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Ursula Poznanski - Saeculum

      Nachdem ich im letzten Jahr "Erebos" von Ursula Poznanski zum Geburtstag geschenkt bekommen habe und sehr begeistert von diesem Buch bin, waren meine Erwartungen an "Saeculum" nicht gerade niedrig, klang der Inhalt für mich doch sehr verlockend.

      Am Anfang des Buches konnte ich direkt in die herrliche Welt der Mittelaltermärkte eintauchen, die ich selbst gern besuche. Sofort konnte ich mir die einzelnen Charaktere gut vorstellen und musste bei so mancher Beschreibung auch ein wenig schmunzeln. Bastian war mir direkt sympathisch, Sandra gefiel mir am Anfang mittelmäßig, bei Iris war ich beispielsweise sehr gespannt, wie sie sich im Laufe des Buches weiterentwickeln würde. Die Bedenken der Gruppe, Bastian zur geheimen Convention mitzunehmen, fand ich durchaus berechtigt, weil ihn außer Sandra niemand kannte, sie sich aber doch fast mühelos gegen die anderen durchgesetzt hat - warum so mühelos, erfährt man dann ja am Ende des Buches.
      Ich konnte Bastians Aufregung, endlich mal etwas Aufregendes in seinem sonst eher soliden Leben zu tun, gut nachfühlen und ich fieberte beim Lesen der Convention mit Bastian richtig entgegen. Die ersten Dämpfer erhält Bastian am Tag der Abreise, als sein Vater ihn zwingen will, ihn zu einem Medizinerkongress zu begleiten. Tapfer setzt er sich gegen den Vater durch, auch wenn er bereit ist zu akzeptieren, dass sein Vater ihm wohl künftig den Geldhahn abdrehen wird. Dann erhält er einen
      seltsamen Warnanruf nicht zur Convention zu fahren, den er aber weitestgehend ignoriert. Zunächst verspricht die Convention einige abenteuerreiche, aber freudige Tage, doch zunehmend entwickelt das Ganze zu einer Katastrophe.
      Iris wurde mir immer sympathischer, doch leider sind ihre Ängste nicht unberechtigt. Dem Großteil der Convention-Teilnehmer konnte ich mit zunehmender Handlung immer weniger abgewinnen, mit Lisbeths Charakter konnte ich mich am Ende aber noch aussöhnen.

      Leider hat mir die Auflösung der mysteriösen Geschehnisse überhaupt nicht gefallen, was vor allem daran lag, dass einige Charaktere sich als richtig mies und skrupellos herausgestellt haben, was ich nicht gedacht hätte. Im Gegensatz zu Erebos gab es, so finde ich jedenfalls, am Ende auch keine richtige Aufarbeitung der Geschehnisse. Ein spezieller junger Herr meinte ja am Ende, dass er mit seinem Verhalten weiter so durchkommen würde und Bastian ihm verzeihen würde. Ich fand es gut, dass Bastian es nicht tat. Krass fand ich auch, wie willig einige der Beteiligten der Convention waren und keine moralischen Bedanken hatten. Schadenfroh war ich auch bei den Begegnungen zwischen Iris und Sandra und Iris und Lisbeth, weil Sandra ihr Fett wegbekommen hat.
      Da das Buch aber die meiste Zeit spannend geschrieben war und ich es auf den letzten 200 Seiten gar nicht mehr aus den Hand legen konnte, vergebe ich :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: .
      ~Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.~
      - Heinrich Heine -

      Gelesene Bücher 2013/2014: 26/22
      Abgebrochen: 1

      :study: Philipp Pullman - Der Goldene Kompass

      lt. Loewe Verlag auf Facebook :

      Seit heute gibt es "Saeculum" von Ursula Poznanski endlich als #eBook!

      An alle Poznanski-Fans, bitte teilt diesen Post!
      "Ein gutes Buch ist wie ein erholsamer Kurztrip aus dem Alltag."
      »Verlass das Haus nie ohne ein Buch.« Edward Gorey
      "Zu Hause ist da, wo deine Bücher sind" SILBER - Kerstin Gier
      Allein schon der Titel „Saeculum“ und die düster anmutende Aufmachung des Covers, das ganz in schwarz-weiß gehalten ist, lassen eine spannende Geschichte erahnen. Da ich mich selbst in der Mittelalter-Szene bewege, habe ich mich umso mehr auf das Buch gefreut und Frau Poznanski hat mich auch nicht enttäuscht. Mit ihrem Jugendroman trifft sie wieder genau den Geist der Zeit.

      Von der ersten Szene an, die auf einem Mittelaltermarkt mit all seinen Attraktionen spielt, fühlte ich mich selbst mitten in das Geschehen hineinversetzt. Ursula Poznanski erzeugt vor allem bei den Geschehnissen im Wald eine unglaublich dichte und düstere Atmosphäre, die dem Leser regelmäßig eine Gänsehaut beschert. Die Schauplätze werden äußerst bildhaft und Emotionen nachvollziehbar dargestellt. Spannung ist vom Anfang bis zum Schluss vorhanden, sodass man sich kaum vom Gelesenen losreißen kann, sich voll und ganz in „Saeculum“ verliert und regelrecht selbst ein Teil davon wird. Die Geschichte ist sehr gut durchdacht und war für mich zu keinem Zeitpunkt vorhersehbar.

