Wahl der BücherTreff Leserlieblinge

Interviews

Leser fragen, Autoren antworten

Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

Interviews

Hier beantworten Autoren Eure Fragen. Hast Du auch eine Frage, so kannst Du sie auf der jeweiligen Autorenseite über den kleinen Fragezeichen-Button einreichen. Eine Auflistung der Autoren, die Fragen beantworten, findest Du hier.

  • In der Danksagung am Schluss des Romans bedanken Sie sich bei der Autorenberatung der Berliner Polizei. Bitte erzählen Sie uns, wie man sich eine solche Beratung genau vorstellen kann. Wieso berät die Polizei in dieser Angelegenheit? Mit welchen Fragen sind Sie zum Beispiel an die Mitarbeiter dort herangetreten?
    Portrait
    Die Polizei ist daran interessiert, dass ihre Arbeit in Filmen oder Büchern möglichst realitätsnah dargestellt wird. Deswegen leistet sie sich in ihrer Pressestelle eine Autorenberatung. Beratungen kann jeder in Anspruch nehmen, entweder telefonisch oder per Mail. Ich habe mich mit der Mitarbeiterin über meine Geschichte unterhalten und dabei herausgefunden, wie die Kripo in einem solchen Fall vorgehen würde. Wie eine Mordkommission aufgebaut ist, welche Dienstgrade die Beamten haben, wie der Erkennungsdienst (wie die Spurensicherung korrekt heißt) arbeitet und was den Ermittlern möglich oder nicht möglich ist. Natürlich gibt es auch Grenzen. Aber die sind nicht so eng gesteckt, wie man denken könnte. Wenn eine Frage zu weit geht, sagt die Mitarbeiterin das schon.
  • Mussten Sie an manchen Stellen im Buch auch aufpassen nicht aus Versehen einen Witz einzubringen, der Ihnen spontan "auf den Lippen lag"?
    Portrait
    Oh ja ... Ich musste sogar auf Bitten meiner Agentur ein paar lustige Dialoge streichen. Trotzdem sind aber noch genug Stellen übrig geblieben, an denen die Figuren ein bisschen flapsig sind oder sich Spitzen entgegen werfen. Dialoge wie "Wir haben uns lange nicht gesehen." – "Sie haben ja auch lange niemanden mehr umgebracht." Finde ich persönlich sehr schön, und von denen gibt es im Buch eine ganze Reihe. Entscheidend ist ja nur, dass die Figuren und die Geschichte nicht lächerlich gemacht werden.
  • Auch wir wollen natürlich nicht zuviel preisgeben, aber Ihr Thriller erzählt von zwei unterschiedlichen Mördern und ihren Taten. Wir würden gerne wissen, wie schwer es ist, diese Handlungsstränge ineinanderfließen zu lassen. Wie war das, wie sind Sie vorgegangen?
    Portrait
    Ich beginne den Schreibprozess erst, wenn ich weiß, wie die Geschichte ausgeht. Dadurch kann ich von Anfang an meine Figuren und ihre Handlungen konsequent auf das Ende zulaufen lassen, ohne mich dabei zu verzetteln. Wichtig war mir, zwei vollkommen unterschiedliche Mörder zu schaffen, die aus absolut gegensätzlichen Motiven heraus doch am Ende dasselbe, nämlich Tod und Leid, erzeugen. Tatsächlich habe ich mir aber ganz schön den Kopf zerbrochen, wie ich die beiden Stränge so zusammen führen kann, dass der Leser sich nicht verschaukelt fühlt. Der ursprüngliche Weg war einfach zu schwach. Deswegen habe ich das Buch nachträglich noch einmal umgeschrieben, als ich auf eine Idee gestoßen bin, die ich überzeugend fand.
  • Besonders interessant finden wir die Idee, dass der Mörder nach seinen Taten durch eine Putzaktion seine Spuren verwischt. Gab es auch hier eine bestimmte Inspiration, vielleicht eine Zeitungsnotiz, ein Gespräch o.ä., den "Putzteufel"-Mörder zum Leben zu erwecken?
    Portrait
    Beim Putzteufel bin ich rückwärts vorgegangen. Ich habe mich zuerst gefragt, was die besondere Eigenheit des Mörders sein könnte, mit der er die Polizei vor Probleme stellt. Die Idee, dass er die Wohnungen extrem akribisch reinigt hat mir gut gefallen. Dann habe ich erst angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, warum er das tut. Den genauen Grund habe ich dann selber erst im Laufe des Schreibprozesses gefunden, aber der wird hier natürlich nicht verraten...
  • Nach diesem Treff ins Schwarze, nun zu Ihrem Buch: Die Idee zu "Die Reinheit des Todes" hatten Sie bei Ihrer damaligen Arbeit in der Gastronomie. Wie wuchs Ihr Mordgedanke im Gastronomieumfeld genau? Spielte vielleicht sogar der Klassiker des vergifteten Rotweinglases eine Rolle?
    Portrait
