück in die Vergangenheit.

      Meine Meinung:

      Die Geschichte ist folgendermaßen aufgebaut: Der Protagonist reist mit einer ihm nur aus dem Radio bekannten Frau nach Wien, und hält sich dort mit Koks und lediglich dem Erzählen seiner Vergangenheit am Leben, obwohl ihm dieses eigentlich nichts mehr wert ist. So wird immer abgewechselt zwischen Gegenwart und Vergangenheit, wobei sich auch diese später noch vermischen...
      Amüsant fand ich den Umgang zwischen Max und seiner Freundin, ihre Art zu reden, "die alles wie Orakelsprüche klingen ließ":

      Wiesen und Felder, die wie Sprungtücher straff gehalten werden mussten, und Reisen in Gebiete, wo es Sammelstellen für unbenützte Großmütter gab.

      Und auch Max Art hat mich fasziniert, völlig leblos, direkt und aggressiv verhielt er sich, denn er hat ja nichts mehr zu verlieren.

      Unsinn, sagte ich, du bist schon im bekleideten Zustand in der Lage, alle männliche Potenz im Umkreis von hundert Metern zu vernichten.

      Der Roman besticht durch seine direkten Dialoge, und die Rücksichtslosigkeit dem eigenem sowie auch anderen Leben gegenüber.

      Ich kann es riechen, wenn du eine Erektion bekommst, sagt sie, die Vorhaut schiebt sich zurück und dann stinkt es. Ich rieche es von hier aus.
      Ich bin impotent, sage ich. Wunschdenken, sagt Clara.


      Juli Zehs Debütroman ist wesentlich einfacher geschrieben, als das bereits von mir rezensierte Buch "Spieltrieb".
      Es fehlt zwar die eindeutige Kennzeichnung von wörtlicher Rede, aber sich reinzulesen bereitet wenig Anstrengung, genauso wie der Wechsel zwischen Gegenwart und erzählter Vergangenheit.
      "Wie soll auch eine Generation von Männern, die hauptsächlich von Müttern, Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen umsorgt und erzogen wurde, Frauen glücklich machen?"
      (Generation Doof)

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von fensterfisch ()

    • Ich lese dieses Buch gerade.....habe noch so 100 Seiten vor mir. Der Anfang gefiel mir nicht, ich brauchte schon so 50 Seiten, um micht an den Stil zu gewöhnen, dann ging es....insgesamt ist die Geschichte aber irgendwie ziemlich übertrieben und ich finde die Protagonisten so überhaupt nicht lebendig und total unglaubwürdig...etwas weniger Handlung wäre vielleicht auch besser gewesen, ist insgesamt ewas überfrachtet (soll wohl Thriller sein, aber auch Gesellschaftskritik, "Wir Kinder vom Bahnhof Zoo", politische Aufklärung, Beschreibung psychotischer Menschen......hab bestimmt noch was vergessen :D ). Ich werd aber trotzdem noch mal ein Buch von der Autorin lesen..denn irgendwie ganz fesselnd ist es schon...
    • Tamiami schrieb:

      Anfang gefiel mir nicht, ich brauchte schon so 50 Seiten, um micht an den Stil zu gewöhnen, dann ging es....
      Ich habe am Sonntag mit der Lektüre begonnen und muss sagen, dass es mir genauso ging. Inzwischen habe ich mich an Juli Zehs doch etwas eigenwilligen Schreibstil schon einigermaßen gewöhnt und bin jetzt mal gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt, und natürlich auch, welchen Eindruck das Buch insgesamt auf mich machen wird...
      With freedom, books, flowers, and the moon, who could not be happy? ― Oscar Wilde
    • Kaba schrieb:

      Tamiami schrieb:

      Anfang gefiel mir nicht, ich brauchte schon so 50 Seiten, um micht an den Stil zu gewöhnen, dann ging es....
      Ich habe am Sonntag mit der Lektüre begonnen und muss sagen, dass es mir genauso ging. Inzwischen habe ich mich an Juli Zehs doch etwas eigenwilligen Schreibstil schon einigermaßen gewöhnt und bin jetzt mal gespannt, wie sich die Geschichte entwickelt, und natürlich auch, welchen Eindruck das Buch insgesamt auf mich machen wird...


