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Interviews

Hier beantworten Autoren Eure Fragen. Hast Du auch eine Frage, so kannst Du sie auf der jeweiligen Autorenseite über den kleinen Fragezeichen-Button einreichen. Eine Auflistung der Autoren, die Fragen beantworten, findest Du hier.

  • Viele dieser kleinen Geschichten und Anekdoten werden im Buch nicht zu Ende erzählt, sondern nur angedeutet (wie z. B. der Witz von Sir Glamor). Besteht die Möglichkeit, dass man deren Auflösung irgendwo nachlesen kann?
    Portrait
    Der Witz von Sir Glamor ist eher eine Parodie auf eine bestimmte Art von Witzen, die in Russland sehr verbreitet sind und alle nach dem Prinzip beginnen: »Ein Russe, ein Amerikaner und ein Franzose landen auf einer einsamen Insel voller Menschenfresser ...« oder auch: »Ein Programmierer, ein Klempner und ein Politiker fahren in einem Zug ...« Einige dieser Witze sind wirklich komisch. In der Regel nutzen sie die stereotypen Vorstellungen von verschiedenen Völkern oder Berufen, wobei der Erzähler sich meist über das eigene Volk oder den eigenen Beruf lustig macht. Für den Witz, den Sir Glamor erzählt, habe ich mir kein Ende ausgedacht, aber ich kann einen anderen Witz dieses Typs erzählen, damit die Struktur klar wird: »Ein Japaner, ein Deutscher und ein Russe werden von Wissenschaftlern im Rahmen eines Experiments einzeln in hermetisch abgeriegelte Räume geschlossen. Jeder von ihnen bekommt zwei große Metallkugeln. Nach einer Wochen werfen die Wissenschaftler wieder einen Blick in die Räume. Der Japaner hat die Kugeln in ästhetisch vollendeter Form in die Mitte des Zimmers gelegt, sich hingesetzt und angefangen zu meditieren. Der Deutsche hat aus den beiden Kugeln irgendeine Maschine gebaut. Bei dem Russen findet sich jedoch nicht mehr auch nur die geringste Spur der Kugeln! Da fragen die Wissenschaftler ihn: ›Was hast du mit den Kugeln gemacht?‹ Und er antwortet: ›Eine habe ich zerbrochen, die andere verloren ...‹ Wenn wir dieses Prinzip auf den Witz von Sir Glamor übertragen, hat er also vermutlich die Ritter veräppelt. :) (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Es gab bei Trix Solier so viele kleine Geschichten, witzige Handlungen, Anspielungen... Haben Sie sich all diese Dinge schon vorher zurechtgelegt und sie dann in die Handlung mit eingebaut oder fallen sie Ihnen eher spontan ein?
    Portrait
    In der Regel kommen mir diese Ideen während des Schreibens. Das ist im Grunde der angenehmste Teil beim Schreiben: sich solche kleinen komischen »Schmankerln« für den Text auszudenken. Aber einige Szenen und Witze hatte ich schon im Hinterkopf – die haben nur auf ihre Stunde gewartet. (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Autorentätigkeit

    Sie haben bereits viele Romane geschrieben. Trix Solier ist etwas vollkommen Neues. Können Sie sich vorstellen, auch noch andere Genres zu erobern? Wenn ja, welche und welche auf keinen Fall?
    Portrait
    Ich habe immer versucht, die Genres zu variieren, denn das ist für mich selbst interessanter. Schon seit einiger Zeit schreibe ich nebenher an einem Krimi der ganz klassischen Art, mit einem Detektiv, seinem Assistenten und einem gerissenen Verbrecher. Was mir offenbar gar nicht liegt, ist der Horrorroman, obwohl ich die Werke von King und Koontz sehr gern lese; aber irgendwie habe ich überhaupt keine Lust, solche Sachen selbst zu schreiben. (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Autorentätigkeit

    Wie sieht Ihr Arbeitstag aus? Stark strukturiert an einem bestimmten Ort oder arbeiten sie immer so, wie und wo es gerade passt?
    Portrait
    Früher, als ich gerade angefangen hatte zu schreiben, war ich eine Nachteule. Da hat es mir gefallen, abends oder sogar nachts zu arbeiten, wenn alle anderen schliefen. (Oh, meine Nachbarn und meine Frau dürften entzückt vom Gehämmer auf meine alte Schreibmaschine gewesen sein!) Aber als die Schriftstellerei für mich nicht länger nur ein Hobby war, sondern ich sie zu meinem Beruf gemacht habe, ist mir klar geworden, dass mir die Arbeit tagsüber besser von der Hand geht. Daher setze ich mich heute etwa um neun vor den Computer und fange an zu schreiben. Das geht so lange, wie ich in Arbeitslaune bin. Manchmal sind das nur zwei, drei Stunden, manchmal acht oder neun, bis zum Abend. Am liebsten arbeite ich natürlich zu Hause. Im letzten Jahr habe ich jedoch den ganzen Sommer mit meiner Familie am Meer verbracht, auf Sizilien. Da es mir leid getan hätte, drei Monate zu verlieren, habe ich versucht, auch dort zu schreiben. Zu meiner eigenen Überraschung hat sich gezeigt, dass es sich sehr gut arbeiten lässt, wenn du im Sommer auf einer Terrasse sitzt und aufs Meer guckst. :) (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Persönliches

    Zum Schluss möchten wir gerne wissen: Alles richtig gemacht im Leben?
    Portrait
    Das wäre ja langweilig! (Lacht) Und nicht menschlich! Und ich würde sogar noch weiter gehen: Fehler, Bauchlandungen, Krankheiten – gerade sie bringen uns weiter, weil sie uns dabei helfen, uns weiter zu entwickeln und zu erkennen, worauf es im Leben wirklich ankommt. Man darf sich nur nicht unterkriegen lassen!
  • Persönliches

