Das Problem, dass Jack ständig das falsche Geschlecht für Substantive verwendet ( z.B. "die" Teppich) entfällt ja im Original. Vielleicht läuft Dir die Übersetzung in einer Buchhandlung oder Bücherei über den Weg, nachdem Du das Original gelesen hast. Es würde mich interessieren, was genau der Übersetzer gemacht hat.
Ich könnte mir vorstellen, dass Jack im Original einfach nicht das Pronomen "it" für die Gegenstände verwendet, sondern "he" und "she", das würde dazu passen, dass er sie ja oftmals wie Personen betrachtet, zum Beispiel Jeep, der herumfahren will, oder so. Der Übersetzer hat dann eventuell einfach Artikel bzw. Genus der Nomen den Pronomina angepasst.

So jedenfalls meine Vermutung, es würde dazu passen, dass Jack die Nomen wie Namen verwendet - was logisch ist, denn wenn man denkt, dass es auf der Welt nur eine Uhr gibt, warum sollte man "die Uhr" sagen und nicht einfach "Uhr".
Ich habe das Buch jetzt ausgelesen und hier ist meine Meinung:
„Raum“ ist nicht zu vergleichen mit anderen Büchern. Es ist ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte, das mich beim Lesen gefesselt und mich weit übers Lesen hinaus beschäftigt hat. Es ist so ein Buch, bei dem man das Bedürfnis hat, über den Inhalt zu reden, um loszuwerden, wie es einem beim Lesen geht. Bilder aus den Nachrichten kommen wieder hoch, aber „Raum“ selbst erzeugt auch eigene Bilder, die sehr stark sind und die mich sehr beschäftigt haben.
Die Atmosphäre ist bedrückend, ja fast erdrückend. Die Verzweiflung von Jacks Mutter ist in manchen Szenen fast mit den Händen greifbar, und ihr Versuch, Jack wie ein Kind aufwachsen zu lassen, das in Freiheit lebt, ist rührend und verlangte mir beim Lesen Bewunderung ab. Gesundes Essen, Sport, Bildung (Jack kann lesen und rechnen), was in ihrer Macht steht, tut die junge Frau für ihren Sohn. Sie schafft es sogar, Jack von Zeit zu Zeit zu suggerieren, dass sie in ihrer Situation mit ihm Spaß hat und dass alles ganz normal ist.
Die Erzählperspektive ist spannend und gleichzeitig ist der Roman gerade durch sie so beängstigend. Als Leser muss man sich gerade am Anfang viele Dinge erschließen, weil Jack zwar berichtet, was geschieht, er aber nicht alles richtig deutet, wie zum Beispiel die Tatsache, dass er und seine Mutter jeden Mittag – außer Samstag und Sonntag – auf dem Tisch stehen und schreien, so laut sie nur können. Für Jack ist das nur ein Spiel – seine Mutter hofft immer noch auf Rettung.
Aber auch in Freiheit ist das Leben für die beiden alles Andere als einfach und ich fand es eigentlich besonders gelungen, dass die Autorin den Ausbruch von Jack und seiner Mutter nicht als Happyend stehen lässt, sondern dass sie umfassend aufzeigt, was das erneute Leben in Freiheit an Ängsten, Überforderung und neuen Hürden mit sich bringt. Für Jacks Mutter ist das Ganze dadurch noch schlimmer, weil sie nicht nur selbst versuchen muss, ihr Leben in den Griff zu bekommen, sie muss auch noch ihren Sohn im Auge behalten, der sich weder mit dem Gedanken Schuhe zu tragen, noch mit dem Gedanken, nicht bei seiner Mutter im Bett zu schlafen und überhaupt von ihr getrennt zu sein, anfreunden kann. Jack weiß nicht, dass man Bienen und fremde Hunde nicht anfasst, seine Haut ist kein Sonnenlicht gewöhnt und fremde Menschen machen ihm Angst. Eigentlich möchte er in Raum zurück – was sollte auch dagegen sprechen, wenn Old Nick doch weg ist?
Ein Roman, bei dem man sein eigenes Weltbild überdenken muss, ein Roman, der einen oft auch vor die Frage stellt, wie man selbst mit bestimmten Situationen klargekommen wäre – oder ob überhaupt! Für mich ist „Raum“ auch ein Roman, der das Thema so umfassend darstellt, dass ich das Gefühl hatte, alle Aspekte des Lebens werden beleuchtet und alle Schwierigkeiten werden aufgezeigt, aber bestimmt gibt es noch weit mehr, was man sich gar nicht vorstellen kann.
Jack sagt an einer Stelle, dass die Menschen im Draußen immer im Stress sind und nie für etwas richtig Zeit haben – natürlich keine vollkommen neue Erkenntnis, aber im Zusammenhang mit dem Roman etwas, das nachklingt, wie überhaupt viele Szenen und Sätze dieses Buches.
Mehr als eine Leseempfehlung. Unbedingt lesen!