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Das Leben der Wünsche
von Thomas Glavinic

Art: Gebundene Ausgabe

Verlag: Hanser

ISBN-10: 3446233903
ISBN-13: 9783446233904

Termin: August 2009

Bewertung: [ Anzeigen ]
15 Buchbesitzer:
 
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Beiträge: 240

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: München

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Fast alles ;-)

1

Donnerstag, 6. August 2009, 22:28

Thomas Glavinic - Das Leben der Wünsche

"Das Leben der Wünsche" beginnt wie ein ganz normaler Roman. Der Protagonist Jonas ist Mitte dreißig, hat einen langweiligen Job bei einer Werbefirma, eine Frau und zwei Söhne.

Doch unter der Oberfläche sieht nicht alles so rosig aus: Die Gefühle für seine Frau Helen haben sich durch den gemeinsamen Alltag verändert und Jonas sucht neues Glück bei seiner Geliebten Marie, die ihrerseits auch einen Mann und ein Kind hat. So bleibt den beiden nur eine gefährliche Gratwanderung zwischen ihrem eigenen Leben und ein paar Stunden intimes Beisammensein. Jonas Ex- und beste Freundin ist außerdem unheilbar an Krebs erkrankt und sein kleinster Sohn leidet an einem Wachstumsproblem.

Trotz der Gewissenbisse seiner Frau gegenüber kommt Jonas generell mit seinem Leben klar - bis gleich zu Anfang des Buchs ein seltsamer Mann in sein Leben tritt, der verspricht, ihm drei Wünsche zu erfüllen. Jonas entscheidet sich schließlich nach langem Hin und Her für den Wunsch, dass ihm all seine Wünsche erfüllt werden. Der Fremde willigt ein und zieht von dannen...

Zunächst tut sich gar nichts, auch als Jonas sein Glück auf die Probe stellt und ein Lotterielos kauft. Doch langsam scheint sich etwas in Jonas leben zu tun... Dass seine Aktien steigen oder sein Sohn einen gewaltigen Wachstumsschub bekommt, waren für mich dabei eher nebensächlich. Vielmehr fällt auf, dass sich Jonas innerlich verändert. Dinge, die er vorher gar nicht beachtet hat, erscheinen ihm plötzlich wichtig, bedrohlich oder fantastisch, alltägliches widerum wird für ihn distanziert, wie aus einer anderen Welt.

Im Laufe des Buches spitzen sich die unvorhergesehenen Ereignisse immer weiter zu - es kommt zu Naturkatastrophen, merkwürdigen Toden oder anderen Phänomenen, die immer nur in Zusammenhang mit Jonas auftauchen. Viel tiefsinniger als die Ereignisse selbst ist aber immer Jonas innerer Konflikt und seine Reaktion darauf, so dass man bis zum Ende hin gar nicht mehr sicher ist, was davon wirklich passiert, was er sich einbildet, vielleicht träumt - und ob Jonas selbst überhaupt noch real ist...

Der Schreibstil ist sehr wirklichkeitsnah und fesselnd, Glavinics Stil hat es mir wirklich angetan. Auch die Geschichte und Erlebnisse werden flüssig erzählt, nur in der Mitte und am Ende zieht sich das Ganze etwas, es fehlt der Schwung und vor allem die schokierenden und verstörenden "Cliffhanger" bleiben aus... Großes Manko allerdings: Die fehlenden Anführungszeichen... Glavinics Stil in allen Ehren, aber es ist manchmal doch etwas ermüdend.

Wer nach dem Lesen von "Das Leben der Wünsche" verwirrt ist und meint, Jonas Erlebnisse würden alle keinen Sinn ergeben, dem kann ich nur raten: Der Schlüssel, zum verstehen des Buches, sind die Überlegungen, die sich Jonas am Anfang zu den Wünschen macht... Denn letztendlich sind es genau diese Dinge, die sich erfüllen! "... wie es ist, knapp davonzukommen. Um ein Haar an großem Unheil vorbeizuschlittern... [...] Ich könnte mir wünschen, einen Feind töten zu lassen [...] Ich könnte mir wünschen, die Dinge so zu erfassen, wie sie sind..."

