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Interviews

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Interviews

Hier beantworten Autoren Eure Fragen. Hast Du auch eine Frage, so kannst Du sie auf der jeweiligen Autorenseite über den kleinen Fragezeichen-Button einreichen. Eine Auflistung der Autoren, die Fragen beantworten, findest Du hier.

  • Autorentätigkeit

    Nun haben Sie die Chance ein persönliches Wort an Ihre Leser zu richten und die, die es werden sollten.
    Portrait
    Vertraut mir. Auch wenn ich fies zu meinen Charakteren bin und euch als Leser zwischendurch wehtue, so hat es immer einen Sinn. Ich bin kein Autor, der aus purer Freude am Schocken schockt oder Köpfe rollen läßt. Dahinter ist immer ein Sinn versteckt, dahinter verbirgt sich immer Hoffnung. Dummerweise gibt es nichts Schlimmeres als Grausamkeit mit Sinn dahinter. Aber dafür kann ich nichts, so ist die Welt. Ich verspreche euch, ihr seid sicher in meinen Geschichten. Ich liebe meine Charaktere, ich respektiere sie. Aber ich bin ihnen auch treu und lasse sie ihre Wege gehen, lasse sie ihre Fehler machen. Was ich auch schreibe, ich schreibe es aus dem Herzen und dem Bauch heraus. Der Kopf darf erst zum Schluß mit an das Ruder. Wohin es euch aber auch in meinen Büchern führt, ich lasse euch nicht allein und stehe zu jedem Satz.
  • Autorentätigkeit

    Für Ihre Werke haben Sie schon eine Vielzahl an Preisen erhalten. Wie wichtig sind Ihnen diese Auszeichnungen?
    Portrait
    So was darf ich eigentlich nicht beantworten, denn wie ich mein Glück kenne, liest das dann eine Jury und erzählt es einer anderen Jury und ich bekomme nie wieder einen Preis. Preise sind eine schöne Sache, aber sie sind nicht der Nagel auf dem ich meinen Hut aufhänge (sollte ich jemals einen Hut tragen). Mir ist der Mythos Preis schon lange verlorenen gegangen. Du mußt dir nur anschauen, welche Bücher schon Preise bekommen haben, da geht der Enthusiasmus etwas herunter, wenn du diesen oder jenen Preis dann bekommst. Das klingt nicht nett, soll aber keine Undankbarkeit sein. Ich bin froh über jeden Preis, aber wie ich schon sagte, ich lasse deswegen nicht die Brust anschwellen oder pinkel meinen Namen in den Schnee oder denke: Jetzt bist du aber gut. Ich bin noch immer ich, das ändert kein Preis, denn die Bücher sind entstanden, als ich ich war und ich werde auch ich bleiben, wenn die Preise mir aus dem Wasserhahn kommen.
  • Autorentätigkeit

    In Ihren Bücherregalen finden sich viele englischsprachige Originale und auch einige Ihrer Werke sind im Ausland erhältlich. Was bedeutet Ihnen der internationale Erfolg?
    Portrait
    Es ist nett. Es ist wie verreisen und man wird erwartet. Es ist aber auch immer wieder schwer zu glauben, daß es wirklich wahr ist. Es macht aber keinen Künstler aus mir, denn mein Leben hat sich nicht verändert und ist noch immer mein Leben in einer Kornmühle in Deutschland, während meine Bücher in Lyon, Chicago und Warschau ein eigenes Leben führen.
  • Autorentätigkeit

    Sie schreiben am Computer in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund. Wieso? Und gibt es womöglich weitere Besonderheiten in Ihrem Arbeitsstil oder gar "Rituale"?
    Portrait
    Als ich das erste Mal vor einem Monitor saß, dachte ich: Mensch, ist das anstrengend. All das Weiß blendete mich. Dann fand ich heraus, daß ich mir das ernsthaft aussuchen kann. Ich machte mir einen Shortcut und voilà: Plötzlich war alles in Schwarz getaucht und mein Schreiben leuchtete hervor. Das war echt, das war lebendig. Meinen Augen geht es damit seit zwanzig Jahren prima, die habe ich mir als Kind durchs Fernsehen ruiniert und sie sind durch die Monitore nicht schlechter geworden. Wichtig ist für mich auch nichts drumherum zu haben. Keine Menüs auf dem Monitor, kein Firlefanz. Alle wichtigen Befehle sind über Shortcuts zu erreichen. Ich sehe nicht einmal, auf welcher Seite ich bin, sehe nur, wo die neue Seite beginnt. Da bleibt Raum für die Ruhe der Zeilen und nach denen verlangt die Geschichte. Rituale gibt es nicht wirklich welche. Gut muß es riechen. Ob jetzt Räucherstäbchen oder Duftlampen oder ein offenes Fenster im Sommer. Gut muß das Licht sein. Zwei Lampen, ab und zu eine Kerze. Gut muß es auch klingen. Die Musik läuft die ganze Zeit, gibt den Rhythmus vor, bremst ab, läßt Freiraum für alles und treibt mich immer wieder an.
  • Autorentätigkeit

