Zum Inhalt
Bei einem Unfall mit seinem Fahrrad verliert der 60-jährige Paul Rayment ein Bein und ist fortan zur Bewältigung seines Alltags auf Hilfe angewiesen. Prompt verliebt sich der Geschiedene in seine Pflegerin Marijana, verheiratet, Mutter dreier Kinder und an Paul nur rein beruflich interessiert. Dieser hingegen will auch alles über Marijanas Privatleben wissen und bietet ihr schließlich sogar an, ein teures Internat für ihren Sohn Drago zu bezahlen, den Sohn, den Paul nie hatte. Das passt Marijanas Ehemann absolut nicht, doch dann taucht Elizabeth Costello in Pauls Leben auf und mischt sich ihrerseits ein.
Meine Gedanken zum Buch
Bis dahin habe ich die Geschichte auch ganz interessant gefunden und war neugierig, wie es Paul weiterhin ergeht. Doch mit dem Auftritt der über 70-jährigen Schriftstellerin Elizabeth Costello kippt die Stimmung abrupt. Woher kommt sie? Mit welchem Recht lässt sie sich in Pauls Wohnung nieder und beginnt sich in aufdringlicher und unverständlicher Weise in seinem Leben auszubreiten? Und das, obwohl Paul ihr des öfteren die Tür weist und ihr immer wieder zu verstehen gibt, dass er nicht die geringste Sympathie für sie empfindet.
Statt diese Tatsache zu akzeptieren, schlägt sie ihm schließlich vor, mit ihm zusammenzuziehen, damit man sich im Alter gegenseitig unterstützen könne.
Mir war diese Dame jedenfalls höchst zuwider, und ich weiß auch nicht, welche Botschaft sie dem Leser vermitteln sollte. Und auch Paul ist mir in seiner sklavischen Anhänglichkeit an Marijana nicht sympathischer geworden. Die Weisheit des Alters hat er in diesem Roman jedenfalls nicht verkörpert.
Hat der Autor (Jahrgang 1940) womöglich Altmännerliteratur fabriziert, um seine eigene Angst vor dem Alter und eventuellen Gebrechlichkeiten zu verarbeiten? Ist diese Verliebtheit in eine viel jüngere Frau ein letztes Aufbäumen vor der Endgültigkeit von Krankheit und Tod?
Mir waren das jedenfalls zu viele Fragen, auf die ich keine schlüssige Antwort gefunden habe, und auch der Stil des Nobelpreisträgers ist mir in diesem Falle gar nicht preisverdächtig vorgekommen.