Bewertungen

Krebsstation 1 wurde insgesamt 9 mal bewertet. Die durchschnittliche Bewertung liegt bei 4,6 Sternen.

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Rezensionen zum Buch

  • Rezension zu Krebsstation 1

    Ein grandioser Roman, den ich wärmstens empfehlen kann!
    Der Handlungsort ist wie der Titel bereits verrät eine Krebsstation in der ehemaligen UdSSR. Man schreibt das Jahr 1955, zwei Jahre nach Stalins Tod, eine Zeit, in der die Hoffnung wieder aufflammt, und eine evtl. Amnestie in Aussicht steht.
    Der Roman beschreibt den Tagesablauf in der Krebsklinik, den Krankheitsverlauf von Krebs und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, die einzelnen Patienten und deren Angehörigen, die Ärzte, Krankenschwestern sowie das sonstige Personal, die Gedanken der Figuren und deren Geschichten. Also sehr umfangreich.
    Die Erzählung beginnt mit der Einweisung Rusanows. Diese Figur ist ein hoher Funktionär, der keinen Platz im Moskauer-Krankenhaus ergattern konnte, und so in diese Provinz-Klinik aufgenommen wird. In seinem privaten Pyjama sticht er ganz eindeutig wie eine bunte Kuh hervor. Er ist ein Privilegierter und Mitglied des Obersten Gericht. Seine Ehefrau trägt auch den schönen Namen „Kapitalina“. Eine Geschwulst am Hals, die ständig wächst und größer wird, so dass er seinen Kopf kaum noch bewegen kann, quält Rusanow. Der Leser mag zu Beginn noch Mitleid mit ihm haben, doch nach und nach entpuppt sich sein wahres Gesicht. Er ist ein Verräter und Anschwärzer, der die „untreuen“ Genossen aus dem System herausfiltert, der sie abführen lässt ins Nirgendwo, und dem auch schon mal „eine Nase nicht passt“ und diese staatsfeindlichen Objekte dann ins Lager bringt.
    Dann ist da Oleg, die autobiographische Figur von Solschenizyn selber. Einer, der für Nichts im Lager war und dann auf ewig verbannt wird, bis ihn der Krebs befällt, er in die Klinik kommt, behandelt wird und chancenlos entlassen wird.
    Was direkt klar ist, ist sicherlich, dass der Roman einen Vergleich aufstellt. Was ist die Krebsstation in der alle gleich untergebracht werden, alle DIE Einheitstracht tragen, alle das gleiche essen, und es eben zwischen Rang und Herkunft keine Unterschiede gibt? Der kommunistische Gedanke.
    Auch dass alle gleich „dumm“ gehalten werden, weil die Ärzte die Vorschrift haben, den Patienten über den Verlauf und die Überlebenschance im Unklaren zu lassen. Nur der, der hartnäckig nachfragt, erhält hin und wieder eine Aussage. Man versetzt also die Insassen in eine Art von “Angst und Schrecken”, so dass sie alles über sich ergehen lassen, macht sie gefügig und zu prinzipientreue Staatsbürger.
    Aber das Buch ist keine Abrechnung mit dem Kommunismus, sondern eine Abrechnung mit dem System und ihren Diktatoren. Solschenizyn, das liest man durch die Zeilen durch, ist kein Staatsfeind, er ist ein „sittlicher Sozialist“! Und „Rusanow ist die Krebsgeschwulst der Gesellschaft!“ (Vorwort von Heinrich Böll)
    Selten habe ich so einen aussagekräftigen Roman gelesen, der so viel umschreibt und vergleicht, und dennoch so angenehm zu lesen ist. Schade dass Solschenizyn nicht mehr solcher Romane geschrieben hat, denn seine meisten Werke sind eher eine Art Bericht oder Protokoll, die sich nur sehr schwer verdauen lassen. Dieser etwas lockerere Schreibstil hat mir persönlich wohliger gefallen.
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Ausgaben von Krebsstation 1

Taschenbuch

Seitenzahl: 256

Hardcover

Seitenzahl: 735

Besitzer des Buches 26

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