Ich habe das Buch auch kürzlich gelesen und möchte meinen Senf dazugeben.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Buch etwas Unfertiges an sich hat. Die Autorin hätte eventuell mehr draus machen können, und dabei denke ich nicht nur an die halben Charkterzeichnungen der Hauptpersonen oder an das offene Ende in der Suche nach der Freundin, sondern an zwei, drei ausbaufähige Themen des Hauptteils, insbesondere den wirklich interessanten Ansatz einer Verwandtschaft UND eines Kontrastes zwischen dem kauzigen Einsiedler und der weit gereisten Ikse/Xenia. Hätte also länger ausgefeilt werden und ausfallen können.
Ich sehe das etwas anders als Du. Ich denke, dass das, was hier so unfertig wirkt, eine Absicht der Autorin sein kann, mit der sie unterstreicht, wie auch das Handeln der drei Jugendlichen, Daan, Alma und Xenia war.
Xenia ist in einer Entwicklung, die Schule geschmissen, durch die Welt gezogen, zurückgekommen, der eine Freund gestorben, die Freundin verschwunden, sie verweilt eine Zeit und dann zieht sie weiter, weil sie die Freundin suchen will. Insofern begleitet man sie ja nur ein Stückweit. Ebenso wie der alte Professor, bei dem sie eine Zeitlang ist. Diese Stelle des Buches finde ich sehr philosophisch. Er hat in seinem Leben (scheinbar als Literaturprofessor) Rapiarien verfasst, also Notizen über Gelesenes und Gedachtes. Und seine letzte Haushaltshilffe hat die zerrissen und für den Müll vorbereitet. Gemeinsam mit Xenia ordnet er diese, in der Hoffnung, das Ganze wieder zusammenbringen zu können. Die Lektüre der Schnipsel bringt sie zum Nachdenken und zur Sinnsuche. Sie befreit den Alten, der Jahre das Haus nicht verlassen hat, indem sie ihn auf die Straße und ins Leben zerrt. Er hat ihr zumindest in Ansätzen seine Gedanken vermittelt. Insofern schildert das Buch in meinen Augen einen Austausch.
Dass Xenia dann geht, weil sie die Freundin suchen will, ist eben ihre Bewegung des Weitergehens, daher dann auch der Titel, Transit.
Mir hat das Buch gerade in seiner Offenheit gut gefallen.