    Sie machen einen ausgeglichenen, fröhlichen, lebensbejahenden Eindruck. Welche Themen stimmen Sie nachdenklich und traurig?
    Portrait
    Eines dieser Themen habe ich ja gerade schon angesprochen: der respektlose, egoistische Umgang mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen, womit ich nicht zuletzt gerade die Menschen meine, die nicht, wie wir Europäer, mit einem "goldenen Löffel" zur Welt gekommen sind. Damit will ich nicht behaupten, alle Europäer besäßen den berühmten goldenen Löffel. Auch hier gibt es große Unterschiede, aber ernsthaft mit den vielen, in größter Not lebenden Menschen der Dritte-Welt-Länder (welch grauenhaftes Wort!) wird sich kaum jemand ernsthaft vergleichen wollen. (Achtung: ich sage "kaum jemand", nicht "niemand"!) Kriege, Attentate, Vergewaltigungen und Kindesmisshandlungen machen mich traurig, betroffen und wütend - und diese Liste ist damit noch lange nicht vollständig. Und trotzdem, ja, auch ich selbst würde mich als ausgeglichenen, fröhlichen und lebensbejahenden Menschen bezeichnen. Das "Zauberwort" heißt Hoffnung. Die habe ich noch lange nicht verloren.
  • Persönliches

    Angenommen, es würde die Möglichkeit bestehen, mit einer Zeitmaschine in die Vergangenheit oder Zukunft zu reisen, welches Jahr oder Jahrzehnt würden Sie dann als Reiseziel wählen? In welche Region ginge es?
    Portrait
    Oh, da muss ich überlegen, darüber habe ich noch nie nachgedacht. Obwohl ... eigentlich würde ich genau so weiter leben wollen. Ja, bestimmt sogar. Ich bin mit meinem Leben, so wie es ist, sehr zufrieden; es ist genau das und genau so, wie ich es haben wollte. Und in die Zukunft würde ich schon gar nicht reisen wollen! Da wage ich nicht einmal drüber nachzudenken, wie das alles werden wird, und mir tun die künftigen Generationen schon heute leid. Ein Satz fällt mir dazu ein, den ich mal irgendwo gelesen habe: "Wir haben die Erde nicht von unseren Vorfahren geschenkt bekommen, sondern nur von unseren Kindern geliehen."
  • Buch: Die Maurin

    Wäre es nicht auch reizvoll, den gleichen Geschichtsabschnitt, also das Zurückdrängen der Mauren, aus der Sicht der Spanier zu schreiben?
    Portrait
    Ich denke, das habe ich mit dem Roman bereits gemacht. Bisher haben mir alle Leser einvernehmlich bescheinigt, dass "Die Maurin" ein sehr ausgewogener Roman ist, weil ich keine der beiden Seiten verdamme, nicht urteile oder gar verurteile, sondern mich an die Fakten halte. Es gab auf beiden Seiten Gute und Böse, beide Seiten begehen Grausamkeiten und beide Seiten zeigen Menschlichkeit - und dies wird auch so geschildert. Auch wenn der Titel "Die Maurin" ist und mein Herz sicher eher bei den Mauren ist, schildere ich doch Szenen, welche die Mauren sich nicht ehrenvoll an die Brust heften können.
  • Buch: Die Maurin

    Wie wir bereits wissen, dürfen wir uns auf eine Fortsetzung von "Die Maurin" freuen. Können Sie uns schon jetzt einen kleinen Einblick in die Handlung oder den geschichtlichen Hintergrund bieten?
    Portrait
    Eines kann ich auf jeden Fall verraten: Nach der Reconquista wird der Konflikt zwischen den Christen auf der einen und den Muslimen und Juden auf der anderen Seite noch viel explosiver. Die Reconquista war, trotz aller religiös motivierten Auseinandersetzung, auch sehr viel reiner Gebietskampf. Nachdem dieses Kapitel mit dem Ende der Rückeroberung abgeschlossen ist, rücken die Christen den Juden und den Muslimen noch weit mehr auf den Leib und schrecken dabei auch nicht vor Ausweisungen, Folter und Scheiterhaufen zurück. Sowohl die Königin selbst als auch die Inquisition bringen die Mauren wie die Juden in eine zunehmend verzweifeltere Lage, was natürlich auch Zahras Familie betreffen wird. Aber wie und ob sie sich retten können, kann ich hier natürlich noch nicht verraten.
  • Buch: Die Maurin

    Wie viel Ähnlichkeit hat Zahra mit Ihnen selbst?
    Portrait
    Die Frage hat mir auch noch niemand gestellt, noch nicht einmal im Entferntesten! Na ja, Zahra hat sicher einiges mit mir gemein. Auch ich bin jemand, der "den Mund nicht halten kann", vor allem nicht, wenn es um Unterdrückung jedweder Art geht; auch ich bin jemand, der seinen eigenen Weg geht, egal, was andere darüber denken; auch ich bin jemand, der mit seinem ganzen Herzen für die Verständigung zwischen Menschen, zwischen Völkern, zwischen Religionen eintritt. Und sicher gibt es da noch mehr Parallelen. Mein Mann, der sich als echter Franzose strikt weigert, Deutsch zu lernen und deswegen meine Bücher nicht lesen kann, meint, er bräuchte sie auch nicht zu lesen. Er würde mich kennen – also wisse er, was in meinen Büchern steht. Ich "befürchte", so ganz Unrecht hat er damit nicht.
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