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Ähnliche Bücher:
Der Zauber der ersten Seite: Roman
von (Übersetzer: Doris Heinemann)

4.4 bei 5 Bewertungen


Art: Gebundene Ausgabe
Verlag: Limes Verlag

ISBN: 9783809025900

Termin: August 2010


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1

Monday, June 13th 2011, 3:14pm

Laurence Cossé, Der Zauber der ersten Seite

Inhalt(Klappentext):
Ein einsamer Autor und Stendhal Verehrer wird von zwei Unbekannten im Wald bewusstlos zurückgelassen. Ein Wagen fliegt aus der Kurve. Die Fahrerin und anonyme Verfasserin von erotischen Romanen, die schwer verletzt überlebt, erzählt der Polizei von einem leeren Auto, das quer auf der Straße stand. Ein bretonischer Schriftsteller wird von zwei Männern bedroht, die ihn auf seiner täglichen Wanderung abpassen.
Bei den Angreifern handelt es sich allerdings weder um Banditen noch um Geheimagenten. Sie haben es nicht auf die Starken abgesehen, sondern auf die Schwachen - und auf den Traum einer kleinen Gruppe von Idealisten.
Ihr eigentliches Ziel ist die ungewöhnliche Pariser Buchhandlung "Der gute Roman", deren Sortiment eine blühende Insel der Qualität im Meer des Mittelmaßes ist. Wer aber kann einen Buchladen als Bedrohung empfinden und es auf die Mitglieder des Gründungskomitees abgesehen haben? Welche Rolle spielt Francescas dubioser Ehemann? Und warum ist diese so traurig? Was will die scheue Anis in Paris, und warum zeigt sie Ivan nur die kalte Schulter?

Autorin:
Laurence Cossé, geboren 1950 in Boulogne Billancourt, arbeitet als Kolumnistin, Hörfunkautorin und Schriftstellerin. Neben Kurzgeschichten und Theaterstücken wurden vor allem ihre Romane wie etwa "Der 31. Tag des Monats August" oder "Der Beweis" auch außerhalb Frankreichs hoch gelobt.

Allgemeines:
Originalausgabe: erschien 2009 unter dem Titel "AU BON ROMAN" bei Editions Gallimard, Paris.
Seitenzahl: 456
Im Anhang: Bücherliste
Bestehend aus 3 Teilen mit insgesamt 58 Kapiteln

Meine Meinung u. Bewertung:
Der Roman beginnt wie ein Krimi, bewegt sich dann aber in ruhigeren Gewässern. Dennoch bleibt es fesselnd und geheimnisvoll.
Zwei Idealisten verwirklichen ihren Traum und eröffnen in guter Lage von Paris eine Buchhandlung "Der gute Roman". Schon der Name sagt aus was den beiden vorschwebt.
Hier ein Auszug von Francesca:

Quoted

"Wir wollen Bücher für die Nächte, in denen wir trotz aller Erschöpfung keinen Schlaf finden ; Bücher, die wir einer Freundin mitbringen können. Wir wollen anmutsvolle Bücher; Bücher, die uns beweisen, dass in der Welt die Liebe wirkt, neben dem Bösen, gegen das Böse und manchmal nicht von ihm zu unterscheiden. Wir wollen gute Romane."


