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21

Montag, 13. November 2006, 08:02

So, inzwischen bin ich auf Seite 130 angelangt.

Was ich sofort bemerkt habe, ist, dass mir Elias nicht so sehr ans Herz wachsen will wie Hugo (ein Vergleich erfolgt automatisch, auch wenn ich es gar nicht will). Das liegt aber vielleicht einfach daran, dass ich "Der unwerte Schatz" zuerst gelesen habe, und dass es noch nicht besonders lange her ist. Hugos Schicksal berührt mich noch immer sehr.

Die Stelle über Toleranz gefällt mir sehr gut. Man müßte sie ausdrucken und in jedes Parlament, in jede Kirche/Moschee u. ä., in jede Schule, vielleicht in jedes öffentliche Gebäude hängen.

Die Art und Weise, wie Paul spricht, fand ich auch etwas übertrieben. Dass er für Elias vieles mehrfach wiederholt, kann ich ja noch verstehen, aber dass er auch mit erwachsenen Personen so spricht, kommt mir etwas eigenartig vor. Ich finde, er spricht mit dem Führer des Ausbildungscamps wie mit einem Kind, dem man Honig ums Maul schmieren muß. Aber das sagt dieser ja auch selbst... :wink:

Alles in allem finde ich das Buch sehr gut. Mir gefällt der Stil, die Personen und in erster Linie die Tatsache, dass ich sehr viel daraus lerne. Denn über das Leben im Nahen und Mittleren Osten sowie über den Islam weiß ich so gut wie nichts. Vielen Dank auch für die ausführlichen politischen Informationen hier im Beitrag!

Lg
Susannah
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22

Montag, 13. November 2006, 19:45

Das Sprechen mit den vielen Wiederholungen wie mit einem Kind bei den Erwachsenen in den einzelnen Lagern kann ich schon nachvollziehen. Wenn man sich die arabische LIteratur - auch die neuere - anschaut, so ist eine solche Gesprächshaltung gegenüber demjenigen, in dessen Hand das eigene Leben liegt durchaus nicht ungewohnt und entspricht dort einem sprachlichen Archetyp, der allgemein akzeptiert wird - wenn auch, wie hier, gelegentlich mit einiger Belustigung.

Die Fragen nach "Toleranz" und "Respekt" finde ich gleichfalls gut. Wer öfter mal eine Schlägerei beenden muss, weil irgendjemand irgendjemand anderen in seiner "Ehre" verletzt hat, der irgendwo zwischen Koran und Gangsta seine Persönlichkeit sieht, der weiß, dass solche Begriff nicht oft genug diskutiert werden können. Auch darum lese ich gerne daraus vor.
Mehr Bücher finden sich auf Sandammeer und Lesezeit hier. Hilfe, die ankommen soll geht an Ärzte ohne Grenzen.
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23

Montag, 13. November 2006, 20:34

Hallo,

ich bin jetzt auf Seite 162. Mein Eindruck ist auch weiterhin sehr positiv und allmählich verstehe ich auch, weshalb mir der Dialog zu Beginn so fern war. Ich denke, es hat etwas mit der Beziehung zwischen Paul und Haydar zu tun, oder? Ich habe beim Lesen das Gefühl, dass die Sprache und die gesamte Erzählung umso intensiver wird je tiefer Paul in die kindliche Seele von Haydar dringen kann. Somit macht die emotionslose Art des ersten Dialogs wirklich Sinn, denn da trat Haydar im Grunde genommen ja ohne eigene Persönlichkeit auf, die Paul ja im Laufe der Zeit langsam entblättert.

Und je mehr Paul über das Innenleben von Haydar erfährt, desto mehr wächst mir der kleine Kerl ans Herz. Wobei mich das Buch ebenfalls nicht so mitnimmt, wie es bei "Der unwerte Schatz" war.

Ein wenig unrealistisch erscheint mir Pauls Verhalten gegenüber Zaim. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser sich so von Paul anschreien lassen würde...

