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Glückliche Ehe: Roman
von Rafael Yglesias (Übersetzer: Cornelia Holfeder-von der Tann)

Art: Gebundene Ausgabe

Verlag: Klett-Cotta

ISBN-10: 3608937072
ISBN-13: 9783608937077

Termin: Februar 2010

Bewertung: [ Anzeigen ]
3 Buchbesitzer:
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Morgaine

unregistriert

1

Montag, 11. Januar 2010, 07:23

Rafael Yglesias - Glückliche Ehe

Ich habe dieses Buch von vorablesen.de bekommen, die Sperrfrist gilt dafür nicht.

Die Geschichte einer Ehe, vom ersten Kennenlernen bis zu ihrem Ende, als die Ehefrau stirbt, erzählt Rafael Yglesias´ Roman. Im Wechsel wird dabei von der aktuellen Situation und von den Anfängen der Ehe, aber auch ihren Höhen und Tiefen erzählt.
Die aktuelle Situation ist deprimierend; Margaret hat Krebs im Endstadium und wünscht sich, zu Hause in Frieden sterben zu können, weitere lebensverlängernde Maßnahmen lehnt sie ab. Enrique pflegt sie, kümmert sich aufopferungsvoll um sie, ist Tag und Nacht für sie da. Eine Woche, vielleicht zwei, hat Margaret noch zu leben. In dieser Zeit will sie sich verabschieden; von ihren Eltern, von Freundinnen und Freunden, jeden Tag soll jemand zu ihr kommen. Und auch von Enrique.
In den Rückblicken erfährt der Leser, wie sie sich kennenlernten, verliebten, zueinander fanden, aber auch, wie nach der Geburt des ersten Sohnes die Luft raus war, Enrique anfing fremd zu gehen und an die Scheidung dachte. Dann mit Margaret zusammen eine Ehebratung aufsuchte und schließlich erkannte, dass sie zusammen gehören.

Rafael Yglesias kann hervorragend schreiben. Sein Stil ist bildgewaltig und mitreißend, die Formulierungen und die Sprache absolut passend. Es gelingt ihm, Margaret und Enrique, aber auch die Nebenfiguren vielschichtig und tiefsinnig darzustellen. Enrique, das Wunderkind, vom Leben verwöhnt, mit einundzwanzig bereits ein erfolgreicher Autor. Und Margaret, in der die Seele einer Künstlerin steckt, was Enrique erkennt.

Leider aber fehlt dem Roman von Anfang an fast jegliche Spannung. Nicht zuletzt deshalb, weil bereits auf dem Klappentext steht, das Margaret sterben wird. das weiß man also vorher. Dass sie heiraten werden, weiß man auch, was die Kennenlern-Kapitel leider auch nicht besonders spannend macht, zumal sie streckenweise ziemlich langatmig sind. Der phänomenale Schreibstil trägt zwar gut darüber hinweg, aber an den Stellen wäre etwas kürzer besser gewesen.

Die Liebe zwischen den beiden ist allerdings grandios dargestellt. Es werden die tiefen Gefühle wirklich deutlich.
:bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
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Beiträge: 11

Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Belletristik, Krimis

2

Donnerstag, 14. Januar 2010, 19:43

Rafael Yglesias - Glückliche Ehe

Unheilbarer Krebs - welch ein Martyrium!

