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Der Roman „die Schuld des Tages an die Nacht“ handelt von dem sehr bewegenden Schicksal des jungen Arabers Younes.
Im Greisenalter blickt er auf seine Vergangenheit zurück-auf alles was er in seinem nicht immer einfachen Leben durchlebt hat. Seine frühe Kindheit auf dem Land sowie seine Zeit im Elendesviertel Djenato Djato, in dem er schnell erwachsen werden musste, bringen ihm nicht grade glückliche Erfahrungen. Doch als Younes von seinem
Onkel adoptiert wird, erschließt sich ihm eine ganz neue Welt, in der es ihm an nichts mangelt, auch nicht an guten Freunden. Dennoch wird der Junge stets zwischen den verschiedenen Welten hin und her gerissen-gelten Araber doch in der Welt des Okzidents allgemein als faul und unnütz. Jonas versucht sich zunehmend als heranwachsender Mann bestmöglich in die Gesellschaft einzugliedern.
Doch sein ganzes Leben wird er in Gedanken von seiner großen Liebe Emilie begleitet, diese Liebe kann jedoch aufgrund vermeintlichen moralischen Grundsätzen nicht gelebt werden.
Besonders beeindruckend ist wie Khadra auch die politischen Geschehnisse der Zeit in den Vordergrund rückt. Es ist dem Leser gut möglich, sich in den blutigen Widerstand der algerischen Bevölkerung, die sich gegen die weiter aufstrebende Macht der Franzosen richtet, hineinzuversetzen und auch die Armut zu verstehen.
Auch sprachlich ist der Roman eine Glanzleistung. Verständlich geschrieben werden alle Handlungen klar herausgehoben, ohne in einem großen Gewirr zu verschwinden.
Traurig ist irgentwie, dass Younes/Jonas in seinem ganzen Leben nie vollends glücklich gewesen sein scheint, was auch die Stimmung des Lesers sehr niederdrückt. Erst als Jonas sich bei einer Reise in die Vergangenheit an Emilies Grab mit seiner großen Liebe und alsbald auch mit seinem ehemals besten Freund aussöhnt, scheint er seinen Lebensabend genießen zu können.
5 von 5 Sterne für Khadra alias Mohammed Moulessehoul für einen sehr bewegenden Roman.
-Lesen ist die schönste Art zu Träumen, Träumen ist die beste Art zu fliegen-
Die Schuld des Tages an die Nacht erzählt die Lebensgeschichte von Jonas und Younes, einer Person, zweier Herzen und Identitäten. In der Zeit eines ganzen Lebens verliert er geliebte Menschen an seiner Seite und die Gewissheit, wohin seine Person eigentlich gehört, welches Volk das seine ist, wem er eigentlich die Treue schuldig geblieben ist:
Sich selbst, seiner Liebe, seinen Freunden, seinem Volk ... Oder doch eher dem durstigen Wunsch nach der Unabhängigkeit und Unterdrücksungsrevolte einer ganzen Nation?
Doch dieses Meisterwerk Yasmina Khadras ist viel mehr als nur ein Identitätsroman:
Er ist zarte Liebesgeschichte und berichtet von einer Liebe, die nie ganz geboren wurde.
Er ist Familienroman und offenbart uns eine Familie, die am Ende gar nicht mehr existiert ... Zumindest nicht außerhalb der Gedanken und Erinnerungen unserer Lebenden. (Sehr schön und eigentlich perfekt drückt der Protagonist es zum Schluss des Romanes selbst aus: Und da stehen sie alle, die Toten und Lebenden, vollständig hinter der Glaswand versammelt, und winken mir zum Abschied zu.)
Ich war schnell vollkommen gefesselt von dieser Geschichte eines fernen Landes, eines Volkes, von dem man außerhalb der historischen Daten kaum etwas weiß. Vor allem aber auch von den Charakteren selbst, die Khadra in seinem Roman anlegte:
Ich bin selten so authentischen, unterschiedlichen und warmherzigen, aber auch sehr seltsamen Charakteren begegnet. Irritiert hat mich vor allem Jonas selbst - dies ist auch der einzige Kritikpunkt, den ich in dieser wahnsinnig echten Geschichte finden konnte:
Jonas bleibt über die ganzen fast 420 Seiten hinweg ein Mensch, der kaum Emotionen nach Außen hin frei lässt. Fast stoisch lässt er die Liebe seines Lebens für ein (falsches?) Gefühl der Ehre gehen, liebt sie bis an sein Lebensende nur noch in Gedanken. Das hat eine Traurigkeit, dass mich der Roman fast weinen lies.
Allgemein ist er von einer kaum auszuhaltenden Melancholie und Traurigkeit durchzogen, die einen im tiefsten Inneren erfasst:
Es bedarf dafür keiner Kunstgriffe des Massentodes, sondern lediglich des Schreibstils Khadras, der seine Protagonisten so leben und sterben lässt, dass sie am Ende von ihrer Einsamkeit fast verschlungen werden, von ihrer Traurigkeit überrollt, von ihrer verlorenen Liebe bis in den Wahnsinn verfolgt werden. Es gab zuviele Melancholiemomente, um sie alle aufzuzählen,
Spoiler
(einer der schönsten war für mich der, als Jonas die vertrocknete Blüte über Émilies Grabeserde ausstreut)
zuviele tolle Formulierungen, um sich an sie alle zu erinnern.
Khadra hat mit diesem Werk die empfindlichste Stelle des Lesers getroffen:
Das äußerste Innere seines Herzens.
Er hat einen faszinierenden Roman über die Liebe und den Hass in unserem Leben geschrieben, das sich Erinnern und Vergessen, die Freundschaft, Liebe und das Ehrgefühl, den falschen Stolz und die Sogwirkung der Revolution.
Sein Werk zählt ganz offiziell zu meinen liebsten Lektüren, ich würde es (fast) vorbehaltlos weiterempfehlen.
It was that kind of a crazy afternoon, terrifically cold, and no sun out or anything,
and you felt like you were disappearing every time you crossed a road.
Catcher in the Rye. ♥
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