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79 Buchbesitzer:


 
Raum
von (Übersetzer: Armin Gontermann)

4.6 bei 42 Bewertungen


Art: Gebundene Ausgabe
Verlag: Piper

ISBN: 9783492054669

Termin: August 2011


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Tuesday, August 23rd 2011, 4:14pm

Emma Donoghue - Raum

Ein wirklich guter, wenn auch wirklich verstörender Roman.

Klappentext

Auch seinen fünften Geburtstag feiert Jack in Raum.
Raum hat eine immer verschlossene Tür, ein Oberlicht und misst 12 Quadratmeter. Dort lebt der Kleine mit seiner Mutter. Dort wurde er auch geboren. Jack liebt es fernzusehen, denn da sieht er seine "Freunde", die Cartoonfiguren. Aber er weiß, dass die Dinge hinter der Mattscheibe nicht echt sind - echt sind nur Ma, er und die Dinge in Raum.
Bis der Tag kommt, an dem Ma ihm erklärt, dass es doch eine Welt da draußen gibt und dass sie versuchen müssen, aus Raum zu fliehen ...


Die Autorin

Emma Donoghue wurde 1969 als jüngstes von acht Kindern in Dublin geboren. Sie studierte in Dublin und Cambridge.
Nach einem Aufenthalt in London zog sie 1998 nach Ontario in Kanada, wo sie mit ihrer Lebensgefährtin und ihren beiden Kindern lebt. Emma Donoghue ist Autorin zahlreicher Romane und Erzählungen.

Persönlicher Eindruck

Für den kleinen Jack ist Raum die ganze Welt:

Er ist 12m² groß, dort stehen ein Herd, eine Wanne, eine Toilette und ein Schrank, in dem er sich versteckt, wenn Old Nick kommt. Im Fernsehen sieht Jack sich immer seine Freunde, die Cartoonfiguren, an. Dora mag er besonders gerne, denn für ihn ist sie real. Nicht greifbar, aber echt.
Denn sie ist in Raum und alles, was außerhalb davon liegt, existiert doch gar nicht in echt.

Der Einstieg in Emma Donoghues Roman gestaltete sich für mich nicht ganz einfach. Man hätte am besten alles vergessen, was man bisher kannte:
Bilder der Normalität, Sozialverhalten, Grammatik.
Denn für Jack gibt es das alles nicht, zumindest nicht so. Er benutzt seine eigenen Worte und seine eigene Satzstellung, Dinge werden gebringt und alle Gegenstände im Raum ohne Artikel verwendet, denn für ihn sind sie so echt, dass sie fast Freunde sein könnten. Mummeldecke, Tür, Schrank, Fernseher, Oberlicht:
Sie alle sind mehr als nur unpersönliche Gegenstände.

Ein wenig erstaunt hat es mich dann schon, wie schnell man sich an die eigene, brillant umgesetzte Sprache des kleinen Jack gewöhnt hat. Sie war flink und der Lesefluss auch nicht sehr viel anders als bei gewöhnlichen Romanen. Denn wenn Emma Donoghues Buch vor allem eines war, dann das:
außergewöhnlich.

Dass es nicht ganz einfach war, Raum zu lesen, lag allerdings nur zu einem geringen Teil an der Sprache. Viel schwerer wog die Thematik selbst und stieß oft an die Grenzen der Dinge, die man sich mit seinem Verstand vorzustellen vermag. Nach Jacks Beschreibungen ist alles in Raum so selbstverständlich und ausreichend wie für uns die ganze Welt auch, denn er kennt es nicht anders. Dass dem Ganzen allerdings eine 7 Jahre lange Gefangenschaft vorausgeht, dass sich die durch Kinderaugen beschriebene Welt auf Missbrauch, Entführung und Verzweiflung gründet, ist für einen wachen Verstand nur schwer nachzuvollziehen, schwer einzuordnen.
Laut den Pressestimmen zum Roman ist Emma Donoghues Buch an die Geschichte von Elisabeth Fritzl angelehnt und die Bilder, die damals durch jegliche Nachrichten jagten, habe ich auch heute noch klar vor Augen. Raum stelle ich mir wie ihren Raum vor.

