Mein Problem ist, dass gerade die jüngeren Schülerchens den Unterschied zwischen den unterschiedlichen Sprachebenen nicht mehr kennen - und entsprechend in Aufsätzen keine geraden Sätze mehr hinbekommen. Es geht also offenbar tatsächlich die Sprachkompetenz verloren.
Sprache ist für viele nur noch die Vermittlung von Informationen - schnell, kurz, knapp.
Wenn ich ihnen dann mal mit Goethe o. ä. komme, dann behaupten einige gar voller Entrüstung, dass DAS ja gar kein Deutsch sei.
Da kommt ja noch einiges auf mich zu - ich freue mich jetzt schon auf meine Zeit als Lehrerin.

Spaß beiseite, ich finde es auch sehr erschreckend, wie unsere Sprache, die ich übrigens als sehr schön empfinde, immer mehr verkommt. Es wird meiner Meinung nach aber auch in der Gesellschaft gar kein Bewusstsein dafür geschaffen, dass man z.B. nicht alles schreiben kann, was man sagt und umgekehrt nicht alles sagen kann, was man schreibt. "Lol" habe ich mir im mündlichen Sprachgebrauch Gott sei Dank soweit wieder abgewöhnt. Da fällt mir eine Begebenheit im Zug ein, als ich mit meinem Exfreund unterwegs war: Er las die Traumnovelle von Arthur Schnitzler und ich ausgewählte Erzählungen von Guy deMaupassant auf Französisch. Uns gegenüber saßen zwei Lehrer. Als sie einen Blick auf unsere Lektüren warfen, meinten sie: "Ach, die Jugend liest tatsächlich noch Schnitzler und Maupassant - und wir dachten, dass sei ganz aus der Mode gekommen."

Den Rest der Zugfahrt unterhielten sich die Lehrer übrigens in bestem Kölsch.

Eine Freundin meiner Tante hat es übrigens an ihrem Berufskolleg tatsächlich einmal geschafft mit einer Klasse "Faust I" zu lesen, die Goethe vorher wohl gar nicht (!) kannten, sich aber nach ganz viel Motivation doch dafür begeistern konnten. Es gibt also noch ein klein wenig Hoffnung in diesem Land.