      Bin gespannt, was du am Ende sagst! Ich habe inzwischen noch "Die Stille ist ein Geräusch" (Reisebeschreibung durch Bosnien) gelesen und ein weiteres Buch von ihr auf dem SUB- wann ich das anfange, ich aber noch unsicher, ich hab ja noch SO VIELE Bücher rumfliegen :flower:
    • Der "Spieltrieb" hat mich vor zwei oder drei Jahren in seinen Bann gezogen. "Die Stille ist ein Geräusch" habe ich gerne gelesen und auch die In "Alles auf dem Rasen" gesammelten Essays mochte ich. "Adler und Engel" gehört allerdings zu den wenigen Romanen, die ich abgebrochen habe. Mir war nach 100 Seiten so kalt, und die Einsamkeit, mit der mich das Buch überzogen hat, wollte ich auch nicht länger aushalten.
    • Tamiami schrieb:

      Alle Verknüpfungen lösen sich eigentlich erst ganz am Schluß...dann geben viele Stränge erst einen Sinn! :D
      Das kann ich leider nicht so bestätigen…eher im Gegenteil…

      Gerade eben habe ich das Buch zu Ende gelesen, doch ich bin noch sehr unsicher, was ich dazu sagen soll. Vielleicht muss ich ihm noch ein bisschen Zeit geben, sich zu setzen.
      Was ich aber jetzt auf alle Fälle schon einmal sagen kann, ist, dass auch ich mit dem Schluss einigermaßen unzufrieden bin. Es bleiben zu viele Fragen offen, und dabei meine ich noch nicht einmal, ob Max Clara noch ein Mal wiedersieht oder nicht und ob er sein Leben wieder in den Griff bekommt oder nicht (obwohl mich das alles auch sehr interessieren würde). Ich frage mich vor allem, weshalb Jessie sich nun tatsächlich erschossen hat, denn ich finde, dass im ganzen Verlauf der Geschichte dafür keine (ausreichende) Erklärung gegeben wird – und noch dazu, warum sie es tat, während sie ihren Freund am Telefon hatte. Außerdem frage ich mich, warum Clara mit Max nach Wien gefahren ist, denn ich finde, dass es auch dafür nicht wirklich einen Grund gegeben hat.
      Es gibt noch weitere Unklarheiten in diesem Buch, die mich ein bisschen stören, was damit anfängt, dass ich es sehr seltsam finde, dass ausgerechnet der Tontechniker der Sendung mit den Leuten zu tun hat, zu denen auch Max’ Freundin gehörte. Und wie überhaupt allem Anschein nach in Max’ Umkreis fast jeder jeden irgendwie zu kennen scheint. Außerdem wüsste ich gerne, wie Shershah tatsächlich gestorben und was danach mit ihm passiert ist. Das alles ist irgendwie komisch und deshalb lässt mich dieses Buch eher verwirrt zurück.
      Und daher kann ich – wie ich vorher schon schrieb – noch (lange) nicht sagen, wie ich das Buch gefunden habe. Nach einer Weile habe ich mich zwar an den Schreibstil gewöhnt und bin dann auch recht flott vorwärts gekommen, aber eine reichlich seltsame Geschichte hat Juli Zeh, meiner Meinung nach, mit Adler und Engel dennoch geschrieben. :wink:

      With freedom, books, flowers, and the moon, who could not be happy? ― Oscar Wilde
    • Warum ich nach einem Buch wie Spieltrieb direkt mit einer weiteren emotionalen Talfahrt von Juli Zeh angefangen habe, hat eigentlich nur zwei Gründe:
      1. Ich bin halt Fan
      2. literarischer Masochismus

