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Russische Geschichte.
von Andreas Kappeler

Art: Taschenbuch

Verlag: C.H.Beck

ISBN-10: 3406470769
ISBN-13: 9783406470769

Termin: Juli 2005

Bewertung: [ Anzeigen ]
1 Buchbesitzer:
  
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Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Österreich

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Erzählung, Biographie Thriller, Krimi, Fantasy

1

Mittwoch, 13. Januar 2010, 15:09

Andreas Kappeler "Russische Geschichte"

Andreas Kappeler: Russische Geschichte. München: C.H.Beck Verlag 2008 in der 5., aktualisierten Auflage. 112 S. 7,90.-€Rußland ist ein Rätsel innerhalb eines Geheimnisses, umgeben von einem Mysterium (Sir Winston Churchill, 1874-1965). Kappeler löst dieses Rätsel, indem er die verworrene Geschichte Rußland darstellt und die Ursachen der heutigen Probleme Rußlands in historischen Ereignissen sucht. Das Kiever Reich formierte sich unter der Herrschaft der Rjurikiden in der zweiten Hälfte des 9.Jahrhunderts an der Achse Ostsee – Dnjepr – Schwarzes Meer. Durch die Annahme des Christentums oströmischer Prägung im Jahre 988 erfolgte ein wichtiger Schritt zur politischen Konsolidierung (16). Hier liegen „die Wurzeln der russischen Autokratie, [da] das Ideal des unumschränkten Autokrators [des Zaren, Anm.d.Verf.] von Gottes Gnaden von der orthodoxen Kirche tradiert und legitimiert wurde“(48). In den Jahren 1237 bis 1240 drangen Mongolenheere ein, wodurch die nördlichen und östlichen Gebiete der Rus' für 200 Jahre unter mongolisch-tatarische Oberherrschaft fielen. Die Fürsten der Rus' arbeiteten mit dem Khan zusammen um ihre Macht zu stärken. So konnten die Moskauer Fürsten auf Kosten der benachbarten Fürstentümer ihr Territorium erweitern und die Eroberung Novgorods im 15.Jahrhundert machte das Großfürstentum Moskau zum größten Staat Europas. Dem Aufschwung folgte seit 1560 eine schwere Krise, weil die inneren Kräfte durch die Expansionspolitik und die damit einhergehenden Kriege überlastet wurden. Die Dynastie der Rjurikiden ist 1598 ausgestorben und die Krise kulminierte vollends. Im Jahre 1613 wurde Michail Romanov zum Zaren gewählt und das russische Reich erholte sich wieder. Die Kiever Akademie, die man im 17.Jahrhundert gegründet hat, wurde zum wichtigsten Kanal westlicher Einflüsse. Zar Peter der Grosse machte aus Rußland durch Kriege und Reformen ein Imperium, das den europäischen Großmächten ebenbürtig war. Allerdings gelang es ihm nicht ein prosperierendes Bürgertum zu schaffen (25). Auch Katharina II, die ab 1762 über Rußland herrschte, gelang dies nicht. Aber sie trug viel zum Bildungswesen bei und erweiterte ebenfalls das russische Territorium in Richtung Westen. Diese betriebene Expansionspolitik basiert auf machtpolitischen, wirtschaftlichen und geistigen Faktoren, nicht jedoch auf den geographisch offenen Grenzen und dem Drang zum Weltmeer (67). Eine der wichtigsten Reformen Alexander II, der ermordet wurde, war 1861 die Bauernbefreiung. Allerdings blieben die Bauern wegen ihrer Gebundenheit an die Gemeinde und langwierigen Ablösungszahlungen Bürger zweiter Klasse (57). Unter Alexander III gab die neue Wirtschaftspolitik der Industrialisierung Rußlands entscheidende Impulse. Die Revolution von 1905 und der Erste Weltkrieg brachten Krisen, die 1917 das alte Regime zusammenbrechen und die Sowjetunion entstehen ließen. Diese brach 1991 zusammen und nach El'cin und Putin ist Medved'ev seit 2008 Präsident der Rußländischen Föderation Rußland. Rußland ist ein Vielvölkerreich geblieben, was aus der jahrhundertelangen Expansion resultiert (71).Der Autor Andreas Kappeler ist Professor für Osteuropäische Geschichte in Wien. Es erschienen bis jetzt sehr viele und vor allem umfangreiche Werke verschiedener Autoren, welche die russische Geschichte zum Inhalt haben. Kappeler faßt diese lange Geschichte verhältnismäßig kurz zusammen. Sein Buch ist eine Überblicksdarstellung der Geschichte Rußlands und ist in vier Kapitel unterteilt. Im ersten Kapitel werden die Grundlagen erklärt, das zweite Kapitel beschäftigt sich mit der Geschichte Rußlands, im dritten Kapitel geht Kappeler auf ausgesuchte Problemfelder ein und im vierten Kapitel finden sich eine Zeittafel, Karten und Hinweise auf weiterführende Literatur. Kappeler gibt neue Ansätze für die Erforschung der Ursachen, die gewisse Entwicklungen hervorriefen. So meint er beispielsweise, daß die Russifizierungsversuche und die Industrialisierung nationale Massenbewegungen hervorriefen, die den Zusammenbruch der Sowjetunion nach sich zogen (74). Rußland war lange Zeit ein Agrarland und die Industrialisierung setzte erst spät ein. „Aus den geographischen Bedingungen, dem riesigen Raum mit gewaltigen […] Ressourcen, der Verfügbarkeit billiger Arbeitskräfte und der Tradition der Mobilität ergab sich in Rußland ein Grundmuster extensiven Wirtschaftens“ (78). Daher war es nicht nötig, neue Technologien zu entwickeln, so wie es andere Länder mit geringeren Ressourcen machen mußten. Erst seit dem 18.Jahrhundert begann Rußland, angetrieben durch das schnelle Wirtschaftswachstum des kapitalistischen Westens, seinen ökonomischen Rückstand aufzuholen. So kommt es zu Rußlands Rückständigkeit im industriellen Bereich. Kappeler verschafft dem Leser einen vernünftigen Überblick über die russische Geschichte und geht nachvollziehbar auf die von ihm gewählten Problemfelder ein. Das Buch eignet sich gut als Einstieg in das Thema. Vor allem überzeugt der fortlaufende Zusammenhang bis in die Gegenwart. Wenn man sich aber spezifischer mit der Thematik beschäftigen will, ist die Lektüre eines umfassenderen Werkes empfehlenswert. Rózga Agatha
:flower: Im Moment lese ich: Anne B. Ragde "Einsiedlerkrebse":flower:
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Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Erzählung, Klassiker

