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Interviews

Hier beantworten Autoren Eure Fragen. Hast Du auch eine Frage, so kannst Du sie auf der jeweiligen Autorenseite über den kleinen Fragezeichen-Button einreichen. Eine Auflistung der Autoren, die Fragen beantworten, findest Du hier.

  • Autorentätigkeit

    In Ihren Bücherregalen finden sich viele englischsprachige Originale und auch einige Ihrer Werke sind im Ausland erhältlich. Was bedeutet Ihnen der internationale Erfolg?
    Portrait
    Es ist nett. Es ist wie verreisen und man wird erwartet. Es ist aber auch immer wieder schwer zu glauben, daß es wirklich wahr ist. Es macht aber keinen Künstler aus mir, denn mein Leben hat sich nicht verändert und ist noch immer mein Leben in einer Kornmühle in Deutschland, während meine Bücher in Lyon, Chicago und Warschau ein eigenes Leben führen.
  • Autorentätigkeit

    Sie schreiben am Computer in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund. Wieso? Und gibt es womöglich weitere Besonderheiten in Ihrem Arbeitsstil oder gar "Rituale"?
    Portrait
    Als ich das erste Mal vor einem Monitor saß, dachte ich: Mensch, ist das anstrengend. All das Weiß blendete mich. Dann fand ich heraus, daß ich mir das ernsthaft aussuchen kann. Ich machte mir einen Shortcut und voilà: Plötzlich war alles in Schwarz getaucht und mein Schreiben leuchtete hervor. Das war echt, das war lebendig. Meinen Augen geht es damit seit zwanzig Jahren prima, die habe ich mir als Kind durchs Fernsehen ruiniert und sie sind durch die Monitore nicht schlechter geworden. Wichtig ist für mich auch nichts drumherum zu haben. Keine Menüs auf dem Monitor, kein Firlefanz. Alle wichtigen Befehle sind über Shortcuts zu erreichen. Ich sehe nicht einmal, auf welcher Seite ich bin, sehe nur, wo die neue Seite beginnt. Da bleibt Raum für die Ruhe der Zeilen und nach denen verlangt die Geschichte. Rituale gibt es nicht wirklich welche. Gut muß es riechen. Ob jetzt Räucherstäbchen oder Duftlampen oder ein offenes Fenster im Sommer. Gut muß das Licht sein. Zwei Lampen, ab und zu eine Kerze. Gut muß es auch klingen. Die Musik läuft die ganze Zeit, gibt den Rhythmus vor, bremst ab, läßt Freiraum für alles und treibt mich immer wieder an.
  • Autorentätigkeit

    Wenn Sie Ihren Lesern Einblicke in Ihren ganz persönlichen Arbeitsbereich gewähren, fallen sofort die gefüllten, aber auch geordneten Bücherregale auf. Wie wichtig ist Ihnen diese Ordnung und führt sie sich auch in einer Weise im Schreiben fort?
    Portrait
    Die Ordnung um mich herum dient ganz besonders dem Überblick. Manchmal schwimmt mein Schreibtisch im Chaos und ich merke, wie es die Arbeit bremst. Die Sachen sammeln sich wie Strandgut und ich mache mich dann an die Arbeit, um mittendrin Klarheit zu schaffen. Ohne Klarheit würde es kein Schreiben bei mir geben. Da ist schon genug Chaos in meinem Kopf, das ich zu ordnen versuche. Wenn ich dieses Chaos auch nach außen zur Schau tragen würde, könnte man mich bald in eine Klapse einliefern. Ordnung und Ruhe drumherum ist auch für die Seele beruhigend. Ich bin im elterlichen Chaos aufgewachsen, davon will ich nichts mehr wissen. Eine bestimmte Balance muß herrschen. Praktisch sollte sie auch sein. Deswegen ordne ich die Bücher auch liegend in Stapeln, so daß ich alle Cover lesen kann und nicht wie ein Blödmann jedes Mal den Kopf schräg legen muß, um einen Titel zu entziffern. Aber es gibt keine alphabetische Ordnung, man will es ja nicht übertreiben. Oft bestimmt die Farbe und Größe des Buches seinen Platz. Oft ist es auch sein Wert für mich, wie nahe mir die Geschichte ging. Dann will ich das Buch sehen, wenn ich aufschaue.
  • Autorentätigkeit