      Adler und Engel, Juli Zehs Debüt von 2003, ist mehr eine Gewalttat als ein Roman. Zunächst war es Liebe auf den ersten Satz: Ich war angetan von Zehs Stil, der hier wesentlich roher, direkter und weniger verschnörkelt daherkommt als in Spieltrieb oder auch in Schilf; angetan vom Protagonisten Max, seiner ganzen Verzweiflung, seinem Schmerz; fasziniert von der Radiomoderatorin Clara, deren Wesen und Motive einige Zeit im Dunkeln bleiben. Liebe und Faszination wichen ziemlich schnell Abscheu und Entsetzen, so schnell wie klar wurde, dass man es ausschließlich mit ausgemachten Psychopathen zu tun hat.
      Adler und Engel begleitet zwei Menschen auf ihrer Abwärtstour, keine Normalität, nirgends, kein Halt, kein Notausstieg. Es geht in ein Wien, das hier mit „surrealistisch und heiß“ schon treffend beschrieben wurde. Vor allem aber geht es in Max Vergangenheit; auf seinem Selbstzerstörungstrip, unterstützt weit mehr als 100 Gramm Koks, erzählt Max Clara seine Geschichte, mehr noch Jessies Geschichte. Seine Freundin, die sich während eines Telefongesprächs mit Max in den Kopf schoss, diese kindliche, labile Persönlichkeit, schwebt über allem; ebenso Shershah, Jessies eigene große Liebe, ebenfalls längst verblichen (Mich persönlich nervte Jessie schnell, diese behauptete Hilflosigkeit und diese Kleinmädchen-Art, so etwas macht mich leicht aggressiv. Was irgendein Mann daran findet, wird sich mir nie erschließen). Der Leser wird mitgenommen auf diesen unaufhaltsamen Trip in den Abgrund, die Ich-Perspektive stellt eine Nähe her, die man irgendwann nicht mehr will, die man nicht mehr aushält. Max und Clara schonen sich nicht, verletzen sich auf alle erdenklichen und unerdenklichen Weisen, der eine für sein Seelenheil, die andere – tja, für was eigentlich? Für eine Diplomarbeit, für Anerkennung, um ihre eigene innere Leere auszufüllen, vielleicht.

      Zeh wäre nicht Zeh, wenn sie diese persönliche Tour de Force nicht mit den ganz großen Fragen verbinden würde, mit dem internationalen Völkerrecht und dem Balkankonflikt unter anderem. Mehr möchte ich dazu gar nicht verraten, diese Geschichte erschließt sich am besten jedem Leser selbst. Am Ende fügt sich alles, alles hat mit allem zu tun und jeder ist involviert. Das passt fast schon ein bisschen zu gut, wie in einer kokaininduzierten Verschwörungstheorie, Paranoia auf hohem Niveau. Wer weiß schon, wie verlässlich ein Ich-Erzähler tatsächlich ist, noch dazu ein ständig zugekokster? Realität ist das, was man daraus macht. Die Autorin ist klug genug, nicht zu viele Erklärungen zu geben und den Leser seinen eigenen Gedanken zu überlassen.

      Fazit:
      Adler und Engel ist ein emotional tiefgehender Roman, ein Buch, das bis an den Abgrund führt und noch ein wenig darüber hinaus, ein Werk, das einen beständig in den Magen tritt, wenn man gerade denkt, das Schlimmste überstanden zu haben. Damit ist Zehs Erstling das beste Buch, das ich 2013 gelesen habe und volle :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: wert.

      Auf meine Ewigenliste schafft es Adler und Engel dennoch nicht (anders als das von mir schlechter bewertete Schilf), da mir dafür dieses unspezifische, nicht erklärbare gewisse Etwas fehlte. Was auch daran liegen kann, dass ich mittlerweile alle Romane von Zeh gelesen habe. Der Zauber des Neuen verliert sich halt doch; obwohl Juli Zeh das Kunststück schafft, für jeden ihrer Romane einen ganz eigenen Stil zu finden und dennoch in ihrem unverwechselbaren Tonfall zu erzählen. Da ich Spieltrieb und Adler und Engel direkt hintereinander gelesen habe, fallen die Gemeinsamkeiten aber natürlich auf. Zehs Debüt ließe sich auch als langer Prolog zum Nachfolge-Roman lesen, denkt einige Gedanken schon einmal an. Es gibt eine Internatsgeschichte und einen orientalischen Prinzen, vor allem aber Motive, zu denen Zeh auch in späteren Werken zurückkehrt. Dazu gehört auch der kleine Spaß, bestimmte Sätze aus dem vorangegangenen im Folgeroman zu zitieren, diesmal:
      Vielleicht waren die Christen schlicht Pragmatiker mit ihrem "liebe deinen Nächsten". Nur das "wie dich selbst" hätten sie weglassen sollen.
      Wenn man alle diese Sätze sammelt und hintereinander (rückwärts?) ließt, ergibt sich vielleicht noch eine geheime Botschaft.
    • Juli Zeh: Adler und Engel

      Juli Zeh: Adler und Engel; Klartext-Verlag Essen 2008; 445 Seiten; ISBN: 978-3-89861-951-6

      Jessie erschießt sich während eines Telefonats mit ihrem Freund
      Max, einem erfolgreichen Rechtsanwalt in der österreichischen Hauptstadt
      Wien. Max fällt daraufhin in eine tiefe menschliche Krise.