Eine Faszination wusste der Roman auf seine Weise auszustrahlen, denn ich habe ihn innerhalb von nur 2 Tagen ausgelesen. Gestern musste ich es allerdings ab und an aus der Hand legen, denn ich bekam das Gefühl, einfach zu lange mit Jack und seiner Ma im Raum gewesen zu sein.
Das klingt seltsam, zeugt für mich aber von den schriftstellerischen Fähigkeiten Emma Donoghues, denn sie wusste mich mit ihren Worten zu erreichen und tief zu berühren.

Ich glaube, es war das bisher verstörendste Buch, das ich jemals gelesen habe. Eines, das große Gedankenanstöße gibt. Vor allem in der Zeit nach der Befreiung von Mutter und Kind:
Die Augen, die Jack auf die Welt richtet - die wirkliche Welt außerhalb von Raum - sind großartig.
All das, was uns selbstverständlich erscheint, ist für ihn neu. Treppenstufen, Saft mit Stückchen, Regen, Schuhe, Sand und Meer.
Warum benutzen die Menschen im Draußen soviele seltsame Redewendungen und meinen eigentlich das Gegenteil, warum verhalten sie sich so und nicht anders? Jack mag keine Berührungen und er weiß nicht, warum er seltsam angeschaut wird, wenn er das Buch vom Bagger Dylan, welches im Raum schließlich ihm gehört hat, einfach aus dem Geschäft mitnimmt und in seine Dora-Tasche steckt. Dabei ist das faszinierend Schöne an ihm, dass er all diese Dinge einfach nur mit großem Erstaunen schildert, sie aber nicht als positiv oder negativ bewertet. Manchmal glaube ich, das können so nur noch Kinderaugen - die der Erwachsenen sind oft schon zu verklärt dazu.
Jack ist einfach ein kluger, herzallerliebster Geschichtenerzähler und ein guter noch dazu, wie ihm auch der betreuende Psychologe im Laufe des Romans einmal bescheinigt. Er geht einem nahe, berührt einen.

Ich glaube, Raum ist ein Buch, das einen schnell und sehr stark mitreißen kann und auf psychologischer und menschlicher Ebene noch lange nachwirkt. Mir fiel das Lesen nicht leicht, aber ich hatte immer das Gefühl, etwas Großes, Echtes, Mutiges in den Händen zu halten. Dafür ziehe ich vor der Autorin meinen Hut, Chapeau.


:bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:
merveille.

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2

Tuesday, August 23rd 2011, 4:38pm

Vielen Dank, Sommerregen, für diese tolle Rezension! Ich habe das Buch im Original schon auf meinem SuB liegen und bin total gespannt, was mich erwartet. Durch deine Rezension wächst meine Spannung nun noch mehr und ich denke, ich muss das Buch bald vom SuB befreien. :bounce: Anscheinend ist es aber keine leichte und angehnehme Lektüre, die mich erwartet. Mal schauen...
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3

Tuesday, August 23rd 2011, 4:44pm

Gerne, gaensebluemche. :)

Wünsche dir ganz viel Spaß bei der Lektüre, auf ihre Weise bereichernd ist sie auf jeden Fall.
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4

Monday, August 29th 2011, 6:17pm

Allgemeines:
Originaltitel: Room
übersetzt von Armin Gontermann,
410 Seiten in 5 Kapiteln

Inhalt:
Vor sieben Jahren entführte Nic eine junge Studentin und sperrte sie in ein unterirdisches ausbruchsicheres Verlies in seinem Garten. Nach zwei Jahren wird Jack geboren. Nic versorgt seine Gefangenen mit dem Nötigsten, aber er hält Mutter und Sohn unter seiner Knute und erstickt jeden Fluchtgedanken im Keim. Durch das Kind, das sie vor seiner Brutalität bewahren möchte, hat Nic ein Druckmittel gegen die Mutter in der Hand. Dennoch hat sie den Wunsch nach dem Ausbruch nie aufgegeben.