Und - zu den Spekulationen über Pauls Stasi-Mitarbeit: Ihm gelingt es doch letztendlich innerhalb kürzester Zeit, die MP5 zu zerlegen und wieder zusammenzubauen. Mir kam da der Verdacht auf, dass Paul dies - als (ehemaliger?) Spion (?) - von Anfang an perfekt konnte, allerdings als Tarnung sozusagen sich erst dumm anstellt. Geht mir da meine Phantasie durch??

Eine andere Frage: Soll es auf Seite 162 wirklich heißen: "Zaim schläft fest." oder sollte es statt Zaim Haydar heißen?

LG,
Steffi
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24

Montag, 13. November 2006, 22:13

Zitat

Original von sunnysideup142
Ein wenig unrealistisch erscheint mir Pauls Verhalten gegenüber Zaim. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser sich so von Paul anschreien lassen würde...

Das habe ich mir auch gedacht. Dass er ihn nämlich einerseits mit Glacehandschuhen anfasst und ihm andererseits schwere Vorwürfe an den Kopf wirft, ist eher unwahrscheinlich... Oder?
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25

Montag, 13. November 2006, 22:23

In Gewaltumgebungen, in denen ein Leben nicht viel wert zus ein scheint ist ein zu vorsichtiges Auftreten ein Zeichen von Schwäche. Abgesehen davon ist es in der angezeigten Situation ein anderer Fall als zuvor, denn nun besteht eine konkrete Gefährdung in der der Eindruck von Schwäche töten könnte. Das Auftreten in dieser Form kann in diesem Moment Leben retten. Es ist meiner Meinung anch sogar überaus gut nachvollziehbar.
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26

Montag, 13. November 2006, 23:34

Zitat

Eine andere Frage: Soll es auf Seite 162 wirklich heißen: "Zaim schläft fest." oder sollte es statt Zaim Haydar heißen?


Haydar natürlich. Dies sind eben die Dinge, die meist erst im Lektorat gefunden werden.

Ich habe am heutigen Tag ein langes Gespräch geführt. Mein Lehrer im Umgang mit der deutschen Sprache kam vorbei, er hat das gleiche Skript gelesen. Und er sagte etwas, was ich von ihm noch nie gehört habe, denn normalerweise haut er mir die Skripte reihenweise um die Ohren (was man als Autor, der sich entwickeln will, auch dringend braucht), und was er schon tat, als er bereits ein Bestsellerautor und ich gerade neun war. Er sagte, das Buch wäre gut und hätte eine Chance. Dann erklärte er mir, wo noch Ecken und Kanten sind.
Ebenso bekam ich heute ein erstes Mail von meiner Lektorin. Viele Dinge, die hier im Forum angesprochen wurden, decken sich mit ihrer Meinung. Ihr Fazit: für ein Rohmanuskript sind verhältnismäßig wenig Fehler drin.

Zitat

Ein wenig unrealistisch erscheint mir Pauls Verhalten gegenüber Zaim. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser sich so von Paul anschreien lassen würde...


Ich will auch darauf eingehen. Es ist ein ähnliches Problem, wie die Wiederholungen, also ein arabisches. Paul würde sofort als beseitigungswerter Schwächling gelten, würde er sich nicht wehren - in diesem Fall verbal. Es gibt eine Stelle, in der Paul Rücksicht nimmt, dem ISI-Kommandeur nicht in die Augen zu sehen. Im Grunde genommen ist dies ein Fehler von Paul. Man wird es später bemerken. Dies sind Kleinigkeiten, die jedoch im Umgang mit solchen Menschen bedeutungsvoll sein können.

