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Interviews

Hier beantworten Autoren Eure Fragen. Hast Du auch eine Frage, so kannst Du sie auf der jeweiligen Autorenseite über den kleinen Fragezeichen-Button einreichen. Eine Auflistung der Autoren, die Fragen beantworten, findest Du hier.

  • Buch: Ungeheuer

    Autoren sagen oft in Interviews von sich, dass Ideen für neue Geschichten durch die kleinste Zeitungsmeldung oder einen kurzen Radiobericht entstehen können. Wie ist das bei Ihnen: Woher nehmen Sie die Ideen für Ihre Thriller, insb. zu Ihrem aktuellen?
    Portrait
    Das geht mir auch so. Ich finde die Grundidee oft bei authentischen Fällen. Oft notiere ich mir solche Ideen in ein kleines Büchlein oder auf Zettel. Diese Zettelei bildet dann die Inspiration für eine eigene Geschichte. Bei "Ungeheuer" war es Edward Theodore Gein, der auf einer Farm in Wisconsin gelebt hat. Bei seiner Festnahme fand man in den Gebäuden die frisch ausgeweidete Leiche einer Ladenbesitzerin und Teile von mindestens 15 weiteren Leichen; darunter eine Sammlung von Nasen und Masken aus menschlicher Gesichtshaut. Die meisten Leichen hat er sich vom örtlichen Friedhof "besorgt", aber zwei Frauen hat er nachweislich auch ermordet. Es ist umstritten, ob Gein auch ein Kannibale war.
  • Buch: Ungeheuer

    Sie erzählen in "Ungeheuer" aus verschiedenen Perspektiven. Wenn Sie schreiben, schreiben Sie dann zuerst alles - oder einen großen Teil - aus einer Perspektive, bevor Sie sich der nächsten zuwenden, oder gehen Sie so vor, wie der Leser das Buch später auch vor sich hat?
    Portrait
    Ich schreibe die Kapitel hintereinander weg. Also so, wie sie dann auch gelesen werden. Das macht es etwas schwieriger, weil ich mich manchmal erst wieder in die Szenen hineindenken muss. (Lacht) Aber anders kann ich es nicht. Ich schreibe ja auch nicht kontinuierlich, jeden Tag, sondern oft nur an den Wochenenden oder in den Ferien. Dann hat man manchmal Details vergessen. Ich lese also zuerst noch einmal das entsprechende Anschlusskapitel – das hat den Vorteil, dass ich es dabei gleich überarbeiten kann – und beginne dann, weiterzuschreiben.
  • Buch: Ungeheuer

    Neben der sehr spannenden Handlung um die Morde des genannten Doktor Nex gibt es auch noch einen Handlungsstrang, der das Privatleben der Protagonisten ein bisschen genauer beleuchtet. Wie wichtig ist es Ihnen beim Schreiben, dass Ihre Leser auch auf einer "privaten Ebene" Zugang zu den Figuren bekommen?
    Portrait
    Das ist auch bedeutsam. Ein Thriller lebt nicht nur vom Täter und dessen Untaten. Beim Lesen möchte man auch ein bisschen über die anderen Figuren erfahren, in ihr Leben eintauchen, sehen, was sie sehen, erleben, was sie erleben. Der Mensch interessiert sich meist ziemlich für Intimitäten anderer. Das sollte allerdings nicht ausufern – sonst geht die Spannung verloren. Dazu kommt, dass die Protagonisten in den nächsten Büchern "weiterleben". Der Leser kann so erfahren, wie es mit ihnen weitergeht.
  • Buch: Ungeheuer

    Ihr Spezialgebiet im Studium war die Analyse menschlichen Verhaltens. Hilft dies dabei aus der Sicht eines Mörders zu schreiben, wie zum Beispiel Doktor Nex aus Ihrem neuen Buch "Ungeheuer"?
    Portrait
    Dem Spezialgebiet Humanethologie habe ich mich eigentlich erst nach der Wende richtig zuwenden können. Verhaltensbiologie war in der DDR als separater Wissenschaftszweig nicht sonderlich relevant. Im Lauf der Jahre habe ich mich dann auf die Kommunikation, insbesondere die "nonverbale Kommunikation" – das ist der gesamte Bereich Körpersprache – spezialisiert. Beim Schreiben hilft mir das insofern, da ich weiß, wie bestimmte Abläufe, wie Mimik und Gestik aussehen, wenn jemand traurig oder wütend ist, oder wenn er zum Beispiel lügt. Eine Figur wie "Doktor Nex" ist sehr vielschichtig. Hier fließen auch meine Kenntnisse aus Fachbüchern ein, Bücher über Profiling (in Deutschland: Fallanalyse), Täterbiografien oder Psychologie.
  • Buch: Erebos