Alles in Allem ist "Das Leben der Wünsche" ein sehr tiefsinniges und komplexes Buch, über das man sicher stundenlang rezensieren kann!
Bei der Bewertung schwanke ich zwischen :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: und :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: , da es sich gegen Ende hin doch sehr gezogen hat...
Nae quin! Nae king! Nae laird! Nae master! We willna' be fooled again!
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Beiträge: 131

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Karlsruhe

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Historisches, Fantasy, Zeitgenössisches

2

Mittwoch, 19. August 2009, 11:18

Ich möchte Ihnen ein Angebot machen.

Das Leben von Jonas, Familienvater und mäßig erfolgreicher Wertetexter, ändert sich schlagartig, als ihm ein Unbekannter auf offener Straße ein verlockendes Angebot unterbreitet. Jonas, ich erfülle Ihnen drei Wünsche. Erst irritiert und misstrauisch, geht Jonas schließlich auf die Versuchung ein und wünscht sich, alle seine Wünsche mögen in Erfüllung gehen. Doch er merkt schnell, dass seine Entscheidung sowohl Segen als auch Fluch bedeutet.

Schon der Beginn erinnert an ein klassisches Märchenelement: den Pakt mit dem Teufel. Surreale, rätselhafte Elemente lassen Wirklichkeit und Fiktion mehr und mehr verschwimmen. Thomas Glavinic macht es dem Leser nicht leicht, er fordert zum Mitdenken. Wörtliche Rede ist nicht gekennzeichnet, mysteriöse Ereignisse werden nicht aufgeklärt, Antworten höchstens angedeutet.
Leider reicht der Spannungsbogen nicht über die 318 Seiten. Ist die Atmosphäre anfangs noch sehr dicht und fesselnd, wirkt die Geschichte später seltsam zusammenhanglos, distanziert und episodenhaft, als würde der Autor einen Zettel mit Stichworten abarbeiten.

Absolut genial fand ich dagegen den Erzählstil, die präzise, knappe, schnörkellose Sprache, die gut zu der beklemmenden Atmosphäre passt.

Dem Autor gelingt es, Figuren mit wenigen Worten lebendig werden zu lassen - und das, obwohl er Personen nicht direkt für uns vorstellt oder beschreibt. Jonas kennt seine Freunde und Bekannte; wir erleben, was er erlebt, nehmen war, was er wahrnimmt. Die Beziehung zwischen Jonas und Marie wird sehr lebensnah dargestellt. Vor allem ihre Dialoge haben es mir angetan; authentisch, originell, hier konnte ich mich gut hineinfühlen.

Insgesamt wirkt Das Leben der Wünsche aber doch zu unharmonisch und verwirrend, viele Fragen bleiben offen. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
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Beiträge: 2 664

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Thüringen

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: englischsprachige Literatur, Erzählungen, Zeitgenössisches

3

Freitag, 21. August 2009, 13:19

Was würde ich mir wünschen, wenn mir plötzlich ein wildfremder Mensch drei Wünsche anbieten würde? Würde ich mir überhaupt etwas wünschen oder würde ich den Menschen für verrückt erklären und davonlaufen?

Wie mein Leben verlaufen könnte, wenn ich die drei freien Wünsche annehmen würde, zeigt mir das Buch "Das Leben der Wünsche" von Thomas Glavinic. Denn hier entscheidet sich der Protagonist Jonas dafür, die drei Wünsche anzunehmen. Dass er den Fremden trotzdem für verrückt erklärt, sei an dieser Stelle nebensächlich.

Was wünscht man sich? Geld, Macht, Besitztümer? Doch Jonas strebt nach Höherem, nach Erkenntnis, Wissen, Wahrheit.

Doch macht mir das den Protagonisten nicht viel sympathischer. Zu sehr überwiegt sein Egoismus, seine Unzuverlässigkeit, seine Egozentrik. Nicht nur, dass er seine Frau betrügt, nein, auch seine Kinder lässt er für seine Geliebte im Stich.