Eigene Meinung / Beurteilung:
Eine Aussage über „Raum“ zu machen, heißt, über ein Buch zu reden, das den Rahmen aller Bücher sprengt, die ich je gelesen habe. Es dreht die Welt auf den Kopf und zwingt, Selbstverständlichkeiten zu überdenken und geläufige Wörter wie Freiheit und Selbstbestimmung umfassender zu definieren.
Was braucht ein Säugling, um zu einem fröhlichen, aufgeweckten Kind heranzuwachsen? Offenbar nicht mehr als eine phantasie- und liebevolle Mutter und 12 Quadratmeter Platz. Jack hat nie frische Luft geatmet, nie die Sonne gespürt oder den Mond am Himmel gesehen; dass es sie gibt, weiß er durch das Fernsehen, das ihn über eine fiktive Welt namens „Draußen“ unterrichtet. Andere Menschen, Natur, Technik sind für ihn ebenso real wie die Zeichentrickfiguren seiner Lieblingsserie. Die einzige Gefahr, die er kennt, heißt Nic; aber bevor dieser abends kommt, um die Mutter zu vergewaltigen, versteckt sie Jack im Schrank, wo er schläft.

Erst als die Mutter dem inzwischen 5jährigen klarzumachen versucht, dass „Draußen“ tatsächlich existiert, prallt die Erfahrungswelt des Lesers auf die Jacks, denn der Wissende ist doch der Leser. Oder nicht? – Ich stelle mir vor, uns würde jemand versichern, Hänsel und Gretels Hexe, Schneewittchen und Rumpelstilzchen wohnten tatsächlich im nahen Wald, und würde uns zwingen, es zu glauben. So fühlt sich Jack.
Dass er der Mutter glaubt, verdankt sie nur der innigen und vertrauensvollen Beziehung zu ihrem Sohn, den sie nie belogen oder hintergangen hat. Was danach folgt, ist so unglaublich, so atemberaubend spannend und temporeich, dass jeder Thrillerautor neidisch werden müsste.

Doch bedeutet Befreiung gleichzeitig Freiheit? Für Jack ist „Draußen“ voller Gefahren: Menschen – er kannte bisher nur zwei, Essen – bisher kannte er nur lagerfähige Nahrungsmittel, die Nic brachte, Treppensteigen, Schuhe, Autos, Fenster, Türklinken, Geld, usw. – Jack will in „Raum“ zurück.
Auch die Mutter muss erfahren, dass Selbstbestimmung erst einmal eine Illusion bleibt, denn alle scheinen etwas von ihr zu wollen, sie unter Druck zu setzen, angefangen vom Psychologen über die Justiz, Presse bis zur Familie und Jacks Forderung nach weiterer 24-Stunden-Betreuung. Denn wie soll jemand, dessen Wille sieben Jahre lang täglich gebrochen wurde, auf einmal wieder Grenzen ziehen können und unterscheiden, was wirklich der eigene Wille ist und wo ihm einsuggeriert wird, was der eigene Wille zu sein hat? Hervorragend schafft es die Autorin, dicht bei ihrem Protagonisten Jack zu bleiben, den Leser quasi in dessen Kopf mitzunehmen und zugleich das Verständnis für die Hilflosigkeit der Umwelt zu wecken. Nicht umsonst ist derjenige, der Jack am nächsten kommt, der Stief-Großvater, der bis dato Jacks Mutter nicht kannte und demzufolge keine emotionale Bindung zu der Frau, die sie früher war, aufgebaut hatte.
Der Selbstmordversuch der Mutter erscheint auf tragische Weise folgerichtig: Nic hat sie zwar am Leben gelassen, aber die Frau, die sie früher war, ist tot, und vorbei ist auch das frühere Leben, denn es lässt sich kein Anknüpfungspunkt finden. Dennoch: Obwohl für Jack eine Tragödie, kann ihm eigentlich nichts Besseres für seine weitere Entwicklung passieren. Nur unter dem Zwang der Umstände ist ihm eine erste Abnabelung möglich. Letztlich ist er es, der seine Mutter und sich selbst dazu drängt, die Jahre der Gefangenschaft und Isolation loszulassen und Abschied von „Raum“ zu nehmen, ohne den ein Neubeginn unmöglich wäre.