" Lieferservice" - Kapitel eins des Romans "Glückliche Ehe"
Die Betitelung passt perfekt zum anschließenden Inhalt. In flapsigem Schreibstil stellt uns der Autor Rafael Yglesias die beiden Freunde Bernhard Weinstein, 25 Jahre, und Enrique Sabas, 21 Jahre, vor. Sie sitzen zusammen in einer Kaffeebar. Bernhard schwärmt von Margaret Cohen, einem hübschen Mädchen mit außergewöhnlichen Qualitäten. Enrique traut Bernhard nicht so recht; er hält die Existenz Margarets für Fiktion. Doch ein Treffen wird arrangiert: "auf seine Bestellung erscheint die Traumfrau, von der er gar nicht gewusst hatte, dass er von ihr träumt". Locker-leicht liest sich der Text.
"Ahnung" ist - nach dem federleichten ersten Kapitel - ein düsteres und ernsthafteres. Margret und Enrique sind nun 27 Jahre glücklich verheiratet. Sie haben zwei Jungs, Gregory und Max (16 Jahre alt). Die Familie gehört zur oberen Mittelklasse New Yorks und kann ihr Leben sorglos genießen.
Doch drei Jahre zuvor hat das Schicksal in aller Härte zugeschlagen: Bei Margaret wurde Blasenkrebs diagnostiziert. Seit einem halben Jahr kann sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Alle medizinischen Maßnahmen und technischen Möglichkeiten sind erschöpft. Nichts kann mehr helfen.
Rafael Yglesias beschreibt den Krankheitsverlauf in aller Härte und brutaler Offenheit. Wir sehen Margaret nackt und abgemagert vor uns; ihr Körper ist durchlöchert von den Versorgungsschläuchen. Wir lesen von den vielen Operationen, dem persönlichen Einsatz Enriques, der nahezu rund um die Uhr bei seiner Frau ist. Er hat sie zeitweise gepflegt; nun kann er sie nur noch "in den Armen halten, ermutigen, trösten, aufheitern und lieben". Dabei empfindet er Furcht wie noch nie zuvor.
Die zeitlebens aktive Margaret nimmt ihre Erkrankung anfangs an. Sie kämpft mit all ihrer Kraft dagegen an. Als alles aussichtslos erscheint, fordert sie Operationen, die die Ärzte kaum noch für sinnvoll erachten. Aber nun am Ende kann sie nicht mehr. Sie bittet ihren Mann: "Ich will sterben. Du musst mir dabei helfen."
In den "Erinnerungen" setzt sich inhaltlich das vorsichtige Kennenlernen der Beiden bis zur ersten Verabredung fort. So alternieren die weiteren Kapitel: Fokussierung auf den weiteren Leidensweg Margarets im Wechsel mit der weiteren Entwicklung der Beziehung. Diese thematischen Kapitel fand ich zwar teilweise langatmig, aber sie sind wohl als bewusst eingesetztes Stilmittel des Autors zu verstehen: Der Leser kann Luft holen, er kann das Gelesene verarbeiten, Kraft tanken und wieder zu Margaret zurückkehren.
Das Buch kann man nicht so leicht abschütteln. Es fordert Aufmerksamkeit und Respekt. Da der Tod unausweichlich ist, wird das Lesen für manchen zu einer seelischen Belastungsprobe werden. Ein mutiges Buch.
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Beiträge: 115

Geschlecht: Weiblich

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Bevorzugte(s) Bücher-Genre: quer Beet

3

Freitag, 15. Januar 2010, 13:12

rafael yglesias-glückliche ehe

Von vornherein weiß man wie diese Geschichte enden wird und wovon sie handelt. Auch ist absehbar was noch passieren wird. Und doch ist das Schicksal zwei sich Liebender so fesselnd, das man dasBuch nicht mehr aus der Hand legen mag. Die Erzählstrukur ist vorwiegend in zwei Abschnitte unterteilt. Bis kurz vorm Schluss des Romans wird, wechselnd pro Kapitel, einmal aus der Jugend von Enrique und Margaret und einmal von der gegenwärtigen Situation-die sterbende Margaret mit Enrique an ihrer Seite-erzählt. Erst am Schluss, in Margarets letzten Stunden im komaähnlichen Zustand,wird auch die Erzählstruktur verwirrrender.

  Spoiler Spoiler

Wie bald festzustellen ist, währt die anfängliche Leidenschaft der jugen Ehe nicht lange, sodass diese in eine schwere Kriese rutscht. Erst als Margartes Krebs diagnostiziert wird, scheint sich Enrique wieder klar zu werden, wie sehr er seine Frau liebt. Nach einem langen menschenunwürdigen Kampf gegen ihre Krankheit, entschließt sich Margaret alle lebenserhaltenen Maßnahmen einstellen zu lassen um sterben zu können. Enrique kann das nur schwer akzeptieren, war seine Frau doch trotz allen Problemen stets seine Stütze und Rückrad.