Während zunächst alles danach aussieht, als wäre die Sache mit den Wünschen nur ein schlechter Scherz gewesen, geschehen langsam Dinge, die mich als Leser oft denken lassen, dass sich wohl doch ein Wunsch des Protagonisten erfüllt. Es beginnt zunächst ganz harmlos, die Aktienkurse steigen. Doch das könnte auch purer Zufall sein. Oder nicht? Doch plötzlich geschehen unheimliche Dinge, Menschen kommen zu Tode. Soll sich der Protagonist so etwas wünschen? Oder kehren sich seine Wünsche ins Gegenteil? Die Handlung wird bizarrer und surrealer, eine Unterscheidung zwischen Traum und Wirklichkeit ist an manchen Stellen nur schwer möglich. Unglücke geschehen und unterschwellig frage ich mich als Leser ständig, was das Geschehene mit den Wünschen des Protagonisten zu tun haben könnte.

Der Schluss des Buches lässt mich etwas unbefriedigt zurück. Zu wenig Antworten werden mir auf meine Fragen geliefert und nicht auf alles kann ich mir als Leser selbst eine Antwort geben.

An den Besonderheit des Autors, während der wörtlichen Rede keine Anführungszeichen zu setzen, gewöhnt man sich recht schnell, zumal jeder Person eine neue Zeile gewidmet wird. Dadurch lassen sich die Sätze den verschiedenen Personen gut zuordnen.

Der Stil des Autors schwankt, abhängig davon, ob er als allwissender Erzähler von den Geschehnissen berichtet oder ob er uns mittels Dialogs an den Gefühlen der Protagonisten teilhaben lässt. Während er beschreibend und erzählend tätig ist, setzt er die Sätze aus Haupt- und Nebensatz zusammen, baut viele umschreibende Adjektive ein. Der Stil wirkt hier leicht und lebendig, dabei aber nicht zu flach oder banal. In der Dialogform beschränkt er sich hauptsächlich auf kurze und prägnante Hauptsätze, kurz und knapp laufen die Gespräche ab. Doch das zeigt, wie die Hauptpersonen zueinander stehen. Es sind keine tiefen Gefühle, keine lebendigen Beziehungen, die sie verbinden. Alles wird auf ein Mindestmaß beschränkt, so eben auch die Dialoge.

Interessant finde ich, dass die Hauptcharaktere völlig ohne Beschreibungen des Autors auskommen. Man erfährt als Leser kaum mehr als ihren Namen und doch werden sie mir vertraut, allein durch ihr Handeln und Reden erklären sie sich mir.

Bislang kannte ich den Autor noch nicht, doch das Vorwort von Wolfgang Tischer von literaturcafé.de macht neugierig auf manch anderes Buch des Autors.

:flower:
"Hab Vertrauen in den, der dich wirft, denn er liebt dich und wird vollkommen unerwartet auch der Fänger sein."
Hape Kerkeling


http://traumtaenzerin2.myblog.de/
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Beiträge: 134

Geschlecht: Weiblich

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Thriller

4

Mittwoch, 13. Januar 2010, 12:11

Pass auf was du dir wünschst...denn es könnte in Erfüllung gehen!

Leider muss ich genau diesen Satz zu diesem Buch schreiben...ich habe
mir so sehr gewünscht es zu bekommen,aber es war so enttäuschend,daß
ich es abbrechen musste :-( Ich kam von Anfang an nicht in die Handlung
rein...fand den Hauptprotagonisten Jonas mehr als unsympathisch und
leider war von Wünschen in dem Buch auch gar keine Rede,man (also ich
zumindest) konnte auch nichts von unterschwelligen Wünschen herauslesen
:-( Die Idee war gut,aber mehr als schlecht umgesetzt,sehr,sehr
schade.:-((( :thumbdown: :thumbdown: :thumbdown:
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Beiträge: 27

Geschlecht: Weiblich

Wohnort: Lübeck

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Fantasy, History, Horror, Thriller, Humor

5

Mittwoch, 13. Januar 2010, 13:51

Ich möchte hier mal keine lange Rezi mehr posten, obwohl ich dafür bei Vorablesen Punkte bekommen würde... :lol:



Ich war von dem Buch auch mehr als enttäuscht. Ich dachte eigentlich "Wow, endlich ließt du mal ein Buch, was für einen Preis nominiert ist." Aber letztenendes hab ich mich gefragt, warum es überhaupt nominiert ist!? Die Handlung war komisch und unverständlich, es hat irgendwie alles nicht zusammen gepasst, und der Schreibstil war auch sehr merkwürdig...
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Beiträge: 34

Geschlecht: Weiblich

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Fantasy, Klassiker, Fachbuch, Jugendbuch

6

Donnerstag, 4. Februar 2010, 21:28

Das Leben der Wünsche /Thomas Glavinic

Ich bin schon so gespannt. Nachdem ich von "Die Arbeit bei Nacht" ja schon so begeistert war, kann ich kaum abwarten, was mich auf den folgenden Seiten erwarten wird. Die Grundidee, mit der "guten Fee", die einem 3 Wünsche erfüllen möchte, finde ich schonmal super. Mal schauen in welche menschlichen Abgründe Jonas diesmal blickt. :cheers:
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Beiträge: 21 819

Geschlecht: Männlich

Wohnort: Duisburg

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: nicht festgelegt

7

Donnerstag, 4. Februar 2010, 22:56

@Innensicht, da Du das Buch noch nicht angefangen hast und auch eigentlich keine Vorstellung machst, habe ich Deinen Beitrag an den bereits bestehenden Thread angehängt. 8)
Mehr Bücher finden sich auf Sandammeer und Lesezeit hier. Hilfe, die ankommen soll geht an Ärzte ohne Grenzen.
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Beiträge: 1 719

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: querbeet

8

Mittwoch, 31. März 2010, 15:56

Jonas führt mit Frau und 2 Kindern ein durchschnittliches Leben; er hat einen langweiligen Job und eine Geliebte, Marie.
Da begegnet ihm eines Tages ein Mann, der ihm drei Wünsche gewährt. Jonas erwidert daraufhin: " Ich wünsche mir, dass sich alle meine Wünsche erfüllen. Dies ist mein erster Wunsch, und auf die zwei anderen kommt es nun nicht mehr an, ich schenke sie Ihnen."
Nun verändert sich Jonas' Leben und er sich selbst auch. Es geschehen ungewöhnliche Dinge -surreale und zum teil auch albtraumhafte Szenen, wo es auch für den Leser schwierig wird zu unterscheiden, was nun Fiktion/Traum und was Realität ist.

Zitat

Zitat Snuuke:
Wer nach dem Lesen von "Das Leben der Wünsche" verwirrt ist und meint, Jonas Erlebnisse würden alle keinen Sinn ergeben, dem kann ich nur raten: Der Schlüssel, zum verstehen des Buches, sind die Überlegungen, die sich Jonas am Anfang zu den Wünschen macht... Denn letztendlich sind es genau diese Dinge, die sich erfüllen! "... wie es ist, knapp davonzukommen. Um ein Haar an großem Unheil vorbeizuschlittern... [...] Ich könnte mir wünschen, einen Feind töten zu lassen [...] Ich könnte mir wünschen, die Dinge so zu erfassen, wie sie sind..."

Dem kann ich wohl zustimmen. Jonas' innersten Wünsche/Gedanken gehen in Erfüllung; Wünsche, die man eigentlich nicht ausspricht und die Chaos auslösen, werden sie erfüllt.
Als Beispiel fällt mir gerade der Fußgänger ein, der (nach dem Empfinden von Jonas) zu langsam über den Zebrastreifen geht und dann von einem Lastwagen angefahren wird.

Für mich war es ein Buch, was sprachlich leicht zu lesen war, aber inhaltlich nicht so ganz einfach war - was mich aber durchaus gefesselt hat.
Ich kann mir gut vorstellen, das Buch nochmals zu lesen, gerade weil man beim zweiten Mal den Roman besser verstehen könnte.
"Die Arbeit der Nacht" ist auf meiner Wunschliste gelandet.

Die Bewertung war auch für mich nicht so ganz einfach, da schwanke ich ebenfalls.

Liebe Grüße
Es gibt nichts, was ein Buch als Nährboden der Phantasie ersetzen könnte.
(Astrid Lindgren)

:study: Kate Morton - Der verborgene Garten
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