Dieses Buch ist in Tagebuchform geschrieben und das reizt mich immer wieder. Ich mag diese Art des Schreibens und ich mag Familiengeschichten mit Humor und einer Prise Ironie. Leider war dieser Roman für mich kein besonders schöner Genuss. Die ersten Seiten sind noch witzig und bieten einige Lacher, aber nach einer Weile hat mich das ewige Lamentieren von Frau O’Reilly sehr genervt. Es geht um eine Frau, die ihrem Mann zu Liebe aus der Großstadt aufs Land zieht und dem Leben dort einfach nichts abgewinnen kann. Ihr geht es eigentlich immer schlecht, immer wieder betont sie wie schön doch London ist und wie schrecklich doch Northumberland. Die Leute sind anders, es gibt keine Kaffeehausketten, keine Geschäfte und das gesellschaftliche Leben ist einfach nicht so spannend wie in London. Na ja ein Jagdball kann sicher nicht mit einem gesellschaftlichen Großereignis mithalten.Ich konnte zur Autorin leider keine Sympathie aufbauen und habe auch wenig Verständnis für ihr ständiges Gemecker. Man hat einfach das Gefühl sie will sich grundsätzlich gegen ihr neues Leben versperren.
Die Form des Tagebuchs oder Blog ist ebenfalls wenig gelungen. Die Einträge haben keinen Zusammenhang zueinander und erscheinen einfach wie ein aneinanderreihen von Gejammer und bieten wenig Handlung. Man muss sicher bedenken, dass das Buch aus Frau O’ Reillys Blog entstanden ist, aber als Buch ist dies für mich ungeeignet. Einen Blog als solches lese ich sehr gerne, aber da kann ich guten Gewissens auch mal ein paar langweilige Einträge überspringen, was ich bei einem Buch eben nicht so einfach tun kann. Manchmal sollte ein Blog/Tagebuch eben ein solches bleiben, denn so spannend kann ein Buch nicht sein, wenn der Autorin auf gefühlt jeder zweiten Seite das Auto liegen bleibt.
Der größte Störfaktor meiner Meinung nach war aber die Bezeichnung der Kinder. Der Dreijährige, der Sechsjährige… Mit jedem Jahr musste man sich erstmal überlegen, welches Kind denn nun welches ist. Man muss ja nicht unbedingt die Namen seiner Kinder nennen, aber wenn man sich schon Spitznamen für den Freundes- und Bekanntenkreis ausdenkt, dann hätte sich sicher auch einer für die Kinder gefunden.
Was mir gut gefallen hat war Frau O’Reillys Verhältnis zu ihren Eltern und die Erkenntnis die sie über das Altern ihrer Mutter gewinnt, sowie ihr sehr liebevolles Verhältnis zu den Kindern, für die sie wie eine Löwein eintritt, wenn sich jemand gegen sie stellt. Das Ehefrau-Ehemann-Verhältnis bleibt allerdings sehr stark im Hintergrund, was mich sehr den Sarkusmus der ersten Seiten vermissen ließ.
Kurz positiv zu Erwähnen ist noch die schöne Gestaltung der Ausgabe. Das Cover ist liebevoll gestaltet und ich finde das sich das Buch sehr schön anfühlt beim Lesen.
Als Fazit von mir kann ich sagen, dass mich das Buch leider enttäuscht hat, da ich etwas vollkommen anderes erwartet hatte. Wie schon oben erwähnt, hätte ich es als Blog sicher lieber gelesen, als als Buch. Sieht man es als solches, nur in einer gedruckten und verlegten Form, kann man es sicher Lesen, muss man aber nicht unbedingt. Wer einen herzhaft erfrischenden Sommerroman erwartet ist mit diesem Buch allerdings nicht gut bedient.

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