Zweierlei befürchtete ich, als ich den Roman zu Hand nahm: Die Darstellung der sexuellen Gewalt und Sentimentalität. Aber von beidem keine Spur. Weil Jack nicht in der Lage war, eine Distanz zu sich selbst aufzubauen, schildert er seine Gefühle, Gedanken, Handlungen und die der anderen ungefiltert und echt. Es ist unmöglich, sich ihm zu entziehen; er trifft ins Herz. Die Autorin hat dazu eine eigene Sprache entwickelt, grammatisch falsch, aber nicht kindisch, die nur den Wortschatz verwendet, den Jack durch Gegenstände im Verlies und durch Fernsehen lernen kann und der später seine Entwicklung spiegelt. Ein großes Kompliment an Armin Gontermann, der für die Übersetzung ein Jack-Deutsch kreierte.

Im Allgemeinen bin ich skeptisch, und es reizt mich zum Widerspruch, wenn ein Buch nur in Superlativen rezensiert und mit Lobeshymnen überhäuft wird. Doch bei diesem Buch stimme ich mit ein.

Fazit:
Lesen. Sich hineinfallen und das Herz zerreißen lassen.
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Monday, August 29th 2011, 7:26pm

@ Marie:

Mit deiner Rezension steigerst du meine Neugier auf dieses Buch nun noch mehr. Ich denke, es muss mit auf den nächsten Mini-SuB! :bounce: Ich hoffe, dass ich mit dem Original zurechtkomme und mir die fehlende Grammatik keine Schwierigkeiten bereitet. Ich habe schon mal kurz reingelesen und der ungewöhnliche Stil ist mir sofort aufgefallen. Ich werde auf alle Fälle berichten, wenn ich das Buch endlich auch gelesen habe!
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Monday, August 29th 2011, 7:48pm

@ gaensebluemche,
anfangs war ich irritiert von der Sprache - die ersten zwei, drei Seiten habe ich mehrmals gelesen, aber das war schnell vorbei.

Das Problem, dass Jack ständig das falsche Geschlecht für Substantive verwendet ( z.B. "die" Teppich) entfällt ja im Original. Vielleicht läuft Dir die Übersetzung in einer Buchhandlung oder Bücherei über den Weg, nachdem Du das Original gelesen hast. Es würde mich interessieren, was genau der Übersetzer gemacht hat.

Auf jeden Fall warte ich gespannt auf Deinen Eindruck und lege Dir das Buch in Gedanken ganz zuoberst auf Deinen SuB. :wink:
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Monday, August 29th 2011, 7:52pm

Danke Sommerregen und Marie für eure wunderschönen Rezis. Ich hatte die Leseprobe von "Raum" gelesen und konnte mich auf dieses Buch nicht wirklich einlassen. Nun denke ich, dass das ein Fehler war und werde es mir doch besorgen. Nach euren Schilderungen habe ich das Gefühl, dass ich ein großartiges Buch verpassen würde.
gelesen in 2014: 18 SUB: 163

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Monday, August 29th 2011, 7:58pm

Das Buch liegt schon auf meinem SUB und ist als übernächstes dran :bounce:
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9

Monday, August 29th 2011, 8:00pm

Nach euren Schilderungen habe ich das Gefühl, dass ich ein großartiges Buch verpassen würde.

Eindeutig: JA.