Doch was macht einen guten Roman aus? Man setzt sich schnell zwischen zwei Stühle, ist einseitig. Um diesem Vorwurf zu entgehen suchen Van und Francesca Gleichgesinnte. Das Auswahlkomitee soll jedoch geheim bleiben, sie kennen sich zunächst nicht einmal untereinandner, jeder schlägt einige Hundert Bücher vor. Jährlich soll eine erweiternde Liste abgeliefert werden. Raffinierte Werbung tut ihr Übriges, die Eröffnung schlägt ein wie eine Bombe. Doch so viel Glück und Harmonie ist selten von Dauer. Verlage und Autoren, die nicht beachtet wurden, reagieren beleidigt und empört, es entstehen verschiedene Meinungslager, auch im Internet, eine Flut aus Neid und Aggression folgt......
Laurence Cossé beschreibt den täglichen Ablauf in Verlagen, im Buchhandel, Strategien, zeigt Verhaltensmuster, die durchaus auch in Deutschland möglich wären. So manch eigener Gedanke wird untermauert, anderes gilt es zu überdenken, weswegen ich das Buch immer mal wieder zur Seite lege. Das Wort "Trivial", das ich so gar nicht mag, wird zu meiner Erleichterung ausgespart, doch sehr schnell werden die Andersdenkenden als "Barbaren" bezeichnet, und manches Werk wird sehr heftig direkt als Schund bezeichnet. Trotzdem muß betont werden, dass es den Gründern ursprünglich nicht um die Belehrung was nun Literatur ist ging, sondern sie "nur" eine Buchhandlung für Gleichgesinnte schaffen wollten, ein Paradies, wo es keine schlechten Bücher gibt. Eine hohe Anforderung, wie ich finde.
Die Konkurrez schläft nicht, versucht die Buchhandlung und ihre Betreiber mit den gleichen Mitteln zu bekämpfen, wobei mein schwarzer Humor deutlich Futter bekommt.
Die Buchwelt ist aber nicht das einzigste Gesprächsthema, sondern die Liebe ist durch die hervorragend herausgearbeiteten Charakteren gleichwertig. Sehr französisch, immer leicht melancholisch, dramatisch, etwas schwermütig. Nicht zu vergessen die Leidenschaft zu Büchern, der Liebe, dem Leben etc.
Die Autorin erteilt zunächst einem neutralen Ich-Erzähler das Wort, dann kommen Francesca und Van zu Wort und schließlich folgt ein Erzähler, der erst in den letzten Seiten seine Indentität preis gibt. Das sorgt für verschiedene Perspektiven und Spannung.
"Der Zauber der ersten Seite", wobei ich noch sagen muß, der französische Titel ist passender, ist ein fesselndes, manchmal verträumtes, aber auch kritisches, oft auch bewußt provozierendes Buch, anspruchsvoll und dennoch gut zu lesen. Es ragt aus der Masse heraus und hat mich fasziniert. Ob eine Buchhandlung allein solche Reaktionen hervorrufen kann, wage ich zu bezweifeln, bei einer Ladenkette allerdings kommt dieser Überzeugung bei mir ins Wanken. Der Schluß ist nur zum Teil überraschend, denn jeder Roman braucht nunmal einen "Aussteiger", aber das soll jeder selbst beurteilen. Eines ist jedoch sicher - das Buch ist absolut empfehlenswert! :thumleft:
Meine Bewertung: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

Liebe Grüsse
Wirbelwind

:study: Joachim Rangnick, Bauernfänger
:study: Linn Ullmann, Das Verschwiegene


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2

Monday, June 13th 2011, 5:38pm

Danke für die sehr schöne und neugierig machende Rezension, Wirbelwind :)
Das Buch hat aber kein "offenes" Ende, oder?
Liebe Grüße,
Rita

~Ich wäre lieber ein armer Mann in einer Dachkammer voller Bücher als ein König, der nicht lesen mag.~
Thomas Babington

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3

Monday, June 13th 2011, 5:53pm

Vielen Dank für die schöne Rezension, Wirbelwind. :)
Das hört sich interessant an und steht schon auf meiner WL.

Liebe Grüße
Jeder trägt die Vergangenheit in sich eingeschlossen wie die Seiten eines Buches, das er auswendig kennt und von dem seine Freunde nur den Titel lesen können. (Virginia Woolf)


:study: Ich lese gerade:

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Monday, June 13th 2011, 6:07pm

@Rita
Ich kann dich beruhigen, das Buch hat kein offenes Ende. Was ich mit meiner Andeutung meinte kann ich allerdings hier nicht erklären, es würde zu viel verraten. :wink:
Da gibt es eine einfache Lösung - lesen, es lohnt sich! :D

@Conor
freu mich schon auf deinen Kommentar.