Gehst du in Sharm el Sheik einkaufen und spielst du den unterwürfingen Deutschen, der zu jedem Preis ja und amen sagt, hast du schon verloren. Du wirst am Abend im Hotel sitzen, dir die Dinge ansehen, die du erstanden hast und das Gefühl nicht losbekommen, man hätte dich über den Tisch gezogen. - Wenigstens mir ging es so. Ich habe dort die Araber beobachtet, die haben sich lächelnd angeschrien, haben fünf mal abgewunken, sind schon dreimal gegangen, um letztendlich doch etwas zu kaufen. ... Das sollte hier mal einer bei Aldi probieren. - Wir sind diese Art nicht gewöhnt. - Paul kennt sie und weiß, dass er damit ganz gut fährt. Aber nicht immer.
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27

Dienstag, 14. November 2006, 10:40

So, ich bin nun fertig mit dem Buch. Ab der Mitte etwa ändert sich die Handlung, es wird mehr ein Actionthriller. Haydar (oder besser nun Elias) und Paul verlassen das Camp und versuchen lebend nach Deutschland zu gelangen.

Es wird einiges aufgeklärt, aber meiner Meinung nach nicht alles. Ich hatte z.B. gehofft herauszufinden, warum nun Paul sich ausgerechnet Elias ausgesucht hat, um ein Buch zu schreiben, wo doch noch andere gleichaltrige Jungen auf dem Camp sind. Hat Paul überhaupt Interviews mit den anderen geführt, oder erst mit Haydar und war von ihm so fasziniert, dass er die anderen Jungen einfach übersieht? Denn bis zum Schluß bleibt seine Liebe zu Elias stark; sie scheint sich sogar zu verstärken.

Es gibt weiterhin kleinere und größere Einschübe von Erinnerungen, aber der Handlungsstrang gerät ein wenig durcheinander. Die Flucht wird nicht linear erzählt,und zwischendurch wusste ich nicht genau, wo ich etwas zeitlich einschieben sollte (z.B. 341ff, wo er anscheinend mit seinem Auftraggeber spricht). Aber im Ganzen war er gut, auch dass die Flucht als Ganzes dem Botschafter erzählt wird (obwohl mir hier aufgefallen ist, dass sie dann nicht in der Ich-Form von Paul erzählt wird, sondern weiterhin in der Erzählform).

Im Großen und Ganzen ein sehr gutes Buch, eine gute Geschichte, viele Informationen über die aktuelle Lage auf der Welt (Al Quaida, Geheimdienste und Co.), aber es fehlt ein wenig an Tiefe, es ist alles relativ kurz gehalten und erzählt, meist kurze knappe Sätze. Vielleicht bin ich zu verwöhnt von Büchern, die mehr Einzelheiten über die Umgebung, die Menschen und die Handlung selbst enthalten.

Sehr gut finde ich auch den Schluß, der so endet, wie das Buch beginnt; der Kreis schließt sich. Wenn es wirklich Hemmis Frau war, die den Schluß so haben wollte, dann auch an sie ein Dankeschön!
:study::
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* A. Eschbach - Die Haartepichknüpfer *****
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28

Dienstag, 14. November 2006, 11:18

Noch ein nachträgliches Wort zum Buch "Der unwerte Schatz": Dass man mit Büchern etwas bewegen kann:

Heute Morgen geht es durch die Leipziger Medien:

Copyright (2006) www.lizzy-online.de

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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Hemmi« (14. November 2006, 11:30)

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Dienstag, 14. November 2006, 12:22

Hallo Zusammen :)

Ich habe 3/4 hinter mir und wollte ja eigentlich erst eine Wortmeldung machen wenn ich durch bin, aber viele meiner Fragen wurden hier schon genannt, bzw. Anmerkunden dazu gemacht.

Ich wiederhole das natürlich nicht, weil ausreichend beantwortet.

