Interviews

Leser fragen, Autoren antworten

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Interviews

Hier beantworten Autoren Eure Fragen. Hast Du auch eine Frage, so kannst Du sie auf der jeweiligen Autorenseite über den kleinen Fragezeichen-Button einreichen. Eine Auflistung der Autoren, die Fragen beantworten, findest Du hier.

  • Autorentätigkeit

    Wo sehen Sie sich selbst in zehn Jahren? Was möchten Sie beruflich noch erreicht haben? Was ist die nächste Herausforderung?
    Portrait
    In zehn Jahren möchte ich noch genau das haben, was ich bereits jetzt habe: Das Privileg, von dem leben zu können, was mir Spaß macht und mich erfüllt. Das tun, was ich kann und wozu ich mich berufen fühle. Die nächste Herausforderung ist die Fortsetzung um meine Hauptfigur Julius Kern, an der ich zurzeit arbeite.
  • Autorentätigkeit

    Von der Kommunikation mit der Polizei zum Austausch mit Ihrer "Kundschaft": Gibt es für Sie einen Unterschied zwischen Zuschauer im Publikum und den Lesern? Was sind nun Indikatoren, die Sie antreiben, wo der Applaus aus dem Publikum weggefallen ist?
    Portrait
    Zunächst einmal gibt es diesen Unterschied nicht. Denn mein Ziel ist gegenüber einem Leser, auch, wenn ich ihn selten kennen lernen oder seine Reaktionen erleben werde, dasselbe, wie gegenüber einem Zuschauer im Publikum. Beide möchte ich unterhalten. Mir ist aber bewusst, dass ich mit einem Roman ein erheblich größeres Publikum erreichen kann, als während einer Bühnenshow. Und darin liegt sicher auch der Antrieb, der mir den Applaus und die Lacher, die mich während einer Comedyshow antreiben, ersetzt. Das Bewusstsein, etwas zu schaffen, das im ganzen Land von vielen tausend Menschen gelesen werden wird, erfüllt mich mit einem Verantwortungsgefühl. Ich möchte niemanden enttäuschen oder für dumm verkaufen. Tatsächlich gebe ich aber zu, dass mir auch beim Schreiben Feedback sehr wichtig ist. Deswegen suche ich während des Schreibens immer die Meinungen von Testlesern.
  • In der Danksagung am Schluss des Romans bedanken Sie sich bei der Autorenberatung der Berliner Polizei. Bitte erzählen Sie uns, wie man sich eine solche Beratung genau vorstellen kann. Wieso berät die Polizei in dieser Angelegenheit? Mit welchen Fragen sind Sie zum Beispiel an die Mitarbeiter dort herangetreten?
    Portrait
    Die Polizei ist daran interessiert, dass ihre Arbeit in Filmen oder Büchern möglichst realitätsnah dargestellt wird. Deswegen leistet sie sich in ihrer Pressestelle eine Autorenberatung. Beratungen kann jeder in Anspruch nehmen, entweder telefonisch oder per Mail. Ich habe mich mit der Mitarbeiterin über meine Geschichte unterhalten und dabei herausgefunden, wie die Kripo in einem solchen Fall vorgehen würde. Wie eine Mordkommission aufgebaut ist, welche Dienstgrade die Beamten haben, wie der Erkennungsdienst (wie die Spurensicherung korrekt heißt) arbeitet und was den Ermittlern möglich oder nicht möglich ist. Natürlich gibt es auch Grenzen. Aber die sind nicht so eng gesteckt, wie man denken könnte. Wenn eine Frage zu weit geht, sagt die Mitarbeiterin das schon.
  • Mussten Sie an manchen Stellen im Buch auch aufpassen nicht aus Versehen einen Witz einzubringen, der Ihnen spontan "auf den Lippen lag"?
    Portrait
    Oh ja ... Ich musste sogar auf Bitten meiner Agentur ein paar lustige Dialoge streichen. Trotzdem sind aber noch genug Stellen übrig geblieben, an denen die Figuren ein bisschen flapsig sind oder sich Spitzen entgegen werfen. Dialoge wie "Wir haben uns lange nicht gesehen." – "Sie haben ja auch lange niemanden mehr umgebracht." Finde ich persönlich sehr schön, und von denen gibt es im Buch eine ganze Reihe. Entscheidend ist ja nur, dass die Figuren und die Geschichte nicht lächerlich gemacht werden.
  • Auch wir wollen natürlich nicht zuviel preisgeben, aber Ihr Thriller erzählt von zwei unterschiedlichen Mördern und ihren Taten. Wir würden gerne wissen, wie schwer es ist, diese Handlungsstränge ineinanderfließen zu lassen. Wie war das, wie sind Sie vorgegangen?
    Portrait
    Ich beginne den Schreibprozess erst, wenn ich weiß, wie die Geschichte ausgeht. Dadurch kann ich von Anfang an meine Figuren und ihre Handlungen konsequent auf das Ende zulaufen lassen, ohne mich dabei zu verzetteln. Wichtig war mir, zwei vollkommen unterschiedliche Mörder zu schaffen, die aus absolut gegensätzlichen Motiven heraus doch am Ende dasselbe, nämlich Tod und Leid, erzeugen. Tatsächlich habe ich mir aber ganz schön den Kopf zerbrochen, wie ich die beiden Stränge so zusammen führen kann, dass der Leser sich nicht verschaukelt fühlt. Der ursprüngliche Weg war einfach zu schwach. Deswegen habe ich das Buch nachträglich noch einmal umgeschrieben, als ich auf eine Idee gestoßen bin, die ich überzeugend fand.
  • Besonders interessant finden wir die Idee, dass der Mörder nach seinen Taten durch eine Putzaktion seine Spuren verwischt. Gab es auch hier eine bestimmte Inspiration, vielleicht eine Zeitungsnotiz, ein Gespräch o.ä., den "Putzteufel"-Mörder zum Leben zu erwecken?
    Portrait
    Beim Putzteufel bin ich rückwärts vorgegangen. Ich habe mich zuerst gefragt, was die besondere Eigenheit des Mörders sein könnte, mit der er die Polizei vor Probleme stellt. Die Idee, dass er die Wohnungen extrem akribisch reinigt hat mir gut gefallen. Dann habe ich erst angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, warum er das tut. Den genauen Grund habe ich dann selber erst im Laufe des Schreibprozesses gefunden, aber der wird hier natürlich nicht verraten...
  • Nach diesem Treff ins Schwarze, nun zu Ihrem Buch: Die Idee zu "Die Reinheit des Todes" hatten Sie bei Ihrer damaligen Arbeit in der Gastronomie. Wie wuchs Ihr Mordgedanke im Gastronomieumfeld genau? Spielte vielleicht sogar der Klassiker des vergifteten Rotweinglases eine Rolle?
    Portrait
    Rotweingläser vergiften würde ich nie tun. Das wäre schade um den guten Wein. Im Ernst, ich glaube, dass solche Gedanken wie "Ich bring’ die alle um" in einem gewissen Maße völlig normal sind. Niemand, der so etwas im Stress oder Zorn "dahindenkt" will es ja wirklich tun. Wie ich es auch in meinem Thriller beschreibe ist es aber wirklich so, dass man in Serviceberufen oft sehr herablassend und respektlos behandelt wird. Dass ich in meinem Buch einige meiner nervigsten Gäste von damals symbolisch "ermorde" ist eine Hommage an alle, die diesen Stress täglich mit einem Lächeln aushalten. Und weil nicht jeder Dienstleister die Möglichkeit hat, sich seinen Ärger wie ich von der Seele zu schreiben, ist "Die Reinheit des Todes" auch allen gewidmet, die im Service arbeiten.
  • Autorentätigkeit