Ein wenig errinnert mich dieses Schicksal an den Roman "Wie ein einziger Tag" von Nicolas Sparks. Am Ende ihres Lebens schauen zwei alte Menschen auf ihre Jugend zurück. Nur das im vorliegenden Roman, Enriques Leben noch nicht zu Ende ist, und er versuchen muss mit der neuen Situation klar zukommen.

Eigentlich ist der Titel als solcher ein Paradoxon. Denn eine wirklich glückliche Ehe hatten die beiden Protagonisten doch erst, nachdem Margarets Krankheit ersichtlich wurde. Man lernt also wirklich erst das zu schätzen was man liebt, wenn der baldige Verlust droht...

Ein wirklich bewegendes Schicksal, 5 von 5 Sternen!
-Lesen ist die schönste Art zu Träumen, Träumen ist die beste Art zu fliegen-
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Brigitte

Administratorin

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Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Krimi/ Thriller, History, Biografien, Erzählungen

4

Freitag, 15. Januar 2010, 13:23

@Britta

Das Buch wurde bereits im Forum vorgestellt! Ich habe daher deinen Beitrag an den bereits bestehenden Thread angehängt. :idea: :wink:
:study:"Im Sommer der Geheimnisse" Adéle Geras
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5

Samstag, 16. Januar 2010, 14:08

Enrique Sabas ist der Prototyp eines Wunderkindes. Mit sechzehn Jahren seinen genialen Debütroman veröffentlicht und von Kritikern gefeiert, lernt er früh auf eigenen Beinen zu stehen. Er zieht von zuhause aus und lebt zunächst 3 Jahre lang bei seiner wesentlich älteren Freundin, bis er nach der Trennung allein in seinem Studentenappartement lebt. Verzweifelt versucht er, an seinen Erfolg von damals anzuknüpfen und gerät immer mehr unter Druck, erfolgreich sein müssen. Bewundert wird er inzwischen nur noch von Bernard, der als Schriftsteller noch erfolgloser ist als er. Als dieser ihm eines Tages die selbstbewusste Margaret vorstellt, verändert sich Enriques Leben für immer.

Im Wechsel wird die Geschichte von Enrique und Margaret in der Vergangenheit und der Gegenwart erzählt. Im Hier und Jetzt sind die beiden seit über 20 Jahren verheiratet und haben 2 erwachsene Söhne. Was jedoch nach einer Idylle klingt, wird von einer Tragödie überschattet, den Margaret hat Krebs und keine Aussicht auf Heilung mehr. Und weil sie ihr Leben, so wie es geworden ist, nicht mehr ertragen kann, bittet sie Enrique, ihr beim Sterben zu helfen - den letzten Liebesdienst, den ihr Mann ihr erweisen kann.

Vorsichtig, aber dennoch intensiv schildert Rafael Yglesias die Anfänge und das Ende einer großen Liebe. Wir erfahren von Enriques und Margarets erstem Date, von Bernards Eifersucht und Enriques Angst, der Frau an seiner Seite nicht genügen zu können. Der schönen und klugen Margaret, die ebenso kühl und launisch sein kann und am liebsten jeden und alles um die herum kontrollieren möchte. Eine Kontrolle, die sie erst im Sterben an ihren Mann abgeben kann.

Dass Yglesias in seiner Geschichte auch die dunklen und schwierigen Seiten einer Ehe zeigt, bringt sie dem Leser näher und macht sie glaubwürdiger. Neben Liebe und Freundschaft spielen auch Zweifel, Lieblosigkeit, Verzweiflung und sogar Hass eine Rolle. Enrique betrügt seine Frau mit einer anderen, Margaret verletzt ihn immer wieder und schließt ihn aus seinem Leben aus. Dennoch halten sich die beiden wie Ertrinkende aneinander fest - bis zum Schluss.