Womit ich mich im Nachhinein nicht 100%ig anfreunden kann ist Pauls und Haydars/Elias Mut. Beides erscheint mir immer noch z.T. unglaubwürdig, trotz Deiner Erklärungen. Es mag vieles typisch arabisch sein, aber eines ist klar. Mutig sind nicht nur und ganz besonders Araber oder Soldaten. Natürlich soll da etwas bestimmtes vermittelt werden, aber beide sind mir immer noch zu mutig, auch wenn zwischendurch Angst erkennbar ist, beschrieben wird...Paul ist berechnend im Umgang mit Zaim. Wenn mein Kollege von Zaim umgebracht worden wäre und ich gehöre zu den mutigen Menschen, so würde ich nicht so berechnend, herausfordernd und provokativ mit Zaim sprechen, wenn ich ganz genau weiss, dass er mich sofort töten kann. Jeder Mensch will leben, jeder, auch Paul, aber er provoziert weiter, versucht mit seinen Antworten klüger zu sein als Zaim und merkt nicht, dass Zaim ihn längst durchschaut hat, wie am Abend der Flucht zu erkennen. In einer solchen Situation ist man nicht provokant, mutig vielleicht schon, aber provokant und herausfordernd? Pauls Ziel ist Haydar/Elias, ganz klar, aber all das riskieren für einen Fremden? Es mag nun die typische Lebenseinstellung wiederspiegeln, die in unserer Welt so herscht, nämlich seine eigene Haut zuerst zu retten. Ob ICH es im Ernstfall tun würde kann ich nicht beurteilen, es liest sich nur unglaublich und unwirklich. Aber, eines fällt mir auch auf. Du bleibst Paul und Haydar/Elias treu, was ihre Charaktere angeht. Sie werden nicht plötzlich weinerlich, jammernd, überängstlich. Sie bleiben sich die ganze Zeit über treu, was bewirkt, dass sie glaubwürdig werden, bzw. bleiben. Da ich ja etwas mit dem Mut der beiden hadere war das für mich wichtig, denn so zog sich das wie ein roter Faden durchs Buch, bis jetzt. Und für mich dann doch glaubwürdiger mit zunehmden Seiten.

Ich mag Paul und Haydar/Elias sehr, Elias letztlich noch mehr. Ich habe mich in ihre Welt reingelesen, in ihre Beweggründe dieses und jenes zu tun, tun zu müssen. Es fiel mir sehr schwer zu glauben, dass ein so kleiner Junge töten kann, so mutig ist, Schmerzen so ignorieren kann, aber ich habe gelernt, dass Angst sowas puschen kann. Und dennoch erscheint es mir unwirklich, wenngleich ich spüre, dass es nur allzu realistisch ist....

Am Anfang war das Tempo mäßig, aber jetzt wird es rasant und spannend und der Thrilleffekt tritt ein.

Sehr gut fand ich noch die Art der Erzählung. Paul und Haydar/Elias unterhalten sich und Paul hinterfragt Vergangenes. Haydar/Elias fängt an zu erzählen und dann schwenkst Du um in den Moment, wo es stattfindet und hast Dich somit meiner Meinung nach für die bessere, interessantere und flüssigere Schreibweise entschieden. Das hat mir ausnehmend gut gefallen!

Und nun muss ich weiter lesen!
Wenn ich schreibe, beflügele ich meine Seele.
Wenn ich redigiere, lege ich sie an die Leine.
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Wenn ich veröffentliche, gebe ich sie frei,
und sie wird trotzdem bei mir bleiben.
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30

Dienstag, 14. November 2006, 12:58

Zitat

Original von Hemmi
Noch ein nachträgliches Wort zum Buch "Der unwerte Schatz": Dass man mit Büchern etwas bewegen kann:

Heute Morgen geht es durch die Leipziger Medien:

Copyright (2006) www.lizzy-online.de

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Hallo Hemmi

DAS "unser Schatz Hugo" diese Aufmerksamkeit bekommt, freut mich ungemein :D :thumleft: und (nochmals) ein GROSSES Kompliment an den Autor..... =D>

Gruss Bonprix ;)
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Dienstag, 14. November 2006, 15:42

Herzlichen Dank. :D
Mich freut ganz besonders, dass der betroffenen Kinder nun gedacht wird. Es ist lange Zeit nichts dergleichen geschehen.
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Dienstag, 14. November 2006, 16:35

Hallo!

