Teresa Simon - Die Oleanderfrauen

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    Die Oleanderfrauen

    von

    5|2)

    Verlag: Heyne Verlag

    Bindung: E-Book Download

    Seitenzahl: 480


    eISBN: 9783641191986


    Termin: Januar 2018

    • Teresa Simon - Die Oleanderfrauen

      1930er Jahre Hamburg. Sophie Terhoven wächst mit ihrem Bruder Lennie in einem wohlhabenden Elternhaus auf, die Familie handelt seit Jahrzehnten mit Kaffee. Als sie sich als Teenager in Hannes, den Sohn der Köchin Käthe Krüger, verliebt, nimmt das Unglück seinen Lauf. Sophie wird schwanger und wird von ihren Eltern auf die Insel Föhr verbannt, um dort ihr Kind zu bekommen, als Vater ihres Kindes hat sie ihren besten Freund Malte angegeben, dabei ist dieser homosexuell, was niemand weiß. Währenddessen wird die Lage in Deutschland durch die Nationalsozialisten immer schlimmer, alle jungen Männer werden eingezogen, Homosexualität gilt als abartig und das Essen wird rationiert. Als Sophie endlich zugibt, dass Hannes der Vater ihres Kindes ist, wirft ihr Vater sie samt Kind aus dem Haus. Von nun an ist sie für ihn gestorben, denn auch ihr Vater hat ein Geheimnis. Als sich ihre Mutter umbringt, hat Sophie neben ihrer Tochter nur noch Malte und Käthe als Familie, denn Hannes muss in den Krieg…

      2016 Hamburg. Jule, die eigentlich aus dem Erzgebirge stammt, hat sich mit ihrem kleinen Café „Strandperlchen“ einen Traum erfüllt, nachdem sie ihr Studium ohne Abschluss an den Nagel gehängt hat. Nebenbei verdingt sie sich mit ihrem Angebot „Ich schreibe Dir Dein Leben“ noch etwas dazu, denn sie liebt alte Geschichten und hilft Menschen, ihre Biografien niederzuschreiben. In ihrem Café lernt sie jede Menge Menschen kennen, darunter ist auch der brummige Nils. Dessen Tante Johanna findet beim Ausräumen des Elternhauses ein sehr altes Tagebuch und ein Medaillon, was niemand von ihren Geschwistern kennt. Nach der Lektüre einiger Kapitel verhilft ihr Nils zur Bekanntschaft mit Jule, die ihr bei der Recherche helfen soll, was aus der Schreiberin des Tagebuchs geworden ist…

      Teresa Simon hat mit ihrem Roman „Die Oleanderfrauen“ einen wirklich fesselnden und gleichzeitig berührenden teils historischen Roman vorgelegt, der seinesgleichen sucht. Der Schreibstil ist wunderbar flüssig und gefühlvoll, schon der Brief im Prolog lässt den Leser rätseln und die weitere Handlung mit Spannung erwarten. Die Geschichte wird aus zwei Erzählperspektiven erzählt, die eine handelt von Jule und der Gegenwart, die andere lässt in Tagebuchaufzeichnungen Sophie Terhovens Leben wieder auferstehen und ist auch in einem anderen Schriftbild gehalten. Die Autorin versteht es meisterhaft, neben ihrer Handlung auch die Kriegszeiten wieder aufleben zu lassen. Die Bombardierungen Hamburgs, die Essensrationierungen, das Verschwinden von jüdischen Familien und Geschäftsleuten sind ebenso ein Thema wie die Warterei auf Nachrichten von der Front und das ewige Bangen um die Lieben. Der Leser erlebt all dies hautnah mit, während man gleichzeitig über die unterschiedlichen gesellschaftlichen Strukturen sowie die politischen Einstellungen der einzelnen Protagonisten informiert wird. Der Spannungsbogen wird schon recht früh gelegt, steigert sich aber innerhalb der Handlung immer mehr in die Höhe. Durch geschickte Wendungen versteht es die Autorin zudem, den Leser konstant in Atem zu halten und das Buch nicht aus der Hand legen zu können, bis die Lösung der verschiedenen Rätsel endlich offenbart ist.

      Die Charaktere sind sehr liebevoll und anhand ihrer Eigenheiten individuell ausgearbeitet worden. Jeder von ihnen wirkt so real und lebendig, dass man das Gefühl hat, sie persönlich zu kennen, weshalb man besonders gut mit ihnen fühlen, leiden, weinen und lachen kann. Sophie ist eine sympathische junge Frau, die sehr früh lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie schlägt sich mit einem kleinen Kind durch Kriegszeiten, hat dabei aber immer noch genügend Hilfsbereitschaft für andere und kämpft sich immer wieder nach oben. Sie hält zu ihren engsten Freunden und versucht alles, um ihre Lieben zu schützen. Jule ist eine sehr sympathische Frau, die nach einer zerbrochenen Beziehung noch immer unter Liebeskummer leidet. In ihrem Café kann sie ihre Backleidenschaft ausleben und sich gleichzeitig auf die Menschen konzentrieren. Sie liebt alte Geschichten und Geheimnisse. Jule sehnt sich nach einer festen Beziehung und einer eigenen Familie, gibt sich nach außen recht wortgewandt, obwohl sie selbst oftmals unsicher wirkt. Aber sie hat das Herz am rechten Fleck. Johanna ist eine ältere Dame, die ihre Familie über alles liebt und ebenfalls gut backen kann. Ihr Neffe Nils ist ihr der Liebste, obwohl dieser sich noch immer nicht von seiner zerbrochenen Ehe erholt hat. Auch die anderen Protagonisten wie Malte, Käthe oder auch Hannes, um nur einige zu nennen, tragen mit ihren eigenen Schicksalen dazu bei, dass die Spannung innerhalb der Handlung von einem Höhepunkt zum nächsten jagt und man sich als Leser der Geschichte kaum entziehen kann, so meisterhaft ist sie geschrieben.