Rafael Yglesias ist es gelungen, von einer nicht perfekten Ehe zu erzählen, ohne Pathos und Augenwischerei - einer Ehe wie jeder anderen, aber dennoch besonders.
:bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5:
:study: Charlaine Harris / Dead and gone
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6

Samstag, 16. Januar 2010, 18:25

Während ich diese Rezension schreibe bin ich noch immer ganz egriffen von meinem Empfinden, was dieses Buch betrifft. Mir war klar das es sehr emotional werden würde, mir war aber nicht bewusst wie sehr! Rafael Yglesias schafft es mit seinem Schriftstil den Leser in diese Geschichte eintauchen zu lassen, die Personen des Buches nahe zu bringen. Enrique der vermutliche Protagonist dieser Handlung berichtet über seine Ehe. Den Anfang, das miteinander aber auch die Probleme die auch in einer "Glücklichen Ehe" auftauchen können. Bewundernswert gehen seine Frau Margaret und er mit ihrer schweren Krankheit Blasenkrebs um. Sie wissen beide das Margarets kampf zu Überleben aussichtslos ist und so hat sie nur noch einen einzigen Wunsch : In Frieden zu sterben. Enrique kümmert sich aufopfernd um sie während es immer wieder Rückblicke über ihre Ehe zu lesen gibt. Man fragt sich in diesem Buch immer wieder, woher nimmt er diese Kraft. Hätte man selbst diese Kraft? Auch Margaret erscheint sehr bewundernswert. Grausam realistisch werden Details der Krankheit aufgeführt, ob es die Behandlung betrifft oder aber auch die abschreckenden Gedanken.

Fazit: Ein wunderbares gefühlvolles Buch das einen oft schlucken lässt. Dennoch unbedingt lesenwert!
Laß die Leute reden so bleib ich wenigstens im Gespräch :wink:
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Beiträge: 1 423

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Bevorzugte(s) Bücher-Genre: Alles außer Fantasy, SF, Horror

7

Samstag, 6. Februar 2010, 17:52

Das Lesejahr 2010 begann für mich mit einem Highlight. Rafael Yglesias schildert das Kennenlernen und die wachsende Liebe Enriques und Margarets, die aus vollkommen verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen.
Fast 30 Jahre später -die Beiden gehören inzwischen der oberen Mittelschicht New Yorks an- erkrankt Margaret an Krebs.
Die stets energiegeladene, sportliche und unternehmungslustige Frau kämpft gegen ihre Krankheit an, doch leider erfolglos.
Enrique steht ihr in dieser schweren Zeit zur Seite, unterstützt Margaret in jeder Hinsicht, auch als es darum geht, ihr Sterben zu akzeptieren und sie auf diesem letzten Weg zu begleiten.

Die Vita des in New York lebende Autors lässt vermuten, dass der Roman zumindest autobiografische Züge trägt.
Rafael Yglesias schildert keine unglaubwürdige “Friede-Freude-Eierkuchen-Ehe”, sondern eine glückliche und auf mich realistisch wirkende jahrzehntelange Beziehung mit Höhen und Tiefen, Problemen, Fehltritten und Zweifeln.
Yglesias verlangt seinen Lesern einiges ab. Der Roman ist schonungslos und schildert die Brutalität des Endstadiums dieser schlimmen Krankheit ohne jedes Tabu. Obwohl der Autor zu keiner Zeit pathetisch oder rührselig wird, hat mich das Schicksal dieses Paares tief bewegt.

Ein unbedingt lesenswertes Buch für alle, für die eine “glückliche Ehe” nicht zwingend mit "Es war einmal…” beginnen und mit einem "Und wenn sie nicht gestorben sind..." enden muss.
Liebe Grüße,
Rita

~Ich wäre lieber ein armer Mann in einer Dachkammer voller Bücher als ein König, der nicht lesen mag.~
Thomas Babington
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