Eine wirklich tolle Zusammenfassung der russischen Geschichte auf knappem Raume - herzlichen Dank, agatha. Das scheint ein prima Buch zu sein. Nur in der folgenden Passage würde ich etwas kritischer nachschauen, auch wenn ich kein absoluter Experte bin:
Durch die Annahme des Christentums oströmischer Prägung im Jahre 988 erfolgte ein wichtiger Schritt zur politischen Konsolidierung (16). Hier liegen „die Wurzeln der russischen Autokratie, [da] das Ideal des unumschränkten Autokrators [des Zaren, Anm.d.Verf.] von Gottes Gnaden von der orthodoxen Kirche tradiert und legitimiert wurde“(4

.
Die russisch-orthodoxe Kirche war in Teilen seiner Geschichte vielleicht unabhängiger vom Staat wie wir denken. Sehr problematisch wurde es, glaube ich, unter Iwan dem Schrecklichen (16.JHDT.). Er wollte (unter anderem) die Kirche/die Menschen ihm untertan machen und benützte dazu grausamste Mittel. Der damalige (sogar von ihm quasi heranzitierte!) neue Patriarch widersetzte sich dem, um eine Unabhängigkeit zu erhalten.
Unter "starken" Zaren hat die Kirche oft gekuscht und klein beigegeben... - Haltung, die teils ähnlich bis in das Verhältnis zwischen Sowjetstaat und Kirche im XX. Jhdt. ging. Sichtbar wurde die Kirche aufs Grausamste verfolgt, mit Tausenden Tote,; der Enteignung und Auflösung von Klöstern etc. Dennoch machten Kirchenverantwortliche oft "gute Mine zum bösen Spiel", aus verschiedensten Gründen und fanden manchmal nicht den Mut zu ganz eindeutigen Worten...
Das Verhältnis zwischen Zar/Staat und Kirche ist wahrscheinlich recht kompliziert, vielschichtig (Legitimation der Macht durch die Kirche, bzw. Auflehnung und Widerstand, zu denen auch immer wieder Einzelne gehört haben). Und wenn ich hier und da mir neue Quellen lese, erschließen sich immer noch neue Aspekte...