Liebe Grüsse
Wirbelwind

:study: Colin Cotterill, Briefe an einen Blinden
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5

Monday, June 13th 2011, 6:33pm

@ Wirbelwind,

danke, das wäre für mich wirklich ein Grund gewesen, das Buch nicht zu lesen :wink:
So führt wohl kein Weg daran vorbei :)
Liebe Grüße,
Rita

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Thomas Babington

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Monday, June 13th 2011, 8:19pm

Allgemeines:
Originalausgabe: erschien 2009 unter dem Titel "AU BON ROMAN" bei Editions Gallimard, Paris.
Seitenzahl: 456
Im Anhang: Bücherliste
Bestehend aus 3 Teilen mit insgesamt 58 Kapiteln


Danke Wirbelwind,
wieder eine starke Rezension. Ich bin aber neugierig geworden - kannst Du nicht einen kleinen Auszug aus der Bücherliste bringen? - Du kannst mir den auch per PN schicken, falls die anderen ihn nicht sehen möchten (oder spoilere einfach - dann kann ihn anschauen, wer möchte). Mir kribbelt jedenfalls die Neugier um die Bücherliste in den Fingerspitzen.

Übrigens: recht hast Du mit dem deutschen Titel. "Der Zauber der ersten Seite" klingt im Vergleich zu "Au bon roman" vergleichsweise barock - wenigstens klingt er nicht abgeschmackt, was bei anderen Titel-Übersetzungen ins Deutsche schon mal vorkommt. Warum brauchen wir in Deutschland (immer) so pompös klingende Titel?
Ich habe auch noch das französische Cover beigefügt, das auf mich ebenso wie der Titel bedeutend schlichter und geschmackvoller wirkt: Hej, warum kriegen wir Deutsche einen Frauentorso im lila Kleid mit bunten Herbstblättern in einem aufgeschlagenen Buch aufs Cover? :puker: Und dann der Schriftzug: wie bei Iny-Lorentz-Romanen!
Wofür halten die uns Leser hierzulande in den Verlagen eigentlich?

Danke im Voraus für den Listenauszug und liebe Grüße,
Monika
» People say that life is the thing, but I prefer reading.«


Logan Pearsall Smith, (1865--1946),
U.S. essayist/critic, Afterthoughts, 1931


This post has been edited 3 times, last edit by "Hypocritia" (Jun 13th 2011, 8:41pm)