    Rotweingläser vergiften würde ich nie tun. Das wäre schade um den guten Wein. Im Ernst, ich glaube, dass solche Gedanken wie "Ich bring’ die alle um" in einem gewissen Maße völlig normal sind. Niemand, der so etwas im Stress oder Zorn "dahindenkt" will es ja wirklich tun. Wie ich es auch in meinem Thriller beschreibe ist es aber wirklich so, dass man in Serviceberufen oft sehr herablassend und respektlos behandelt wird. Dass ich in meinem Buch einige meiner nervigsten Gäste von damals symbolisch "ermorde" ist eine Hommage an alle, die diesen Stress täglich mit einem Lächeln aushalten. Und weil nicht jeder Dienstleister die Möglichkeit hat, sich seinen Ärger wie ich von der Seele zu schreiben, ist "Die Reinheit des Todes" auch allen gewidmet, die im Service arbeiten.
  • Inwieweit haben Sie und der Roman denn selbst aus dem Autorenkreis profitiert? Möchten Sie jemandem speziell danken?
    Portrait
    Direkt fürs Buch profitiert kann man wohl nicht sagen. Die ganze Arbeit profitiert vom gemeinsamen Austausch. Zu danken habe ich vor allem meinem besagten Kollegen, Dr. Robertz vom Institut für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie, aber der hat nichts mit Quo vadis zu tun. Und Herrn Peter Kremer, der den Werwolf von Bedburg in der erzählerisch-sachlichen Fallsammlung "Wo das Grauen lauert" liebevoll umsorgt hat. Und nicht zuletzt dem guten Freund Kosta Fritsch.
  • Wie wichtig war es Ihnen, eine "deutsche Geschichte" zu schreiben? Wollen Sie in der Zukunft lieber weiterhin über historische Ereignisse in/aus Deutschland schreiben oder auch mal das Land wechseln?
    Portrait
    Als Deutscher habe ich zu dieser Kultur und ihrer Entwicklungsgeschichte natürlich einen besonders engen Bezug. Auch regional ist das von Bedeutung, und damit auch, was das Einfühlen in die Handlungsumgebung betrifft. Andererseits arbeite ich gerade an einem Buch über die Wikinger, das zunächst in Norwegen spielt, um den König Olaf Tryggvason; aber auch da fühlte ich mich noch wohler, als mein Held in Haithabyr anlandete - das freilich damals dänisch gewesen ist - und sich im Augenblick dort herumtreibt. Schon früher hatte ich Jugendbücher zu Indianern geschrieben, aber das war eine andere Atmosphäre als bei den Büchern, die auf deutschem Gebiet spielen.
  • Gab es eine Stelle in Ihrem Buch, an der Sie nicht weiterschreiben konnten oder wollten, weil es gerade so ergreifend/schrecklich war? Inwieweit fiebern Sie persönlich beim Schreiben da überhaupt mit?
    Portrait
    Nun ja. Das Schreiben ist, wenn es gut läuft, wie eine Art Rausch. Da die Handlung selber aber durchaus nüchtern geplant wird - bei Stubbe handelt es sich ja um einen Fall, bei dem zahlreiche historische Eckdaten zu berücksichtigen sind - kann bei einem solchen Thema schon einmal ein mulmiges Gefühl aufkommen. Angesichts des Eintauchens in die fiktive Psyche eines so bizarren Täters kann einem schon manchmal ziemlich mulmig werden. Da hat mich die Arbeit an einem Fach/Sachbuch über School Shootings, Amokläufe von Jugendlichen an Schulen, allerdings sicher abgehärtet. Die Realität ist ungleich bedrückender als die reine Vorstellung.
  • Sind Sie beim Schreiben chronologisch vorgegangen, oder starteten Sie "in medias res" und schrieben dann "häppchenweise"?
    Portrait
    Üblicherweise chronologisch. Es gibt jedoch Szenen, die plötzlich so lebendig im Kopf sind, daß sie einfach rauswollen - die sollen dann auch nicht gezäumt werden. Das sind dann Inseln, zu denen im laufe der chronologischen Schreibarbeit aufgeschlossen wird.
  • Ja, wir meinten in der Tat die Romane, daher war Ihre Antwort goldrichtig. Schwenken wir nun weiter zu Ihrem Buch: Es geht um den im 16. Jahrhundert als Werwolf verurteilten Peter Stubbe, der mehrere Menschen brutal ermordert haben soll. Wie sind Sie darauf gekommen, gerade diese Thematik in Ihrem Roman abzuhandeln?
    Portrait
    Ein guter Freund und Arbeitskollege ist Kriminologe und Experte für Serienmord. Das brachte die Idee, ein Buch über einen Serienmörder zu schreiben. Und da ich Historische Romane schreibe, war die Kombination aus seiner psychologisch-kriminologischen Expertise über das "Innenleben" eines Serienmörders und dem wohl ersten neuzeitlichen deutschen Serienmordfall, der international sozusagen durch die Regenbogenpresse ihrer Zeit ging, natürlich sehr reizvoll.
Anzeige
BuecherTreff.de in den Medien