Ich finde es klasse, dass hier tatsächlich angeregt durch Literatur Fakten geschaffen werden!! =D>
Und ich persönlich denke, Hemmi, jeder der den unwerten Schatz liest und entsprechende Möglichkeiten zum Handeln hat, der wird dadurch stärker motiviert als durch vieles andere - zumindest mich hat das Buch unglaublich bewegt!
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33

Dienstag, 14. November 2006, 18:59

Hallo Hemmi,

was für ein toller Erfolg für "Der unwerte Schatz" und natürlich auch für den Autor. =D> =D> =D> Für dieses Buch freut es mich besonders, denn das Schicksal von Hugo hält mich noch immer gefangen.
Liebe Grüße
Karthause


Karthauses Welt

Ein Leben ohne Literatur ist möglich - aber sinnlos.
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Mittwoch, 15. November 2006, 07:26

So, dann will ich mich mal kurz melden.
Ich bin jetzt noch bei Seite 80. Es will nicht so recht vorwärts und ich frage mich woran es eigentlich liegt ?! :-k
Gut, Polit-Thriller ist schon mal nicht mein Lieblingsgenre, aber nur daran wird es nicht liegen.
Der Dialog am Anfang war, wie ich finde, recht mühselig zu lesen.
Das Stilmittel des Nachfragens und des Wiederholens wird allgemein im Buch etwas zu intensiv verwand, auch wenn das im arabischen Kulturkreis vielleicht so üblich ist, oder eben der intensiven Berfragung dienen soll. Es liest sich nicht so schön.
Aber ich nehme es erstmal so hin, wie es ist, um es später im Kontext nochmals zu bewerten. Ich bin ja noch ganz am Anfang und die Story entwickelt sich gerade erst, und auf sie setze ich nun meine Hoffnung. Ich hoffe auf ein spannendes Lesevergnügen.

Soweit mein erster Eindruck...


P.S.
@ Hemmi: Schön, dass "der unwerte Schatz" etwas bewegt! :thumleft:
LG
Schoenchen O:-)
:study:
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35

Mittwoch, 15. November 2006, 14:05

Hier mein Eindruck nach den ersten 100 Seiten: :idea:

Wenn ich sagen würde, ich hätte meine liebe Mühe mit diesem Buch, müsste ich lügen, aber.....bis jetzt bin ich auch nicht so begeistert, mich "packt" die Geschichte einfach nicht.
Mir fehlt, und ich betone "bis jetzt" der Tiefgang, das Mitfühlen mit Paul und Haydar, die beiden bleiben für mich blass, unpersönlich, und ihr weiteres Schicksal berührt mich (noch) nicht.
Wie Schoenchen mag auch ich keine Politromane, und ich glaube nicht, dass dieses Buch an meiner Einstellung etwas ändern wird.
Positiv ist der aktuelle Bezug des Buches auf den Marine-Einsatz im Libanon, Al-Qaida, die Terrorproblematik im nahen Osten.
Insgesamt missfällt mir der Schreibstil, zu kurze abgehackte Sätze, und mein grösstes Problem ist z.B. auf den Seiten 82-89, dass jeder zweite Satz mit Paul schaut zum Himmel, Paul atmet schwer, Paul zögert, Paul begreift, Paul lauscht, Paul lauscht erneut, Paul ist sauer, Paul versucht......usw., usw. beginnt!
Ich habe keine Ahnung ob dies noch im Lektorat geändert wird :-k, wäre aber für meine Begriffe angebracht.
Unglaubwürdig erscheint mir auch die Art wie Paul mit Haydar spricht! Zu intellektuell, zu gebildet, als das ein 13jähriger in diesem Land, mit diesem Hintergrund dies verstehen könnte.
Warum Paul so leben will wie Haydar hat sich mir (bis jetzt) auch noch nicht erschlossen, aber vielleicht erfahre ich das beim weiterlesen.
Auch der rasche Wechsel der Schauplätze, ohne erzählerischen Übergang ist etwas unglücklich gewählt.
Fazit (bis jetzt): Der Gesamteindruck ist (noch?) ungeschliffen, und wenn dieses Buch nicht von Tino Hemmann wäre, würde ich es zur Seite legen, denn...gut gefallen tut es mir nicht.