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7

Monday, June 13th 2011, 11:38pm

@ Hypocritia und natürlich alle Interessierten
Was an erster Stelle steht ist der Verkauf, der Gewinn, das Geschäft. Meist bestimmt Masse nicht vordergründig die Qualität. Das Cover ist eindeutig ein Massenprodukt und der Titel spricht größere Leserschichten an, so denken meist die Verlage. Mit Idealismus allein läßt sich kein Umsatz machen. Und die Zahlen geben ihnen recht.
Früher waren Bücher nur etwas für Reiche. Sie waren kostbar und dementsprechend teuer ausgestattet. Heute kann sich jeder ein Buch leisten, aber um es für Otto Normalverbraucher bezahlbar zu lassen, müssen Abstriche gemacht werden. Das bekommen Autoren zu spüren und es spiegelt sich in der Ausstattung des Buches wieder. Einfache Unterhaltung verkauft sich nun mal besser. Trotzdem gibt es immer noch genügend Bücher, die auch anspruchsvolle Leser befriedigen mit kleineren Auflagen ohne die großen Gewinne. Bei aller Kritik wir dürfen aber nicht vergessen, dass für viele Verlage dies nur möglich ist, weil der Umsatz durch die Massenware vorhanden ist. Das "gute " Buch wird somit durch die gängigen Bestseller mit finanziert.Das es dadurch auch viel Schund gibt ist die Kehrseite. Eigentlich bin ich der Meinung, dass jeder lesen soll, was ihm Freude macht. Hauptsache alle Sparten von Bücher werden angeboten. Was mir wichtig ist, das Lesen immer wieder neu anzubieten und zu fördern.
Die Bücherliste besteht aus 7 1/2 Seiten. Einiges ist nicht mehr lieferbar, manche Titel gibt es nur auf französisch. Ich kenne vieles, aber bei weitem nicht alles.
Einen Auszug will ich hier aber mal nennen, ich habe die Übersetzten ausgewählt.
Andric, Ivo, Die Brücke über die Drina,
Audeguy, Stephane, Der Herr der Wolken
Audox, Marguerite, Marie-Claire
Auste, Jane, Stolz und Vorurteil
Ayme, Marcel, Die grüne Stute + Meistererzählungen
Balzac, Honore, Die Herzogin von Langeais
Bolano, Roberto, Die wilden Detektive
Byatt, Antonia Susan, Das Geheimnis des Biographen
Carey, Peter, Mein Leben als Fälschung
Dijan, Philippe, Sirenen
Dumas, Alexandre, Die Dame von Monsoreau
Echenoz, Jean, Ravel
Flaubert, Gustave, Briefe
Fruttero, Carlo & Lucentini, Franco, Der Liebhaber ohne festen Wohnsitz + Die Sonntagsfrau
Gailly, Christian, Letzte Liebe
Grossman, Wassili, Leben und Schicksal
Hazzard, Shirley, Das große Feuer
Kang, Younghill, Das Grasdach
Kipling, Rudyard, Indische Erzählungen
Kristof, Agota, Irgendwo
Laurrent, Eric, Clara Stern
Leiris, Michel, Aurora
McCarthy, Cormac, Die Border-Trilogie
Michon, Oierre, Leben der kleinen Toten + Rimbaud der Sohn
Mitford, Nancy, Liebe unter kaltem Himmel
Modiano, Patrick, Ein Stammbaum
Nabokov, Vladimir, Ada oder das Verlangen
Ortese, Anna Maria, Iguana
Oster, Christian, Mein blindes Schicksal
Pamuk, Orhan, Schnee
Perez-Reverte, Arturo, Der Schlachtenmaler
Proust, Marcel, Jean Santeuil
Sapienza, Goliarda, In den Himmel stürzen
Saramago, Jose, Der Doppelgänger
Stendhsl, Die Herzogin von Palliano + Die Karthause von Parma + Minna von Wangel + Rosa und Grün
Taucchhi, Antonio, Tristano stirbt
Vila-Mata, Enrique, Risiken und Nebenwirkungen
Waugh, Eveyn, Auf der schiefen Ebene
Zwetajewa, Marina, Im Feuer geschrieben

Damit dürfte schon mal die größte Neugier befriedigt sein. :lol:

Liebe Grüsse
Wirbelwind

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Thursday, June 30th 2011, 6:28pm

Auch mir hat der Roman gut gefallen und ich kann mich Wirbelwinds Rezension anschließen.
Laurence Cossé verbindet Krimihandlung mit einem Plädoyer für das Lesen.
Eine besondere Buchhandlung hat Francesca im Sinn und mithilfe Ivans und eines geheimen Komitees verwirklicht sie ihre Idee. So soll es nur ausgewählte Bücher geben.
Massenware bleiben außen vor und soll den anderen Buchhandlungen vorbehalten bleiben. Ihre Buchhandlung hat Erfolg, aber die Konkurrenz schläft nicht.
Es wäre sicher nicht schlecht, gäbe es eine solche Buchhandlung; auch wenn es als etwas elitär aufgefasst werden könnte. Mir stellte sich beim Lesen jedoch die Frage, ob eine solche Buchhandlung in der Realität tatsächlich einen so großen Zulauf erfahren würde wie im Roman. Ich kann es mir nur schwerlich vorstellen.

Liebe Grüße
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:study: Ich lese gerade:

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Saturday, July 21st 2012, 11:29pm

Es ist ein sehr empfehlenswertes Buch. :) Nicht nur die Gestaltung der Sprache, Erzählweise und der Geschichte allgemein ist genial. Auch das Thema ist sehr interessant. Wenn man sich noch nicht mit diesem beschäftigt hat, dann wird man es nach der Lektüre auf jeden Fall machen wollen.

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