      Bemerkenswert ist die detaillierte Ausarbeitung sämtlicher Charaktere. Einige lernt man recht schnell einzuschätzen, andere hingegen weniger, erst in brenzligen Situationen zeigen sie ihr wahres Gesicht. Da man sich aber in (fast) jeden einzelnen Spieler hineinversetzen kann, kann man dennoch ihr Verhalten nachvollziehen. Schließlich ist es irgendwann mir schwer gefallen nicht an einen Fluch zu glauben, als sich eine Vorhersage nach der anderen erfüllt.

      Die Protagonisten Bastian und Iris, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, sind zwei sehr liebenswerte Personen, wenngleich mir zunächst nur Bastian auf Anhieb sympathisch war. Obwohl er äußerlich einen typischen Streber darstellt und als Sohn eines reichen Chirurgen etwas verwöhnt wirkt, zeugen die Gründe für sein Verhalten gegenüber seinem Vater und warum er ein Medizinstudium eingeschlagen hat, von einem absolut bewundernswerten Charakter, was er später, während den Geschehnissen im Wald, auch mehrmals unter Beweis stellt. Bastian ist äußerst hilfsbereit, entwickelt ein gutes Gespür für die Menschen, die er vor kurzem erst kennen gelernt hat und begegnet jedem unvoreingenommener Dinge. Er besitzt viel Durchhaltevermögen, bleibt bei allen Streitereien stets fair und legt in Bezug auf Iris einen starken Beschützerinstinkt an den Tag. Die einzige Schwäche ist seine Naivität in manchen Situationen, in denen die Begebenheiten für den Leser offensichtlich sind.

      Die musikalische Iris machte anfangs aufgrund ihres Äußeren und abweisenden Verhaltens einen leicht verschrobenen Eindruck. Erst nach und nach gewinnt sie Vertrauen zu Bastian und weiht ihn in ihr Geheimnis ein. Trotz ihrer Vergangenheit begegnet sie ihren Mitmenschen sehr direkt und kann auch ganz witzig sein. Neben allen anderen Charakteren, z. B. der wunderschönen Lisbeth, der kühlen Sandra oder dem selbstsicheren, etwas überheblichen Paul, fand ich Iris am interessantesten.

      Ursula Poznanski stellt mit den mittelalterlichen Rollenspielern sehr gut die Gruppendynamik dar, wie sich einander gegenüber in gewöhnlichen Situationen verhalten und wie sich die Menschen verändern, wenn sie in eine bedrohliche Lage geraten. Sehr gut gelungen ist auch der Schluss, der einige Zeit nach den Geschehnissen im Wald handelt. Hier wird auf die wichtigsten Personen der Geschichte, wie sich nach dem Erlebten verändert und welche persönliche Weiterentwicklung sie durchgemacht haben, eingegangen.

      „Saeculum“ ist ein absolut glaubhafter und überaus spannender Roman mit erstklassigen Charakteren, der Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen begeistert!

      :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb:

      Kapo schrieb:

      Steffie schrieb:

      Es gibt, verteilt im ganzen Buch, immer mal wieder eine komplett schwarze Seite, die nur mit einem spärlichen Dialog gefüllt ist. Und was mir daran besonders gefällt: man versteht diese Dialoge tatsächlich erst am Ende und kann inmitten der Geschichte immer nur wieder Rätselraten. Ich liebe sowas, weil es es zum mitdenken anregt und neugierig macht und man auf diese Weise das Buch erst recht nicht mehr weglegen kann.
      Ich mag das eigentlich auch, aber hier fand ich es total sinnlos.
      Kapos Meinung kann ich mich anschließen. Die Dialoge konnte ich auch nach Beenden des Buches nicht wirklich zuordnen oder den Sinn dahinter verstehen, weil sie aus dem Zusammenhang gerissen wirken und ja geführt werden mussten bevor die ganze Geschichte des Rollenspiels stattfand.

      €nigma schrieb:

      tiana schrieb:

      "Erebos" habe ich noch nicht gelesen, werde es aber schnellstmöglich nachholen.

      Das solltest Du unbedingt tun. Es ist anders, aber genauso fesselnd. :thumleft:
      Dann weiß ich schon, welches Buch mich beim nächsten Büchereinkauf auf jeden Fall nachhause begleiten darf :D
      Also ich verstehe all die schlechten Bewertungen überhaupt nicht. Vor etwa zwei Wochen habe ich das Buch gelesen und ich fand es richtig toll. Es hat mich gefässelt wie auch die anderen Bücher. Da es im Hauptteil eher mystisch wirkte war es nicht ganz mein Genre und trotzdem habe ich kaum etwas daran auszusetzen. Von mir bekommt Saeculum :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: .
      "Don't worry be happy!" :D (Meher Baba)
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