Gruss Bonprix :wink:
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36

Mittwoch, 15. November 2006, 16:48

Zitat

Es wird einiges aufgeklärt, aber meiner Meinung nach nicht alles. Ich hatte z.B. gehofft herauszufinden, warum nun Paul sich ausgerechnet Elias ausgesucht hat, um ein Buch zu schreiben, wo doch noch andere gleichaltrige Jungen auf dem Camp sind.


Wenn Menschen ein Kind adoptieren oder in Pflege nehmen, warum ist es dann dieses eine bestimmte Kind? - Es ist eine Frage der Sympathie. Im Vorfeld wird absichtlich nicht besprochen, wie Paul auf Haydar kommt. Es hätte tatsächlich jeder andere Junge aus dem Lager sein können. Nur, es ist eben Haydar.

Zitat

Der Gesamteindruck ist (noch?) ungeschliffen, und wenn dieses Buch nicht von Tino Hemmann wäre, würde ich es zur Seite legen, denn...gut gefallen tut es mir nicht.


Ungeschliffen ist völlig richtig, denn es ist ein Rohmanuskript, an dem sich einiges ändern wird. Und was den Geschmack angeht ... Zeig drei Frauen ein Kleid. Die erste findet es altmodisch, die zweite zu modern und die dritte perfekt ... Dafür sind wir Menschen Menschen. Ich finde so manches hochdotierte literarische Werk öde und langweilig, andere verrissene Bücher faszinieren mich.

Die kurzen Sätze sind Absicht und eine Erfahrung aus meinem germanistischen Selbststudium der letzten Jahre. Der Satzbau als solches wiederum wird im Lekotrat kontrolliert und anschließend geändert.
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37

Mittwoch, 15. November 2006, 17:31

Ich bin auf Seite 319 und muß sagen, das Buch gefällt mir insgesamt sehr gut. Aufgrund der von Bonprix angesprochenen kurzen Sätze ist es sehr einfach zu lesen, und das ist ja nicht unbedingt ein Fehler.

Die Szene im Hotel fand ich ein bisschen überzogen. Beinahe schlaraffenlandartig, aber das war wohl beabsichtigt, weil Elias es so empfunden haben muß. Was mich nach wie vor ein bisschen stört - auch wenn es im arabischen Raum so üblich ist - sind die häufigen Wiederholungen. Aber ich finde sie nicht so störend, dass sie mir das Lesevergnügen einschränken würden.

Und, Tino, vielen Dank für die beiden anderen Bücher, die heute schon bei mir eingetroffen sind. Und für die netten Widmungen! :flower:

Lg
Susannah
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38

Mittwoch, 15. November 2006, 21:41

So, ich bin ganz durch und habe meiner ausführlichen Rezension eigentlich nichts mehr hinzuzufügen - AUSSER, dass es zum Ende hin mehr als spannend wurde, mir beide Charaktere sehr ans Herz gewachsen sind und ich sogar einmal feuchte Augen hatte.

Ich weine NIEMALS bei Büchern, NIEMALS, aber als Haydar zu Elias wurde und Paul und Elias wie die Kinder getobt haben und Paul sich vor Freude nicht eingekriegt hat und Elias endlich Kind war und sagte, dass Paul sein Safiyn sei, da spürte ich eine unglaubliche Freude in mir, als wäre ich mit im Zimmer und sähe sie toben und lachen. Unglaublich war die Erzählweise zu dem Zeitpunkt. Mitreissend und "lebendig". Ich hatte die Bilder vor Augen und im Kopf und hätte Paul und Elias beschreiben können. Wie gesagt, ich hatte leicht feuchte Augen.
Und von da an war kein zur Seite legen mehr möglich, die Spannung sehr groß.