    Wie schwer fällt es Ihnen im richtigen Leben die Waage zwischen Humor und Ernst zu halten? Sehen Sie Ihre Schreibtätigkeit vielleicht sogar als Ausgleich um das Gleichgewicht wiederherzustellen?
    Portrait
    Die Waage zu halten ist ja bei der Comedy sehr entscheidend. Ein Gespür dafür zu haben, welchen Witz man in welcher Situation bringen kann und darf – und, wo der Spaß aufhört. Es ist aber schon so, dass ich eigentlich in jeder Lage zuerst das Lustige sehe und einen guten Gag nicht verschenke, wenn er sich mir anbietet. Das mit dem Gleichgewicht würde ich genau so unterschreiben.
  • Autorentätigkeit

    Entstand so bei Ihnen der Wunsch mit dem Schreiben anzufangen und wie kamen Sie dann zu einem Genre, das der Comedy so fern liegt? Waren humoristische Bücher für Sie keine Alternative?
    Portrait
    Der Thriller liegt der Comedy keineswegs fern. In beiden Fächern baut man Spannung auf und bringt das Publikum dazu, wissen zu wollen, worauf die Geschichte hinausläuft. Und in beiden Fächern ist der Zuschauer über die Auflösung am Ende überrascht. Nur, dass er über die Auflösung in der Comedy lacht, während ihn die des Thrillers erschreckt oder sogar gruselt. Der Wunsch zu schreiben ist bei mir außerdem sehr viel älter als der, Comedy zu machen. Schon mit 14 habe ich meinen ersten Roman auf meiner mechanischen Schreibmaschine getippt. (Was für ein Glück, dass den keiner gedruckt hat ...) Die Idee, Comedy-Romane zu schreiben, hatte ich seltsamerweise trotz allem nie. Ich fand immer schon Thriller interessanter und mir war zu jeder Zeit klar, dass ich auch nur in diesem Genre würde schreiben wollen.
  • Persönliches

    Sie sind eigentlich Schauspieler und Stand-Up-Comedian. Was können Sie über diese Tätigkeit berichten? Ist es so leicht und locker die Menschen zu unterhalten, wie es auf der Bühne herüberkommt?
    Portrait
    Wenn es leicht und locker aussieht, erkennt man daran, dass es gut gemacht ist. Tatsächlich ist es wahnsinnig schwer, ein Publikum minutenlang zum lachen zu bringen. Jeder hat einen anderen Humor, der sich auch noch verändert, je nach Ort, Zeit, Umfeld und Stimmung. Deswegen muss ein Comedian seine Nummern immer auf die jeweilige Situation abstimmen können. Zu spüren, was das Publikum im jeweiligen Moment lustig finden wird, eine Dynamik aufzubauen, "Leitwölfe" im Publikum dazu zu bringen, die anderen Zuschauer mitzureißen – das ist eine Wissenschaft. Es dauert Jahre, bis man sie halbwegs beherrscht und selbst dann erlebt man immer wieder Situationen, die einen in echte Schwierigkeiten bringen können. Ich behaupte sogar, dass die reine, klassische Stand-Up-Comedy, ohne Requisiten oder Musikinstrumente, eine der schwersten Kunstformen überhaupt ist. Deswegen schreibe ich auch lieber, das ist einfacher...
Anzeige
BuecherTreff.de in den Medien