Eigentlich hatte ich nur die reinen Fantasy-Bücher von Markus Heitz auf meiner Wunschliste. Auf der Buchmesse in Leipzig war ich dann bei einem Interview mit ihm zugegen und er konnte mich durch die Vorstellung seines neuesten Buches "Judassohn" doch beeindrucken. Ich dachte immer, wenn ein Fantasy-Autor sich an einer Horrorgeschichte versucht, wird das eher die "Light-Version" davon. Dem war aber nicht so!
Ich fand die beiden Handlungsstränge, zum einen der in Frankreich 1764 als auch den zweiten in der Gegenwart, sehr fesselnd und spannend, wobei mir sogar der in der Vergangenheit spielende besser gefallen hat. Die Atmosphäre in den französischen Wäldern hat Markus Heitz absolut spitze rübergebracht, so dass mir so manches Mal ein kalter Schauer über den Rücken gelaufen ist. Sehr beeindruckt hat mich auch, wie der Autor es geschafft hat, Bilder vor meinen Augen zu erzeugen. Ich konnte mir sowohl die Umgebung als auch die Personen sehr gut vorstellen und im Nachhinein erinnere ich mich an "Ritus" fast wie an einen Film. Der Schreibstil von Markus Heitz ist im Allgemeinen sehr angenehm zu Lesen, jedoch nicht anspruchslos und teilweise fand ich, dass er einen sehr schönen Wortschatz benutzt hat.
Einen der ersten Gedanken, die ich zu Eric, den Protagonisten aus der Geschichte im "Heute" hatte, war: Eine Mischung aus "Blade Light" und einem Actionhelden mit Outlaw-Touch aus einem 80er-Jahre-Actionfilm. Sehr lustig fand ich dann, dass Markus Heitz über genau diese Punkte im kurzen, aber guten Interview im Anhang, gesprochen hat und dies anscheinend auch so beabsichtigt hatte. Besonders sympathisch war mir Eric aber irgendwie nicht. Er scheint ziemlich humorlos zu sein und eine Idee zu perfekt. Zudem fand ich seine Dauergeilheit, die mich an Personen aus Richard Laymons Büchern erinnert hat, und seine daraus resultierenden sexuellen Erlebnisse ein bisschen zuviel des Guten.
Die Personen aus der anderen Geschichte gefielen mir viel besser. Vor allem Jean Chastel und seine beiden Söhne waren beeindruckende Charaktere. Jean ist ein ziemlich strenger und ernsthafter Vater, würde aber alles für seine beiden Söhne tun: Der aufgedrehte und unberechenbare Antonie und der ruhige, nach seinem Vater kommende Pierre. Die Familie hat sich nach dem Tod der Mutter von Gott abgewandt, trifft im Buch aber immer wieder auf die Äbtissin Gregoria, was zu sehr interessanten verbalen Auseinandersetzungen geführt hat.
Die Spannung war allgegenwärtig, auch wenn das Buch im Mittelteil einen kurzen Hänger hatte, als sich die Menschen in Frankreich zur gefühlten hundersten Jagd nach der Bestie gesammelt hatten. Vor allem auch die Actionszenen, und zwar in beiden Handlungssträngen, waren toll beschrieben. Als Markus Heitz im Interview im Buch gesagt hat, er hätte ein paar sehr brutale Szenen herausgeschnitten um das Buch nicht als "ab 18 empfohlen" herausbringen zu müssen, musste ich schon lächeln. Köpfe werden abgetrennt, Gedärme herausgerissen, Kinder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt. Also, gefehlt hat mir hier als Horrorfan wirklich gar nichts.
Sehr interessant finde ich zudem, dass ein Großteil der Handlung aus dem 18. Jahrhundert der Wahrheit entsprach und es die Personen, unter ihnen auch die Familie Chastel, wirklich gegeben hat. Anscheinend passierten diese bestialischen, bis heute ungeklärten Morde wirklich, aber inwiefern sich Markus Heitz genau an historische Fakten gehalten hat, kann ich natürlich nicht sagen.
Ich gebe dem Buch

mit Tendenz nach oben und freue mich sehr auf den Nachfolger "Sanctum", der mir sicherlich bald Gesellschaft leisten wird.