Ich fand den Anfang aber absolut zum Buch passend, wenn auch sehr gewöhnungsbedürftig und für uns oft sprachlich unverständlich. Wie ich schon in meiner Rezension sagte, entwickelt sich nicht nur die Geschichte, sondern auch die Beziehung der beiden und mit jeder Seite leuchtet einem mehr ein und mit jeder Seite wird alles verständlicher. Klasse auch wie Paul in Delhi dem Mittelsmann, bzw. ehem. Chef klar gemacht hat, was es heisst einen Menschen dort runter zu schicken und dass da 100.000 Euro ein Nichts sind im Gegensatz zu zwei Menschenleben.

Ein wichtiges Buch aus vielerlei Gründen...
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Donnerstag, 16. November 2006, 20:16

Hallo,

so, ich bin nun auch fertig! Insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen und ich werde es sicherlich gerne an Freunde und Bekannte weiterempfehlen! =D>
Allerdings kommt es für mich nicht ganz an den 'unwerten Schatz' heran - vielleicht sollte man aber die beiden Bücher garnicht so intensiv vergleichen..auch wenn es mir schwer fällt.. :)

Insbesondere gefallen hat mir, wie sich die beiden Charaktere entwickeln und sich immer intensiver darstellen. Das trifft sowohl auf Paul zu, in dem ich zu Beginn eigentlich nur einen unsensiblen Journalisten gesehen habe und der zum Ende hin eine Geschichte mit Höhen und Tiefen hat, die viele seiner Handlungen erklärt. Ebenso ist es natürlich auch bei Elias bzw. Haydar, der am Anfang leblos und unecht wirkte und hinterher ein Kind wird, welches einenn zum Lachen und zum Weinen bringen kann.

Toll finde ich auch die Szenenwechsel und Rückblicke, die für mich schon beim ersten Buch den gewissen "Tino Hemmann-Stil" ausmachten! Durch sie gelingt es, dass man zum einen einen spannenden Polit-Thriller hat (wobei dieses Genre meiner Meinung nach nur für den letzten Teil des Buches passend ist), zum anderen aber eine sensibel erzählte Geschichte zweier Menschen miterlebt und zum dritten sogar eine Art von "Gesellschaftstudie" nachvollziehen kann, die sich mit den aktuellen Geschehenissen beschäftigt.

Nicht so überzeugend fand ich manchmal die Handlungen von Paul und Elias. So erscheint mir Paul immer noch zu forsch für seine Lage und ein wenig unrealistisch erscheint mir auch, dass Elias sich letztendlich so schnell in der Welt von Paul zurechtfindet. Zwar werden manche kleine Malheurs beschrieben, aber ich denke doch, dass der Junge normalerweise einen heftigen "Kulturschock" hätte bekommen müssen. Stattdessen ist er ganz schnell vertraut mit dem Game-Boy und verwandelt sich innerhalb eines Jahres in einen normalen Jungen von Nebenan. Das ist mir ehrlich gesagt ein wenig schöngefärbt. :scratch:

Dennoch - mir hat es riesigen Spaß gemacht, das Buch in dieser doch spannenden und ganz besonderenLeserunde zu lesen und ich möchte mich herzlich bei Dir, Hemmi dafür bedanken, dass Du dies möglich gemacht hast! :thumright:
Höffentlich hat es Dir auch etwas gebracht!

Liebe Grüße,
Steffi
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Freitag, 17. November 2006, 18:53

Mmmh, noch mal etwas Editorisches. Ich habe heute wieder einmal in einer Klasse aus dem Buch vorgelesen und dabei ist mir doch stark aufgefallen, dass die Personal- und Possessivpronomina gegenüber den Namen der Figuren wirklich zu kurz kommen. Eine Überarbeitung dahingehend wäre vielleicht wirklich eine gute Idee. Den Kids - diesmal 11. Jahrgang - hat das Gehörte allerdings durchaus zugesagt.
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