2

Mittwoch, 13. Januar 2010, 23:13

RE: Andreas Kappeler "Russische Geschichte"

Eine wirklich tolle Zusammenfassung der russischen Geschichte auf knappem Raume - herzlichen Dank, agatha. Das scheint ein prima Buch zu sein. Nur in der folgenden Passage würde ich etwas kritischer nachschauen, auch wenn ich kein absoluter Experte bin:


Durch die Annahme des Christentums oströmischer Prägung im Jahre 988 erfolgte ein wichtiger Schritt zur politischen Konsolidierung (16). Hier liegen „die Wurzeln der russischen Autokratie, [da] das Ideal des unumschränkten Autokrators [des Zaren, Anm.d.Verf.] von Gottes Gnaden von der orthodoxen Kirche tradiert und legitimiert wurde“(48).


Die russisch-orthodoxe Kirche war in Teilen seiner Geschichte vielleicht unabhängiger vom Staat wie wir denken. Sehr problematisch wurde es, glaube ich, unter Iwan dem Schrecklichen (16.JHDT.). Er wollte (unter anderem) die Kirche/die Menschen ihm untertan machen und benützte dazu grausamste Mittel. Der damalige (sogar von ihm quasi heranzitierte!) neue Patriarch widersetzte sich dem, um eine Unabhängigkeit zu erhalten.

Unter "starken" Zaren hat die Kirche oft gekuscht und klein beigegeben... - Haltung, die teils ähnlich bis in das Verhältnis zwischen Sowjetstaat und Kirche im XX. Jhdt. ging. Sichtbar wurde die Kirche aufs Grausamste verfolgt, mit Tausenden Tote,; der Enteignung und Auflösung von Klöstern etc. Dennoch machten Kirchenverantwortliche oft "gute Mine zum bösen Spiel", aus verschiedensten Gründen und fanden manchmal nicht den Mut zu ganz eindeutigen Worten...

Das Verhältnis zwischen Zar/Staat und Kirche ist wahrscheinlich recht kompliziert, vielschichtig (Legitimation der Macht durch die Kirche, bzw. Auflehnung und Widerstand, zu denen auch immer wieder Einzelne gehört haben). Und wenn ich hier und da mir neue Quellen lese, erschließen sich immer noch neue Aspekte...
Gruß, tom

Mariusz Wilk - Portage
Alexander Schmemann - Aufzeichnungen 1973-1983
Léonid Andreïev - Le gouffre (und andere Erzählungen)

http://www.buechertreff.de/index.php?pag…=2161&rsort=S-1
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