Kvothe hat eine glückliche Kindheit bei der fahrenden Schauspielertruppe seiner Eltern, in der auch er selbst gerne kleine Rollen übernimmt. Von einem alten Weisen, der zeitweise mit der Truppe reist, lernt er einfache magische Bindungen und die Grundlagen der zugehörigen Wissenschaft, und in ihm wächst der Wunsch, eines Tages an der berühmten Universität in Tarbean zu studieren.
Seine Unbeschwertheit endet jedoch jäh, als die ganze Truppe einem rätselhaften Überfall zum Opfer fällt und Kvothe als einziger Überlebender außer der Laute seines Vaters nichts mehr retten kann. Alle Anzeichen deuten auf einen Angriff der Chandrian hin, sagenumwobener Wesen, deren Existenz umstritten ist - doch Kvothe ist sich jetzt sicher, dass es sie gibt.
Im folgenden schlägt er sich mühselig alleine durch und lebt von der Hand in den Mund, bis er den großen Schritt wagt, sich an der Universität zu bewerben, und prompt angenommen wird. Dies bedeutet aber nicht das Ende aller Schwierigkeiten, denn er hat kaum Geld (und das Leben in der Stadt ist ziemlich teuer!) und macht sich mit seiner aufgeweckten Art, seinen überlegenen Fähigkeiten und seiner großen Klappe ziemlich schnell einen Erzfeind ...
Dies ist nur eine sehr grobe Beschreibung des Inhalts dieses wundervollen Buches, die ihm kaum gerecht werden kann. Patrick Rothfuss versteht so zu schreiben, dass man Seite um Seite weiterblättert, auch wenn eigentlich gerade gar nichts Spektakuläres geschieht, allein die wunderschöne Sprache, die ausdrucksvollen Bilder, die vor dem inneren Auge entstehen, und die treffsicheren Beobachtungen menschlicher Eigenschaften und Emotionen lohnen die Lektüre.
Die Fantasy-Elemente sind eher zweitrangig in diesem Buch, von den Chandrian und der Magie (die aber nie als solche bezeichnet, sonderen eher wie eine chemieähnliche Wissenschaft beschrieben wird) abgesehen. Die Musik spielt eine sehr große Rolle und sorgt für einige der schönsten Szenen des Romans, ebenso wie die Wissenschaft und Forschung und die Gegebenheiten an der Universität, in der es so manches Geheimnis gibt, das Kvothe ergründen möchte. Freundschaft und Liebe dürfen natürlich auch nicht fehlen, kommen aber auf unaufdringliche und unpathetische Weise ins Spiel.
Um die eigentliche Geschichte Kvothes rankt sich eine Rahmenhandlung, in deren Verlauf vieles bereits angedeutet wird, was man später im Detail erfährt. Dieser Kniff nimmt jedoch keine Spannung, sondern steigert sie eher, weil man immer gerade so viel im Unklaren gelassen wird, dass man gar nicht anders kann als weiterzulesen und festzustellen, dass die Dinge doch anders verlaufen sind, als man geglaubt hätte.
Ein äußerst gelungenes Fantasy-Debüt mit feinem Humor, wohldosierten Emotionen und einer differenzierten Charakterzeichnung. Mehr davon!!