      „Die Oleanderfrauen“ erzählt von Familiengeheimnissen, Verrat, Krieg, Liebe, Neuanfang und verschütteten Erinnerungen. Teresa Simon hat sich mit diesem Buch selbst übertroffen, denn der Roman ist ein absoluter Pageturner und wird niemanden kalt lassen, der ihn gelesen hat. Hier wurde wirklich alles richtig gemacht, besser geht es nicht. Chapeau – absolute Leseempfehlung und ein absolutes Highlight!!!

      Mehr als :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: geht leider nicht!!!
      Bücher sind Träume, die in Gedanken wahr werden. (von mir)

      "Wissen ist begrenzt, Fantasie aber umfasst die ganze Welt."
      Albert Einstein

      "Bleibe Du selbst, die anderen sind schon vergeben!"
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      Lese gerade: Das Lied der Störche, Ulrike Renk

      SUB: ca. 1.800 / gelesen 2017: 245/ 98377 Seiten
    • Wenn die Vergangenheit die Gegenwart berührt

      Hamburg in den 30. Jahren: Sophie Terhoven wächst wohlbehütet in Hamburg auf. Ihre Familie handelt mit Kaffee und ist damit sehr erfolgreich. Sophie bekommt im Leben alles, was sie sich wünscht. Ihre Kindheit verbringt sie mit dem Sohn der Köchin. Hannes ist ihr lange Zeit ein guter Freund, bis die beiden merken, sie sind mehr füreinander. Aber sie, die Tochter aus gutem Haus und er, der Sohn einer Köchin, dürfen nicht zusammenkommen. Und so nimmt ihr Schicksal seinen Lauf, zumal auch noch ein dunkles Geheimnis die Familie Terhoven umgibt.

      2016 ebenfalls Hamburg: Jule hat nicht solche schweren Probleme, wie Sophie aber auch sie drücken Sorgen. Ihr kleines Cafe steht vor einem Existenzproblem und Liebeskummer hat Jule zu dem auch noch. Dann fällt ihr das Tagebuch von Sophie in die Hände und alles andere scheint mit einem Schlag nicht mehr wichtig zu sein. Jule kann einfach nicht aufhören, in dem Tagebuch zu lesen. Sie muss einfach erfahren, welches Schicksal dieses junge Mädchen erleiden musste.

      Mir ging es da ähnlich wie Jule, einmal mit dem Lesen begonnen, mochte ich das Buch nicht mehr zur Seite legen. Teresa Simon versteht es, einfach fesselnd zu erzählen.

      Die Tagebucheinträge sind aus der Ich-Perspektive geschrieben und vermitteln das Gefühl, selbst in diesem Tagebuch zu lesen. Auf diese Weise enthüllen sich die Geheimnisse der Vergangenheit so nach und nach. Diese Szenen sind richtig berührend geschrieben. Sophies Geschichte war allerdings auch nicht immer leicht, sie spielt in den 30. und 40. Jahren des letzten Jahrhunderts und gibt einiges aus dieser Zeit wieder. Einziges Manko war für mich, dass die Tagebucheinträge in einer Schriftart gedruckt wurden, mit der ich nicht zu gut klarkam. Es war anstrengend diese Szenen zu lesen, aber auf der anderen Seite fühlte ich mich dadurch auch fast wie Johanna, einer weiteren Protagonisten aus dem Buch, die diese Zeilen auch nur unter Mühen lesen konnte.

      Dann wechselt die Autorin den Erzählstil und der Leser wird zum Beobachter des Geschehens. Jule und ihr Strandperlchen habe ich direkt in mein Leseherz geschlossen. Jule ihre Geschichte in der Gegenwart liest sich leicht und locker, wie aufgeschlagene Milch zum Kaffee. Sie bildet einen wunderbaren Kontrast zu der schweren Zeit, die Sophie durchleben musste. Aber deswegen mochte ich Jule nicht weniger, eher im Gegenteil. Ich fand ihre Liebesgeschichte amüsant zu lesen und irgendwie hatte ich immer Lust auf Kaffee.

      Aber mehr noch hat mich das Schicksal von Sophie Terhoven und ihren Freunden und Familienmitgliedern bewegt. Es war schön zu lesen, aber gleichzeitig auch traurig, aber immer auch wieder hoffnungsvoll. Gleich zu Beginn steht ein Zitat von Cicero: Dum spiro spero – Solange ich atme, hoffe ich. Dieses Motto begleitet die ganze Geschichte von Sophie und Jule. Und genau diese Hoffnung und Sehnsucht nach Leben hat die Autorin wunderbar eingefangen und wiedergegeben.

      Geschickt hat es Teresa Simon verstanden, die beiden Handlungsstränge miteinander in Einklang zu bringen. Die Vergangenheit hat die Gegenwart berührt und verbindet die Protagonisten weiter miteinander. Die Autorin hat es verstanden, ihren Protagonisten leben einzuhauchen. Sie haben ihre Ecken und Kanten und ihre Schicksale zu meistern. Aber so schwer diese auch gewesen sein mögen, von ihnen zu lesen hat Spaß gemacht.

      Ein historisches Nachwort beendet die Geschichte und als kleinen Zusatz gibt es am Ende des Buches noch einige Rezepte, die Jule oder auch Sophie gekocht beziehungsweise gebacken haben.

      Ich hatte schöne Lesestunden in der Gegenwart mit Jule und ihrer Familie. Aber auch berührende Stunden mit Sophie in der Vergangenheit. „Die Oleanderfrauen“ ist ein Familienroman, der mir richtig gut gefallen hat. Unbedingt lesen!

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