    Wenn Sie Ihren Lesern Einblicke in Ihren ganz persönlichen Arbeitsbereich gewähren, fallen sofort die gefüllten, aber auch geordneten Bücherregale auf. Wie wichtig ist Ihnen diese Ordnung und führt sie sich auch in einer Weise im Schreiben fort?
    Portrait
    Die Ordnung um mich herum dient ganz besonders dem Überblick. Manchmal schwimmt mein Schreibtisch im Chaos und ich merke, wie es die Arbeit bremst. Die Sachen sammeln sich wie Strandgut und ich mache mich dann an die Arbeit, um mittendrin Klarheit zu schaffen. Ohne Klarheit würde es kein Schreiben bei mir geben. Da ist schon genug Chaos in meinem Kopf, das ich zu ordnen versuche. Wenn ich dieses Chaos auch nach außen zur Schau tragen würde, könnte man mich bald in eine Klapse einliefern. Ordnung und Ruhe drumherum ist auch für die Seele beruhigend. Ich bin im elterlichen Chaos aufgewachsen, davon will ich nichts mehr wissen. Eine bestimmte Balance muß herrschen. Praktisch sollte sie auch sein. Deswegen ordne ich die Bücher auch liegend in Stapeln, so daß ich alle Cover lesen kann und nicht wie ein Blödmann jedes Mal den Kopf schräg legen muß, um einen Titel zu entziffern. Aber es gibt keine alphabetische Ordnung, man will es ja nicht übertreiben. Oft bestimmt die Farbe und Größe des Buches seinen Platz. Oft ist es auch sein Wert für mich, wie nahe mir die Geschichte ging. Dann will ich das Buch sehen, wenn ich aufschaue.
  • Autorentätigkeit

    Es gibt eine Menge Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken. Warum ist es bei Ihnen das Schreiben?
    Portrait
    Ich kann nichts anderes. Hand aufs Herz. Schreiben ist für mich wie Atmen, ein fester Teil des Lebens, ein Zustand des Seins. Ich bin auch kein Künstler, der rumläuft und Kunst macht. Dieses Image hat Beuys [deutscher Aktionskünstler, Anm. d. Red.] für mich vollkommen versaut, als er behauptete, in jedem Menschen würde ein Künstler stecken. Da hat damals schon meine rebellische Jugendseele aufgeschrien. Einer von vielen zu sein - grausam. Und Kunst kann ja vieles, aber mich bekommt sie nicht. Ich bin Schriftsteller. Mehr ist da nicht.
  • Autorentätigkeit

    Sie haben bereits viele Romane geschrieben. Trix Solier ist etwas vollkommen Neues. Können Sie sich vorstellen, auch noch andere Genres zu erobern? Wenn ja, welche und welche auf keinen Fall?
    Portrait
    Ich habe immer versucht, die Genres zu variieren, denn das ist für mich selbst interessanter. Schon seit einiger Zeit schreibe ich nebenher an einem Krimi der ganz klassischen Art, mit einem Detektiv, seinem Assistenten und einem gerissenen Verbrecher. Was mir offenbar gar nicht liegt, ist der Horrorroman, obwohl ich die Werke von King und Koontz sehr gern lese; aber irgendwie habe ich überhaupt keine Lust, solche Sachen selbst zu schreiben. (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Autorentätigkeit

    Wie sieht Ihr Arbeitstag aus? Stark strukturiert an einem bestimmten Ort oder arbeiten sie immer so, wie und wo es gerade passt?
    Portrait
    Früher, als ich gerade angefangen hatte zu schreiben, war ich eine Nachteule. Da hat es mir gefallen, abends oder sogar nachts zu arbeiten, wenn alle anderen schliefen. (Oh, meine Nachbarn und meine Frau dürften entzückt vom Gehämmer auf meine alte Schreibmaschine gewesen sein!) Aber als die Schriftstellerei für mich nicht länger nur ein Hobby war, sondern ich sie zu meinem Beruf gemacht habe, ist mir klar geworden, dass mir die Arbeit tagsüber besser von der Hand geht. Daher setze ich mich heute etwa um neun vor den Computer und fange an zu schreiben. Das geht so lange, wie ich in Arbeitslaune bin. Manchmal sind das nur zwei, drei Stunden, manchmal acht oder neun, bis zum Abend. Am liebsten arbeite ich natürlich zu Hause. Im letzten Jahr habe ich jedoch den ganzen Sommer mit meiner Familie am Meer verbracht, auf Sizilien. Da es mir leid getan hätte, drei Monate zu verlieren, habe ich versucht, auch dort zu schreiben. Zu meiner eigenen Überraschung hat sich gezeigt, dass es sich sehr gut arbeiten lässt, wenn du im Sommer auf einer Terrasse sitzt und aufs Meer guckst. :) (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Autorentätigkeit: Die Reinheit des Todes

    Julius Kern als Ermittlerfigur hat es ja nun nicht immer leicht gehabt - wie planen Sie seine Zukunft?
    Portrait
    Der arme Julius. Ja, der wird so schnell nicht zur Ruhe kommen. Sein Erzrivale wartet im Verborgenen auf eine Gelegenheit, wieder in sein Leben treten und seine Spielchen mit ihm treiben zu können. Außerdem wird Kern es auch weiterhin nicht leicht mit seiner Familie haben. Seiner Tochter steht die Pubertät bevor und dann taucht da auch noch eine ziemlich attraktive Frau auf. Aber mehr verrate ich nicht. ;-)
  • Autorentätigkeit

    Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren? Was möchten Sie beruflich noch erreicht haben? Was ist die nächste Herausforderung?
    Portrait
    In zehn Jahren möchte ich noch genau das haben, was ich bereits jetzt habe: Das Privileg, von dem leben zu können, was mir Spaß macht und mich erfüllt. Das tun, was ich kann und wozu ich mich berufen fühle. Die nächste Herausforderung ist die Fortsetzung um meine Hauptfigur Julius Kern, an der ich zurzeit arbeite.
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