      Clara ist eine junge wie abgebrühte Radiomoderatorin ganz im Stile
      eines Jürgen Domian. Als Max und Clara nach Wien reisen, beginnen sie,
      seine dramatische Vergangenheit aufzuarbeiten.

      Zeh wurde 1974 in Bonn geboren. Sie hat sowohl Jura wie auch am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig studiert.

      Hier liegt Band 62 der Bücherreihe "Wir in Nordrhein-Westfalen -
      Unsere gesammelten Werke" vor. Das hier vorliegende Werk ist Zehs erster
      Roman, der ursprünglich aus dem Jahre 2001 stammt und dann noch einmal
      vom Klartext-Verlag herausgegeben wurde.

      Die Buchreihe wird vom WDR und der WAZ Medien Gruppe gleichermaßen
      bestückt und bietet Romane sowie Sachbücher in der Form von Printmedien,
      Hörbüchern und Videos gleichermaßen.

      Sehr gewöhnungsbedürftig ist die Handlung. Was schon einfach daran
      liegt, daß sie an vielen Stellen unglaubwürdig und konstruiert wirkt.
      Was als Charakterstudie gedacht sein mag, schreckt eher ab. Wie die
      Kritik formulieren? Der Schreibstil erscheint noch nicht ausgereift
      genug, um eine gut erzählte Geschichte hervorzubringen.
    • Squirrel schrieb:

      unsere Mods werden das wohl wieder anhängen müssen...

      Nicht nur das! Sie sind ja auch dauernd mit der Umhängerei in der Sachbuchabteilung beschäftigt und mahnen immer wieder ebenso höflich wie vergeblich die Nutzung der Quellcode-Einstellung an. Sorry, aber eine solche Merkresistenz geht mir unglaublich auf den Senkel. Wenn ich schreiben würde, was ich gerade denke, würde ich hochkant aus diesem schönen Forum fliegen... :roll:
      "Books are ships which pass through the vast sea of time."
      (Francis Bacon)
      :study:
      Paradise on earth: 51.509173, -0.135998

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von €nigma ()

    • Wenn man die Antwort aufruft erscheint ein Eingabe (Editor)-Fenster mit zwei Reitern. Einmal "Editor" und einmal "Quellcode". Wenn man in einem anderen Programm schreibt, dann definiert dieses Programm Parameter wie Schrifttypen, Zeilenumbrüche und Zeilenwechsel. Wenn man diese Texte kopiert, werden diese Formatierungshinweise mit in das neue Fenster übernommen. Im Quellcodefenster wird nur der reine Text mit den Zeilenwechseln übernommen, so dass es nicht zu unpassenden Zeilenumbrüchen oder übergroße Abstände zwischen Absätzen kommt.

      Gerade ein Journalist (ich will hier keine Namen nennen), der viel mit Computern arbeitet - besonders, wenn man ihn mehrfach darauf hingewiesen hat - sollte das eigentlich wissen und beachten. :-, 8)
      Mehr Bücher finden sich auf Sandammeer und Lesezeit hier. Manches produzieren wir sogar selbst: Kegelberge.
      Hilfe, die ankommen soll geht an Ärzte ohne Grenzen.
    • €nigma schrieb:

      Squirrel schrieb:

      unsere Mods werden das wohl wieder anhängen müssen...

      Nicht nur das! Sie sind ja auch dauernd mit der Umhängerei in der Sachbuchabteilung beschäftigt und mahnen immer wieder ebenso höflich wie vergeblich die Nutzung der Quellcode-Einstellung an. Sorry, aber eine solche Merkresistenz geht mir unglaublich auf den Senkel. Wenn ich schreiben würde, was ich gerade denke, würde ich hochkant aus diesem schönen Forum fliegen... :roll:
      ich weiß - und ich bewundere die grenzenlose Geduld unserer Moderatoren zutiefst :pray: :pray: :pray: und auch ich halte ansonsten lieber meinen Mund :-# sorry fürs Off-Topic :wink:
      viele Grüße vom Squirrel

      :study: Elizabeth Kostova - The Historian
      :study: Norman Davies - Verschwundene Reiche (Langzeit-MLR)
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