Ein Buch, in das man nicht leicht hineinfindet. Aber ebenso schwer wieder heraus.
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Monday, August 29th 2011, 9:29pm

Das Problem, dass Jack ständig das falsche Geschlecht für Substantive verwendet ( z.B. "die" Teppich) entfällt ja im Original.
Stimmt, das habe ich mir auch schon überlegt. :-k Wir können dann ja mal ein paar Textstellen vergleichen. Würde mich ebenfalls sehr interessieren, wie die Umsetzung erfolgt ist.
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Tuesday, August 30th 2011, 6:22pm

Marie, danke für diese wundervolle Rezension. :wink:
Ich habe vieles, was du geschrieben hast, genauso empfunden.
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12

Wednesday, August 31st 2011, 10:54am

Ich habe vieles, was du geschrieben hast, genauso empfunden.

Und es werden sich uns sicher noch einige andere anschließen.
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13

Wednesday, August 31st 2011, 8:22pm

Wow, das Buch hat es echt in sich! :lechz: Ich habe die ersten drei Teile gelesen und muss schon mal eine kurze Zwischenmeldung abgeben! Das Buch würde sich sehr gut für eine Leserunde eignen, denn es gibt viele diskussionswürdige Szenen.

An den Schreibstil habe ich mich schnell gewöhnt. Dass der fünfjährige Ich-Erzähler keine Artikel vor die Substantive setzt und die Grammatik nicht einwandfrei beherrscht, ist zwar ungewöhnlich, aber wirkt sich nicht unbedingt negativ auf den Lesefluss auf.

Der Inhalt des Buches ist wirklich sehr beeindruckend. Man muss sich mal vor Augen halten, was es bedeutet, einen winzigen Raum für die ganze Welt zu halten. Das ist unfassbar! Es gibt so viel, dass Jack lernen muss! Furchtbar! Seine Mutter hat meiner Meinung nach aber Großartiges geleistet, denn sie gibt sich so viel Mühe mit Jack, denkt sich Spiele aus und ermöglicht ihm tatsächlich ein angenehmes Leben, mit dem Jack zufrieden ist! Gerade am Ende des dritten Teils,

  Spoiler Spoiler

als endlich die Flucht gelungen ist, wünscht Jack sich wieder in seinen alten Kleiderschrank zurück! Unfassbar! In diesem Teil konnte ich das Buch übrigens gar nicht mehr zur Seite legen und habe total mitgefiebert! Man, war das spannend!


Aber man merkt eben doch, dass er vieles nicht versteht. So ist zum Beispiel das Spiel Licht an - Licht aus ein Mittel für seine Mutter,um einzuschlafen, während sie in Wirklichkeit SOS Signale in die Welt sendet. Tja, und nun gibt es natürlich noch viel mehr zu entdecken! Ich bin sehr auf die folgenden Seiten gespannt!

Was ich übrigens nicht ganz verstanden habe: Stillt Jacks Mutter ihn??? Wie funktioniert das? Ist sie wieder schwanger? Diese Szenen stören mich übrigens sehr, da sie so abnormal sind. Ok, das ganze Buch ist nicht normal, aber diese Szenen sind wirklich sehr verstörend.
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Thursday, September 1st 2011, 10:28am

Auf dieses Buch darf ich mich auch freuen; ich lese es als Wanderbuch.

Liebe Grüße
Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)


:study: Ich lese gerade:

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15

Thursday, September 1st 2011, 11:24am

Stillt Jacks Mutter ihn??? Wie funktioniert das?

Ja. Ich habe auch eine Zeitlang gebraucht, bis ich es geglaubt habe. Es funktioniert ganz einfach: Solange eine Frau nicht abstillt und ihr Kind regelmäßig säugt, produziert ihr Körper weiter Milch. Und weil es die einfachste (und von Nic unabhängigste Form) der Ernährung für Jack ist, gibts natürlich keinen Grund, ihn abzustillen. Mütter in Hungergebieten stillen ihre Kinder auch weit über das Babyalter hinaus.
Ist sie wieder schwanger?