    Es gibt bereits eine Hörbuchfassung von "Erebos", gelesen von Jens Wawrczeck. Wie kam es zu dieser Auswahl und wie zufrieden sind Sie mit der Umsetzung? Konnten Sie hier überhaupt Einfluss nehmen?
    Portrait
    Die Auswahl wurde vom Hörbuchverlag getroffen, und meiner Meinung nach hätte sie nicht besser sein können. Jens Wawrczeck liest so toll, dass der Text auch für mich nochmal ganz neue Nuancen bekommen hat. Ich habe vor der Aufnahme das gekürzte Manuskript noch durchgesehen und finde, dass die Redaktion mit unglaublich viel Gefühl gekürzt hat, das hätte ich selbst nie so gut hinbekommen.
  • Buch: Erebos

    Die Einbringung dieses Wissens verschafft dem Buch einen besonderen Reiz. War dies auch Ihr Ziel oder wollten Sie insgeheim doch warnen und aufrütteln?
    Portrait
    Warnen vor Computerspielen? Nein. Gut gemachte Computerspiele machen Spaß und haben auf jeden Fall ihre Daseinsberechtigung. Bedenklich wird es erst, wenn nichts anderes mehr Spaß macht, wenn man nicht mehr liest, keine Freunde mehr trifft, sich abschottet, alles andere vernachlässigt. In "Erebos" ist das Spiel aber Mittel zum Zweck, und wenn ich überhaupt vor etwas warnen wollte, dann wäre es das: Sich für etwas einspannen zu lassen, das man nicht durchschaut und das man sich nicht von allen Seiten betrachtet hat. Davor, Dinge zu tun, die einem selbst nicht geheuer sind, nur weil jemand – oder etwas – sie von einem verlangt.
  • Buch: Erebos

    Ihr Buch thematisiert die Problematik der Manipulationsmöglichkeiten in virtuellen Welten. Können Sie dem noch unwissenden Leser kurz erklären, um welche Aspekte es genau geht? Wie intensiv haben Sie sich zudem vor dem Schreiben mit diesem Thema auseinandergesetzt?
    Portrait
    Ich würde sagen, es geht um Manipulation an sich, die im Grunde immer gleich funktioniert, nämlich mit Versprechen, Belohnungen, Drohungen und meistens auch Gruppendruck. Hier wird Manipulation durch ein Computerspiel ausgeübt, was für mich sehr reizvoll zu schreiben war, weil ich ein Faible für Parallelwelten habe. Anstöße von außen gab es dafür einige. Ich habe mir beispielsweise eines dieser Browserspiele angesehen, in denen eigentlich nichts passiert. Es gibt Kämpfe zwischen den Spielern, die sieht man aber nicht, man erfährt nur im Anschluss, wer gewonnen oder verloren hat. Das Gleiche gilt für Quests. Nicht sehr spannend eigentlich, trotzdem gibt es Spieler, die darin völlig aufgehen und um jeden Platz in der Rangliste kämpfen. Die richtiges, echtes Geld in eine virtuelle Spielwährung investieren, mit der sie virtuelle Ausrüstungsgegenstände für ihren virtuellen Charakter kaufen können. Um das Geld könnte man auch etwas ganz Echtes kaufen, für sich selbst. Ich dachte damals: Wenn schon ein Spiel, das eigentlich nichts anbietet außer einer Rangliste und hübscher Ausrüstungsgegenstände, Menschen dazu bringt, reales Geld hineinzustecken – was würden sie alles in ein Spiel investieren, das viel, viel mehr anbietet? Hinzu kommen noch eine Reihe anderer Faktoren: das Abtauchen in ein Abenteuer, das Neue, das Gefühl, einer auserwählten Gemeinschaft anzugehören und sich in eine Elite hocharbeiten zu können.
  • Buch: Erebos

    Als Handlungsort Ihres Thrillers haben Sie London gewählt – warum nicht Wien, Ihren Heimatort?
    Portrait
    London hat sich von Anfang an richtig angefühlt. Es gibt noch einen weiteren Grund, der mit der Geschichte selbst zu tun hat, doch der stand zu Beginn gar nicht im Vordergrund. Ich hatte, sobald ich mich vor den Computer setzte und plottete oder schrieb, sofort Bilder von London im Kopf. Ich liebe diese Stadt wirklich sehr, deshalb habe ich mich auch nicht dagegen gewehrt.
  • Buch: Erebos

    Nun ist mit "Erebos" nach vielen veröffentlichten Kinderbüchern Ihr erster Thriller erschienen. Muss man sich als Autorin solche neuen Herausforderungen setzen oder wie kam Ihre Entscheidung zum Genrewechsel?
    Portrait
    Also, eigentlich wollte ich immer schon möglichst vielseitig schreiben. Dass das erste Buch für ältere Leser ein Thriller geworden ist, hat mich selbst ein wenig überrascht – ich hatte einen fertigen Fantasyroman in petto und die Idee zu "Erebos" im Gepäck. "Erebos" ist es dann geworden, worüber ich heute sehr froh bin.
  • Werden wir zukünftig noch mehr von Ober Leopold und seinen scharfsinnigen Ermittlungsmethoden hören?
    Portrait
    Ich denke schon. Derzeit schreibe ich am vierten Leopold-Roman, das Erscheinungsdatum ist wahrscheinlich Juli 2011. Ideen habe ich noch genug, aber es kann natürlich auch sein, dass sich die Figur mit der Zeit beim Leser oder bei mir abnützt.
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