    Es gibt eine Menge Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken. Warum ist es bei Ihnen das Schreiben?
    Portrait
    Ich kann nichts anderes. Hand aufs Herz. Schreiben ist für mich wie Atmen, ein fester Teil des Lebens, ein Zustand des Seins. Ich bin auch kein Künstler, der rumläuft und Kunst macht. Dieses Image hat Beuys [deutscher Aktionskünstler, Anm. d. Red.] für mich vollkommen versaut, als er behauptete, in jedem Menschen würde ein Künstler stecken. Da hat damals schon meine rebellische Jugendseele aufgeschrien. Einer von vielen zu sein - grausam. Und Kunst kann ja vieles, aber mich bekommt sie nicht. Ich bin Schriftsteller. Mehr ist da nicht.
  • Das Ende des Romans ist sehr offen, besteht die Möglichkeit das noch weitere Teile von Trix Solier folgen? Oder sind vielleicht sogar schon welche in Planung?
    Portrait
    Die Fortsetzung ist schon geschrieben und in Russland auch schon herausgekommen. Das Buch heißt Neposseda, wörtlich vielleicht so viel wie »Zappelphilipp«, und erzählt von weiteren Abenteuern, die Trix und seine Freunde erleben. Es ist sehr gut aufgenommen worden, und ich hoffe, dass auch die deutschen Leser es bald in Händen halten können. Es ist wirklich noch komischer als das erste, es gibt mehr Abenteuer und vor allem: Es gibt Drachen! (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Die Wächter-Reihe wurde ja verfilmt. Gibt es vielleicht auch Filmpläne für den Roman Trix Solier?
    Portrait
    Es gibt Pläne, gerade laufen die Verhandlungen. Über Details kann ich noch nichts sagen, aber eins will ich doch verraten: Für Trix Solier interessiert sich die vermutlich beste Filmgesellschaft, die sich ein Autor, der Fantasy für Jugendliche schreibt, nur wünschen kann. Ich hoffe sehr, dass alles klappt und der Film zustande kommt. (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Wie eng war die Zusammenarbeit mit der Übersetzerin Christiane Pöhlmann, gerade im Bezug auf einige Redewendungen wie z. B. »Eipottstausend«, woraus der Name »Eipott« für das »In-einer-Hand-Buch« entsteht? Liegt die gute und flüssige Übersetzung hauptsächlich daran, dass sie bereits seit einigen Jahren seine Bücher übersetzt?
    Portrait
    Meiner Ansicht nach ist ein bedeutender Teil meines Erfolges in Deutschland Christiane zu verdanken. Und zwar nicht nur, weil sie literarisch gute Übersetzungen vorlegt, sondern weil sie, und das ist wesentlich wichtiger, die russische Kultur gut kennt und wenn nötig gelungene deutsche Entsprechungen für Witze oder Anspielungen findet, die sonst nur ein Russe versteht. Abgesehen davon ist sie ein netter Mensch, mit dem ich gern zu tun habe. Ich hoffe, es wird ihr auch in Zukunft nicht langweilig, meine Bücher zu übersetzen! (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • In unserer Leserunde waren wir uns einig, dass wir Ihre Anspielungen auf eine bekannte Fast-Food-Kette und das Prinzip, wie diese arbeitet und funktioniert, sehr gelungen und lustig fanden. Denken Sie, dass diese und andere Anspielungen auf Lebensweisen und -einstellungen in den verschiedenen Ländern, in denen Ihr Roman erscheint, auch unterschiedlich wahrgenommen werden?
    Portrait
    Die Reaktionen der deutschen Leserinnen und Leser lassen darauf schließen, dass sie diese Anspielungen genauso aufgenommen haben wie die russischen. Sicher, eigentlich ist jede Art von Fast Food schrecklich – aber was täten wir ohne? Einmal ist es mir selbst übrigens passiert, dass ich Burger King zum besten Restaurant im Michelin erkoren habe, natürlich sehr zur Freude der Kette. Damals war ich mit einer Gruppe von Schriftstellern in Taiwan. Eine Woche lang haben wir chinesisches Essen bekommen, das sehr ungewöhnlich und erstaunlich lecker ist. Es hat uns allen wirklich gut geschmeckt! Aber als wir am siebten Tag dieses kleine Fast-Food-Restaurant erblickten, sind wir reingestürmt und haben ausnahmslos Hamburger und Coca Cola bestellt. Selbst vom vorzüglichsten exotischen Essen kann man irgendwann genug kriegen. (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • In Teil Drei, Ende Kapitel Zwei wird der Tagesablauf eines Magiers geschildert. Ist mit dieser Schilderung vielleicht der Tagesablauf eines Schriftstellers gemeint und vielleicht sogar ihr eigener?
    Portrait
    Vor allem habe ich mich damit natürlich über die Arbeitsweise von Schriftstellern lustig gemacht. Nur dass uns keine Kristallkugel, sondern das Internet vom Arbeiten abhält. Und selbstverständlich entbindet auch ein großer Roman den Schriftsteller nicht von der Pflicht, seiner Frau in der Küche oder seinem Kind bei den Hausaufgaben zu helfen. (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
  • Im Ersten Teil wird ein Gemälde beschrieben. Wir würden gerne wissen ob es wirklich die Mona Lisa darstellen soll oder ob die Phantasie dem Leser dort einen Streich spielt.
    Portrait
    Nein, das ist völlig richtig, das ist die Mona Lisa. Es wäre mir einfach ungebührlich vorgekommen, wenn dieses einmalige Bild in Trix' Welt fehlen würde. (Übersetzt von Christiane Pöhlmann)
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