Nein.
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Thursday, September 1st 2011, 7:14pm

@ Marie:

Ok, dann ist es "technisch" also tatsächlich möglich. Trotzdem finde ich diese Szenen total abartig. Und Jack sammelt keine Sympathiepunkte, wenn er seine Mutter an der Bluse zerrt, nur damit er wieder an ihre Brust darf. [-(

Sehr deutlich stellt die Autorin heraus, wie unterschiedlich die Reaktionen von Jack bzw. seiner Mutter auf die neugewonne Freiheit sind. Während Jacks Mutter es kaum erwarten kann, wieder das erste Mal zu duschen oder frische Luft zu atmen, reagiert Jack total geschockt und sehnt sich nach Raum zurück.

Den Rest des Buches lese ich heute noch. Bin mal gespannt, wie es endet. :study:
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Sunday, September 4th 2011, 5:45pm

Ich fand das Buch auch wirklich sehr gut. Anfangs war ich durch die Sprache auch ein wenig irritiert, aber man gewöhnt sich sehr schnell dran und irgendwann merkt man kaum noch, dass "irgendwas an dem Satz" falsch ist, weil man in dem Moment einfach der kleine Junge ist. Ein wirklich sehr gelungenes Werk. und ich würde es wirklich jedem weiterempfehlen :thumleft:

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Sunday, September 4th 2011, 6:31pm

Ein großes Kompliment an Armin Gontermann, der für die Übersetzung ein Jack-Deutsch kreierte.
Da wäre es interessant, wie das im Englischen aussieht. Mich hat das "Jack-Deutsch" bei der LP von vorablesen gestört und ich habe deshalb auch keinen Leseeindruck geschrieben.

Ich hatte die Leseprobe von "Raum" gelesen und konnte mich auf dieses Buch nicht wirklich einlassen.
Ich auch nicht. Ich werde das Buch auch nicht kaufen, aber es vermutlich ausleihen, wenn/falls die Bücherei es anschafft.
Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.
(Francis Bacon)
:study:

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19

Monday, September 5th 2011, 4:48pm

Das Problem, dass Jack ständig das falsche Geschlecht für Substantive verwendet ( z.B. "die" Teppich) entfällt ja im Original. Vielleicht läuft Dir die Übersetzung in einer Buchhandlung oder Bücherei über den Weg, nachdem Du das Original gelesen hast. Es würde mich interessieren, was genau der Übersetzer gemacht hat.
Ich könnte mir vorstellen, dass Jack im Original einfach nicht das Pronomen "it" für die Gegenstände verwendet, sondern "he" und "she", das würde dazu passen, dass er sie ja oftmals wie Personen betrachtet, zum Beispiel Jeep, der herumfahren will, oder so. Der Übersetzer hat dann eventuell einfach Artikel bzw. Genus der Nomen den Pronomina angepasst. :-k So jedenfalls meine Vermutung, es würde dazu passen, dass Jack die Nomen wie Namen verwendet - was logisch ist, denn wenn man denkt, dass es auf der Welt nur eine Uhr gibt, warum sollte man "die Uhr" sagen und nicht einfach "Uhr".

Ich habe das Buch jetzt ausgelesen und hier ist meine Meinung:
„Raum“ ist nicht zu vergleichen mit anderen Büchern. Es ist ein Buch, das ich kaum aus der Hand legen konnte, das mich beim Lesen gefesselt und mich weit übers Lesen hinaus beschäftigt hat. Es ist so ein Buch, bei dem man das Bedürfnis hat, über den Inhalt zu reden, um loszuwerden, wie es einem beim Lesen geht. Bilder aus den Nachrichten kommen wieder hoch, aber „Raum“ selbst erzeugt auch eigene Bilder, die sehr stark sind und die mich sehr beschäftigt haben.
Die Atmosphäre ist bedrückend, ja fast erdrückend. Die Verzweiflung von Jacks Mutter ist in manchen Szenen fast mit den Händen greifbar, und ihr Versuch, Jack wie ein Kind aufwachsen zu lassen, das in Freiheit lebt, ist rührend und verlangte mir beim Lesen Bewunderung ab. Gesundes Essen, Sport, Bildung (Jack kann lesen und rechnen), was in ihrer Macht steht, tut die junge Frau für ihren Sohn. Sie schafft es sogar, Jack von Zeit zu Zeit zu suggerieren, dass sie in ihrer Situation mit ihm Spaß hat und dass alles ganz normal ist.
Die Erzählperspektive ist spannend und gleichzeitig ist der Roman gerade durch sie so beängstigend. Als Leser muss man sich gerade am Anfang viele Dinge erschließen, weil Jack zwar berichtet, was geschieht, er aber nicht alles richtig deutet, wie zum Beispiel die Tatsache, dass er und seine Mutter jeden Mittag – außer Samstag und Sonntag – auf dem Tisch stehen und schreien, so laut sie nur können. Für Jack ist das nur ein Spiel – seine Mutter hofft immer noch auf Rettung.
Aber auch in Freiheit ist das Leben für die beiden alles Andere als einfach und ich fand es eigentlich besonders gelungen, dass die Autorin den Ausbruch von Jack und seiner Mutter nicht als Happyend stehen lässt, sondern dass sie umfassend aufzeigt, was das erneute Leben in Freiheit an Ängsten, Überforderung und neuen Hürden mit sich bringt. Für Jacks Mutter ist das Ganze dadurch noch schlimmer, weil sie nicht nur selbst versuchen muss, ihr Leben in den Griff zu bekommen, sie muss auch noch ihren Sohn im Auge behalten, der sich weder mit dem Gedanken Schuhe zu tragen, noch mit dem Gedanken, nicht bei seiner Mutter im Bett zu schlafen und überhaupt von ihr getrennt zu sein, anfreunden kann. Jack weiß nicht, dass man Bienen und fremde Hunde nicht anfasst, seine Haut ist kein Sonnenlicht gewöhnt und fremde Menschen machen ihm Angst. Eigentlich möchte er in Raum zurück – was sollte auch dagegen sprechen, wenn Old Nick doch weg ist?
Ein Roman, bei dem man sein eigenes Weltbild überdenken muss, ein Roman, der einen oft auch vor die Frage stellt, wie man selbst mit bestimmten Situationen klargekommen wäre – oder ob überhaupt! Für mich ist „Raum“ auch ein Roman, der das Thema so umfassend darstellt, dass ich das Gefühl hatte, alle Aspekte des Lebens werden beleuchtet und alle Schwierigkeiten werden aufgezeigt, aber bestimmt gibt es noch weit mehr, was man sich gar nicht vorstellen kann.
Jack sagt an einer Stelle, dass die Menschen im Draußen immer im Stress sind und nie für etwas richtig Zeit haben – natürlich keine vollkommen neue Erkenntnis, aber im Zusammenhang mit dem Roman etwas, das nachklingt, wie überhaupt viele Szenen und Sätze dieses Buches.
Mehr als eine Leseempfehlung. Unbedingt lesen!
:bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:

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Monday, September 5th 2011, 5:14pm

Im Original werden tatsächlich für die Gegenstände aus Raum keine Artikel verwendet. Table ist einfach Table und Bed ist Bed. Aber manchmal werden für normale Gegenstände, denen Jack keine so besonders große Bedeutung beimisst, Pronomen verwendet, die aber nicht zum Geschlecht passen. Zu Flasche sagt Jack zum Beispiel she.

Zum Ende wollte ich auch noch was schreiben: Ich habe mich während des Lesens die ganze Zeit gefragt, wie das Buch wohl endet. Und letztlich fand ich das gewählte Ende sehr passend. Es ist hoffnungsvoll. Vielleicht wird ja alles gut.
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